Professor

Mephisto, Film von István Szabó, 1981 (nach dem gleichnamigen Roman von Klaus Mann von 1936), via imdb.com

Ich bin doch nur ein Schauspieler! (Schlussszene „Mephisto“, 1981)

The Pope’s Penis: It hangs deep in his robes, a delicate/clapper at the center of a bell. It moves when he moves, a ghostly fish in a/halo of silver seaweed, the hair swaying in the dark and the heat and at night while his eyes sleep, it stands up/in praise of God. (Sharon Olds, via C. J. Setz, Frankfurter Poetik-Vorlesung 2023)

Ich sehe sein Gesicht vor mir:
den goldenen Rand seiner Brille, die Schwärze
der Augen, das Lächeln der Katze in Schuhen aus Samt,
so elegant/auf allen Wegen. Abgrundtiefe Faust-Verehrung. Auftritt 
Mephistopheles: Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht;
denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär’s,
dass nichts entstünde. So ist denn alles, was  ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das
Böse nennt, mein eigentliches Element. 
Wir (Mädchen) davon unbeeindruckt.
Busen, dutzendfach auf fest verschränkten Armen aufgetürmt zum Bollwerk, zur Bastion, zum/Publikum. Ist doch alles nur Theater! Die Kirche kommt dem quasi gleich. Das Wunder der Verwandlung? Mit Musik, Kostümen, Messwein, kein Problem. Vom Weihrauchnebel halb benommen/Ministranten (kniend) — Schwänzen!? (Haha, falsch gelesen?) Tolerierbar, wenn es denn im/Rahmen
bleibt. Als der Professor mich dann doch einmal zur Rede stellt, gebe ich
von jetzt auf gleich das Drama einer toten/Katze (meiner, wie sie leibt
und lebt) und während mir wie selbstverständlich/Tränen aus 
den Augen stürzen, sehe ich in/seinen, Vergebung und
Erleichterung, und mich selber auch darin, nur 

             kleiner und verkehrt herum —


Das war’s. Der Vorhang
ist gefallen, die Vorstellung, vorbei.
Nur das Gedicht geht immer weiter. Spricht uns frei, im Licht
von Sternen, und du weißt, totaler Quatsch. Te absolvo? Das Lachen der Elster,
von oben herab; Im Schwarzen schillernd, ihr/Gefieder; Federn vom Barett
des Teufels. Natürlich wusste er immer Bescheid.
             Nur kleiner und verkehrt herum —

Professor, 2023                                                        Foto: Katze, eigenes Bild, 2023

(Ego) te absolvo  = lat. Ich spreche dich frei (von Sünden). Vgl. Absolution.

Der Text bezieht sich auf Erinnerungen an meine Gymnasialzeit, sowie auf allgemeine Probleme der Wissens- bzw. der (Kunst-)Vermittlung: Wie kann man Kunst lernen bzw. lehren? Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Leben und wie konsequent oder rücksichtslos sind wir bereit sie zu ziehen? (Vgl. Clemens J. Setz, Mysterien, Frankfurter Poetik-Vorlesung im Sommersemester 2023.)

Die Darstellung des Teufels, als Geist, der stets verneint, stammt aus Faust: Eine Tragödie von Johann Wolfgang v. Goethe.

Mephisto, Film von István Szabó, 1981 (nach dem gleichnamigen Roman von Klaus Mann von 1936), via imdb.com

Ich bin doch nur ein Schauspieler! (Schlussszene „Mephisto“, by Istvan Szabo, 1981)

The Pope’s Penis. It hangs deep in his robes, a delicate/clapper at the center of a bell. It moves when he moves, a ghostly fish in a/halo of silver seaweed, the hair swaying in the dark and the heat and at night while his eyes sleep, it stands up/in praise of God. (Sharon Olds, via Clemens J. Setz, Frankfurter Poetik-Vorlesung 2023)

Ich sehe sein Gesicht vor mir:
den goldenen Rand seiner Brille, die Schwärze
der Augen, das Lächeln der Katze in Schuhen aus Samt, so
elegant auf allen/Wegen. Abgrundtiefe Faust-Verehrung. Auftritt als Mephistopheles: Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht;
denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär’s, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.
Wir (Mädchen) davon unbeeindruckt. Busen, dutzendfach auf fest verschränkten Armen
aufgetürmt zum Bollwerk, zur Bastion, zum/Publikum. 

Ist doch alles nur Theater! 
Die Kirche kommt dem quasi gleich. 
Das Wunder der Verwandlung? Mit Musik, Kostümen, 
Messwein, kein Problem! Vom/ Weihrauchnebel halb benommen/ 

Ministranten, kniend. Schwänzen? (Haha, falsch gelesen?) Tolerierbar, wenn es nur im/Rahmen bleibt. Als der Professor mich dann doch einmal zur Rede stellt, gebe ich von jetzt auf gleich das Drama einer toten/Katze (meiner, wie sie leibt und lebt) und während mir wie selbstverständlich/
Tränen aus den Augen stürzen, sehe ich in seinen, Vergebung und Erleichterung und mich selber auch darin, nur  

             kleiner und verkehrt herum —

 

Das war’s. Der Vorhang
ist gefallen, die Vorstellung, vorbei. Nur das
Gedicht geht immer weiter. 
Spricht uns frei, im/Licht von Sternen,
und du weißt, totaler Quatsch. Te absolvo? Das Lachen der Elster von
oben herab; Im Schwarzen schillernd, ihr/
Gefieder, Federn vom Barett
des Teufels. 
Natürlich wusste er immer Bescheid.

             Nur kleiner und verkehrt herum —

Professor, 2023                                    Foto: Katze, eigenes Bild, 2023

(Ego) te absolvo = lat. ich spreche dich frei (von Sünden). Vgl. Absolution.

Der Text bezieht sich auf Erinnerungen an meine Gymnasialzeit, sowie auf allgemeine Probleme der Wissens- bzw. Kunstvermittlung: Wie kann man Kunst lernen bzw. lehren? Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Leben und wie konsequent oder rücksichtslos sind wir bereit sie zu ziehen? (Vgl. C. J. Setz, Mysterien, Frankfurter Poetik-Vorlesung 2023.)

Die Darstellung des Teufels als Geist, der stets verneint stammt aus Faust: Eine Tragödie von Johann Wolfgang v. Goethe.

Mephisto, Film von István Szabó, 1981 (nach dem gleichnamigen Roman von Klaus Mann von 1936), via imdb.com

Ich bin doch nur ein Schauspieler!
(Schlussszene „Mephisto“, 1981)

The Pope’s Penis. It hangs deep in his robes, a delicate/clapper at the center of a bell. It moves when he moves, a ghostly fish in a/halo of silver seaweed, the hair swaying in the dark and the heat and at night while his eyes sleep, it stands up/in praise of God. (Sharon Olds, via C. J. Setz, 
Frankfurter Poetik-Vorlesung 
2023)

Ich sehe sein Gesicht vor mir:
den goldenen Rand seiner Brille, die Schwärze der Augen, das Lächeln der Katze in Schuhen aus Samt, so elegant auf allen/Wegen. Abgrundtiefe Faust-Verehrung. Auftritt als Mephistopheles: Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär’s, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element. Wir (Mädchen) davon unbeeindruckt. Busen, dutzendfach auf fest verschränkten Armen aufgetürmt zum Bollwerk, zur Bastion, zum/Publikum — 

Ist doch alles nur Theater! Die Kirche kommt dem quasi gleich. Das Wunder der Verwandlung? Mit Musik, Kostümen, Messwein, kein Problem! Vom Weihrauchnebel halb benommen/Ministranten, kniend. Schwänzen?! (Haha,  falsch gelesen?) Tolerierbar, wenn es denn im/Rahmen bleibt. Als der Professor mich dann doch 
einmal zur Rede stellt, gebe ich
von jetzt auf gleich das Drama einer toten/ Katze (meiner, wie sie leibt und lebt) und während mir wie selbstverständlich Tränen aus den Augen stürzen, sehe ich in seinen, Vergebung und Erleichterung und mich selber auch darin, nur kleiner und verkehrt herum —

 

Das war’s. Der Vorhang ist/
gefallen. Die Vorstellung, vorbei. Nur das Gedicht geht immer weiter. Spricht uns frei, im Licht von Sternen und du weißt, totaler Quatsch. Te absolvo? Nur das Lachen der Elster von oben herab; Im Schwarzen schillernd, ihr/Gefieder; Federn vom Barett des Teufels. Natürlich wusste er immer Bescheid. Nur kleiner und verkehrt herum —

Professor, 2023   

Foto: Katze, eigenes Bild, 2023

(Ego) te absolvo = lat. ich spreche dich frei (von Sünden). Vgl. Absolution.

Der Text bezieht sich auf Erinnerungen an meine Gymnasialzeit, sowie auf allgemeine Probleme der Wissens- bzw. Kunstvermittlung: Wie kann man Kunst lernen bzw. lehren? Wo verläuft die Grenze zwischen Kunst und Leben und wie konsequent oder rücksichtslos sind wir bereit sie zu ziehen? (Vgl. Clemens J. Setz, Mysterien, Frankfurter Poetik-Vorlesung 2023.)

Die Darstellung des Teufels als Geist, der stets verneint, stammt aus Faust: Eine Tragödie von Johann Wolfgang v. Goethe.

One thought

Comments are closed.