Wissenschaftler sagen: Industrielle Landwirtschaft hat ihren »Scheitelpunkt« erreicht – Es ist Zeit, zu kleinen Bio-Betrieben zurückzukehren
von Jonathan Benson

Die Ära großer Monokulturen mit ihren Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen (GVO) könnte endlich an ihr Ende kommen. Wissenschaftler der University of Nebraska-Lincoln (UNL) haben kürzlich entdeckt, dass die Ertragssteigerungsraten für die meisten wichtigen industriell angebauten Feldfrüchte ein Plateau erreichen oder in vielen Regionen der Welt sogar rückläufig sind. Diese Tatsache unterstützt das Argument für eine Rückkehr zu kleineren diversifizierten Bio-Betrieben.
Diese jüngst in der Zeitschrift Nature Communications erschienene Studie und weitere Erkenntnisse, darunter aktualisierte Projektionen zukünftiger Erträge, helfen, das Märchen zu widerlegen, die industriellen Methoden der Nahrungsmittelproduktion (z.B. transgene Modifizierung, Einsatz von Pestiziden und Monokulturen) hätten zu dramatischen Fortschritten in der Landwirtschaft geführt, wenn sie in Wirklichkeit das genaue Gegenteil bewirkt haben.
Den Zahlen zufolge haben bis zu 31 Prozent des weltweiten Angebots an Reis, Weizen und Mais ein Ertragsplateau erreicht. Das heißt, so sehr sich Pflanzenwissenschaftler auch bemühen, an unseren Nahrungspflanzen herumzupfuschen, der Ertrag wird anschließend nicht höher sein als vorher. Außerdem bringt ein erheblicher Prozentsatz dieser Pflanzen immer seltener höhere Erträge – ein Hinweis darauf, dass das System letztendlich scheitert.
»Rückgang und Plateaus in der Produktion sind inzwischen allgegenwärtig, trotz steigender Investitionen in die Landwirtschaft. Es könnte bedeuten, dass die maximal möglichen Erträge unter dem industriellen Agrobusiness-Modell bereits erreicht sind«, schreibt Nafeez Ahmed in der englischen Zeitung The Guardian. »Erträge in ›wichtigen Getreide produzierenden Regionen steigen schon lange nicht mehr, nachdem zuvor ein ständiger linearer Anstieg zu verzeichnen gewesen war‹.«

Aus dem Bericht, aus dem Ahmed seine Schlussfolgerung zieht, geht auch hervor, dass das Produktionsniveau für viele Feldfrüchte bereits stagniert und nie wieder die früheren hohen Zuwachsraten erreichen wird. Experten führen dies darauf zurück, dass Feldfrüchte irgendwann eine biophysische Ertragsobergrenze erreichen, das heißt: Auf einer gegebenen Ackerfläche kann nur eine bestimmte Menge einer Feldfrucht angebaut werden.
Viele versuchen nun zu behaupten, diese Obergrenze wäre überhaupt nur durch die Technologien einer »grünen Revolution« wie GVO erreicht worden, aber das ist ganz einfach nicht der Fall. Diese Technologien waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn wie die Studie selbst einräumt, waren sie »einmalige Innovationen«, die laut wissenschaftlichen Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten tatsächlich in vielen Fällen zu einem Ertragsrückgang geführt haben.
»Es besteht die Sorge, dass trotz gestiegener Investitionen in landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung sowie in Ausbildung die relative Rate der Ertragssteigerung für die wichtigsten Feldfrüchte in diesem Zeitraum [von 1981 bis 2000] zurückgegangen ist, wobei sich zeigt, dass in einigen der produktivsten Bereiche eine Ertragsobergrenze erreicht worden ist«, heißt es in der Studie.
So viel zu all den »Studien«, die die Wohltaten von GVO oder Pestiziden in der Nahrungsmittelproduktion preisen. Nicht nur ist diese Bewertung grundlegend fehlerhaft – Pestizide und synthetische Düngemittel wurden in der Studie als Faktoren für rückläufige Raten der Ernteerträge benannt –, sondern sie ist die Grundlage für viele grundsätzlich falsche Ertragsprojektionen, die viel zu hoch angesetzt werden.
»Die Studie kritisiert die meisten anderen Ertragsprojektionen, die zuweilen sogar exponentielle Produktionszuwächse für die nächsten Jahre und Jahrzehnte vorhersagen, obwohl diese ›in der realen Welt nicht zu verzeichnen sind‹«, schreibt Ahmed weiter.
Andererseits zeigen organische landwirtschaftliche Anbaumethoden das Potenzial für steigende Erträge, zumindest nach Angaben der Vereinten Nationen.
»Ein bahnbrechender Bericht des UN-Sonderberichterstatters über das Recht auf Nahrungsmittel hat demonstriert, dass eine Agro-Ökologie auf der Grundlage nachhaltiger, überschaubarer, organischer Anbaumethoden die Nahrungsmittelproduktion in ganzen Regionen, die mit ständigem Hunger kämpfen, in fünf bis zehn Jahren verdoppeln könnte«, schlussfolgert Ahmed in seinem Bericht in The Guardian.





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