Intolerance: Love's Struggle Throughout the Ages
★★★

Watched 15 Jun 2024

1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)

∆ Kapitel 5

Intoleranz / Die Tragödie der Menschheit
Intolerance
USA 1916
R. D. W. Griffith
197 Min.

Intoleranz ist ein epischer Film im grundlegendsten Sinn seiner Wortbedeutung. Aufwendig, teuer und überambitioniert. D. W. Griffith verwebt in diesem Monumentalfilm vier Episoden aus unterschiedlichen historischen Epochen, die sich nicht nur lose um das titelgebende Thema drehen. Dabei strapaziert er durch seine ausgeklügelten Parallelmontagen und Verschachtelungen die Seherfahrung der damaligen Zuschauer:innen so sehr, dass Griffith nicht nur den bis dato teuersten Film aller Zeiten, sondern auch den ersten gravierenden Flop der Filmgeschichte gedreht hat. Selbst nach heutigen Maßstäben braucht es einige Zeit sich an diese Erzählform zu gewöhnen.
Zwei Millionen US-Dollar (heute über 57 Millionen wert) hat Intoleranz gekostet und das sieht man. Das Szenenbild, gerade der Babylon- und Frankreichepisoden, ist überwältigend. Die Episoden quellen über vor abertausenden Komparsen. Die Kulisse von Griffiths Babylon galt noch über Jahre als ein Wahrzeichen Hollywoods. Intoleranz ist maßstabsetzend auf allen Ebenen.

Der Film zeigt aber auch D. W. Griffiths absoluten Größenwahn. Natürlich ist er ein Regisseur, der das Kino gerade aus technischer Sicht maßgeblich nach vorne gebracht hat, dennoch bleibt er aus ideologischer eine stark zu kritisierende Persönlichkeit. Denn Intoleranz ist natürlich keine Entschuldigung für die rassistische Kernaussage von Die Geburt einer Nation, sondern das krasse Gegenteil: Intoleranz klagt das Publikum der Intoleranz an, der Intoleranz nämlich gegenüber seiner Werke. Indem er sein eigenes Schaffen in den Kontext der sich wiederholenden Geschichte einbettet, versucht Griffith nachträglich die Kernaussage seines Films zu relativieren. Eine ziemlich perfide Herangehensweise. Sie blieb beim damaligen Publikum aber unerhört, da sich das Thema an der vom Ersten Weltkrieg gebeutelten Bevölkerung ohnehin vorbeierzählte.

Was bleibt ist der enorme Schauwert Babylons. Das Wissen um die einzigartige Handarbeit, die darin steckt. Die Vision davon, wie der Dreh vonstatten gegangen sein muss. Dieser Aufwand im Kontext eines Mediums, das gerade mal 20 Jahre alt ist, ist das eigentlich Faszinierende an Intoleranz.


Noch 996 Filme.
Noch 11 Jahre, 3 Monate, 20 Tage

{Gesamtspieldauer: 838 Minuten}


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