
Snakes! Two Snakes! Coiling, uncoiling/Boiling and cooling/Oil in a cauldron/Foil in a river/Soil on a mood ring//He stares —
Teiresias, Kae Tempest (formerly Kate Tempest)
Hesiod aber erzählt, er (Teiresias) habe bei Kyllene Schlangen sich begatten sehen, habe sie verwundet und sei so vom Mann zur Frau geworden. Als er denselben Schlangen wieder bei der Begattung begegnet, sei er wieder Mann geworden. Deshalb befragten ihn Zeus und Hera, als sie einmal stritten, ob die Frauen oder die Männer mehr Vergnügen beim Beischlaf hätten. Dieser antwortete, von zehn Teilen des Vergnügens beim Beischlaf hätte einen der Mann und neun die Frau. Hierauf blendete ihn Hera, Zeus aber erteilte ihm die Sehergabe.
Teiresias, Hesiod, via Gottwein
Mit einem Traumbild
aufgewacht, alle Pläne aufgeschoben.
Aufgehoben, während des Kamin-Anfeuerns, im Lecken
kleiner Flammen-Zungen, während des Kaffee-Aufbrühens, im Sich-
Wölben und Aufbrechen kleiner Tümpel. Davor hocken wie Narziss (weil davon
handelt dieser Traum), verlockt vom Dunkel und dem Wunsch, es zu ergründen:
die vertraute Traurigkeit, die Wut, der Neid? Auf eine fremde Haut? Dann häute
dich! Jetzt gleich? Immer noch derselbe Scheiß? Ein Traum im Traum im Traum: darin verwickelt, eine Nymphe, namens Echo. Redet viel. Deckt den Obervögler Zeus auf einem seiner vielen/Liebesabenteuer, indem sie seine Frau (die Zeus
mit Eifersucht verfolgt), durch Plauderei aufhält. Die Strafe folgt (gottgemäß) fürs Plaudern, nicht fürs Vögeln. Echo verliert ihre Stimme, kann (statt ganzer
Sätze) nur mehr letzte Worte sagen, fremde letzte Worte. Als sie
ihr Herz an den Narziss verliert, folgt sie ihm
als Echo — Echo —Szenenwechsel: Wald.
Narziss allein, ohne seine Jagdgefährten.
Echo wittert ihre Chance. Aus dem dichten Gesträuch
nun trat sie hervor, mit dem Arm den ersehnten Hals zu umschlingen.
Jener entflieht, und entziehend: Hinweg die umschlingenden Hände, sagt er;
lieber den Tod, als dir mich schenken, begehr‘ ich! Nichts antwortete jene als:
Dir mich zu schenken begehr‘ ich! Und die Verachtete schlüpft in den Wald; ihr errötendes Antlitz deckt sie mit Laub, und lebt seitdem einsam in Grotten. Nein,
wie grottig! Umgekehrtes Spiegelbild für den Ursprung ihrer Sehnsucht, der (wie kann es anders sein) zwischen ihren Beinen liegt: Schwanzlos schwindet sie
dahin, bis von ihr nur mehr das Echo bleibt. Und Narziss? Allein am Weiher, sterbenselend, staunt sich an; unbewegt in einer Stellung haftet er, wie ein
Gebilde aus parischem Marmor gemeißelt. Gierig schaut er, im Grase
gelehnt, zwei Sterne, die Augen… greif zu!
Immer wieder und wieder —
Was soll ich davon halten?
Kleine Schule für Idioten oder Fortschrittsmechanismus?
Ach, für Mäuse und für Menschen? Und meine kleine Grotte (grottig)
zu weit weg von meiner — meiner, nicht von deiner — deiner —
Schlangenzunge (Echos)!
Mit einem Traumbild (Echos), 2024
Foto: Narzisse, by Albina White (Ausschnitt), via pexels.com
Der Text bezieht sich auf den Mythos von Narziss und Echo, den Ovid im dritten Buch seiner Metamorphosen schildert. (hier: kursiv gesetzt, via Gutenberg-Projekt) So erfüllt sich die Rache der Nemesis: Narziss, der alle Avancen verschmäht, stirbt allein am Weiher, völlig hingerissen vom eigenen Spiegelbild. Statt seines Körpers werden Blumen gefunden, die bis heute seinen Namen tragen.

Snakes! Two Snakes! Coiling, uncoiling/Boiling and cooling/Oil in a cauldron/Foil in a river/Soil on a mood ring//He stares —
Teiresias, Kae Tempest (formerly Kate Tempest)
Hesiod aber erzählt, er (Teiresias) habe bei Kyllene Schlangen sich begatten sehen, habe sie verwundet und sei so vom Mann zur Frau geworden. Als er denselben Schlangen wieder bei der Begattung begegnet, sei er wieder Mann geworden. Deshalb befragten ihn Zeus und Hera, als sie einmal stritten, ob die Frauen oder die Männer mehr Vergnügen beim Beischlaf hätten. Dieser antwortete, von zehn Teilen des Vergnügens beim Beischlaf hätte einen der Mann und neun die Frau. Hierauf blendete ihn Hera, Zeus aber erteilte ihm die Sehergabe.
Teiresias, Hesiod, via Gottwein
Mit einem Traumbild
aufgewacht, alle Pläne aufgeschoben.
Aufgehoben, während des Kamin-Anfeuerns,
im Lecken kleiner Flammen-Zungen, während des Kaffee-
Aufbrühens, im Sich-Wölben und Aufbrechen kleiner Tümpel: davor
hocken wie Narziss (weil davon handelt dieser Traum), verlockt vom
Dunkel und dem Wunsch, es zu ergründen. Die vertraute Traurigkeit,
die Wut, der Neid? Auf eine fremde Haut? Dann häute dich! Jetzt gleich?
Immer noch derselbe Scheiß? Ein Traum im Traum im Traum: darin verwickelt, eine Nymphe, namens Echo. Redet viel. Deckt den Obervögler Zeus auf einem seiner vielen/Liebesabenteuer, indem sie seine Frau (die Zeus mit Eifersucht verfolgt), durch Plauderei aufhält. Die Strafe folgt (gottgemäß) fürs Plaudern, nicht fürs Vögeln. Echo verliert ihre Stimme, kann (statt ganzer Sätze) nur mehr letzte Worte sagen, fremde
letzte Worte. Als sie ihr Herz an den Narziss verliert,
folgt sie ihm als Echo — Echo —
Szenenwechsel: Wald.
Narziss allein, ohne seine Jagdgefährten.
Echo wittert ihre Chance. Aus dem dichten Gesträuch nun
trat sie hervor, mit dem Arm den ersehnten Hals zu umschlingen.
Jener entflieht, und entziehend: Hinweg die umschlingenden Hände,
sagt er; lieber den Tod, als dir mich schenken, begehr‘ ich! Nichts
antwortete jene als: Dir mich zu schenken begehr‘ ich! Und die Verachtete schlüpft in den Wald; ihr errötendes Antlitz deckt sie mit Laub, und lebt seitdem einsam in Grotten. Nein, wie grottig! Umgekehrtes Spiegelbild
für den Ursprung ihrer Sehnsucht, der (wie kann es anders sein) zwischen ihren Beinen liegt: schwanzlos schwindet sie dahin, bis von ihr nur mehr das Echo bleibt. Und Narziss? Allein am Weiher, sterbenselend, staunt
sich an; unbewegt in einer Stellung haftet er, wie ein Gebilde
aus Marmor gemeißelt. Gierig schaut er, im Grase
gelehnt, zwei Sterne, die Augen… greif zu!Immer wieder und wieder —
Was soll ich davon halten?
Kleine Schule für Idioten oder Fortschrittsmechanismus?
Ach, für Mäuse und für Menschen? Und meine kleine Grotte (grottig)
zu weit weg von meiner — meiner, nicht von deiner — deiner —
Schlangenzunge (Echos)
Mit einem Traumbild (Echos), 2024
Foto: Narzisse, by Albina White (Ausschnitt), via pexels.com
Der Text bezieht sich auf den Mythos von Narziss und Echo, den Ovid im dritten Buch seiner Metamorphosen schildert. (hier: kursiv gesetzt, via Gutenberg-Projekt) So erfüllt sich die Rache der Nemesis: Narziss, der alle Avancen verschmäht, stirbt allein am Weiher, völlig hingerissen vom eigenen Spiegelbild. Statt eines toten Körpers werden Blumen gefunden, die bis heute seinen Namen tragen.

Snakes! Two Snakes! Coiling, uncoiling/Boiling and cooling/Oil in a cauldron/Foil in a river/Soil on a mood ring//He stares —
(Teiresias, Kae Tempest, formerly Kate Tempest)
Hesiod aber erzählt, er (Teiresias) habe bei Kyllene Schlangen sich begatten sehen, habe sie verwundet und sei so vom Mann zur Frau geworden. Als er denselben Schlangen wieder bei der Begattung begegnet, sei er wieder Mann geworden. Deshalb befragten ihn Zeus und Hera, als sie einmal stritten, ob die Frauen oder die Männer mehr Vergnügen beim Beischlaf hätten. Dieser antwortete, von zehn Teilen des Vergnügens beim Beischlaf hätte einen der Mann und neun die Frau. Hierauf blendete ihn Hera, Zeus aber erteilte ihm die Sehergabe.
(Teiresias, Hesiod, via Gottwein)
Mit einem Traumbild aufgewacht, alle Pläne aufgeschoben. Aufgehoben, schon während des Kamin-Anfeuerns, im Lecken kleiner Flammen-Zungen, während des Kaffee-Aufbrühens, im Sich-Wölben und Aufbrechen kleiner Tümpel: davor hocken wie Narziss (weil davon handelt dieser Traum), verlockt vom Dunkel und dem Wunsch, es zu ergründen. Die vertraute Traurigkeit, die Wut, der Neid. Auf eine fremde Haut? Dann häute dich! Jetzt gleich? Immer noch derselbe Scheiß? Ein Traum im Traum im Traum: darin verwickelt, eine Nymphe, namens Echo. Redet viel. Deckt den Obervögler Zeus auf einem seiner vielen/Liebesabenteuer, indem sie seine Frau (die Zeus mit Eifersucht verfolgt), durch Plauderei aufhält. Die Strafe folgt (gottgemäß) fürs Plaudern, nicht fürs Vögeln. Echo verliert ihre Stimme, kann (statt ganzer
Sätze) nur mehr letzte Worte sagen, fremde letzte Worte. Als sie ihr Herz an den Narziss verliert, folgt sie ihm als Echo — Echo —
Szenenwechsel: Wald.
Narziss allein, ohne seine Jagdgefährten. Echo wittert ihre Chance. Aus dem dichten Gesträuch nun trat sie hervor, mit dem Arm den ersehnten Hals zu umschlingen. Jener entflieht, und entziehend: Hinweg die umschlingenden Hände, sagt er; lieber den Tod, als dir mich schenken, begehr‘ ich! Nichts antwortete jene als: Dir mich zu schenken begehr‘ ich! Und die Verachtete schlüpft in den Wald; ihr errötendes Antlitz deckt sie mit Laub, und lebt seitdem einsam in Grotten. Nein, zu grottig! Umgekehrtes Spiegelbild für den Ursprung ihrer Sehnsucht, der (wie kann es anders sein) zwischen ihren Beinen liegt: Schwanzlos schwindet sie dahin, bis von ihr nur mehr das Echo bleibt. Und Narziss? Allein am Weiher, sterbenselend, staunt sich an; unbewegt in einer Stellung haftet er, wie ein Gebilde aus parischem Marmor gemeißelt. Gierig schaut er, im Grase gelehnt, zwei Sterne, die Augen…. greif zu! Immer wieder und wieder —
Was soll ich davon halten?
Kleine Schule für Idioten oder Fortschrittsmechanismus? Ach, für Mäuse und für Menschen? Und meine kleine Grotte (grottig) zu weit weg von meiner — meiner, nicht von deiner — deiner Schlangenzunge (Echos!)
Mit einem Traumbild (Echos), 2024
Foto: Narzisse, by Albina White (Ausschnitt), via pexels.com
Der Text bezieht sich auf den Mythos von Narziss und Echo, den Ovid im dritten Buch seiner Metamorphosen schildert. (hier: kursiv gesetzt, via Gutenberg-Projekt) So erfüllt sich die Rache der Nemesis: Narziss, der alle Avancen verschmäht, stirbt allein am Weiher, völlig hingerissen vom eigenen Spiegelbild. Statt seines Körpers werden Blumen gefunden, die bis heute seinen Namen tragen.
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