The Birth of a Nation
★½

Watched 15 May 2024

1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)

∆ Kapitel 3

Die Geburt einer Nation
The Birth of a Nation
USA 1915
R. D. W. Griffith
193 Min.

Es ist eine Schande, dass gerade dieser Film filmhistorisch so bedeutend ist. Doch so wichtig Die Geburt einer Nation aus technischer Sicht sein mag, so fatal ist er aus ideologischer, denn die finale Grundaussage ist folgende: die Nation konnte erst geboren werden, nachdem die weiße Bevölkerung ihre Fehden beiseite geschoben und vereint gegen die Unterdrückung ihres "arischen Geburtsrechts" durch die jüngst befreiten Sklav:innen gekämpft hat.

In Die Geburt einer Nation folgen wir den Nord- und Südstaaten Amerikas durch die Zeit des Bürgerkriegs und Lincolns Ermordung zur Gründung des Ku Klux Klans. Das Problem: Griffith zeichnet letzteren als Retter der Gesellschaft vor der Verrohung der Welt durch die ehemaligen Sklav:innen. Griffith inszeniert die Mitglieder des Klans wie strahlende Helden, Ritter hoch zu Ross, während die PoC als schlampige, irrationale und triebgesteuerte Wesen gezeichnet werden, die im Parlament saufen und die nackten Füße auf den Tisch legen, denen das Tanzen im Blut liegt und die nur zu gerne mal ein paar weiße Mädchen vergewaltigen würden.
Zitat einer Textkachel: "The Ku Klux Klan, the Organisation that saved the South from the anarchy of black rule [...]"

Nennenswerte Schwarze Figuren werden allesamt von weißen Darsteller:innen im Blackface gespielt, historisch wohl dadurch bedingt, dass PoC weiße Menschen nicht berühren durften. Der Rassismus also 1915 noch ganz fest in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Da kam Die Geburt einer Nation gerade recht, denn der Film hat maßgeblich zur Neugründung des Klans beigetragen.
Das Griffith wohl bewusst war, was er da drehte, zeigen die zahlreichen Texteinschübe, die das Dargestellte zu rechtfertigen bzw. relativieren versuchen.

Das Perfide an Die Geburt einer Nation ist also, dass er bei all der zu verurteilenden rassistischen Propaganda die Grundlage für die zeitgenössische Filmsprache gelegt hat.
Griffiths hat mit diesem dreistündigen Werk das erste große Historienepos der Filmgeschichte erschaffen. Dabei entwickelt er die narrativen Möglichkeiten des Films konsequent weiter, setzt außergewöhnliche Schnitttechniken ein und lässt Handlungsstränge parallel laufen. Er nutzt die Kamera in ihrer Beweglichkeit aus und variiert zwischen ausdrucksstarken Nah- und Großaufnahmen. All das ist heute selbstverständlich.
Ohne Die Geburt einer Nation wäre der moderne Film nicht möglich gewesen. Aber warum musste es gerade dieser Stoff sein, der sich deswegen bis heute tradiert?


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{Gesamtspieldauer: 219 Minuten}


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Tycio 🎞️ liked this review