
Wort zum Wochenende.



Fortsetzung von „Geteiltes Leid ist halbes Leid“.
Wir haben uns zusammengesetzt und mit der Unternehmensleitung gesprochen. Ein Gespräch, auf das wir uns lange vorbereitet hatten und in dem wir offen und ehrlich – vielleicht sogar schärfer, als erwartet – gesagt haben, wie es uns gerade geht. Und tatsächlich: Wir sind gehört worden. Uns wurde signalisiert: Wir verstehen euch, wir schätzen eure Offenheit, danke, dass ihr das so deutlich benennt. Mit diesem Gefühl sind wir nach Hause gegangen – erleichtert, fast ein bisschen hoffnungsvoll.
Aber am nächsten Morgen, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, sah es anders aus. Denn zwischen den Zeilen stand etwas, das ich erst später klar gehört habe: Das sind eure Probleme. Ihr müsst euch besser strukturieren. Wir werden weder Abläufe noch die grundsätzliche Art des Arbeitens ändern. Und da war er wieder, dieser Kloß im Hals, dieser schmerzende Kopf.
Kennt ihr das? Diese Art von Gesprächen, die so professionell geführt werden, dass man fast dankbar ist, sich endlich einmal alles von der Seele geredet zu haben – nur um im Nachhinein zu merken, dass es ein leeres Ritual war. Dass die Leitung das Vokabular der Empathie perfekt beherrscht, aber nicht den Willen zur Veränderung hat? Es kommt einem fast wie ein geschicktes Manöver vor: Man fängt den Frust der Mitarbeitenden auf, signalisiert, dass man ihre schlechte Stimmung ja auch schlimm findet – und gleichzeitig lässt man alles so, wie es ist.
Manchmal frage ich mich, ob das überhaupt noch echte Gespräche sind. Oder nur gut einstudierte Trostpflaster, die verhindern sollen, dass man weiter aufbegehrt.

(Fortsetzung von So stirbt die Freude an einem Traumjob)
Vergangene Woche habe ich meinen Mut zusammengenommen und mit den engsten Kolleginnen meiner Abteilung über das geredet, was mich schon so lange belastet. Ehrlich gesagt dachte ich ja, ich wäre vielleicht einfach zu empfindlich oder zu dünnhäutig oder zu unflexibel. Aber das Gespräch hat schnell gezeigt: Wir spüren alle denselben Frust. Eine nach dem anderen sagte: „Mir geht’s genauso.“ Mit den gleichen körperlichen Beschwerden wie ich: Tinnitus, Herzrasen, Migräne, Schlaflosigkeit.
Und dann kam’s noch dicker: Mindestens die Hälfte denkt tatsächlich über eine Kündigung nach. Frauen, die seit Jahren, ja Jahrzehnten hier arbeiten, die die Abteilung mit ihrer Leidenschaft, ihrer Erfahrung und ihrem Einsatz aufgebaut haben und zusammenhalten – und die trotzdem innerlich am Limit sind. Das hat mich erschreckt, aber auch irgendwie erleichtert: Ich bin nicht allein mit meinen Gedanken.
Uns war klar: Einfach weiterschweigen geht nicht. Also haben wir uns zusammengesetzt und einen langen Brief an unsere direkte Vorgesetzte geschrieben. Weil wir sie nicht übergehen wollten, sondern um sie „mitzunehmen“ und ihre Unterstützung zu gewinnen. Wir hoffen, dass sie unsere Sorgen ernst nimmt und nicht als Nörgelei abtut.
Ob sich etwas bewegt? Wir wissen es nicht. Erfahrungsgemäß heißt es ja in solchen Situationen oft: „Reisende soll man nicht aufhalten. Dann stellen wir halt neue Leute ein.“ Die sind zwar unerfahrender und müssen erst noch eingearbeitet werden, aber sie sind billiger als langjährige Mitarbeiter.
Trotzdem fühlt es sich gut an, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Reden hilft. Gemeinsam sind wir lauter, als wenn jede nur still vor sich hin hadert.
Wie würdet ihr handeln? Kämpfen und hoffen, dass sich etwas ändert – oder lieber gleich den Absprung wagen? Ich werde euch auf dem Laufenden halten, versprochen.

Manchmal sitze ich da und frage mich, wie es so weit kommen konnte. Fast 30 Jahre habe ich diesen Beruf geliebt. Die Projekte, die Bücher, die Geschichten – sie haben mich inspiriert, motiviert und stolz gemacht. Jede neue Herausforderung fühlte sich wie ein Abenteuer an. Ich war voller Ideen, voller Energie, voller Freude.
Und dann kam die Übernahme durch ein anderes Unternehmen. Plötzlich zählt nicht mehr die Kreativität, sondern die Anzahl der Projekte und deren Verwaltung. Listen, Meetings, ständig neue Aufgaben – und jede von ihnen scheint mehr Freude aus meinem Alltag zu saugen. Autoren nur oberflächlich betreuen, externe Lektoren koordinieren, E-Mails, Tabellen, To-dos und noch mehr To-dos. Was früher farbenfroh, lebendig, spannend und bereichernd war, fühlt sich heute an wie graue Pflicht. Die Strukturen sollen klarer sein, heißt es, aber stattdessen erinnert mich meine Arbeit an das Bilder des Autobahn-Chaos.
Meine Kolleginnen spüren dasselbe. Wir lachen weniger über kreative Ideen, weil wir zu viel Zeit in Meetings zubringen und nur darauf warten, wieder zu unserer „richtigen“ Arbeit zurückzukehren. Wir sehnen uns nach dem inneren Feuer, das uns früher angetrieben hat. Hätten wir finanzielle Sicherheiten und bessere beruflichen Aussichten, wären wir längst weitergezogen, das kann ich euch sagen!
Heute ist mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub – und ich hatte schon nach den ersten fünf E-Mails Spannungskopfschmerzen und musste die „guten“ Schmerztabletten einwerfen, um weitermachen zu können. Das ist frustrierend, enttäuschend und manchmal auch traurig. Aber vielleicht hilft es ja, mal zu sehen, dass man nicht allein ist mit diesem Gefühl. Wie ist das bei euch? Habt ihr auch schon erlebt, dass ein Job, den ihr einmal geliebt habt, euch plötzlich nur noch auslaugt? Wie geht ihr damit um?

In meiner idealen Welt lebe ich irgendwann in einem kleinen Cottage in den schottischen Highlands. Es regnet oft, ja, aber das macht nichts – drinnen knistert das Feuer im Kamin, der Tee dampft, das WLAN ist schneller als mein Puls, nachdem mein tattriges Ich zehn Treppenstufen hinaufgegangen ist, und im Gästezimmer wartet immer ein frisch gemachtes Bett darauf, dass mich liebe Menschen besuchen. Ich schreibe, lese, wandere, schlafe, koche mit Muße. Niemand erinnert mich an Fristen, Deadlines oder dass ich noch Manuskripte gegenlesen muss.
Soweit die Fantasie.
In der Realität frage ich mich: Werde ich mir dieses Cottage leisten können? Nö, sicher nicht. Werde ich überhaupt irgendeine Rente bekommen, die mir mehr entlockt als ein müdes Kopfschütteln, wenn ich einen Blick auf den Kontoauszug werfe? Je mehr ich über die Rentenlücke, steigende Lebenshaltungskosten und bröckelnde soziale Sicherheiten lese, desto mehr fühlt sich das Bild vom Cottage wie ein schlechter Werbespot an: nett gemeint, aber fern der Lebensrealität. Ich habe zwar eine kleine Altersvorsorge über eine von meinem AG abgeschlossene Versicherung und lege auch seit vielen Jahren Monat für Monat einen guten Betrag zurück, aber das wird sicher hinten und vorne nicht reichen. Ich glaube, meine Rentenzeit wird eine gruselige Zeit.
Wie stellt ihr euch eure Rentenzeit vor?








Ich sitze in meiner Dachgeschosswohnung, die sich heute eher wie ein molliges Höllenplätzchen anfühlt – allerdings nicht wegen meiner schlechten Laune und dem teuflischen Stress, sondern wegen einer Kombination aus etwa 27 Grad draußen (und mindestens 26 Grad drinnen), stehender Luft und tropischer Feuchtigkeit, die jeden meiner Versuche, irgendwas Kreatives zustande zu bringen, scheitern lässt.
Während ich also langsam in meinem Stuhl dahineinschmelze, kopiere ich die Fotos von gestern: Ich war mit Kolleginnen auf Geschäftsreise in Köln – wir haben uns mitten hinein begeben ins Weihnachtsland. Zwischen funkelnden Kugeln, künstlichem Schnee, Tausenden von Nikoläusen, Engeln und Elchen und Zwitscherboxen, aus denen hier und da Weihnachtslieder erklangen, kam bei uns kurz das Gefühl auf, als würde der Dezember schon mal probeweise vorbeischauen. 🎄🎅🏻🪽⛄
Der Kontrast zu meinem jetzigen „Aggregatzustand“ könnte kaum absurder sein – denn so sehr ich mir auch einrede, dass der Anblick von Schneeflockenbildern für ein bisschen Abkühlung sorgt: Mein T-Shirt klebt trotzdem an mir wie Frischhaltefolie.

Jedes Jahr dasselbe Spiel: Ich logge mich ins ELSTER-Portal ein – bereit, meine Finanzen für den Staat in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken. Doch dann … kryptische Begriffe, Zahlen, die auf- oder abgerundet werden wollen, und die leise Panik: Habe ich Internet und Telefon korrekt als Werbungskosten angegeben? Auf welcher der tausend versteckten Seiten muss ich welche Versicherung eintragen? Eine Stunde später das Hochgefühl: Abgabe erfolgreich! Ob ich wohl Geld zurückbekomme oder dem Finanzamt meine Seele schulde? Werden wir sehen. Aber hey – ich habe es überlebt! Oder mit anderen Worten: Die Einkommensteuererklärung 2024 ist weg!
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Eine liebe Freundin von mir hat nach 31 Jahren zum Jahreswechsel ihre Arbeitsstelle verloren. Nun, drei Monate später, weiß sie noch immer nicht, wie es beruflich weitergehen soll. Das Arbeitsamt schickt ihr Stellenanzeigen, die weit unter ihrer Qualifikation und ihrem bisherigen Gehalt liegen. Sie, eine hochqualifizierte Fremdsprachen- bzw. Chefsekretärin mit umfangreicher Erfahrung mit medizinischen Begrifflichkeiten und Vorgängen, soll künftig nur noch das tippen, was andere diktieren? Der Gedanke ist für sie ebenso bitter wie die finanzielle Realität, die ihr keine großen Spielräume lässt.
Doch als wäre die berufliche Ungewissheit nicht genug, erreicht sie nun der nächste Schicksalsschlag: Sie verliert vermutlich auch ihre Wohnung. Das Haus, in dem sie lebt, wird verkauft, und potenzielle Käufer wollen nicht unbedingt auch die Mieterin übernehmen. Zwei existenzielle Säulen – Job und Zuhause – brechen gleichzeitig weg. Gestern konnte ich in ihrer Stimme eine Verzweiflung hören, die mir echt unter die Haut ging.
Als ich nach dem Telefonat auflegte, konnte ich in mir selbst auch eine Beklemmung spüren. Ihr Schicksal ließ mich nicht los: Was, wenn es mir eines Tages genauso ergeht? Mein Unternehmen stand vor zwei Jahren schon mal kurz vor der Insolvenz. Und ich weiß, wie es ist, nach langer Zeit ein neues Zuhause suchen zu müssen. Wie schnell kann sich alles verändern!
Wie geht ihr mit dieser Angst um? Mit der Unsicherheit, die die Zukunft in sich trägt? Wie bewahrt ihr die Hoffnung, wenn sich plötzlich der Boden unter euren Füßen wegbricht?

Es ist Freitag und /me trifft um halb 8 an der Kaffeetheke die mir unbekannte Mitarbeiterin eines anderen Unternehmens, das ebenfalls im Medienhaus angesiedelt ist. Und versucht sich in Small Talk:
„Bist du auch so ein früher Wurm?“ Früher Wurm?! WTF?! „Ähm, früher Vogel?“
Okay, das Gehirn liegt offensichtlich noch im Bett. Aber zumindest sind wir lachend in den Arbeitstag gestartet.
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Note to myself: Nicht mit den Fingern ins Gesicht greifen, wenn du Chilis kleingeschnitten hast. Selbst wenn du dir schon mal die Hände gewaschen hast!
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Ich habe einen Kollegen, in dessen Beziehung die Rollen vertauscht sind: Seine Frau ist 100 % berufstätig, er arbeitet halbtags und kümmert sich dann um den Haushalt und die 2 pubertierenden Söhne. Im Moment ist er seit ca. 8 Wochen krankgeschrieben. Er ist nicht mehr in der Lage, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen, oder anders ausgedrückt, er hat die Care-Arbeit gemacht, trägt die Mental Load und muss jetzt dafür zahlen. Aber von wie vielen Frauen erwartet unsere Gesellschaft das nicht immer! Versteht mich nicht falsch: Ich fühle bei ihm mit und finde es gut, dass er einige Wochen aussteigt und danach seine Stunden reduziert. Aber für wie viele Frauen in Deutschland ist das trauriger Alltag!
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Eine Frage an all die Buchblogger da draußen.
Kennt ihr das auch: Ihr lest ein tolles Buch, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem ihr ahnt: Ooh, das wird nicht gut ausgehen. Den Protagonisten oder die Protagonistin wird ein schlimmes Schicksal ereilen – Tod, Entführung, Verletzung, Krankheit … Das Buch ist so toll, ihr könnt es kaum aus der Hand legen, aber gleichzeitig wisst ihr, dass bald die Zeit der Tränen anbrechen wird. Wie geht ihr damit um?
Ich lese gerade ein Buch, das sich regelrecht wegsuchten lässt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Heldin der Geschichte in wenigen Kapiteln dem Big Bad in die Hände fallen und für immer verändert werden wird. Und der MMC wird leiden. Und ich auch. Da die Geschichte aus mindestens zwei Bänden besteht (das amerikanische Original des zweiten Bandes erscheint im kommenden Monat, aber ich bin ja ein Hörbuch-Hörerin, muss also mindestens ein Jahr auf die Fortsetzung warten), habe ich noch nicht einmal die Hoffnung, dass ich zufrieden aus diesem ersten Band hervorgehen werde. Wat nu? Mit Schokolade eindecken oder einen Thriller nachschieben, in dem möglichst viele Menschen auf möglichst brutale Weise sterben?
