Mein Kumpel Spalding

Hier in der Reha-Klinik wurde immer wieder betont, dass man auf die Signale seines Körpers hören soll, welche Belastungen schon möglich sind und welche noch nicht, und dass man vor allem auch das machen soll, was einem Freude bringt. Das habe ich beherzigt und bin losgezogen, um mir einen Basketball zu besorgen. In der hiesigen Turnhalle, die abends zur freien Benutzung steht, hängen nämlich zwei Basketballkörbe und da bekam ich unheimliche Lust, ein bisschen auf den Korb zu werfen. Natürlich kann ich gerade überhaupt nicht Basketball spielen, mit den ganzen abrupten Bewegungen und dem Gespringe, aber ich stehe jetzt jeden Abend für 20 Minuten in der Halle und werfe Freiwürfe, mit geradem Rücken, gespanntem Rumpf und einem ganz bedachten Bewegungsablauf. Das macht mir Spaß und ich habe einen Ehrgeiz, meine Freiwurfquote weiter zu verbessern, die zwischenzeitlich von anfänglich 30% Treffern auf mittlerweile immerhin 42% gestiegen ist. Und wenn der Ball daneben springt und sonstwohin hüpft, dann trotte ich wie ein unbeweglicher, rückensteifer Zombie mit ausgestreckten Armen hinter dem Ball her – das sieht vermutlich sehr lustig aus.

Martin 19:38

Ich befinde mich gerade in einer stationären orthopädischen Rehabilitation, nachdem ich Anfang August an einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule operiert werden musste. Ich habe die Möglichkeit, hier etwas zur Ruhe und Besinnung zu kommen, dazu genutzt, auch meine psychischen Probleme endlich einmal Hilfe suchend anzusprechen. In Vorbereitung auf das Gespräch mit der Psychologin hatte ich mir einen Zettel mit Notizen geschrieben, und als ich diesen nochmal durchging, ist mir erst klar geworden, dass ich seit mittlerweile 19 Jahren an einer rezidivierenen Depression leide – das ist mein verdammtes halbes Leben! Obwohl es mir phasenweise richtig schlecht gegangen ist, habe ich immer wieder Gründe und Ausreden gefunden, das Problem nicht anzugehen, sondern mich irgendwie durch zu larvieren. Ein Satz des hinzugezogenen Psychosomatikers hat mich sehr berührt: „Das ist ein richtig schwerer Weg, aber Sie schaffen das, denn Sie sind ein Kämpfer – Sie haben überlebt.“

CU in Disneyland!

Der richtige Ton!

Derzeit schwappt die Krankheitswelle durch das Land und auch durch unsere Kleinfamilie. Unsere Tochter war gerade eine Woche gesund, da bahnte sich schon der nächste Infekt mit Rotz und Husten und (ein bisschen) Fieber an. Vergangenen Sonntag überlegten wir schon, ob wir Rebecca so überhaupt zur Tagesmutter würden schicken können. Und dann trudelte just auch schon die Meldung der Tagesmutter ein, dass sie selbst nun auch krank sei und die Woche nicht betreuen könne.

Meine Frau hat gerade zum Jahresbeginn eine neue Arbeitsstelle begonnen und hatte dort einen holprigen Start, weil sie selbst bereits zwei Wochen erkältungskrank und eine Woche „kindkrank“ war. Meine Eltern hatten unsere kranke Tochter auch eine Arbeitswoche lang betreut und lagen dann hinterher auch erstmal erkältet darnieder. Somit war klar, dass diesmal ich an der Reihe war, „kindkrank“ zu Hause zu bleiben, zumindest von Montag bis Mittwoch, also an den Tagen, an denen meine Frau arbeiten geht.

Und auch wenn bei mir sogleich wieder das blöde schlechte Gewissen gekickt hat, auf der Arbeit auszufallen, so habe ich diese kranken Tage mit der kleinen Maus daheim doch richtig genossen. Viel zu selten habe ich mal freie Zeit mit meiner Tochter zu zweit. Und wir haben es uns gut gehen lassen, sind zusammen einkaufen gegangen, haben einen Ausflug zur Eisdiele gemacht, haben gespielt und experimentiert, haben uns ausgeruht und gekuschelt, haben zusammen gekocht und gelesen.

Zur Zeit ist sie auch wirklich mal wieder richtig gut drauf, was so die allgemeine Laune angeht. Irgendwie verläuft das im Kleinkindalter ja immer in Phasen und Schüben. Gefühlt seit vergangenem Oktober, um ihren zweiten Geburtstag rum, als wir noch einen gar nicht mal so erquicklichen Kurzurlaub an der Ostsee verbracht hatten und die Trotzphase so richtig in ihr Gigadynamax-Stadium übergegangen war, dominierten eigentlich die meiste Zeit über Zorn, Trotz und Tränen. Jetzt gerade haben wir mal eine richtig gute Phase, wo sie viel mitmacht und auch zu Kompromissen bereit ist, die Zündschnur nicht so ultimativ kurz ist.

Und ich hatte an diesen drei „kindkrank“-freien Tagen von Montag bis Mittwoch aber auch das Gefühl, dass wir momentan mal den richtigen Ton im Umgang miteinander finden. Gerade klappt das wirklich deutlich besser, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen, was ohne Frage einfacher ist, wenn man nicht die meiste Zeit angeschrien wird. Denn das Ganze hat natürlich auch wiederum zwei Seiten: Ist die Stimmung angespannt und steht der Haussegen auf Krawall, dann fällt es natürlich auch uns Eltern viel schwerer, ruhig und gelassen und zugewandt und liebevoll zu bleiben und schnell wird der Ton dann eben ruppiger. Ohne dass wir das wirklich so wollen, aber auch unsere Zündschnüre sind halt nur von einer begrenzten Länge. Aber jetzt an diesen drei Tagen mit ihr, da konnten wir wirklich ganz entspannt und fröhlich miteinander sein, sich anbahnende Gefühlseruptionen oder Konflikte konnten noch sanft abgefedert werden und es fühlte sich alles gar nicht so kompliziert an.

Das ist auf jeden Fall etwas, das ich gelernt habe, seit ich Papa bin: Dass da häufig eine große Lücke klafft zwischen den guten Vorsätzen, die ich mir so Tag für Tag vornehme, und der tatsächlichen Umsetzung. Vieles davon ist zweifelsohne eine Haltungs-Frage; aber dadurch, dass ich die allermeisten Erfahrungen im Umgang mit einem kleinen Kind ja zum ersten Mal mache, ist es schwierig, wirklich schon zu einer ausgereiften Haltung zu gelangen. Da reicht das bloße Bewusstsein, dass es sich um meine Tochter handelt und dass ich sie liebhabe, nicht aus, um auch meine eigenen Gereiztheiten immer abzufangen.

Wir haben uns in den zurückliegenden Monaten immer wieder so viel abgekämpft an unseren Befindlichkeiten. Es wurde so viel geschrien, gehadert und geweint. Ich hoffe, dass wir diesen richtigen Ton, der gerade erklingt, noch eine Weile beibehalten und ihn weiter ausbauen können.

CU in Disneyland!

Das Kreuz mit der Arbeit!

Irgendwann im vergangenen Jahr saß ich so an meinem Schreibtisch auf der Arbeit, und da wurde mir siedend heiß klar, dass die „goldenen Zeiten“ meiner Arbeitswelt ein für allemal vorbei sind. Diese Erkenntnis traf mich ein bisschen unvorbereitet und daher doppelt hart, hatte ich mich zuvor doch noch ein paar Illusionen zu diesem Thema hingegeben.

Eigentlich waren die Pläne ja ganz andere gewesen. 2017 sind wir von Bochum nach Bremen gezogen gekommen, ursprünglich wollte ich hier nur meine Facharztausbildung zu Ende bringen, aber dann hat es meiner Frau und mir sowohl auf der Arbeit als auch von der Umgebung her doch so gut gefallen, dass wir uns auf einmal vorstellen konnten, hier dauerhaft sesshaft zu werden. Und meine berufliche Perspektive war dann auch klar. Nach der bestandenen Facharztprüfung ein paar Jahre als Facharzt im Institut arbeiten und dann schließlich nach einiger Zeit zusätzlich gesammelter Berufserfahrung eine der nächsten freiwerdenden Oberarztstellen besetzen.

So habe ich dann im August 2019 meine Facharztprüfung erfolgreich bestanden und durfte mich fortan Pathologe schimpfen. Und im Dezember 2019 sind wir in unser eigenes Haus im Bremer Norden eingezogen, mit der Perspektive vor Augen, hier jetzt alt oder aber zumindest deutlich älter zu werden.

Auf der Arbeit war dann natürlich auch nicht immer alles rosig und es gab immer genug Gründe, sich aufzuregen oder zumindest latent unzufrieden zu sein. Aber im Grunde haben wir da eigentlich in einem zwar schlecht geführten, aber golden glänzenden Käfig gesessen und ich hätte mir durchaus vorstellen können, dort noch längere Zeit zu bleiben. Von der reinen Karriere-Perspektive haben sich die Dinge dort auch gar nicht schlecht für mich entwickelt, ich habe eigenständig und souverän meine Arbeit erledigt und war eine wesentliche Stütze des Teams. Irgendwann war dann klar, dass eine der älteren Oberärztinnen in absehbarer Zeit in Rente gehen würde und dass ich dann wohl ihre Oberarztstelle würde übernehmen können. Und das zu einem auch gar nicht so verkehrten Zeitpunkt, weil unser Chef dann so Anfang 60 sein würde und bis er dann schlussendlich in Rente gehen würde ich wohl einer der gestandenen Oberärzte sein würde, der auch unter einer dann neuen Chefin oder einem neuen Chef würde gut bestehen können.

Tja, aber dann haben sich die Dinge leider in eine ganz andere Richtung entwickelt. Erste Gerüchte hatten mich schon gegen Ende 2022 erreicht, als eine der Oberärztinnen sich unbedingt kurzfristig mit uns treffen wollte. Sie hatte gehört, dass unser Chef und die leitende Oberärztin sich mit der Krankenhaus-Geschäftsführung überworfen hatten und beide zeitgleich kündigen würden, in Anbetracht ihrer Kündigungsfristen dann zur Jahresmitte 2023. Die Oberärztin, die damals unbedingt mit uns sprechen wollte, warb sehr bei uns dafür, dass wir trotz dieser erstmal unerwarteten Nachrichten alle an Bord bleiben würden, weil der Weggang insbesondere unseres Chefs ja auch eine große Chance darstellen würde, hatte er in den letzten Jahren schließlich nicht gerade durch Innovationsfreude und Führungsstärke geglänzt, sondern mehr und mehr den Eindruck erzeugt, seine letzten Jahre im Grunde nur noch „absitzen“ zu wollen.

Im Grunde hatten wir auf der alten Arbeitsstelle in Bremen wirklich paradiesische Zustände, zumindest von der ärztlichen Seite. Wir waren da zwischenzeitlich mit 11 Fachärztinnen im Institut, was in Anbetracht der Institutsgröße eine recht enorme Besetzung war. Uns ging es so gut, dass viele das gar nicht mehr bemerkten (ich hatte zumindest zeitweise noch einen etwas anderen, entspannteren Blick darauf, weil ich zum Vergleich noch die irrsinnigen Bochumer Verhältnisse kannte, wo eine ganz andere Arbeitstaktung herrschte) und sich jeder so in seinen ganz persönlichen Neurosen und Befindlichkeiten einrichten durfte, weil wir das ineffiziente Arbeiten über die Größe des Teams die meiste Zeit über doch kompensieren konnten. Was mich an der Arbeitsstelle zunehmend nervte, war die Ungerechtigkeit der Arbeitsverteilung. Einige Leute machten da eine gute Arbeit und bekamen mehr und mehr aufgebürdet, während sich Andere zunehmend einen lauen Lenz machten. Und auch unser Chef ging da nicht gerade mit gutem Beispiel voran, sondern war die meiste Zeit damit beschäftigt, seine Arbeitsvermeidungsstrategien zu perfektionieren und seine eigene Arbeit an andere Mitarbeiter weiterzureichen.

Ich muss hier einfügen, dass ich zu meinem alten Chef ein durchaus ambivalentes Verhältnis habe. Ich hab ihn auf jeden Fall für eine schwache Führungspersönlichkeit gehalten, der seinen Laden nicht im Griff hatte. Und die Bösartigkeit, mit der er das Institut dann am Ende niedergerissen hat, war auch wirklich mehr als unwürdig. Auf der anderen Seite verdanke ich ihm persönlich schon auch einiges, habe ich es unter seiner Ägide doch zum Facharzt gebracht und hat er mich doch unter seine Fittiche genommen und in die Geheimnisse insbesondere der Lungenpathologie eingeweiht (wenngleich natürlich nicht uneigennützig, sondern um einen zuverlässigen Vertreter zu haben, an den er seine Aufgaben weiterreichen könnte).

Der Chef selbst hatte mich dann auch schon in die Kündigungspläne seinerseits und seitens der leitenden Oberärztin eingeweiht, bevor die Beiden diese Bombe auch offiziell platzen ließen. Der Zeitpunkt ihres Weggangs würde genau auf einen Monat nach dem Beginn meiner Oberarztstelle fallen. Erst würde also eine erfahrene Oberärztin in Rente gehen, dann einen Monat später der Chef und seine Vertreterin in den Sack hauen. Nicht gerade rosige Aussichten. Der Chef selbst unterbreitete mir dann einen Vorschlag, wie ich das sinkende Schiff verlassen könnte und stellte einen Kontakt zu einem anderen Institut hier in Norddeutschland her, das ich mir auch angesehen habe, das für mich in Anbetracht der Altersstruktur und der zu erwartenden Entwicklungen aber dann nicht wirklich in Betracht kam.

Natürlich haben wir Kolleginnen und Kollegen uns in dieser Zeit auch untereinander ausgetauscht und so setzte sich nach und nach so ein Bild zusammen, dass der Chef im Grunde jedem seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zumindest aber mal denjenigen, die er halbwegs leiden konnte, ein konkretes Alternativangebot unterbreitet hat, wie sie aus dem dann wohl zwischenzeitlich führungslosen Laden rauskommen könnten. Er hat also aktiv daran mitgewirkt, nicht einfach nur selbst aus dem Institut heraus zu kommen, sondern dieses Institut, das er ja immerhin auch 18 Jahre lang geleitet hatte, von innen heraus auszuhöhlen. Und hat vorne herum den Leuten, die es hören wollten (oder auch nicht) immer noch ins Gesicht gelogen, dass ihm an der Zukunft des Instituts ja so viel gelegen wäre.

Da es nun auch bereits in der früheren, noch ruhigeren Zeiten so gewesen war, dass ich nicht unbedingt den geringsten Arbeitsanteil getragen habe, war mir auch schon klar, wo die Reise wohl hingehen würde, wenn 3 (teils nominelle, teil tatsächliche) Führungskräfte zeitgleich ausscheiden würden. Hinzu kam, dass der Chef sich in den letzten Jahren um manche der zu erledigenden Aufgaben nicht nur schlichtweg nicht gekümmert, sondern diese sogar aktiv behindert hatte, so dass das Institut ohnehin vor schwierigen Zeiten stand, weil nun auf einmal ein tatsächlicher Zeitdruck herrschte, was Zertifizierung und die Umsetzung neuerer gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Labordiagnostik betraf. Neben der inhaltlichen Arbeit also eine Vielzahl zu bewältigender Verwaltungsaufgaben, die da auf uns zurollen würden. Daneben wusste ich noch von mindestens zwei weiteren Kolleginnen, die aus unterschiedlichen Gründen konkrete Wechselgedanken hegten. Sprich: Es stand zu erwarten, dass das Institut in kurzer Zeit weitgehend kollabieren würde. Und auch der Oberärztin, die sich initial um unser aller Bleiben bemüht hatte und die wohl auf absehbare Zeit erst einmal die Führungsrolle übernehmen würde, traute ich weder menschlich noch fachlich unbedingt zu, das Ruder dort wesentlich herumreißen zu können. Für sie tat es mir Leid, weil sie mit einer anderen Form von Motivation und vielleicht auch Optimismus in diese Umbruchszeit gestartet war und ihr Versuch, uns alle bei der Stange zu halten, am Ende wirklich krachend scheiterte.

Mit persönlich war dann aber schnell klar, dass ich das sinkende Schiff auch verlassen würde. Zumal sich auch die Geschäftsführung, mit der sich ja auch unser Chef überworfen hatte, nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Erst hatten sie über Jahre den Labor- und Verwaltungsbereich personell zusammengespart, was sich mit der Zeit auch wirklich teils dramatisch in der Qualität der noch leistbaren Arbeit niederschlug. Und als dann absehbar wurde, dass auch der ärztliche Bereich sich mit einem Schlag deutlich verkleinern würde (wenngleich aus Sicht der Geschäftsführung zunächst auch unbeabsichtigt – und woher sollten sie in der kurzen Zeit dann auch personellen Ersatz auf einem leergefegten Fachkräfte-Arbeitsmarkt besorgen?), da bewegten sie sich keinen Millimeter von der Stelle, wenn es darum ging, den verbleibenden Mitarbeitern vielleicht mit attraktiveren Konditionen entgegen zu kommen, um diese bei der Stange zu halten. Ich saß selbst zweimal zu einem persönlichen Gespräch bei der Geschäftsführung und bis auf hohle Phrasen kam da gar nichts, einfach nur Durchhalteparolen von wegen „Das wird alles total gut werden, wenn der Chef erstmal weg ist.“ Ja, aber mit „alle müssen dann halt deutlich mehr arbeiten und deutlich mehr Verantwortung übernehmen, bekommen dafür aber keinerlei Gegenleistungen“, kann man seine Mitarbeiter dann nicht unbedingt locken.

In dieser Zeit des Umbruchs telefonierte ich auch mit ein paar ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, um mich mal umzuhören, wie es ihnen an ihren Stellen zwischenzeitlich ergangen war. Ein Gespräch blieb mir in sofern im Gedächtnis, als dass der Kollege ganz klar zu mir sagte: „Ginger, egal wo du hingehst, ausgebildete Pathologen sind so ein rares Gut, von denen muss sich keiner mit einer Bezahlung nach Tarif abspeisen lassen, man steht da auf einer ganz anderen Verhandlungsposition.“ Und das war wirklich so ein Gedanke, den ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gehabt hatte. Mir war immer klar, okay, das hier ist die Gehaltstabelle und da kann ich schauen, in 5 Jahren werde ich in dieser Angestellten-Position dieses oder jenes Gehalt verdienen und das ist dann fix, alle paar Jahre mal mit einer Tarifsteigerung und das wars. Und ich meine, das sind ja auch wirklich schon gute Gehälter, gar keine Frage.

Aber schon in der ersten Alternativ-Pathologie hier in Norddeutschland, die ich mir angeschaut hatte, hatten sie mir ein für mich bis dahin unvorstellbar astronomisches Gehalt angeboten und wie ich es so zwischenzeitlich von den anderen wechselwilligen Kolleginnen und Kollegen vernahm, war das noch längst nicht das Ende der Fahnenstange.

Schließlich telefonierte ich mit einer ehemaligen Kollegin, mit der ich auch mal in Bremen gut zusammengearbeitet hatte, ehe es sie über ein paar Pausen und Umwege ins rund 70km entfernte niedersächsische Rotenburg an der Wümme verschlagen hatte. Diese ehemalige Kollegin wusste von dort eigentlich wenig Schlechtes zu berichten und überzeugte mich davon, mir die dortige Pathologie doch mal anzuschauen und mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Initial hatte ich es rundheraus abgelehnt, weil mir eine solche Pendelei von 70km pro Weg am Tag dann doch zu extrem erschien. Das wäre dann ja doppelt so viel wie bereits zuvor. Und ich wollte ja weiterhin ein bisschen was von meiner Familie auch unter der Woche sehen. Aber dann habe ich mir das dortige Institut mal persönlich angesehen und war echt beeindruckt von der Modernität und Qualität der dortigen Arbeit und vor allem auch von der Motivation uns Leistungsbereitschaft der Chefin. Und als sie dann auch noch auf meine Wünsche nach einer leicht versetzten, familienverträglicheren Arbeitszeit und einer außertariflichen Bezahlung eingegangen sind, da habe ich mich überzeugen lassen und bin dann zur Jahresmitte 2023 nach Rotenburg gewechselt.

Zuvor hatte ich dann einen ganzen letzten Monat noch in Bremen als Oberarzt gearbeitet, was in der Abgesangs-Stimmung da natürlich weitgehend unterging. Auch in Rotenburg habe ich jetzt eine Oberarzt-Stelle inne. Und pendle also nun seit Mitte des letzten Jahres in relativ ausgedehnter Weise jeden Tag diese doch recht ordentliche Strecke, die durch Baustellen, Witterungsverhältnisse, Streiks und Bauernproteste auch immer mal wieder zusätzlich erschwert wird.

Einige der Hoffnungen, die ich an diese Stelle geknüpft habe, haben sich durchaus erfüllt. Die Chefin ist wahnsinnig belesen und gut aufgestellt und ich kann von ihr jede Menge lernen. Das Institut ist für einen solch peripheren Standort wirklich modern aufgestellt und bietet auch insbesondere in Sachen der Molekularpathologie ganz andere Möglichkeiten, als ich es vorher kannte. Die Chefin geht zudem mit einem guten Beispiel voran, was die Arbeitsmoral betrifft und ist – ganz im Gegensatz zu meinem vorherigen Chef – ein echtes Arbeitstier, was die Leistungsbereitschaft im Team durchaus erhöht. Und auch das Laborteam der MTAs ist echt gut aufgestellt, mit einer positiven Grundstimmung und einer geistigen Grundhaltung von „Wir kriegen das hin“, wo in Bremen zuletzt – durchaus auch aus nachvollziehbaren Gründen – nur noch ein resigniertes „Das geht nicht“ herrschte.

Das Kernproblem allerdings ist, dass wir dort einfach zu wenige Leute für zu viel Arbeit sind. Dadurch, dass wir insgesamt nur 5 Fachärztinnen vor Ort sind, kriegen wir es in den Zeiten, in denen alle da sind, ganz gut hin, aber sobald dann Urlaubszeiten oder Krankheitsphasen dazu kommen, bricht echt der Notstand aus. Und irgendwie war in den zurückliegenden knapp 8 Monaten ziemlich oft der Notstand ausgebrochen. Und mir ist dann eben einfach in dieser Zeit so knallhart klar geworden, dass die Zeiten, in denen wir in irgendeinem Institut mit 10 oder 11 Fachärztinnen arbeiten, einfach für immer vorbei sind. Wir sind einfach zu wenige. Und hinzu kommt, dass der Durchschnitts-Pathologe heute 60 Jahre alt ist. In den kommenden Jahren werden super viele aus unserer Zunft in Rente gehen und der Nachwuchs kommt nur spärlich nach. Gleichzeit verdichtet sich die Arbeit immer weiter, die Untersuchungen werden spezieller, aufwändiger und molekularer. Das heißt, auf mittelfristige bis lange Sicht werden sich die Arbeitsbedingungen auch nicht verbessern. Und das ist leider eine etwas deprimierende Perspektive.

Auf der anderen Seite bin ich auch wirklich froh, in den letzten 8 Monaten nicht mehr im Institut in Bremen gewesen zu sein. Dort ist das Team dann schlussendlich von 11 auf 4 Leute zusammengeschrumpft und die Arbeitslast ist währenddessen aber unverändert geblieben. Von der Geschäftsführung gab es außer ein paar Durchhalteparolen keinerlei Unterstützung. Und die wirklichen Leidtragenden, das muss man am Ende ja auch mal sagen, sind nicht nur die überarbeiteten Ärztinnen und Ärzte, sondern das sind insbesondere die Patientinnen und Patienten, die wochenlang auf ihre Befunde warten und dann hoffen müssen, dass nicht irgendein total überarbeiteter und überforderter Arzt da etwas verwechselt oder falsch befundet hat. Eigentlich ist das alles total schlimm, skandalös und gruselig. Aber es ist halt auch ein Bereich, in den nur die wenigsten Menschen Einblicke haben, ja von dem auch nur die allerwenigsten überhaupt wissen, dass er existiert und was dort passiert. Wenn man 12 Stunden mit nem gebrochenen Arm in der Notaufnahme sitzt, dann bekommt man schon ein relativ konkretes Gespür dafür, was es bedeutet, in einem maroden Gesundheitssystem mit akuten personellen Engpässen und Infarkttendenzen zu leben. Aber was es bedeutet, wenn es in einer Großstadt wie Bremen auf einmal so gut wie keine Pathologinnen mehr gibt, das wirkt auf den ersten Blick erstmal weniger dramatisch. Ist es auf den zweiten Blick aber gar nicht. Das ist aber erstmal zu abstrakt von der Lebensrealität der allermeisten Leute, um die Tragweite zu überblicken.

CU in Disneyland!

Trockene Zeiten!

Eine meiner besten Entscheidungen der letzten Jahre war es, dem Alkohol ein für allemal abzuschwören.

Ich habe nie ein wirklich unproblematisches Verhältnis zum Alkohol gehabt. Zwar gab es, abgesehen von ein paar frühen Ausnahmen, nie so richtig krasse Abstürze mit Filmrissen oder solche Dinge. Aber irgendwie hatte ich schon eine ganze Weile das Gefühl, zu viel und aus den falschen Gründen zu trinken.

Das „Um zu“-Trinkverhalten, das auf den ersten Blick gar nicht so schlimm wirkt, weil es auch gesellschaftlich verbreitet und akzeptiert ist. Trinken, „um zu entspannen“. Trinken, „um runterzukommen“. Trinken, „um Spaß zu haben“.

Ich habe schon seit der Oberstufenzeit gerne Bier getrunken. Es würde mir auch heute noch schmecken. Dann kamen im Laufe der Zeit hochprozentigere Sachen dazu, Whiskey und Rum. Mit zunehmendem Einkommen bekam das dann auch so etwas pseudo-elitäres. Einen teuren Whiskey kaufen und trinken, als Sammelobjekt, oder weil ich mich ja vermeintlich so toll damit auskenne. Wirklich gut geschmeckt im klassischen Sinne hat mir das nie. Aber es hat den Kopf beduselt und ich konnte mir dabei noch einreden, da ein wirklich richtig ausgefallenes und intellektuelles Hobby zu betreiben.

Viele Leute finden es verwunderlich, wenn ich ihnen erzähle, dass ich das Gefühl hatte, ein gravierendes Problem mit Alkohol gehabt zu haben. Weil ich eben nie mit Fahne zur Arbeit gekommen, im Suff Auto gefahren bin oder auf Feiern Dinge getan habe, die ich am nächsten Morgen hätte bereuen müssen. Dennoch habe ich vermehrt zu viel und aus den falschen Gründen getrunken – eben um den dauer-denkenden Kopf mal abzuschalten. Und habe mich schlecht dabei gefühlt, weil ich mir an den meisten folgenden Morgenden dann vorgenommen habe, an diesem gerade angebrochenen neuen Tag mal ohne Alkohol auszukommen, ehe ich dann im Tagesverlauf ein regelrechtes Craving entwickelte, ein unglaubliches Verlangen danach, jetzt etwas Alkoholisches zu trinken, weil ich mich dann ganz bestimmt besser fühlen würde, womit der ewige Teufelskreis dann wieder von vorne losging. Und ich hab angefangen, heimlich zu trinken und es vor meiner Frau zumindest so halbherzig zu verbergen, weil ich wusste, dass sie mein Trinkverhalten nicht gutheißen würde. Stetig wuchs meine innere Unzufriedenheit darüber, mich selbst nicht in der Form im Griff zu haben, wie ich es gerne wahrhaben wollte.

Ich hatte dann irgendwann im Frühling 2022 so ein Aha-Erlebnis, das mich dazu bewogen hat, etwas Grundlegendes zu verändern. Während meine Frau noch schwanger war, hatte ich insbesondere zur Endphase des Schwangerschaft hin gesagt, dass ich abends nichts trinke, weil es ja durchaus sein könnte, dass unerwartet bei meiner Frau Wehen einsetzen würden und sie ins Krankenhaus müsse und es dann ja ziemlich ungut sei, wenn ich sie nicht hinfahren könnte, weil ich zu viel getrunken hätte. Das hat auch ganz gut funktioniert. Als unsere Tochter dann aber auf der Welt war, habe ich teilweise abends Whiskey getrunken, als ich mit ihr alleine daheim war. Um den Doppelstress aus zunehmend nerviger Arbeit und der Papa-Rolle ein bisschen glattzubügeln. Irgendwann stand ich dann bei uns im Wohnzimmer, während meine Frau bei der Rückbildungsgymnastik war, auf dem einen Arm mein Baby, in der anderen Hand das gut gefüllte Whiskey-Glas, und habe mich gefragt, was ich da eigentlich gerade für eine Schwachsinns-Nummer abziehe. Es hätte ja – genau wie in der Schwangerschaft – in diesem Moment auch gleichermaßen eine Situation eintreten können, in der es notwendig gewesen wäre, dass ich mit dem Baby ins Krankenhaus muss, und dann wäre ich fahruntüchtig und nur halber Herr meiner Sinne gewesen, weil ich meinte, mich in Anwesenheit meines Kindes betrinken zu müssen, um ein wenig zu entspannen…!?

Erschwerend hinzu kommt noch, dass ich aus einer richtigen Alkoholiker-Sippe stamme. In meiner näheren Verwandtschaft gab es mindestens 3 krasse Alkoholiker, die sich richtiggehend zu Tode gesoffen haben (die einen früher, die anderen schleichender), darüber hinaus gibt es mindestens noch 2 weitere Familienmitglieder, denen ich einen mindestens problematischen Umgang mit Alkohol bescheinigen würde. Man kann also durchaus von einer familiären Vorbelastung sprechen, derer ich mir absolut bewusst bin.

Ich hatte im Vorfeld schon einmal so einen halbherzigen Versuch gestartet, meinen Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen. Wollte aufhören, Alkohol zu trinken, habe aber nur meine Frau in diesen Plan eingeweiht, und nach ein paar Wochen bin ich dann wieder eingeknickt und hab das dann so lapidar mit „Naja, war ja nur so halb ernst gemeint, ich kann ja gucken, dass ich einfach ein bisschen gemäßigter trinke“ abgetan. Und dann wurde es im Anschluss ausufernder als jemals zuvor.

Am 12.6.2022 habe ich dann zum letzten Mal Alkohol getrunken. In der Nachbarschaft war ein weiteres Kind geboren worden und wir trafen uns mit dem frisch gebackenen Vater zum „Kindpinkeln“. Alle tranken brav ihre mitgebrachte Flasche Bier, ich war (zumindest in meiner Wahrnehmung) der Einzige, der in der gleichen Zeit 3 Flaschen in sich reinkippte.

Mir war in der Zwischenzeit klar geworden, dass ich einen klaren Schnitt brauchen würde, um das Problem in den Griff zu bekommen. Die ewigen Versuche von „Dry January“ bis „Ich versuche mal, ein bisschen maßvoller zu trinken“, würden langfristig keinen Erfolg bringen. Ich stand dann schließlich bei uns in der Küche und habe in einer Art rituellem Exorzismus Spirituosen im Wert von mehreren tausenden Euro in den Ausguss gekippt. Und ich habe, was auch ganz wichtig war, meinen dauerhaften Alkoholverzicht und mein Problem im Umgang mit Alkohol ganz offensiv nach außen kommuniziert. Das hat anfangs für ein wenig Irritation in meinem Umfeld gesorgt und insbesondere im Kreis meiner eigenen Familie hat es noch fast ein ganzes Jahr gedauert, bis meine Entscheidung als gefestigt akzeptiert und mir nicht bei jedem Besuch aufs Neue noch wieder ein Bier angeboten wurde. Aber die klare Kommunikation „Nein, ich trinke keinen Alkohol mehr, und zwar nie mehr“ nach außen, hat eben auch die Fallhöhe für einen Rückfall deutlich erhöht und so eine Art psychosoziales Sicherheitsnetz ausgespannt.

Meine Frau findet die Entscheidung natürlich auch super. Sie hat eh nie viel Alkohol getrunken, hat sich nie etwas draus gemacht. Und in sofern fällt es ihr auch leicht, mich in der Entscheidung zu unterstützen, indem wir einfach beide nichts trinken und erst gar keinen Alkohol mehr im Haus haben.

Ich bin mit dieser Entscheidung so glücklich und zufrieden, wie ich es schon lange nicht mehr gewesen bin. So gerne ich ab und an auch mal ein Bier trinken würde, einfach weil es mir schmeckt, so viel Erleichterung verschafft mit diese klar getroffene Entscheidung. Ich weiß, dass ich diesem Problem mit dem Alkohol auf Dauer nur beikommen kann, wenn ich es zu 100 % durchziehe, ohne faule Kompromisse, ohne bei jeder Gelegenheit abwägen zu müssen, was jetzt noch in Ordnung ist und was nicht. Das verschafft mir eine solche Sicherheit, Klarheit und auch Unabhängigkeit, dass ich endlich wieder das Gefühl habe, mich und mein Leben im Griff zu haben und nicht von meinen Sucht-Gelüsten getrieben zu sein.

Ich hab in meinem Leben echt genug getrunken, häufig auch zu viel und erst recht aus den falschen Gründen. Das reicht unterm Strich auf jeden Fall für ein Leben und in sofern fällt mir der Verzicht jetzt leicht.

Vielleicht können wir als Eltern unserer Tochter dann auch ein gutes Beispiel abgeben, wenn sie in einem Haushalt groß wird, in dem es eben nicht normal ist, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Gläser zu erheben. Müssen wir natürlich auf lange Sicht dann auch gucken, dass wir es nicht zu sehr verteufeln, weil das ja auch wieder ins Gegenteil kippen kann, wenn Alkohol zu Hause so ganz und gar tabu ist. Aber vielleicht können wir unserer Tochter, und das hoffe ich sehr, ja so viel Selbstbewusstsein und Lebensfreude mitgeben, dass auch sie für sich selbst zu dem klugen und klar formulierten Schluss kommt: „Alkohol – so ’nen Quatsch brauch ich nicht!“

CU in Disneyland!

Erinnerungen an eine leichte Geburt!

Vielen lieben Dank für die warmen Wieder-Willkommens-Worte. Ich freue mich, einige altbekannte Gesichter bzw. Schreibfedern hier wiederzusehen. Es war zu den Mytagebuch-Zeiten damals ja wirklich ein intensiver Austausch.

Nachdem mein letzter Eintrag im Jahr 2021 mit dem gescheiterten Versuch der äußeren Wendung unserer Tochter im Bauch meiner Frau endete, wollte ich heute ein wenig von den Ereignissen rund um die Geburt erzählen, die sich dann kurz darauf anschlossen. Unsere Tochter lag also in Beckenendlage, mit dem Popo voraus, im Becken meiner Frau und wollte sich auch mithilfe äußerer Manipulation nicht in eine andere Position bewegen lassen. Da sie aber recht klein und zierlich war (Geburtsgewicht waren am Ende knapp unter 3kg), wollten wir es dann trotzdem mit dem Versuch einer natürlichen Geburt versuchen, zumal man uns in der Geburtsklinik auch versichert hatte, dass alle nötigen Voraussetzungen dafür erfüllt seien. Im Nachhinein können wir zum Glück sagen, dass das die richtige Entscheidung war.

Am Tag des errechneten Geburtstermins fuhr meine Frau daher in die Klinik, weil die Geburt an diesem Tag eingeleitet werden sollte, damit unsere Tochter auf den letzten Metern nicht noch zu viel an Größe und Gewicht zulegen würde, was die Geburt dann hätte zusätzlich erschweren können. Das waren damals noch jene richtig ätzenden Corona-Zeiten, weshalb ich nicht mit in die Klinik durfte, sondern offiziell nur eine Stunde am Tag zu Besuch kommen durfte. Aber immerhin bei der Geburt selbst durfte ich dabei sein. Die verlief dann im Endeffekt auch so schnell, dass ich das seitens der Klinik gesetzte Stundenlimit nur gering gerissen habe.

Nach initialem Hin und Her, ob die Geburtseinleitung denn nun wirklich starten könne in Anbetracht der Klinik-Kapazitäten, ging es dann aber wirklich los und meine Frau bekam alle 4 Stunden Wehen auslösende Tabletten und im Anschluss dann jeweils eine CTG-Kontrolle. Und erst einmal tat sich den Tag über nicht viel, die letzten Tablettengabe erfolgte dann um 22 Uhr und meine Frau schickte mir noch eine Sprachnachricht aus dem Krankenhaus, dass da wohl heute Nacht nichts mehr passieren würde, so dass ich mich getrost ins Bett legen könne.

Im Nachhinein haben wir uns diese besagte Sprachnachricht auch nochmal angehört und festgestellt, dass meine Frau zu diesem Zeitpunkt doch schon ordentlich am Keuchen war und von Ziehen und Zwacken berichtete, also vielleicht hätte man (mit etwas mehr Erfahrung in Sachen Kinderkriegen) doch schon etwas vorgewarnt sein können. Ich jedenfalls legte mich dann ins Bett, den Telefonhörer neben dem Kopfkissen, und just als ich gerade weggedummelt war, klingelte um 00:05 Uhr das Telefon und die Hebamme sagte zu mir „Ihre Tochter macht sich hier gerade auf den Weg“. So halb schlaftrunken und verballert meinte ich dann nur „Ja, dann mach ich mich auch mal auf den Weg“. Gegen halb 1 war ich dann in der Klinik, der leitende Oberarzt, der diese aufgrund der Beckenendlage etwas speziellere Geburt betreuen sollte, war auch soeben eingetroffen. Und nur eine knappe Stunde später, um 1.39 Uhr, war unsere Tochter Rebecca dann auf der Welt.

Wir sind natürlich im Nachhinein alle heilfroh, dass die Geburt so schnell und gut gelaufen ist. Richtig krass, was meine Frau da für Bärenkräfte aufgebracht hat, wobei sie im Nachhinein auch sagt, dass es letztendlich natürliche Intuition war und ihr Körper schon irgendwie wusste, was er zu tun hatte. Für mich war das Geburtserlebnis aber auf jeden Fall auch krass, obschon es so kurz und unkompliziert war. Ich bin ja eigentlich hart im Nehmen und hab beruflich schon ganze Menschen „ausgeweidet“ und hab wirklich gedacht, dass mich nichts schocken könnte. Aber in dieser nächtlichen Stress-Situation mit meiner Frau im schmerzverzerrt brüllenden Ausnahmezustand und bei der eigenen empfundenen Hilflosigkeit ist mir zwischenzeitlich auch echt kurz der Kreislauf weggesackt. Was ich zum Glück rechtzeitig gemerkt und mich eilig mal kurz aufs Klo verdrückt habe, weil mir schon klar war, dass das, was alle Anwesenden da gerade am allerwenigsten gebrauchen könnten, ein auf dem Boden liegender Ehemann wäre. Mit ’nem Schluck zu trinken und kaltem Wasser im Gesicht ging es dann aber auch wieder. Und wie gesagt, die Geburt war ja dann auch zum Glück schnell überstanden, so dass mein Kreislauf keinen massiveren Herausforderungen mehr ausgesetzt wurde.

Meine Frau hatte im Vorfeld wirklich große Angst vor Geburtsverletzungen gehabt und war dementsprechend richtig, richtig erleichtert, dass unter der Geburt alles heile geblieben und hinterher nichts versorgt oder genäht werden musste. Unserer Tochter ging es auch gut. Sie brauchte nach Monaten im Bauch mit den eigenen Füßen vorm Gesicht dann noch einige Tage, bis sie sich aus dieser Klappmesser-Haltung begradigt hatte. Und zwei Tage nach der Geburt entwickelte sie eine Neugeborenen-Gelbsucht, weshalb sie noch einen halben Tag unter eine blaue Lampe in eine Art Brutkasten musste, was uns – einschließlich der ganzen begleitenden Blutentnahmen dabei – damals erstmal sehr schlimm vorkam und auch einen zusätzlichen Tag Klinik einbrachte, im Nachhinein aber natürlich eine ziemliche Kleinigkeit war.

Viele Leute sagen immer, die Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder seien die schönsten Tage in ihrem Leben gewesen. Ich fand schon relativ schnell, dass das für mich persönlich nicht zutraf. Die Geburt ist total gut verlaufen und darüber sind wir alle froh und glücklich, aber ein im klassischen Sinne schönes Erlebnis war es trotzdem nicht. Ich finde, der viel schönere oder vielleicht auch schönste Moment war dann eher, als wir schließlich mit der Kleinen zu Hause waren und nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Stillen und Versorgen alles gut lief und wir den ersten Tag am Stück so wirklich das Gefühl entwickelt haben: Ja klar, wir kriegen das hier hin.

CU in Disneyland!

Hello again!

Hallo.

Vielleicht kennt der/die Eine oder Andere mich hier noch.

Mehr als zwei Jahre ist es nun schon her, dass ich hier etwas zu Papier gebracht habe.

Mein letzter Eintrag stammt noch aus der Zeit, kurz bevor unsere Tochter geboren wurde. Mittlerweile ist Rebecca schon 2 Jahre und 4 Monate alt und hat mein und unsere Leben komplett durcheinander gewirbelt.

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, hier mal wieder etwas zu schreiben. Heute ist ein guter Tag, um damit wieder anzufangen, denn in unserer ehemaligen familiären Mytagebuch-Community war der 10.2. mein Anmelde- und Jubiläumsdatum. Vor sage und schreibe 23 Jahren habe ich mich dort mal angemeldet und habe dann, als die Lichter ausgingen, mit zu WordPress „rübergemacht“.

Das Leben mit Kind hat uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt, die wir so nicht erwartet hatten. Im Nachhinein frage ich mich mitunter, wie naiv wir gewesen sind. Meine Frau nutzt seit geraumer Zeit schon Instagram als ihr Tor zur virtuellen Welt, um ihre Eindrücke und Gedanken zu diesem Thema zu verarbeiten. Mir hat das „Tagebuch“-Schreiben eigentlich immer geholfen, meine Gedanken zu ordnen, also wieso nicht mal wieder damit anfangen…!?

Zunächst einmal kann ich zum Glück sagen, dass unsere Tochter gesund ist und sich ganz prächtig entwickelt hat. Sie ist ein richtiger Wirbelwind und brabbelt mittlerweile den ganzen Tag mit großer Freude und stetig wachsendem Mitteilungsbedürfnis. Im Grunde war sie von Anfang an ein relativ pflegeleichtes Kind. Dennoch sind meine Frau und ich immer wieder an unsere persönlichen Grenzen gestoßen und tun das auch immer noch. Wie gesagt, wir sind die Sache mit der Familiengründung im Nachhinein betrachtet wahnsinnig naiv angegangen. Wir haben zu uns gesagt: „Was sollen wir irgendwelche Ratgeber lesen? Wir verlassen uns einfach auf unsere Intuition!“ Und haben dann auf der bisherigen Reise festgestellt, dass das, was wir für unsere Intuition gehalten haben, im Grunde nur ein relativ verqueres Bild von Erziehung und Familienleben ist, das wir selbst von unseren Altvorderen mitbekommen haben.

Das mit dem Ratgeber-Lesen haben wir mittlerweile ausgiebiger nachgeholt und es ist spannend, was es zu diesem Thema alles an Gedanken zu entdecken gibt. Früher habe ich gedacht, dass wenn man 10 Ratgeber liest, man am Ende mit 11 Meinungen dasteht und auch bloß nicht weiß, was man machen soll. Ein bisschen ist das vielleicht auch so, aber der Grundtenor der meisten Bücher zum Thema Erziehung oder Leben mit Kind ist doch – auch wenn sich die genauen Spezifizierungen vielleicht unterscheiden – dass sich die Ansichten zu diesen Themen seit der vorherigen Generation schon ziemlich massiv gewandelt haben und heute viel mehr versucht wird, den Kindern auch kindgerecht und „auf Augenhöhe“ zu begegnen. Dass sie eben keine kleinen Erwachsenen sind, sondern ihre ganz eigenen Entwicklungsphasen durchmachen und dabei keine starren Schablonen, sondern liebevolle Begleitung brauchen.

Mir selbst ging es so ein halbes Jahr nach der Geburt unserer Tochter psychisch ziemlich schlecht. Ich habe mich in der Doppelrolle als Familienernährer und Familienvater ziemlich aufgerieben und das hat mich zunehmend traurig und erschöpft werden lassen. Der Austausch mit meiner Frau darüber hat mir sehr geholfen, dieses Tief zu überwinden. Nach Rebeccas erstem Geburtstag hat sich dann eine dunkle Gewitterwolke über die Seelenlandschaft meiner Frau gelegt, aus der sie sich mit Hilfe von Psychotherapie, virtuellem Austausch und hoffentlich auch ein wenig meiner Unterstützung allmählich herauskämpft. Die Einen haben es postpartale Depression genannt (von der ich vorher geglaubt hatte, sie würde nur im Wochenbett auftreten), die Anderen eine Anpassungsstörung. Und ja, es ist nach wie vor ein Kampf, den Alltag mit all seinen Herausforderungen auf die Kette zu bekommen.

Auch ansonsten hat sich in der Zwischenzeit einiges verändert, unter Anderem haben wir mittlerweile auch beide neue Jobs angefangen. Meine alte Stelle hat sich innerhalb recht kurzer Zeit auf dramatische Weise in Wohlgefallen aufgelöst. Mittlerweile pendle ich jeden Tag 70 km zur Arbeit, da es in meiner speziellen Branche nicht so viele Stellen gibt. Das ist auf der einen Seite besser, als auf der alten Arbeit geblieben zu sein, aber ist auf der anderen Seite natürlich auch eine ziemliche Belastung.

In der nächsten Zeit möchte ich von den Veränderungen der letzten Jahre mehr berichten.

CU in Disneyland!

Wenn möglich, bitte wenden!

Gestern hatten wir einen Termin in unserer auserkorenen Geburtsklinik für den Versuch einer äußeren Wendung unserer kleinen Maus, die es sich weiterhin klappmesserartig in der Beckenendlage gemütlich gemacht hat. Trotz Bauchbeklopfung, -beleuchtung und Akupunktur hat sie bislang keine Anstalten unternommen, sich noch einmal in die korrekte Startposition „Richtung Ausgang“ zu bewegen. Da es an der Klinik einen Oberarzt gibt, der sich auf solche Fälle spezialisiert hat, wollten wir unser Glück einmal probieren und schauen, ob sich da vielleicht noch was machen lässt. Leider hat das Wendemanöver unterm Strich nicht funktioniert, das kann ich gleich schon mal verraten. Trotzdem war das ein ganz guter Tag, den wir da in der Klinik verbracht haben.

  • Wir wissen nun, dass die Kleine zwar in Beckenendlage liegt und aller Voraussicht nach auch bis zum Ende der Schwangerschaft liegen bleiben wird. Allerdings konnte man uns glaubhaft versichern, dass sie in dieser „falschen“ Lage noch genau „richtig“ liegt, so dass eine natürliche Geburt trotzdem mit hoher Erfolgsaussicht funktionieren kann. Alle geforderten Kriterien für eine natürliche Geburt aus Beckenendlage sind bei uns erfüllt, weshalb wir es dann auch frohen Mutes versuchen werden.
  • Der betreffende Oberarzt machte einen sehr netten und kompetenten Eindruck und hat sich wirklich viel Zeit genommen, uns alle Optionen zu erläutern, das Für und Wider mit uns gemeinsam abzuwägen und auf unsere Fragen einzugehen. Das hilft ja auch schonmal enorm, wenn man da ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann und sich gut betreut fühlt. Das ist für uns auch ein Argument, dass dann eben für eine natürliche Geburt spricht; dass wir wissen, dass diese aufgrund der besonderen Voraussetzungen engmaschiger betreut wird und der Oberarzt für uns zuständig sein wird.
  • Wir konnten schon einmal die Räumlichkeiten des Kreißsaals mit eigenen Augen gestern sehen, was ansonsten gerade wegen der Coronalage nicht möglich ist, Kreißsaalführungen finden derzeit ja nicht statt. Auch alle Hebammen, denen wir da gestern begegnet sind, waren sehr nett und freundlich und verströmten ein Gefühl von Sicherheit.
  • Und ich konnte gestern auch den ganzen Tag dabei sein, was ja auch keine Selbstverständlichkeit zur Zeit ist. Alles in allem waren wir schon 4 Stunden in der Klinik und für Catharina wäre es ziemlich ätzend gewesen, da die ganze Zeit alleine zu sein. Und der Versuch des Wendemanövers war auch nicht gerade angenehm für sie, da war es auch ganz gut, dass ich dabei sein und ihr beistehen konnte. Wir haben da gestern einfach ein bisschen „Dreistheit siegt“ gespielt, ich bin einfach stumpf überallhin mitgekommen, ohne groß nachzufragen. Schon an der Rezeption hatte man versucht, mich abzuwimmeln, aber wir haben dann einfach gesagt, dass wir den Termin gemeinsam haben. Ich hab dann nur so ein Besucherformular ausfüllen müssen, aber das war ja der geringste Aufwand, gar kein Problem.
  • Wir hatten im Vorfeld natürlich auch ein wenig Sorge, dass bei so einer äußeren Wendung ja auch was schiefgehen könnte, von Fruchtblasensprung über Plazentaablösung und dass es dann holterdiepolter gestern schon zu einem Notkaiserschnitt hätte kommen können. Unsere kleine Maus ist derzeit noch recht zart, geschätzte 2600 g und auf der 20. Perzentile. Da würden wir ihr gerne die 3 Wochen bis zum errechneten Termin noch gönnen, damit sie noch ein wenig draufpacken kann. Aber es ist alles gut gegangen gestern, also mal abgesehen davon, dass die Wendung an sich nicht geklappt hat. Aber keine Komplikationen. Und mit der jetzt angestrebten natürlichen Geburt kann unsere Tochter vielleicht noch 3 kuschelige Wochen im Mutterleib verbringen und wird nicht vorzeitig ans Licht gezerrt.

In zwei Wochen gibt es jetzt nochmal einen Kontrolltermin in der Klinik um kurz vor dem errechneten Geburtstermin noch einmal zu überprüfen, ob die Lage des Kindes weiterhin so geblieben ist wie gehabt oder ob sich an den Grundvoraussetzungen etwas geändert hat. Zwischendurch stehen darüber hinaus ja eh noch Gynäkologen-Termine zur Kontrolle an.

Am Wochenende hatten wir noch Besuch von Catharinas Eltern, wahrscheinlich ja das letzte Mal ohne Kind bei uns. Wir haben uns ein entspanntes Wochenende gemacht und lecker gegessen und viel gequatscht. Catharinas Papa hat uns noch ein Wandregal in unsere Abstellkammer gebastelt, damit wir noch ein bisschen mehr Abstellfläche haben. Wir konnten dann unser Haus direkt wieder ein bisschen kindersicherer machen, haben zum Beispiel schon mal die ganzen Putzmittel von unter der Spüle weggeräumt und auf das oberste Regalbrett in der Kammer verfrachtet.

Außerdem haben wir am Wochenende dann auch alle zusammen meine Eltern besucht. Diese sind nämlich im August – ich hatte das in einem Kommentar an Edith zum letzten Eintrag schonmal angedeutet – auch nach Bremen gezogen gekommen und wohnen jetzt nur knappe 2 Kilometer von uns entfernt. Meine Mama hat aufgehört zu arbeiten und weil es sowohl meine Schwester als auch mich nach Bremen verschlagen hat und zumindest für meine Mama nun bald das erste Enkelkind vor der Tür steht (mein Papa hat schon drei Enkelkinder von einer Tochter aus seiner ersten Ehe), war das jetzt eine gute Gelegenheit für sie, auch ihre Zelte im Ruhrpott abzubrechen und nach Bremen zu kommen. Hinzu kam, dass meine Schwester einen schönen kleinen altengerechten Bungalow gefunden hat, der gerade 4 Jahre seit der Erbauung auf dem Buckel hatte und zum Verkauf stand (ein Scheidungshaus) und den sie dann gekauft hat und jetzt an meine Eltern vermietet. Insgesamt also eine ziemlich gute Konstellation für uns alle.

Meine Eltern hatten dann noch die lustige Idee, wo wir schonmal alle beisammen waren (meine Schwester war auch mit dabei), dass alle Anwesenden ihre ernst gemeinten Namensvorschläge für unsere Tochter aufschreiben und in einen Umschlag packen sollten, der dann nach der Geburt geöffnet wird. Also quasi die Namen, von denen sie denken, dass wir unsere Tochter so nennen würden. Wir sind mal gespannt, ob jemand den richtigen Namen getroffen hat und vielleicht auch noch viel gespannter, was für Namen zu vergeben uns unsere Familien so zutrauen… Es ist auf jeden Fall ein sehr wohlklingender und auch nicht sonderlich exotischer Mädchenname, den aber bislang noch niemand erraten hat (seit Catharina schwanger ist bekommen wir ja ständig von Freunden, Verwandten und Bekannten Namensvorschläge und Tipps um die Ohren gehauen, aber der richtige Name war da bislang noch nicht dabei).

Vielen Dank auch noch einmal für die vielen freundlichen und teilnehmenden Nachrichten zu meinem letzten Eintrag. Ich versuche auf jeden Fall, euch hier auch virtuell auf dem Laufenden zu halten, wie es sich mit der kleinen Maus weiter entwickelt und wann sie das Licht der Welt erblickt.

CU in Disneyland!

Was reimt sich auf Rindfleischsuppe?

So allmählich wird es ernst. Meine Frau ist mittlerweile in der 35. Schwangerschaftswoche angekommen und der errechnete Geburtstermin rückt näher. Glücklicherweise ist die Schwangerschaft bislang sehr entspannt und komplikationsfrei verlaufen, Catharina selbst spricht sogar von einer „Traumschwangerschaft“. Langsam wird zwar Vieles etwas beschwerlicher für sie, aber das ist ja normal und wir können uns gar nicht beschweren.

Gerne hätte ich ein bisschen häufiger Tagebuch geschrieben während der letzten Monate, weil es einfach eine spannende Zeit mit vielen Veränderungen ist. Wir haben uns zuhauf mit Anträgen und Formalia rumgeschlagen. Haben einen Online-Geburtsvorbereitungskurs besucht. Und wir waren viel unterwegs und haben nach Ausstattung fürs Babyzimmer geschaut und nach nötigen und unnötigen Accessoires. Anziehsachen fürs Kind haben wir glücklicherweise ausnahmslos von Freunden und Verwandten geschenkt bekommen, fast ausschließlich aus zweiter Hand, was wir auch toll finden. Diese kleinen Kindersachen werden so kurz getragen, dass es der blanke Irrsinn ist, das alles neu zu kaufen.

Meine Frau hat selbst ein handschriftliches Schwangerschaftstagebuch geführt, in das sie während der letzten Monate immer wieder geschrieben hat. Ist auch eine schöne Vorstellung, das irgendwann später mal dem Kind zu zeigen, als Dokument unserer Vorfreude. Ich habe in jenes Tagebuch auch hineingeschrieben, damit auch die Stimme des Vaters nicht ganz zu kurz kommt dabei.

Im Juni waren wir nochmal für eine Woche auf Baltrum im Urlaub, was wirklich schön war. Es war ein gut gewählter Zeitpunkt, weil Catharina da noch ziemlich fit war und wir noch nahezu ungebremst über den Strand und durch die Dünen flanieren konnten. Und es war auch schön, mal wieder rauszukommen und woanders zu sein. Für mich war es mein erster Verreise-Urlaub seit 2018. Auf Baltrum haben wir uns dann auch endgültig auf einen Namen für unsere Tochter geeinigt. Eigentlich standen auch nur noch 2 Favoriten zur engeren Auswahl, aber zwischen diesen und auch bezüglich möglicher Schreibweisen gab es noch ein wenig Unklarheit. Aber jetzt wissen wir, wo die Reise namentlich hingeht.

Ein Problem gibt es allerdings doch noch, zur Zeit liegt die Kleine nämlich noch falsch herum im Bauch, also mit dem Allerwertesten Richtung Ausgang. Und das Zeitfenster, in dem zu erwarten steht, dass sie sich von selbst noch in die richtige Position dreht, schließt sich so langsam. Wir haben in knapp 2 Wochen einen Termin in der Geburtsklinik, wo dann nochmal geschaut werden soll, ob es Gründe dafür gibt, dass sie sich nicht dreht und ob man vielleicht eine äußere Wendung versuchen kann. Das soll allerdings nicht gerade angenehm sein und ist auch mit einem gewissen Risiko verbunden, dass es im Anschluss zur Kaiserschnitt-Geburt kommt, wenn dabei irgendwelche Komplikationen auftreten. Das wäre dann noch etwas mehr als drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. An sich kein Drama, aber irgendwie hätten wir es schon gerne noch bis in den Oktober geschafft bis zur Geburt.

Grundsätzlich ist wohl auch eine Geburt aus der Beckenendlage, also mit dem Popo voran, möglich, wobei man sich vorher eben genau anschauen muss, ob es irgendwelche Gründe gibt, die dagegen sprechen könnten. Und wir sind uns auch nicht ganz sicher, inwieweit man sich selbst, vor allem aber auch dem Kind damit einen Gefallen tut. Wir sind auf jeden Fall total für eine natürliche Geburt, aber wenn es am Ende so eine totale Kack-Aktion mit Not-Kaiserschnitt und anschließend intensiver Osteopathie fürs Kind wird, dann würden wir doch lieber den geplanten Kaiserschnitt nehmen. Klar, man kann so oder so nicht alles im Voraus planen, gerade nicht beim Thema Geburt, aber wir hoffen einfach mal, dass wir dazu eine kompetente Einschätzung in der Geburtsklinik bekommen. Hat von euch Leserinnen und Lesern hier jemand eigene Erfahrungen mit dieser Problematik?

Am Donnerstag haben Catharina und ich ein Babybauch-Fotoshooting gemacht, mittlerweile ist der Bauch ja auch wirklich schon ganz imposant geworden. Das hat Spaß gemacht und wir hatten auch echt Glück mit dem Wetter und konnten schön die Abendstimmung einfangen.

Es liegt jetzt noch das Wasserzeichen der Fotografin drüber, weil es sich nur um die Vorab-Bilder handelt, die sie uns in eine Galerie hochgeladen hat.

Ich werde nach der Geburt für 3 Monate daheim bleiben und Elternzeit nehmen. Mein Chef war darüber nicht unendlich glücklich, weil die personelle Situation bei uns auf der Arbeit derzeit ohnehin etwas angespannt ist, aber ehrlich gesagt ist mir das gerade ziemlich egal. Neben der Tatsache, dass ich mich einfach auf die Zeit mit meiner Frau und dem Baby freue und die Beiden in dieser aufregenden ersten Zeit dann hoffentlich gut unterstützen, betüddeln und versorgen kann, bin ich auch einfach ganz froh, nochmal die Chance zu haben, für ein paar Monate bei der Arbeit raus zu kommen und Abstand zu gewinnen. Ich hoffe auch einfach, dass ich nach den drei Monaten Elternzeit dann einen ganz anderen Fokus auf das habe, was wirklich wichtig ist, und mich von den unverältnismäßigen Arbeitsmengen nicht mehr so stressen lasse.

Am Dienstag war ich im Bremer Lokalfernsehen zu sehen, in dem Regionalmagazin „buten un binnen“. Ich hatte dort an einer Online-Befragung zum Thema „Gesundheitssystem“ teilgenommen. Und nach der Auswertung dieser „Meinungsmelder“-Umfragen basteln die Macher immer einen kleinen Film zur Präsentation der Ergebnisse zusammen, in denen einer der „Meinungsmelder“ auch persönlich zu Wort kommt. Da meine abgegebene Meinung wohl ziemlich repräsentativ war für die Durchschnittsmeinung und ich selbst ja auch im Gesundheitssystem arbeite, fand die Redakteurin wohl, dass ich als Repräsentant da gut in Frage kommen würde. Sie hatte mich am Montag kontaktiert und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, auch vor der Kamera was dazu zu sagen, und am Dienstag kam dann eine Kamerateam von buten un binnen in meiner Mittagspause vorbei und wir drehten ein kleines Interview und ich musste 5-mal einen Weg rauf und runter laufen, damit man mich im Beitrag an- und abmoderieren konnte. Hat Spaß gemacht und auch insgesamt nur eine halbe Stunde gedauert.

https://www.butenunbinnen.de/videos/meinungsmelder-gesundheit-102.html

Unter dem Link kann man sich das Ergebnis ansehen.

So, heute muss noch Rasen gemäht werden und außerdem hat mein Papa Geburtstag, da werden wir wohl am Nachmittag wohl mal einen Abstecher hin machen und ein wenig Kuchen essen und feiern.

Euch allen ein schönes Wochenende. CU in Disneyland!

Wie ein Vogel mit mächtigen Schwingen, mit rückhaltlosem, freudigem Vertrauen!

Die Zeit vergeht weiterhin im Flug. An dem Wochenende vor dem jetzigen Pfingstwochenende hatten wir schon unseren ersten Hochzeitstag. Wir haben einen schönen ruhigen Tag verbracht und haben uns die vielen Fotos und Videos von dem Tag angesehen und in Erinnerungen geschwelgt. Kommt mir definitiv noch nicht ein Jahr her vor, weil mir alles noch so präsent ist. Vielleicht aber auch, weil in dem Lockdown-Jahr seither nicht sooo viel passiert ist. An unserem Hochzeitstag haben wir Rouladen gekocht (an der Hochzeit selbst hatten wir ebensolche vom Caterer), die auch sehr lecker geworden sind. Und wir haben die Reste unserer vor einem Jahr eingefrorenen Hochzeitstorte gegessen. Die hatten allerdings geschmacklich ein wenig gelitten und bekamen uns auch beiden Magen-Darm-mäßig nicht ganz so gut. Aber immerhin haben wir die Tradition erfüllt. ^^

Letzte Woche stand dann der große Ultraschall-Termin in der 20. Schwangerschaftswoche bei meiner Frau an. Diesmal durfte ich erfreulicherweise auch einmal mitkommen in die Praxis der Frauenärztin – das war bislang coronabedingt noch nicht möglich gewesen. So habe ich unser Kind dann auch das erste Mal mit eigenen Augen sehen können, wenn auch nur auf der Projektion schwarz-weißer Ultraschallbilder auf einem Monitor. Richtig schön, wenn man so ein kleines Würmchen das erste Mal im Livebild sieht und was man alles schon gut erkennen kann. Schon verrückt, wie groß der kleine Parasit mittlerweile schon geworden ist und wie aktiv er da durchs Fruchtwasser strampelt, ohne dass man von außen bislang etwas merkt davon. Wir waren auf jeden Fall sehr glücklich, dass mit dem Kind alles in Ordnung zu sein scheint, alle Organe ordentlich angelegt, alle messbaren Größen im Normbereich. Und wir wissen jetzt auch, dass wir eine Tochter bekommen werden. Somit hat Catharinas Papa mit seiner Traum-Vision und seiner Vorhersage Recht behalten (aber gut, die Chance stand auch bei 50:50 😉 ). Wir hatten da keine wirkliche Präferenz, trotzdem ist es schön, das jetzt zu wissen und sich bei der Namenssuche ein wenig einschränken zu können. Wobei wir – glaube ich – jetzt schon weitgehend entschieden sind, ein Jungenname stand für uns ja sowieso schon fest, aber auch beim Mädchennamen haben wir uns mittlerweile weitgehend festgelegt. Daneben ist es aber auch schön, in dem Wissen um das Geschlecht des Kindes jetzt von IHR sprechen zu können und nicht nur von dem Baby.

Catharina hat sich inzwischen auch ein wenig Umstandsmode zugelegt, weil die bisherigen Hosen und Shirts nicht mehr ewig passen werden und der Bauch beständig wächst. Mittlerweile kann sie den Fakt der Schwangerschaft nicht mehr wirklich verbergen (muss sie ja aber auch nicht ^^). Dem Internet sei Dank konnten ein paar Onlineshops nach Schwangerschaftsmode durchforstet und ein paar schöne Dinge erstanden werden.

Ich hab zum Vatertag vorvergangene Woche von einem unserer Nachbarn einen Ratgeber zum Vater-Werden mit Widmung zum „Future Father`s Day“ geschenkt bekommen. Fand ich auch sehr nett. 🙂 Ich selbst habe dieser Tage für andere Nachbarn ein Lied geschrieben, mit dem ich am Ende recht zufrieden war. Sie sind Anhänger einen eher kleinen, unbekannteren Religion (Bahai-Religion) und hatten erzählt, dass sie jetzt einen Feiertag in ihrer Religion begehen. Das hat mich irgendwie interessiert und inspiriert und ich hab mich ein bisschen zum Ursprung des Feiertags belesen und dann ein ganz und gar weltliches Lied komponiert mit Gedanken und Zitaten aus ihrer Religion. Manchmal finde ich es einfach spannend, mich mit einem mir fremden Thema zu beschäftigen und daraus Musik zu machen. Und den Nachbarn hat’s am Ende auch gefallen.

In unserem Garten wurde jetzt kürzlich auch eine kleine Gartenhütte aufgebaut, gestrichen in einem sehr ansprechenden Schwedenrot. Ist ein echter kleiner Hingucker. Gestern haben wir sie mal eingeräumt und konnten dadurch unsere Vorratskammer im Haus entrümpeln und Gartengerätschaften endlich auslagern und etwas Platz schaffen. Und unsere Fahrräder sind auch mal von der Terrasse runter, was es noch deutlich gemütlicher dort macht. Passend dazu haben wir letzte Woche eine saftige Steuerrückzahlung bekommen aus dem Jahr unserer Hochzeit, so dass die Kosten der Hütte und des unterliegenden Fundaments schon wieder gegenfinanziert sind. Läuft! 😉

Gerade sitze ich hier am morgendlichen Tisch und höre neben dem Tagebuchschreiben „Rough and rowdy ways“, das jüngste Album von Bob Dylan, der heute 80 Jahre alt wird. Mal gucken, was er sich noch so alles ausdenkt in seinem stattlichen Alter, sein letztes Werk von 2020 strotz auf jeden Fall nur so vor Kreativität und Spielfreude. Der Typ ist einfach nur der absolute Oberknaller und ich bin der totale fanatische Verehrer.

Einen schönen Feiertag heute allerseits und beste Grüße in die Runde. CU in Disneyland!

PS: Vielen Dank für die lieben Worte und Glückwunsche zum letzten Eintrag! 🙂