The Last Laugh
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Rewatched 28 Oct 2024

1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)
∆ Kapitel 19

Der letzte Mann
D 1924
R.: Friedrich Wilhelm Murnau
86 Min.

Dies hier ist wohl eines der frühesten Beispiele für eine krasse Intervention des Studios in das Gesamtkonzept eines Regisseurs. Der UFA war Der letzte Mann zu depressiv, weswegen Murnau an seinen Film einen absurd überhöhten Epilog anhängt, der seine intensive Milieustudie in ein unrealistisches Happy End verkehrt. An beißendem Zynismus kaum zu überbieten, aber so wurde der Film dann eben ausgewertet.

Sich das Ende wegzudenken, fällt nicht sonderlich schwer, denn es ist durch den einzigen Zwischentitel des Films schon stilistisch von der eigentlichen Handlung abgetrennt.
Murnau vollbringt hier etwas, das kaum ein Stummfilm vor und nach Der letzte Mann geschafft hat: er erzählt seine Geschichte nahezu ausnahmslos ohne Texteinschübe. Die Handlung ergibt sich vollkommen aus der Inszenierung und dem exzellenten Schauspiel aller Beteiligten. Allen voran Emil Jannings, der mit expressiver Darstellung als gebrochene Erscheinung die Leinwand vereinnahmt und uns nicht nur durch die Geschichte, sondern auch glaubhaft durch das Innenleben seiner Figur führt.
Murnau stellt die Doppelmoral der Gesellschaft zur Schau, die sich allein aus Äußerlichkeiten zehrt, beschreibt die Verkleidung der Uniform als Notwendigkeit zur eigenen Selbstbestimmung. Er greift damit die Angst vor einem Identitäts- und Integritätsverlusts auf, der selbst heute noch brandaktuell ist. Nur die Verkleidung ist eine andere.

Man kann über Der letzte Mann aber nicht sprechen, ohne Karl Freund zu nennen. Bei wenigen Filmen steht der Kameramann ebenbürtig neben dem Regisseur. Hier allemal, denn Freunds Arbeit an Der letzte Mann legt den Grundstein für eine Kameraarbeit, die im späteren Film zum Standard werden wird.
Deswegen ist die Bezeichnung "Entfesselte Kamera" heute zwar kein Alleinstellungsmerkmal mehr, ergo arg zeitgeschichtlich begrenzt, aber als bedeutsame Errungenschaft aus filmhistorischer Sicht noch immer ein Begriff von Bedeutung.
Freund hat die Kamera aus der Begrenzung auf Schwenks und Neigungen befreit und ließ sie den Raum erobern. Am Körper, an Kränen. Auf unkonventionelle Weise. Für unkonventionelle Bilder, die heute schon konventionalisiert sind. Damals aber wie ein Rausch gewirkt haben müssen.
Gerade dadurch verfestigt Freund den Status von Der letzte Mann als eines der Hauptwerke des deutschen Expressionismus. Ganz ohne schiefe und proportionswidrige Theaterkulissen.


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Noch 10 Jahre, 11 Monate, 7 Tage

{Gesamtspieldauer: 2.290 Minuten}


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