Foolish Wives
★★★½

Watched 01 Oct 2024

1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)
∆ Kapitel 16

Törichte Frauen
Foolish Wives
USA 1922
R.: Erich von Stroheim
142 Min.


Wer dachte, der Größenwahn D. W. Griffiths hätte das junge Hollywood geprägt, hat noch nichts von Erich von Stroheim gehört. Dabei sieht Törichte Frauen (ehemals: Närrische Weiber), wenn man nur einmal rein optisch den Vergleich zu einem, sagen wir einmal, Intoleranz setzt, gar nicht mal so monumental aus. Dennoch ist Törichte Frauen die erste
Studio-Produktion Universals, die über eine Million Dollar (heute fast 19 Millionen) gekostet hat und wurde damit zu einem der bis dato teuersten Filme aller Zeiten.

Stroheim hat das Produktionsbudget so merklich überreizt, dass er aus Werbezwecken $troheim genannt wurde. So ließ er für wenige Minuten Bildschirmzeit die komplette Innenstadt Monte Carlos nachbauen. Etliche Komparsen in zeitgenössischen Kostümen belagern das Szenenbild.
Überall kreucht und fleucht es. Stroheim gönnt dem Publikum auch in der Bildkomposition kaum eine Erholung. Er ist eben ein Mann der Superlative.

Die ursprüngliche Fassung von Törichte Frauen sollte fast sieben Stunden lang sein und über zwei Abende gezeigt werden. Hier intervenierte das Studio plötzlich, veröffentlichte eine kürzere Fassung. Die zweieinhalb Stunden, die heute rekonstruiert wurden, sind nur ein vielbeschrienes Skelett dessen, was hätte sein können. Aber sie geben einen exzellenten Einblick in das Handwerk und die Visionen eines Einzelkämpfers.
Sagen wir: eines egozentrischen Einzelkämpfers. Gerne möchte ich mir vorstellen, dass Stroheim, der sich selbst in die Hauptrolle des Hochstaplers Graf Karamzin besetzt, im feinen Zwirn der weißen Uniform und die lange dünne Zigarette rauchend, nicht so weit von dem entfernt ist, was er dort auf der Leinwand spielt. Ein aalglatter aber höchst charmanter Schmeichler und Manipulator, den man nur allzu gerne bei seinem hinterlistigen Treiben beobachtet.

Tatsächlich überschreitet Stroheim Grenzen. Nicht nur finanzieller Natur. Mit Törichte Frauen inszeniert er einen für damalige Verhältnisse äußerst schamlosen, ja gar frivolen Film. Es geht um Verführung und Betrug. Es wird schon, einem 1922 gemäß, leicht schlüpfrig.
Wie Graf $troheim damit durchkommen konnte, ist fraglich. Wie seine tatsächliche Vision ausgesehen haben muss, erst recht. Was bleibt ist ein spannendes Stück früher Filmgeschichte, das zum Glück in Ansätzen gerettet werden konnte.


Noch 985 Filme.
Noch 11 Jahre, 4 Tage

{Gesamtspieldauer: 1.716 Minuten}


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