„Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree
Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.
Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/
via Zentrum für Digitalrechte und Demokratie
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