
In diesem Artikel.
Wenn wir mit öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen über die Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur sprechen, geht es immer auch um digitale Souveränität. Technologisch flexibel zu bleiben, ist heute entscheidend für den Aufbau zukunftssicherer IT-Umgebungen – insbesondere in Branchen mit hohen Anforderungen an Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und Verfügbarkeit.
Im ersten Teil unserer Blog-Reihe zum Thema digitale Souveränität haben wir festgestellt, dass der Speicherort von Daten allein noch keine digitale Souveränität garantiert. Auch in On-Prem-Umgebungen gibt es häufig Vendor-Lock-Ins, die den zukünftigen Spielraum von Organisationen einschränken und wirtschaftliche und technische Risiken bergen.
Es ist daher notwendig, die einzelnen Ebenen einer IT-Landschaft genauer zu betrachten – angefangen mit der Infrastruktur, auf der die Anwendungen einer Organisation laufen. Hardware-Komponenten, Betriebssysteme, Virtualisierungsplattformen und Management-Tools haben großen Einfluss darauf, in welche Richtung sich eine IT entwickelt. Die IT-Infrastruktur bildet damit die Basis für wirklich selbstbestimmte digitale Entscheidungen.
Und genau diese Entscheidungen müssen IT-Verantwortliche heute treffen. In vielen Organisationen können die vorhandenen Umgebungen mit den gewachsenen Anforderungen nicht mehr Schritt halten. Künftig müssen IT-Infrastrukturen „AI-ready“ sein, um neben klassischen Anwendungen auch KI-basierte Workloads bereitstellen zu können. Daher stehen IT-Abteilungen in den nächsten Jahren vor großen Modernisierungsaufgaben.
Bei unseren Kunden sehen wir heute vor allem fünf Treiber für die Neuausrichtung von IT-Infrastrukturen:
Containerisierte Applikationen, KI-gestützte Services und datenintensive Workloads stellen grundlegend andere Anforderungen an die IT-Infrastruktur als traditionelle Systeme. Statt klassischer, CPU-zentrierter Verarbeitung gewinnen GPU-beschleunigte Systeme zunehmend an Bedeutung.
Einige Softwareanbieter im Infrastrukturbereich haben in den letzten Jahren die Preise deutlich angehoben und zudem auf neue Subscription-Verträge umgestellt. Auch die steigenden Energie- und Hardwarekosten sind ein Thema. Moderne Infrastrukturen sollten möglichst ressourceneffizient arbeiten.
In vielen gewachsenen IT-Infrastrukturen stoßen die bisherigen Betriebsprozesse an ihre Grenzen – auch weil Infrastrukturspezialisten fehlen. Dadurch wächst der Bedarf nach durchgängiger Automatisierung.
Normen wie NIS2, DSGVO und ISO 27001 verpflichten Organisationen dazu, ihre IT konsequent abzusichern und nachvollziehbar zu betreiben. Dazu benötigen IT-Abteilungen auch bessere Transparenz und Kontrolle über ihre Infrastruktur – insbesondere in komplexen Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen, wie sie zunehmend auch im öffentlichen Sektor entstehen.
Märkte und Rahmenbedingungen verändern sich heute schneller denn je. Organisationen müssen ihre digitalen Prozesse daher kontinuierlich anpassen. Vorhandene IT-Infrastrukturen lassen sich jedoch oft nicht schnell genug weiterentwickeln und bremsen so notwendige Veränderungen aus – etwa bei der Einführung neuer Services oder der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen.
Noch immer verstehen viele IT-Abteilungen die Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur in erster Linie als technisches Projekt. Sie wollen mit neuen Komponenten und Lösungen vor allem die Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit und operative Effizienz ihrer Umgebung erhöhen.
Tatsächlich bietet ein Modernisierungsprojekt aber immer auch die Gelegenheit, die Souveränität der eigenen IT-Infrastruktur zu stärken. Und diese Chance sollten IT-Verantwortliche unbedingt nutzen. Denn mit jeder einzelnen Investitionsentscheidung legen sie fest, wie stark sie künftig an bestimmte Anbieter, Technologien oder Vertragsmodelle gebunden sind.
Welche Plattformen, Tools und Komponenten sind heute und in Zukunft geschäftskritisch – und inwieweit schränken bestehende Herstellerbindungen die Flexibilität und Weiterentwicklung der IT ein?
Was würde passieren, wenn einzelne Anbieter, Technologien oder Services nicht mehr in der gewohnten Form zur Verfügung stehen oder sich die vertraglichen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern?
Wie lässt sich die Infrastruktur so gestalten, dass möglichst jede Komponente im Technologie-Stack bei Bedarf durch eine andere Lösung ersetzt werden kann?
Diese Fragen werden in vielen Infrastrukturprojekten zu spät gestellt. Wir empfehlen unseren Kunden deshalb, frühzeitig unterschiedliche Zukunftsszenarien durchzuspielen, um auf jede Situation vorbereitet zu sein.
Mit den folgenden Maßnahmen holen sich IT-Verantwortliche die Kontrolle über ihre IT-Infrastruktur zurück und bleiben langfristig digital handlungsfähig.
Im Rahmen von Modernisierungsprojekten sollten IT-Verantwortliche Herstellerbindungen beseitigen, die sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit ihrer IT auswirken.
In vielen Organisationen steht dabei die Ablösung vorhandener Virtualisierungsplattformen ganz oben auf der Agenda. Seit der Übernahme von VMware durch Broadcom haben sich für die meisten Kunden die Rahmenbedingungen deutlich verändert. Angesichts steigender Kosten und geringerer Planungssicherheit suchen IT-Verantwortliche nach Alternativen.
Diese Alternativen gibt es. Wir haben etwa in den letzten Jahren zahlreiche Unternehmen beim Wechsel von VMware zu Nutanix AHV begleitet und sind einer von nur wenigen Partnern in Deutschland, die von Nutanix offiziell für VMware to Nutanix Migration Services zertifiziert sind. Darüber hinaus unterstützen wir auch die Migration zu vollständig Open Source-basierten Virtualisierungsplattformen wie Proxmox VE oder SUSE Virtualization.
Welche Option im Einzelfall die richtige ist, hängt dabei immer von den konkreten Workloads und den individuellen Anforderungen des Kunden ab. Denn mehr Souveränität darf für die Anwender nicht zu Lasten von Stabilität, Performance oder Funktionalität gehen.
In einer souveränen IT-Infrastruktur sollten sich alle einzelnen Komponenten flexibel bewegen, verbinden, austauschen und neu kombinieren lassen.
Konkret bedeutet das:
Schnittstellen sollten auf etablierten, offenen Standards basieren, um Abhängigkeiten von proprietären Technologien zu vermeiden.
Workloads sollten sich ohne Anpassungsaufwand zwischen unterschiedlichen Cloud- und On-Premises-Umgebungen verschieben lassen.
Container und Kubernetes schaffen eine abstrahierte Laufzeitumgebung, die den Wechsel der Infrastrukturplattform deutlich vereinfacht.
Daten sollten in offenen Formaten vorliegen, damit sie plattformübergreifend migriert und weiterverarbeitet werden können.
Neue Komponenten sollten sich nahtlos in die Umgebung integrieren lassen, ohne dass dabei IT-Silos entstehen.
Wir begleiten unsere Kunden bei der Auswahl und Implementierung von Komponenten, die diese Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig entwickeln wir gemeinsam ein übergreifendes Betriebsmodell, das eine konsistente und effiziente Verwaltung über verschiedene Plattformen und Umgebungen hinweg ermöglicht.
Ein entscheidender Hebel für die Umsetzung dieses Betriebsmodells ist die gezielte Auswahl der eingesetzten Werkzeuge – etwa für Management, Monitoring oder Security.
Gerade hier entstehen oft neue Abhängigkeiten. Werden zentrale Betriebsprozesse eng an plattformspezifische Tools gebunden, lässt sich die Infrastruktur später nur mit erheblichem Aufwand verändern. In vielen Fällen verlagert sich der Lock-in damit von der Plattform auf die darüberliegenden Steuerungsebenen.
Unternehmen sollten daher bei der Auswahl von Werkzeugen für ihre Infrastruktur vor allem auf folgende Aspekte achten:
Zentrale Abläufe wie Provisionierung, Monitoring oder Incident-Management sollten nicht von einem einzelnen Tool abhängen, sondern klar definiert und übertragbar aufgebaut sein.
Management-Lösungen unterstützen idealerweise alle relevanten Betriebssysteme und Plattformen. So lassen sich beispielsweise mit dem SUSE Multi-Linux Manager unterschiedliche Linux-Distributionen über eine Oberfläche verwalten.
Monitoring-Werkzeuge sollten nachvollziehbare Einblicke in Systeme, Abhängigkeiten und Prozesse liefern – unabhängig von der zugrunde liegenden Plattform.
Stabiler Betrieb, dauerhafter Support, vorhandene Kompetenzen und zukünftige Weiterentwicklungs-möglichkeiten sollten bei der Tool-Auswahl Priorität haben – nicht kurzfristige Funktionsvorteile.
Automatisierung ist ein zentraler Baustein moderner IT-Infrastrukturen. Ziel ist eine konsequent deklarative Steuerung der gesamten Umgebung – im Sinne von Infrastructure as Code. Infrastruktur wird dabei nicht mehr manuell konfiguriert, sondern als Code beschrieben, versioniert und reproduzierbar bereitgestellt. Voraussetzung dafür sind offene Standards und klar definierte Schnittstellen, die eine plattformübergreifende Umsetzung ermöglichen.
In unseren Projekten setzen wir auf einen Full-Stack-Automatisierungsansatz, der alle Ebenen der Infrastruktur umfasst – von der Bereitstellung über die Konfiguration bis hin zum laufenden Betrieb. Zum Einsatz kommen dabei etablierte Open Source-Werkzeuge wie Terraform bzw. OpenTofu für Infrastructure as Code sowie Ansible für Konfigurations- und Betriebsprozesse. Der konsequente Einsatz offener Technologien stellt sicher, dass sich Automatisierungsprozesse jederzeit flexibel an neue Anforderungen anpassen lassen.
Typische Anwendungsfälle reichen von der Bereitstellung neuer virtueller Maschinen auf Knopfdruck über die Automatisierung von Netzwerkaufgaben wie der Konfiguration von VLANs bis hin zu wiederkehrenden Prozessen im Benutzer- und Berechtigungsmanagement. So helfen wir unseren Kunden, Effizienzgewinne zu realisieren, und schaffen gleichzeitig die Grundlage für eine langfristig souveräne IT-Infrastruktur.
Viele Abhängigkeiten entstehen weniger durch die Technologie selbst als durch fehlende Transparenz und unzureichend dokumentiertes Wissen. In gewachsenen Infrastrukturen sind zentrale Betriebsprozesse oft nur wenigen Personen bekannt oder eng an einzelne Dienstleister gebunden.
Gerade im Zuge einer Modernisierung wird deutlich, wie kritisch diese Abhängigkeiten sein können. Weiterentwicklungen und Migrationen lassen sich nur dann effizient umsetzen, wenn alle Beteiligten schnell auf die dafür notwendigen Informationen zugreifen können.
Worauf es besonders ankommt:
In unseren Projekten legen wir daher großen Wert auf nachvollziehbare Betriebsmodelle und einen strukturierten Wissenstransfer. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden ihre Infrastruktur langfristig eigenständig betreiben und weiterentwickeln können.
Viele Organisationen stehen vor der notwendigen Modernisierung ihrer IT-Umgebung. Dabei geht es zum einen darum, die Infrastruktur konsequent auf moderne, zunehmend KI-basierte Workloads auszurichten. Zum anderen sollte die IT die digitalen Geschäftsprozesse möglichst effizient und agil unterstützen.
In dieser Phase eröffnet sich den Verantwortlichen eine große Chance. Wenn sie bei der Modernisierung die richtigen Entscheidungen treffen, schaffen sie damit die Basis für mehr Handlungsfähigkeit. Mit einer souveränen Infrastruktur können Organisationen flexibler auf neue Anforderungen reagieren und auch zukünftige Veränderungen leichter umsetzen – sei es in dynamischen Märkten oder im Umfeld regulatorischer und politischer Vorgaben.
Wenn Sie das Thema digitale Souveränität systematisch angehen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren 7-Punkte-Plan. Darin zeigen wir, wie wir mit unseren Kunden bestehende Abhängigkeiten analysieren, Prioritäten definieren und eine langfristig tragfähige Souveränitätsstrategie entwickeln.
Den vollständigen Leitfaden können Sie hier herunterladen.
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