Der Deutsche Fußball-Bund war lange Zeit für sein gutes Gespür bei der Auswahl von Trainern bekannt. Mit Weltmeistertiteln in den Jahren 1954, 1974 und 1990 füllte sich die Trophäensammlung der Nationalmannschaft schnell. Später kamen noch Europameistertitel in den Jahren 1972, 1980 und 1996 hinzu. Dadurch entwickelte sich Deutschland zu einer der erfolgreichsten Fußballnationen der Welt. Zudem erreichte die Nationalmannschaft mehrfach ein WM-Finale, ohne den Titel zu gewinnen.
Für viele niederländische Fußballfans ist es schwer zuzugeben, doch historisch gehört Deutschland zur absoluten Spitze des internationalen Fußballs. In der Rangliste der erfolgreichsten WM-Nationen steht das Land seit Jahrzehnten knapp hinter Brasilien.
Einer der wichtigsten Architekten dieses Erfolges war Bundestrainer Helmut Schön. Von 1964 bis 1978 stand er an der Spitze der westdeutschen Nationalmannschaft und führte das Team durch eine der erfolgreichsten Phasen seiner Geschichte. Schön starb am 23. Januar 1996 in Wiesbaden, doch sein Einfluss auf den deutschen Fußball ist bis heute spürbar.
Vom Spieler zum Bundestrainer
Helmut Schön wurde am 15. September 1915 in Dresden geboren. Als Spieler machte er sich beim Dresdner SC einen Namen, wo er 1943 und 1944 zwei deutsche Meisterschaften gewann. Außerdem holte er mit dem Verein 1941 und 1942 den Pokal.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die politische Situation in Deutschland grundlegend. Das Land wurde in Ost- und Westdeutschland geteilt. Im Jahr 1950 wurde Schön mit SG Dresden-Friedrichstadt Vizemeister in der DDR-Meisterschaft.
Als Nationalspieler bestritt er zwischen 1937 und 1941 sechzehn Länderspiele für Deutschland und erzielte dabei siebzehn Tore. Damit galt er als äußerst effizienter Stürmer. In den Jahren nach dem Krieg arbeitete er zeitweise sogar gleichzeitig als Spieler und Trainer bei Sachsen.
1950 floh Schön aus der DDR in den Westen Deutschlands. Danach nahm seine Trainerkarriere schnell Fahrt auf. Zwischen 1952 und 1956 betreute er die Nationalmannschaft des Saarlandes, das damals über einen eigenen Fußballverband verfügte.
1956 wurde Schön Assistent von Bundestrainer Sepp Herberger, der Westdeutschland 1954 zum Weltmeistertitel geführt hatte. Er arbeitete unter anderem an den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 1958 in Schweden mit. Als Herberger im November 1964 zurücktrat, wurde Schön sein Nachfolger als Bundestrainer.
Internationale Erfolge
Unter der Leitung von Helmut Schön entwickelte sich die westdeutsche Nationalmannschaft zu einem der stärksten Teams der Welt. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England erreichte Deutschland das Finale, verlor jedoch gegen die Gastgeber. Somit blieb am Ende die Silbermedaille.
Vier Jahre später belegte Westdeutschland bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko den dritten Platz.
1972 folgte ein großer Triumph. Bei der Europameisterschaft in Belgien wurde Westdeutschland Europameister. Die Mannschaft spielte modernen, offensiven Fußball und galt als eines der besten Teams jener Zeit.
Der absolute Höhepunkt kam zwei Jahre später. Bei der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land besiegte Westdeutschland im Finale die Niederlande. Damit gewann „Die Mannschaft“ zwanzig Jahre nach dem ersten Titel ihren zweiten Weltmeistertitel.
Auch bei der Europameisterschaft 1976 blieb Deutschland erfolgreich. Die Mannschaft erreichte erneut das Finale, verlor jedoch im Elfmeterschießen gegen die Tschechoslowakei und gewann damit die Silbermedaille.
Das Ende einer Ära
Vor der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien kündigte Schön an, dass sein Assistent Jupp Derwall ihn nach dem Turnier als Bundestrainer ablösen würde.
Das Turnier verlief jedoch enttäuschend für Westdeutschland. Die Mannschaft verpasste das Finale und schied nach einer entscheidenden Niederlage gegen Österreich aus. Zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere blieb Schön bei einem großen Turnier ohne Titel.
Nach der Weltmeisterschaft 1978 beendete er seine Tätigkeit als Bundestrainer. Trotz dieses enttäuschenden Abschlusses blieb sein Ruf außergewöhnlich. Schließlich hatte er mehrere große Turniere gewonnen und Deutschland zu einer dominierenden Fußballmacht gemacht.
Bemerkenswert ist, dass Schön stets als ruhiger und bescheidener Mensch galt. Er blieb freundlich und vermied übermäßiges Selbstbewusstsein. Viele führten diese Haltung auf seine Kindheit zurück, die er in der Buchhandlung seines Vaters in Dresden verbrachte.
Ein echter Fachmann
Kurz vor der Weltmeisterschaft 1974 äußerte Schön einen Satz, der seine nüchterne Sicht auf den Fußball gut widerspiegelt. Journalisten fragten ihn immer wieder, ob Westdeutschland Weltmeister werden würde.
Schön antwortete damals: „Über einen Weltmeistertitel kann man erst sprechen, wenn man den Pokal wirklich in den Händen hält. Alles andere ist Spekulation.“
Er fügte hinzu, dass es leicht sei zu sagen, welche Länder sicher kein Weltmeister würden, dass es aber immer schwierig sei vorherzusagen, wer am Ende tatsächlich gewinnt.
Am 7. Juli 1974 bewies Helmut Schön schließlich, dass er ein echter Fachmann war. An diesem Tag wurde Westdeutschland in München Weltmeister – ein Moment, der für immer in die Geschichte des deutschen Fußballs eingegangen ist.