Jethack

Je akuter die technologische Abhängigkeit, desto attraktiver wird Reverse Engineering.

Ein lesenswerter Artikel zu einer Aussage des holländischen Verteidigungsministers zum potenziellen Jailbreaking eines F-35-Jets und zu den ggf. dadurch entstehenden Konsequenzen: https://www.twz.com/air/f-35-software-could-be-jailbreaked-like-an-iphone-dutch-defense-minister

via Bruce Schneier

Halbleiterleiden

Ein hörenswerter Podcast zur globalen Halbleiter-Produktion: https://www.neverpo.st/news-post-on-the-impending-silicon-goods-shortage/

Zusammenfassung: Bei der Beschaffung von Hableitern konkurrieren Konsolenhersteller mit der Automobilindustrie, und der Bau von Rechenzentren für AI dominiert derzeit alles. Zu wenig Wettbewerb und Resilienz in der Lieferkette verursachen derzeit & demnächst große Angebots- und daher Preisschwankungen.

Digitalkonsumentenschutz

Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree

Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.

Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/

via Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

KI: Konsequenzen immanent

Der xkcd-Comic zum Internet Stack (Bild unten; Quelle: https://xkcd.com/2347/) verdeutlicht seit Jahren die Situation vieler Open Source Projekte. Künstliche Intelligenz scheint nun die Fragilität der verschiedenen Projekte weiter zu erhöhen:

▶️ Einerseits steigt durch „AI Slop“ und durch auf Bug Bounties ausgerichtete Agents die Belastung für bestehende Projekte, mit der Konsequenz, dass es potenziell weniger Anreize gibt, echte Security-Probleme zu identifizieren – zu sehen z.B. bei Log4j, nachzulesen u.a. hier: https://www.derstandard.at/story/3000000310498/open-source-projekt-klagt-ueber-massive-belastung-durch-ki-muell

▶️ Andererseits führen Vibe Coding und die KI-gestützte Beantwortung von Fragen zur Dokumentation potenziell zu Schwierigkeiten beim Geschäftsmodell vieler Softwareprojekte, da Anwender:innen mit Entwickler:innen weniger direkt interagieren – zu sehen z.B. bei Tailwind CSS, nachzulesen u.a. hier: https://www.leitmedium.de/2026/01/09/das-drohende-ende-von-opensource-projekten-durch-llms-am-beispiel-von-tailwind/

Für die Weiterentwicklung von Open Source Software, die u.a. auch im Produktionskontext zum Einsatz kommt, kann das ein echtes Problem werden.

Falls jemand schon Beispiele mit direktem Industriebezug kennt, freue ich mich über eine Info!

Mülleinfuhr

„AI Slop“, KI-generierter Müll, nimmt im Internet massiv zu – auf sozialen Medien, in Foren, auf Videoplattformen etc.

Warum passiert das? Aufmerksamkeit ist die Währung des Internets. Wer Klicks generiert, verdient damit Geld.

Die Konsequenz: für ernstzunehmende Medien, Redaktionen, Blogs, usw. wird es noch schwerer, im Überangebot an Content durchzukommen und sich zu finanzieren. Ein zunehmendes Problem für unsere Gesellschaft.

Dazu eine sehenswerte Diksussion im c’t Magazin: https://www.heise.de/news/KI-Muell-flutet-das-Internet-c-t-uplink-11183867.html

Industrietourismus

100.000 Personen haben in China an einer Lotterie teilgenommen – für einen Platz in einer von 200 Werksführungen bei der Elektroauto-Produktion von Xiaomi. „The Hardest Reservation in China Is a Factory Tour“ titelt das Wall Street Journal: https://www.wsj.com/lifestyle/travel/the-hardest-reservation-in-china-is-a-factory-tour-3df0d4cc

Moderne Produktionsanlagen – mit Robotik, Automatisierung, Digitalisierung etc. – sind beeindruckend, auch in Europa. Nationale und mediale Aufmerksamkeit erhalten sie hierzulande aber selten. Ich denke, wir müssen auch in Österreich mehr zeigen, wie Industrie heute aussieht, welche Technologien zum Einsatz kommen und wie Produkte entstehen. Tage der offenen Tür, Werksführungen, etc. sind dafür wichtig, viele Menschen waren noch nie in einer Fabrik.

Ein Positivbeispiel: Diese Woche habe ich an einer Besichtigungstour in der voestalpine in Linz teilgenommen. Wenn man in einem Warmwalzwerk glühenden Stahlbrammen mit >1000°C bei ihrer Verarbeitung zusehen kann, dann ist man selbst als produktionsaffiner Mensch fasziniert.

Der Bus in Linz war übrigens fast voll. An einem Mittwoch Vormittag. Ein gutes Zeichen.

Machtdemonstration/-dokumentation

Das ist eine gut gemachte Dokumentation zum Zusammenhang Wirtschaft-Technologie-Politik-Macht:

https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtOTEzYjc3OTQtYTE3ZS00MGE5LWIxY2UtNGZjZmRiOTUwYTZm

Arbeitsanreizdiskurs

Vor einigen Jahren war das bedingungslose Grundeinkommen ein großes Diskussionsthema. Der potenziell negative Arbeitsanreiz war meist Teil der Diskussion. Beim Thema Erbschaften wird darüber selten diskutiert. Erfreulicherweise gerade im Standard durch Ulrike Famira-Mühlberger und Jürgen Janger vom Wifo:

https://www.derstandard.at/story/3000000309448/grosses-erbe-kleiner-arbeitsanreiz

Verblödungsfantasierealisierung

Noch ein Artikel aus dem letzten Falter: in seiner Kolumne argumentiert Ruşen Timur Aksak für digitale Souveränität, am Beispiel der dystopischen Komödie Idiocracy.

Lesensert: https://www.falter.at/zeitung/20260210/unsere-dystopische-zukunft-hat-bereits-begonnen

Szenendiskussion

Die ganze Woche schon wird auf Social Media der Einstieg von Peter Steinberger (OpenClaw) bei OpenAI heiß diskutiert. In den meisten Fällen dominiert die Einseitigkeit („Unternehmer werden in Europa mit Füßen getreten„, „Wieder ein Startup Bro, dem Sicherheit egal ist„, etc.). Eine nicht einseitige und hörenswerte Einordnung machen dafür Jakob Steinschaden und Clemens Wasner in ihrem „AI Talk“: https://www.trendingtopics.eu/steinberger-kontroverse/

Too long; didn’t listen:

  • Beim Fall Steinberger geht es weniger um Startups als um Open Source Softwareentwicklung; der Abgesang auf Europa durch seinen Jobwechsel ist fehl am Platz.
  • Das ORF-Interview bei Armin Wolf war kritisch und das ist auch die Aufgabe der Zeit im Bild; gleichzeitig gibt es in Österreich ein Problem zu Technologiebildung.
  • Österreich und Europa sind im Open Source Bereich gut aufgestellt; die Unterstützung für Unternehmen und Geschäftsmodelle ist aber zu gering, häufig bleiben nur Lippenbekenntnisse.

Ergänzung von meiner Seite: im politischen Diskurs steht bei Open Source meistens die öffentlichen Verwaltung im Mittelpunkt. Das ist schon wichtig, aber der potenzielle wirtschaftliche Hebel und die Wertschöpfung durch entsprechende Geschäftsmodelle sind mindestens so relevant. Unser Zugang dazu muss sich ändern, denn gerade im Umfeld der Produktion („Rückgrat der Wirtschaft“, „Hidden Champions“ usw.) gäbe es hier sehr viele Möglichkeiten.