Viktor Frankl und die Frage nach dem Sinn
Was junge Menschen über sein Erbe wissen sollten
von P.H. Bloecker | bloecker.wordpress.com
Es gibt Bücher, die man liest und wieder weglegt.
Und es gibt Bücher, die einen nicht mehr loslassen, die still im Hintergrund bleiben, während das Leben weitergeht, und die plötzlich auftauchen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Viktor Frankls „…trotzdem Ja zum Leben sagen”, im englischsprachigen Raum bekannt als Man’s Search for Meaning, gehört zu dieser zweiten Kategorie. Es ist kein angenehmes Buch. Aber es ist eines der ehrlichsten, die je geschrieben wurden.
Frankl war Wiener Psychiater, Neurologe, Überlebender von Auschwitz, Dachau und zwei weiteren Konzentrationslagern. Er verlor seine Frau, seine Eltern, seinen Bruder. Er hatte vor seiner Verhaftung 1942 bereits die theoretischen Grundlagen einer neuen psychotherapeutischen Richtung entwickelt, die Logotherapie. Und in den Lagern, unter den extremsten denkbaren Bedingungen, wurde diese Theorie zur gelebten Praxis. Nicht als Experiment. Als Überlebensstrategie.
Was er dort beobachtete, war schlicht und gleichzeitig revolutionär: Nicht die Stärksten überlebten. Sondern jene, die einen Grund hatten zu überleben.
Der Kern: Sinn im Leben
Frankl stellte eine These auf, die dem Zeitgeist seiner Epoche, und auch dem unserer heutigen Zeit, direkt widersprach: Der Mensch strebt nicht in erster Linie nach Glück. Er strebt nach Sinn.
Das klingt simpel. Aber denken wir einen Moment nach.
Wir leben in einer Zeit, in der Glück vermarktet wird wie ein Konsumprodukt. Happiness-Apps, Achtsamkeitskurse, Selbstoptimierungsratgeber, der Markt ist bekanntlich unendlich wie die Gier. Die Botschaft ist immer dieselbe:
Du musst nur die richtigen Techniken anwenden, die richtigen Gedanken denken, die richtigen Menschen um dich haben, und dann wirst du glücklich sein.
Frankl hätte dazu den Kopf geschüttelt.
Glück, so seine Überzeugung, ist kein Ziel, das man direkt ansteuern kann. Es ist ein Nebenprodukt, es entsteht, wenn man sinnvoll lebt, wenn man gibt, wenn man liebt, wenn man leidet und trotzdem weitergeht. Sozusagen aufsteht. Wer Glück direkt jagt, verfehlt es in der Regel. Wer nach Sinn sucht, findet auf dem Weg dorthin auch das Glück, aber als Begleiter, nicht als Ziel.
„Erfolg, wie Glück, kann nicht ver-folgt werden; er muss sich ergeben.” — so Frankl.
Das ist ein unbequemer Gedanke für eine Generation, der beigebracht wurde, alles optimieren zu können oder gar zu muessen.
Und Glueck ist ein Gefuehl: Gluecksgefuehl. Es vergeht, ist fluechtig.
Das Erbe Goethes und Hesses
Frankl stand nicht allein. Er stand in einer langen deutschen und österreichischen Geistestradition, die den Menschen als sinnsuchendes Wesen begreift, nicht als Lustobjekt im Sinne Freuds, nicht als Machtwesen im Sinne Adlers, sondern als ein Wesen, das Bedeutung gleich Sinn braucht wie Luft zum Atmen.
Goethe kannte das. Faust ist das große literarische Dokument dieser Suche:
Ein Mensch, der alles hat, alles weiß, alles kann, und trotzdem am Rande der Verzweiflung steht, weil ihm der Sinn fehlt. Der Pakt mit Mephisto ist kein Pakt mit dem Bösen im trivialen Sinne. Er ist der verzweifelte Versuch eines Menschen, dem das bloße Funktionieren nicht mehr reicht.
Hesse kannte es auch. Siddhartha, Steppenwolf, Narziss und Goldmund:
Seine großen Figuren sind Sinnsuchende. Sie brechen aus, sie scheitern, sie kehren zurück, sie lernen. Hesse schrieb seine Bücher in einer Zeit des europäischen Zusammenbruchs, nach dem Ersten Weltkrieg, während des Zweiten, und er verstand: In Zeiten des Chaos wird die Frage nach dem Sinn nicht kleiner, sondern größer.
Frankl las Goethe. Er zitierte ihn. Er liebte ihn. Und wer Frankl verstehen will, sollte Goethe soweit wie machbar kennen.
Was Frankl von Freud und Adler unterscheidet
Um Frankls Beitrag wirklich zu würdigen, muss man ihn kurz in die Geschichte der Psychotherapie einbetten.
Sigmund Freud lehrte: Der Mensch wird vom Lustprinzip angetrieben. Das Unbewusste will Befriedigung. Verdrängung und Konflikt entstehen, wenn diese Triebe auf die Realität stoßen.
Alfred Adler lehrte: Der Mensch wird vom Streben nach Macht und Überlegenheit angetrieben, oder, in seiner späteren, milderen Formulierung, nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft.
Frankl lehrte: Beide haben recht, aber beide greifen zu kurz. Über Lust und Macht hinaus gibt es eine dritte, tiefere Dimension: den Willen zum Sinn. Und wenn dieser Wille frustriert wird, wenn ein Mensch keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht, entsteht das, was Frankl existentielle Frustration nannte, und im Extremfall das existentielle Vakuum: eine innere Leere, die sich hinter Langeweile, Aggression, Depression oder Sucht verbirgt.
Das existentielle Vakuum, so Frankl bereits in den 1950er und 1960er Jahren, wird zur Massenerscheinung der modernen Welt. Menschen haben genug zu essen, genug Ablenkung, genug Komfort, und sie fühlen sich trotzdem leer.
Wer heute durch die Kommentarspalten der sozialen Medien scrollt, weiß, wovon er sprach.
Die drei Wege zum Sinn
Frankl unterschied drei Hauptwege, auf denen der Mensch Sinn finden kann:
Erstens: durch das, was wir der Welt geben
Durch Arbeit, Schöpfung, Leistung. Nicht im Sinne von Karriere und Status, sondern im Sinne eines echten Beitrags. Etwas hinterlassen. Etwas bauen, schreiben, lehren, pflanzen, heilen.
Zweitens: durch das, was wir von der Welt empfangen
Durch Liebe, Begegnung, Schönheit. Wenn wir einen anderen Menschen in seiner ganzen Einzigartigkeit sehen und geliebt werden in unserer eigenen. Wenn ein Sonnenuntergang uns trifft oder ein Satz aus einem Buch uns aufschlägt wie ein Fenster.
Drittens: durch unsere Haltung zu unvermeidlichem Leiden.
Das ist der radikalste und der am schwierigsten zu verstehende Weg. Frankl meinte nicht, dass Leiden gut ist oder sein muss. Er meinte: Wenn Leiden unvermeidbar ist, wenn es wirklich keine Möglichkeit gibt, es zu beseitigen, dann ist die letzte menschliche Freiheit die Haltung, die wir ihm gegenüber einnehmen.
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Kraft zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.”
Dieses Zitat wird Frankl oft zugeschrieben, die genaue Quelle ist zwar umstritten, aber der Gedanke ist durch und durch frankl’sch. Es ist vielleicht sein zentralster Gedanke:
Der Mensch kann nicht immer wählen, was ihm passiert. Aber er kann wählen, wie er darauf antwortet.
In Auschwitz hatte Frankl alles verloren, was man verlieren kann. Aber er beobachtete, an sich selbst und an anderen, dass diese letzte innere Freiheit unantastbar blieb. Man konnte sie einem Menschen nehmen wollen. Man konnte sie ihm jedoch nicht wirklich nehmen.
Frankl und die junge Generation heute
Warum ist das alles für euch relevant, für Menschen, die 2026 aufwachsen, in einer Welt voller Optionen, Geschwindigkeit und digitaler Dauerverbindung?
Gerade deshalb.
Die Paradoxie unserer Zeit ist, dass noch nie so viele Menschen so viele Möglichkeiten hatten, und gleichzeitig so viele von Orientierungslosigkeit, Angst und innerer Leere berichten.
Die Psychologen nennen es FOMO (Fear of Missing Out), Overthinking, Burnout. Frankl hätte gesagt: existentielles Vakuum, unter neuen Namen.
Wenn alles möglich ist, wird die Frage Was soll ich wählen? zur Qual. Und dahinter liegt die tiefere Frage, die sich viele nicht zu stellen trauen: Wofür lebe ich eigentlich?
Das ist keine schwache Frage. Das ist die mutigste Frage, die ein Mensch stellen kann.
Frankl hatte keine fertigen Antworten. Die Logotherapie gibt keine Antworten, sie hilft dem Menschen, seine eigene Antwort zu finden. Denn Sinn ist nicht verallgemeinerbar. Was meinem Leben Sinn gibt, muss nicht das sein, was deinem Leben Sinn gibt. Das ist kein Relativismus, es ist eine tiefe Achtung vor der Einzigartigkeit jedes menschlichen Lebens.
Einige streben nach Geld oder Macht. Andere streben nach Reichtum im Sinne von Erfahrungen.
Ein deutsches Wort, das alles zusammenfasst
Es gibt ein deutsches Wort, das in keine andere Sprache wirklich übersetzt werden kann: Sehnsucht.
Sehnen
Sich strecken nach etwas.
Sucht — Sucht, Abhängigkeit, Krankheit. Eine Sucht nach etwas, das man sich streckt zu erreichen.
Sehnsucht ist vielleicht das ehrlichste Wort in irgendeiner Sprache, denn es gibt offen zu: Ich bin süchtig nach etwas, das ich nicht benennen und nicht erreichen kann.
Novalis, der große Frühromantiker, sprach von der blauen Blume als Symbol der Sehnsucht nach dem Unendlichen, nach der Vollendung, nach dem, was hinter der sichtbaren Welt liegt. Er starb mit 28 Jahren, ohne sie gefunden zu haben. Vielleicht war das der Punkt: Sie ist nie ganz zu finden. Das Strecken selbst ist das Leben.
Frankl kannte diese Sehnsucht. Aber er gab ihr eine Richtung: nicht ins Unendliche und Ungreifbare, sondern in die konkrete Begegnung, die konkrete Aufgabe, den konkreten Menschen, der jetzt vor dir steht.
Sinn im Leben — das ist Frankls blaue Blume. Erreichbar. Hier. Jetzt. In dem, was du tust und wie du liebst.
Und womit deine Zeit gleich Lebenszeit verbringst.
Was bleibt
Viktor Frankl starb 1997 in Wien, 92 Jahre alt. Er hatte überlebt, was kaum ein Mensch überlebt hat. Er hatte gelehrt, geschrieben, Tausende von Patienten behandelt, an Universitäten auf der ganzen Welt gesprochen.
Was bleibt?
Ein Gedanke, so einfach und so tief, dass er jeden Morgen neu entdeckt werden muss:
Das Leben fragt uns.
Jeden Tag neu.
Wir antworten mit unserem Tun.
Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr neu.
Nicht mit Worten. Nicht mit Plänen. Mit dem, wie wir aufstehen, wie wir arbeiten, wie wir zuhören, wie wir lieben, wie wir mit dem umgehen, was uns zustößt und was wir nicht ändern können.
Für junge Menschen in einer Zeit der Überforderung und Orientierungslosigkeit ist Frankl keine schwere Lektüre, er ist eine Befreiung. Die Befreiung von der Vorstellung, dass man erst die richtigen Umstände braucht, um sinnvoll zu leben. Man braucht nur die richtige Frage.
Und die lautet nicht: Bin ich heute glücklich?
Sie lautet: Wofür lebe ich? Heute? Und morgen?
P.H. Bloecker ist pensionierter Studiendirektor und schreibt seit 2015 über Bildung, Literatur und das gelebte Leben auf bloecker.wordpress.com und phbloecker.wordpress.com. Er lebt an der Gold Coast, in Queensland in Australien mit seiner Frau Maria Ines und ihrer Familie aus Brasilien.
Als Gymnasiallehrer mit den Faechern Deutsch und Englisch hat er seit 1977 in Berlin Steglitz (Paulen Gymnasium), im Raum LG und DAN (Fritz-Reuter-Gymnsium) sowie in Namibia (DHPS) und in Brisbane als Fachberater fuer Deutsch als Fremdsprache (DaF) gearbeitet, vermittelt 1988 und 1998 durch ZfA / BVA und Goethe – Institut.
Weiterführende Lektüre:
- Viktor Frankl: …trotzdem Ja zum Leben sagen (1946)
- Viktor Frankl: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn (1979)
- Johann Wolfgang von Goethe: Faust I — die Eingangsklagen des Faust
- Hermann Hesse: Siddhartha (1922)
- Novalis: Heinrich von Ofterdingen (1802)
Ca. 1.450 Wörter
bloecker.wordpress.com · Essays on Life & Literature
Viktor Frankl and the Question of Meaning
What young people should know about his legacy

There are books you read and put aside again.
And there are books that never let you go — that stay quietly in the background while life moves on, and then surface unexpectedly precisely when you least expect them. Viktor Frankl’s …trotzdem Ja zum Leben sagen, known in the English-speaking world as Man’s Search for Meaning, belongs to this second category. It is not a comfortable book. But it is one of the most honest ever written.
Frankl was a Viennese psychiatrist and neurologist, a survivor of Auschwitz, Dachau, and two other concentration camps. He lost his wife, his parents, his brother. Before his arrest in 1942 he had already developed the theoretical foundations of a new school of psychotherapy — Logotherapy. And in the camps, under the most extreme conditions imaginable, this theory became lived practice. Not as an experiment. As a survival strategy.
What he observed there was simple and revolutionary at once: it was not the strongest who survived. It was those who had a reason to survive.
The Core: Meaning in Life
Frankl advanced a thesis that ran directly counter to the spirit of his age — and of ours: the human being does not strive primarily for happiness. The human being strives for meaning.
That sounds simple. But let us pause for a moment.
We live in a time when happiness is marketed like a consumer product. Happiness apps, mindfulness courses, self-optimisation manuals — the market, as we know, is as boundless as human greed. The message is always the same: apply the right techniques, think the right thoughts, surround yourself with the right people, and you will be happy.
Frankl would have shaken his head.
Happiness, in his conviction, is not a goal one can aim at directly. It is a by-product — it arises when one lives with meaning, when one gives, when one loves, when one suffers and keeps going regardless. Those who chase happiness directly usually miss it. Those who seek meaning find happiness too along the way — but as a companion, not a destination.
“Success, like happiness, cannot be pursued; it must ensue.” — Viktor Frankl
That is an uncomfortable thought for a generation that has been taught it can optimise everything — and indeed must do so.
And happiness is a feeling. A feeling of happiness. It passes. It is fleeting.
The Legacy of Goethe and Hesse
Frankl did not stand alone. He stood in a long German and Austrian intellectual tradition that understands the human being as a meaning-seeking creature — not as a pleasure-object in Freud’s sense, not as a power-driven creature in Adler’s sense, but as a being that needs meaning the way it needs air to breathe.
Goethe knew this. Faust is the great literary document of this search: a man who has everything, knows everything, can do everything — and yet stands at the edge of despair because he lacks meaning. The pact with Mephistopheles is not a pact with evil in any trivial sense. It is the desperate attempt of a human being for whom mere functioning is no longer enough.
Hesse knew it too. Siddhartha, Steppenwolf, Narcissus and Goldmund: his great figures are seekers of meaning. They break away, they fail, they return, they learn. Hesse wrote his books in a time of European collapse — after the First World War, during the Second — and he understood: in times of chaos, the question of meaning does not grow smaller. It grows larger.
Frankl read Goethe. He quoted him. He loved him. And whoever wants to understand Frankl should, as far as possible, know Goethe.
What Distinguishes Frankl from Freud and Adler
To truly appreciate Frankl’s contribution, one must briefly place him in the history of psychotherapy.
Sigmund Freud taught: the human being is driven by the pleasure principle. The unconscious seeks gratification. Repression and conflict arise when these drives collide with reality.
Alfred Adler taught: the human being is driven by the striving for power and superiority — or, in his later, gentler formulation, for belonging and community.
Frankl taught: both are right, but both fall short. Beyond pleasure and power there is a third, deeper dimension: the will to meaning. And when this will is frustrated — when a person can no longer find meaning in their life — what arises is what Frankl called existential frustration, and in the extreme case the existential vacuum: an inner emptiness that hides behind boredom, aggression, depression, or addiction.
The existential vacuum, Frankl argued as early as the 1950s and 1960s, was becoming a mass phenomenon of the modern world. People have enough to eat, enough distraction, enough comfort — and they feel empty all the same.
Anyone who scrolls through the comment sections of social media today knows exactly what he was talking about.
The Three Paths to Meaning
First: through what we give to the world
Through work, creation, contribution. Not in the sense of career and status, but in the sense of a genuine gift. Leaving something behind. Building, writing, teaching, planting, healing.
Second: through what we receive from the world
Through love, encounter, beauty. When we see another human being in their full uniqueness and are loved in our own. When a sunset strikes us, or a sentence from a book opens in us like a window.
Third: through our attitude toward unavoidable suffering
This is the most radical and the hardest to understand. Frankl did not mean that suffering is good or that it must be. He meant: when suffering is unavoidable — when there is truly no possibility of removing it — then the last human freedom is the attitude we take toward it.
“Between stimulus and response there is a space. In that space lies our power to choose our response. In our response lies our growth and our freedom.”
This quotation is often attributed to Frankl — the exact source is disputed — but the thought is thoroughly Franklian. It is perhaps his most central idea:
But they can choose how they respond to it.
In Auschwitz, Frankl had lost everything that can be lost. But he observed — in himself and in others — that this last inner freedom remained untouchable. One could try to take it from a person. But one could not truly take it.
Frankl and the Young Generation Today
Why does any of this matter to those of you growing up in 2026, in a world full of options, speed, and constant digital connection?
Precisely because of that.
The paradox of our time is that never have so many people had so many possibilities — and simultaneously, never have so many reported feelings of disorientation, anxiety, and inner emptiness. Psychologists call it FOMO (Fear of Missing Out), overthinking, burnout. Frankl would have said: existential vacuum, under new names.
When everything is possible, the question What should I choose? becomes a torment. And behind it lies the deeper question that many dare not ask: What am I actually living for?
That is not a weak question. It is the most courageous question a human being can ask.
Frankl had no ready-made answers. Logotherapy does not supply answers — it helps each person find their own answer. Because meaning is not generalisable. What gives my life meaning need not be what gives yours meaning. This is not relativism; it is a profound respect for the uniqueness of every human life.
Some strive for money or power. Others strive for richness in the sense of experience.
A German Word That Says It All
There is a German word that cannot truly be translated into any other language: Sehnsucht.
Sehnen — to stretch oneself toward something.
Sucht — addiction, dependency, compulsion. An addiction to something one stretches to reach.
Sehnsucht is perhaps the most honest word in any language, because it admits openly: I am addicted to something I cannot name and cannot reach.
Novalis, the great early Romantic, spoke of the blaue Blume — the blue flower — as the symbol of Sehnsucht: the longing for the infinite, for completion, for what lies beyond the visible world. He died at twenty-eight without finding it. Perhaps that was the point: it is never fully found. The stretching itself is the life.
Frankl knew this longing. But he gave it a direction — not into the infinite and the intangible, but into the concrete encounter, the concrete task, the concrete person who stands before you now.
Sinn im Leben — meaning in life — that is Frankl’s blue flower. Reachable. Here. Now. In what you do and in how you love.
And in how you spend your time — which is to say, your life.
What Remains
Viktor Frankl died in Vienna in 1997, aged ninety-two. He had survived what almost no human being survives. He had taught, written, treated thousands of patients, spoken at universities across the world.
What remains?
One thought, so simple and so deep that it must be rediscovered every morning:
Every day anew.
We answer with what we do.
Every day, every week, every month, every year anew.
Not with words. Not with plans. With how we get up, how we work, how we listen, how we love, how we deal with what happens to us and what we cannot change.
For young people in a time of overwhelm and disorientation, Frankl is not heavy reading — he is a liberation. The liberation from the idea that one first needs the right circumstances to live with meaning. One only needs the right question.
And it is not: Am I happy today?
It is: What am I living for? Today? And tomorrow?
Further Reading
- Viktor Frankl: Man’s Search for Meaning (1946 / English 1959)
- Viktor Frankl: The Will to Meaning (1969)
- Johann Wolfgang von Goethe: Faust, Part One — Faust’s opening lament
- Hermann Hesse: Siddhartha (1922)
- Novalis: Heinrich von Ofterdingen (1802)
P.H. Bloecker is a retired Director of Studies and has been writing about education, literature, and the lived life since 2015 at bloecker.wordpress.com and phbloecker.wordpress.com. He lives on the Gold Coast, Queensland, Australia with his partner Maria Inés and her family.
As a secondary school teacher of German and English / American Studies he worked from 1977 in Berlin-Steglitz (Paulsen-Gymnasium), in the Lüneburg / Dannenberg region (Fritz-Reuter-Gymnasium), in Namibia (DHPS Windhoek), and in Brisbane as Language Adviser for German as a Foreign Language (DaF), seconded in 1988 and 1998 by the ZfA / BVA and the Goethe-Institut.
approx. 1,450 words









































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