Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein neuer Aspekt
der Migration den öffentlichen Diskurs in Deutschland bestimmt. Nach Debatten
über Gewalt oder Zurückweisungen an der Grenze steht nun erneut die Frage im
Zentrum: Lohnt sich Migration finanziell für Deutschland?
Die klare Antwort: Ja. Eine neue Studie bestätigt frühere Untersuchungen – auch des DIW
Berlin – und zeigt, wie essenziell die Zukunft Deutschlands davon abhängt, ob
wir eine offene Gesellschaft bleiben, attraktiv für Zuwanderung werden und
unsere Willkommenskultur verbessern. Das betrifft nicht nur Wirtschaft und
Unternehmen, sondern auch unser tägliches Leben.
Die neue Studie des Ökonomen Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum und des Sachverständigenrats für Wirtschaft belegt einen erheblichen langfristigen finanziellen Nutzen der Zuwanderung für den deutschen Staat. Diese Aussage treibt manchen Deutschen die Zornesröte ins Gesicht: Wie kann das sein, wenn der Staat jährlich 28 Milliarden Euro für Geflüchtete ausgibt und fast die Hälfte aller Bürgergeldempfänger keinen deutschen Pass hat?
Migration verursacht zunächst Kosten – etwa durch Integrationshilfen und Sozialleistungen –, langfristig leistet Migration aber einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung. Wenn Migrantinnen und Migranten erwerbstätig werden, erhöht das die Wirtschaftsleistung. Mit diesem Wirtschaftswachstum steigen die Einkommen von Unternehmen und Beschäftigten, der Sozialstaat erhält zusätzliche Beiträge für Rente, Pflege und Gesundheit, und der Staat profitiert von höheren Steuereinnahmen.
Die Berechnungen basieren auf der Annahme, dass die künftige Zuwanderung ähnlich verlaufen wird wie bisher, also vor allem junge und gering qualifizierte Menschen insbesondere als Geflüchtete nach Deutschland kommen – und dass diese im Laufe der Zeit vergleichbare Arbeit zu ähnlichen Löhnen aufnehmen. Wenig überraschend liegen ihre Beschäftigungsquoten und Durchschnittslöhne unter denen der deutschen Bevölkerung. Dieser Punkt ist wichtig, denn er bedeutet, dass Deutschland auch von der Zuwanderung primär von vielen Geflüchteten mit geringen Qualifikationen langfristig finanziell und wirtschaftlich profitiert.
Zuwanderung bringt finanziell mehr ein, als sie kostet
Als das DIW Berlin bereits vor zehn Jahren auf diesen Zusammenhang hinwies und den Beitrag
von Migrantinnen und Migranten zur Finanzierung der sozialen Sicherung betonte,
war der Aufschrei in bestimmten politischen Lagern groß. 2025 bestätigt die oben erwähnte detaillierte Studie von Martin Werding die
Ergebnisse. Natürlich finanzieren Zugewanderte nicht allein die
Sozialausgaben. Ihr Beitrag reicht auch nicht aus, um die aktuellen
Defizite der sozialen Sicherungssysteme vollständig auszugleichen, aber sie
mindern diese deutlich.
Anders ausgedrückt: Zwar steigen die Staatsausgaben durch Migration, doch das Wirtschaftswachstum nimmt stärker zu – sodass der Anteil der Staatsausgaben an der Wirtschaftsleistung im Jahr 2070 laut der Studie von 35 Prozent bei geringer Zuwanderung auf 32 Prozent bei höherer Zuwanderung sinkt. Wichtig: Diese Zahlen berücksichtigen, dass viele Migrantinnen und Migranten dann selbst im Ruhestand sein werden und erhebliche Leistungen aus Renten-, Pflege- und Gesundheitssystem erhalten.
Was bedeutet das konkret für Wirtschaft und Gesellschaft? In den kommenden zehn Jahren werden viele Unternehmen in Deutschland scheitern oder schließen müssen, weil ihnen die Arbeitskräfte fehlen, um weiter produzieren zu können. Das betrifft auch Deutsche, die dadurch ihre Arbeit verlieren. Besonders hart trifft es strukturschwache Regionen sowie Menschen, die nicht flexibel ihren Wohnort wechseln können – also gerade viele AfD-Wählerinnen und -Wähler, die daher zu den größten Verlierern der von ihrer Partei geforderten Migrationspolitik gehören würden.