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TAGE IM JUNI

Halunken

- 3 -


ARIK MAAS

Das Balut sah von innen aus wie die meisten drittklassigen Kaschemmen.

Die Räumlichkeiten wirkten durch die niedrige Decke, geschmacklose Holzvertäfelung und das gedämmte Licht noch beengender als sie eigentlich waren. Zu allen Seiten fand man Buchten mit Sitzgruppen, die zwischen depressive Landschaftsmalereien und große Vasen mit Kunstblumen gezwängt waren.

Das Besondere an der Einrichtung war das stilistische Feingefühl, mit dem sich vergilbte Hirschputten und verstaubte Geweihe begegneten. In jeder Ecke konnte man den Kopfschmuck irgendeines Geweihträgers erspähen. Weiter hinten konnte Arik sogar die Schaufeln eines Elches entdecken, um die anmutig der frühmorgendliche Bergnebel wallte. Oder Zigarettenqualm. Er fragte sich, welchen armen Teufeln ihre Geweihe für so eine Schundstube abgeschwindelt wurden.

Der Flur wurde von einem kleinen Empfangstresen unterbrochen, hinter dem eine hagere Rehdame ihren viel zu langen Hals vorstreckte und die beiden Neuankömmlinge argwöhnisch musterte.

Sieh an, Bossel bemühte sich den Anschein von Niveau zu erwecken. Der einst große Hirsch-Klan, so anmutig und würdevoll, heutzutage degradiert zu Pfennigsklaven und Dekoartikeln in schäbigen Kneipen. Irgendwie lustig.

Die Frage nach einer Reservierung ignorierte Caspar elegant, machte einen Schritt um den Tresen herum und nahm an einem freien Tisch platz. Auf den Stuhl gegenüber lud er Arik ein.

Es war amüsant zuzusehen, wie die Empfangsdame nach den richtigen Worten suchte. Sie stand da mit ihren großen Augen, als wäre sie in den falschen Zug eingestiegen und der Schaffner hatte ihr gesagt, der nächste Halt sei Neptun. Sie schien die beiden dunklen Gestalten hier nicht haben zu wollen, konnte sich aber nicht überwinden, es ihnen ins Gesicht zu sagen. Hätte sie das Duo einfach wegzaubern können, hätte sie wohl keine Sekunde länger gewartet.

Dabei sollte sie sich gefälligst nicht so anstellen. Das Lokal war nicht gerade mit Prominenten und Nobelmännern gefüllt. Arik glaubte sogar den Zuhälter des Nachbarreviers am Tisch ganz hinten zu sehen.

Als ihr Caspar sein freundliches Lächeln zuwarf, traf sie die besonnene Entscheidung, sich lautlos umzudrehen und wieder hinterm Tresen zu verschwinden, als wäre nichts geschehen. Sie winkte einer Kellnerin zu und damit hatte sich die Angelegenheit für sie wohl erledigt.

Schnellen Schrittes kam eine Häsin mit breitem Grinsen angehoppelt. Ihre Schritte wurden merklich langsamer, als sie Caspar entdeckte und ihr Lächeln erstarb.

Arik war beeindruckt welche Wirkung Caspars Anblick auf die einfachen Leute hatte. Vielleicht war es aber auch nur seine fabelhafte Frisur. Immerhin ragte sie fast so weit in die Höhe wie Hasenohren.

Die Häsin nutzte den verbleibenden Schwung, um sich nach rechts zu drehen und so zu tun, als hätte sie von irgendwo anders irgendein anderer Gast gerufen.

So leicht wollte Caspar sie nicht davonkommen lassen und streckte seine Pfote in die Höhe. Ihn einfach zu ignorieren fiel ihr sichtlich schwer und so trat sie widerwillig an den Tisch heran. Sie setzte wieder ihr Lächeln auf, zupfte am Kragen ihrer Schürze, versuchte an den Gesichtern der beiden vorbei auf einen Bierdeckel zu starren und fragte, was die Herren zu bestellen wünschten.

Caspar blätterte durch die Speisekarte als sei sie ein Daumenkino, warf sie dann zurück auf den Tisch, lehnte sich mit dem Stuhl nach hinten und fragte: »Was kannst du uns empfehlen?«

Er wollte sie also leiden sehen.

Die Häsin umklammerte ihr Notizbüchlein. Hätte sie sich nicht daran festhalten können, wäre sie wahrscheinlich zusammengebrochen. Sie schwieg für einen Moment, in dem sie ihre mentale Speisekarte hervorzukramen schien.

In ihren Augen blitzte Zuversicht auf, als sie sich an das Tagesgericht erinnerte. »Als Fleischspeise empfehlen wir heute gebackene Entenbrust mit Pfeffersoße an Kastanienpüree«, rezitierte sie.

Das Brummeln von Caspar deutete an, dass er sich mit dem Vorschlag nicht so recht anfreunden konnte. »Wie wär's mit Pasta? Tagliatelle oder Fettuccine mit einer fleischigen Rahmsoße. Meinetwegen mit Ente. Oder nein, etwas Gefülltes. Ravioli.« Er warf einen kurzen Blick auf Arik. »Ich hörte, ihr habt hier so'ne besondere Zutat. Ja? Sicher kann man damit Pasta füllen, nicht?«

Die Kellnerin starrte ihn an und schien sich in diverse Szenarien davonzuwünschen, die keinen plappernden Pudel beinhalteten. Aber vielleicht verwunderte es sie auch bloß, dass ein Hund nach pflanzlicher Kost fragte. Aber das konnte man ihr nicht verübeln. Sie konnte ja nicht wissen, dass Caspar in Wirklichkeit kein Hund war, sondern ein Alien vom Uranus mit einer Vorliebe für schwarze Klamotten, die mehr Löcher als Stoff besaßen.

»Wir können Tortelloni mit einer Wildfüllung und Rotem Wunder anbieten.«

»Rotes Wunder« nannte Bossel also seine besondere Zutat. Wie wunderlich.

Caspar nickte: »Dazu Mouette Blanche oder Ombrage.«

»Wir können leider nur mit Jus de Tyra dienen.«

Regionalgebräu. Da Caspar sich nicht ohne Getränk mit Nudeln eindecken wollte, stimmte er zu.

Ihr Blick wechselte zu Arik, der sich gnädig erwies und einfach dasselbe bestellte. Die Häsin nickte und zog sich hurtig aus der Gefahrenzone zurück, um wohl nur zurückzukehren, wenn es sich absolut nicht vermeiden ließ.

Arik ließ seinen Blick über die Kundschaft wandern. An einem Tisch saßen Hammel mit verrauchtem, grauem Fell, die neben Schnapsgläsern auch Geld und Notizen die Runde machen ließen. Zwei Hunde in groben Hemden und mit zerzaustem Fell, die wohl Pause von ihrer Nachtschicht hatten.

In der Kneipe schien sich die bessere Hälfte der Unterschicht eingefunden zu haben.

»Was würdest du tun?«, fragte Caspar plötzlich. Arik sah ihn fragend an. »Wenn du für Karl keinen Shit verteilen müsstest?«

»Nichts.« Am liebsten würde er den ganzen Tag im Haus verbringen, wo er und seine Cousins vom Rest der Welt in Ruhe gelassen werden. Ein lächerlicher Ersatz für ein Revier und ein Nest, aber die Welt war so voll von Glotzern und Wichtigtuern, dass er ein dunkles Loch der Öffentlichkeit jederzeit vorzog.

»Aber wir werden ja leider zum Schuften gezwungen. Damit wir den ganzen Müll bezahlen können, den wir weder wollen noch brauchen. Ich will bloß ein Zimmer und was zu Fressen. Und je weniger ich dafür arbeiten muss desto besser.«

Caspar grinste und nickte. Als ob der Pudel sowas überhaupt verstehen konnte.

Arik lehnte sich zurück. Von ihrem Tisch aus konnte er in eine Nebenkammer der Küche spähen. Neben umherhuschenden Angestellten sah er auch einen vertrauten Schatten und fragte sich, wie es zu alldem hatte kommen können.

Arik hatte sich Karl verkauft und Joas dem schmierigen Besitzer einer Kaschemme. Um für ihn Teller zu spülen, Kisten zu schieben, erniedrigt und ausgenutzt zu werden und so zu tun, als mache es ihm auch noch Spaß.

Was ist der Punkt gewesen, an dem sie beschlossen hatten, ihre Fähigkeiten zu verkaufen statt sie selbst zu nutzen? Mehr noch, sich selbst jemand anderem in die Krallen zu werfen, damit dieser sie zweckentfremdet, wie einen Hammer, um Kisten mit Schlachtabfällen zu vernageln. Der blutige Matsch konnte sie noch so wenig scheren, trotzdem bekamen sie die Spritzer ab. Zu jeder Bezahlung gehört auch immer der Dreck, mit dem man sich beschmieren lassen muss.

Das war so nicht geplant gewesen. Ihr Leben hatte keine Sklavenarbeit sein sollen. Keine Schufterei für andere. Für Idioten und bürgerlichen Abfall. Es hatte um sie selbst gehen sollen. Um Waschbären, um die Sippe. Was wichtig war. Niemanden sonst.

»Karl hat leichtes Geld versprochen. Gelegenheitsdienste. Bei Nacht. Kein Steuerschwachsinn. Aber der ganze Scheiß ist in Schufterei ausgeufert.«

Ihm war es völlig egal, wie groß Karls wirre Pläne waren und wie viel Geld er sich im Rausch zusammenträumte. Kleine Drogendienste für wenig Geld waren Arik genug. Er hatte keinen Bock, immer mehr Junkies mit immer mehr von Karls immer mieserem Shit bedienen zu müssen.

Was glaubte Karl wer Arik war? Seine kleine Laufschlampe? Sein kleines, eifriges Zahnrädchen, das er gern ständig am Durchdrehen wusste? Das war so nicht vereinbart gewesen.

Fick dich, Karl. Stück Dreck.

»Wennde deinen eigenen Shit herstellen könntest, hätteste das Problem nicht«, wandte Caspar ein.

»Keine Lust alle Zutaten ranzuschleppen.«

»Diesen Feigenkram hättest du ja praktisch im Vorgarten.«

Arik brummte. Zugegeben, es war verlockend darüber nachzudenken, an seine kindlichen Traditionen anzuknüpfen und wieder mit Dornenfeigen herumzuspielen. Das würde vielleicht sogar Spaß machen. Dann könnte er die Menge an Shit selbst bestimmen und die Kunden. Karl konnte er sagen er solle sich ficken und sich nach einem anderen Laufburschen umsehen.

Es wäre sicher ziemlich witzig, den Gesichtsausdruck des alten Waschbären zu sehen, wenn Arik ihm sagte, dass ihre »Zusammenarbeit« beendet war. Damit würde er sicher nicht rechnen. Arik war eine zu große Selbstverständlichkeit für ihn. Eine Bequemlichkeit. Ein Werkzeug, das immer zur Hand war. Seit Jahren schon. Er würde sich wundern, wenn er plötzlich alleine dastand und mitbekam, wie viel Drecksarbeit Arik ihm abnahm.

Dann hätte Arik auch das Problem mit neugierigen Schnüfflern von der Backe. Einen Dornenfeigenrausch nachzuweisen war ziemlich schwierig, da jede Spezies auf ihre Einnahme anders reagierte und es keine eindeutigen Symptome gab — außer natürlich den Tod, wenn man nicht aufpasste. Daher gab es für sie auch keine zuverlässigen Drogentests. Bossel hatte es somit leicht, seine Geheimzutat ins Essen zu mischen.

Arik atmete grimmig aus. Aber egal. Blödes Herumträumen half nichts.

»Ohne das Gift irgendwie loszuwerden, ist das alles bedeutungslos. Und Bossel würde seine Vorräte wohl eher schnell selbst fressen bevor er irgendwem sein Geheimnis verrät.«

»Kannste nicht deinen Cousin drauf ansetzen?«

»Bossel ist ein misstrauisches Arschloch. Joas arbeitet seit Monaten hier, aber der Kerl lässt ihn die Zutaten nicht einmal anfassen, ohne neben ihm zu stehen und ihm auf die Finger zu glotzen.«

Der Waschbär grübelte einige Zeit über Bossels mögliche Methoden nach und beobachtete Caspar, wie er mit einigen Bierdeckeln spielte, deren aufgedruckten Maskottchen er die Köpfe abriss.

Wieder warf Arik einen Blick in den Nebenraum der Küche. Die Bestellung ließ ziemlich auf sich warten. Er hatte keine Lust, den Rest der Nacht im Balut rumzuhängen und Caspar gingen langsam die Bierdeckel aus. Er entschuldigte sich beim Pudel und beschloss während des Wartens dem Koch einen Besuch abzustatten.

Caspar nickte und zog sich seine Kopfhörer über die Ohren.

Über der Bar hingen klebrige Schwaden von Zigarettenqualm im Neonlicht. Mit dem Tabakgestank vermischten sich Bratengeruch und Düfte billigen Fusels zu einem süßlichen Potpourri. Einige Köpfe drehten sich und gerötete Augen musterten Arik. Caspar hatte Recht. In ihren Blicken lag nicht die Abneigung ihm gegenüber sondern bloß der allgemeine Hass auf Waschbären.

Das Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit.

Im Seitenraum der Küche stapelten sich Lebens- und Reinigungsmittel auf widerrechtliche Art und Weise. Mit einem mottenzerfressenen Vorhang versuchte man das aber größtenteils zu verschleiern. Was man nicht sehen konnte, war immerhin auch nicht illegal.

Eine Spur vertrockneter Blätter zog Ariks Aufmerksamkeit auf sich. Sie führten ihn zu einem Loch im Vorhang, hinter dem mehrere Kisten mit hineingestopftem Grünzeug verstaut waren. Das war kein Suppengrün. Der erdige Geruch verriet, dass hier die aus der Rabatte gerissenen Kräuter zu finden waren.

Bossel hatte sie also nicht einfach entsorgt.

Arik wischte hier und da einen Vorhang beiseite und erhaschte Blicke auf diverse große Einmachgläser, die jedoch allesamt leer waren. Nein, nur fast. In einem war ein gelblicher Bodenbelag zurückgeblieben, der klebrig wirkte. Arik roch daran und verzog das Gesicht.

Ethanol und etwas anderes. Säuerlich aber nicht fruchtig. Weiter unten fand er auch Bossels ungewöhnlich große Sammlung von Weingeist. Ob er damit seinen Fusel ansetzte? Oder was immer er in diesen Gläsern zusammengebraut hatte?

Aus der Küche vernahm er das liebliche Gemecker des Kneipenbesitzers. Den Schwall grantig gegurgelter Wörter konnte man wohl nur mit ausreichender Erfahrung entziffern. Zwischen irgendwelche Befehle und miesepetrige Kommentare gesellten sich illustre Beleidigungen, die scheinbar als Bindewörter dienten.

Als Arik die Küche betrat sah er bloß zwei Gehilfen an den Herden stehen. Die Kneipe schien heute unterbesetzt zu sein. Das erklärte auch die langen Wartezeiten und wahrscheinlich spielte dieser Umstand auch irgendwo im Gemecker eine Rolle. Heraushören konnte man es ja leider nicht.

Ganz hinten war Joas mit dem Schneiden von irgendeinem Gemüse beschäftigt, während er gleichzeitig Töpfe auf dem Herd herumschob, einige Tüten aus dem Schrank angelte, die Zettel mit den Bestellungen las und versuchte auf das Geschwafel zu antworten. Mehr als einsilbige Wörter konnte er aus zeitlichen Gründen aber nicht herausbringen.

Bossels Gerede war in der ganzen Küche zu vernehmen, aber den Küchenchef selbst konnte man nirgends entdecken. Ob er auf die Idee gekommen war, Lautsprecher zu installieren, damit er die Angestellten auch aus seinem Büro heraus anmeckern konnte?

»Arik!«, ertönte seine Stimme plötzlich neben ihm.

Der Waschbär ließ seinen Blick schweifen und hinter einem der Herde kam ein kleiner, bärtiger Kobold zum Vorschein, dem man scheinbar verboten hatte als Maskottchen für Kinderbücher aufzutreten, da sein Gesicht als zu verstörend eingestuft wurde.

Bei näherer Betrachtung stellte er sich aber bloß als Gamsbock heraus, dessen lautstarkes Geschrei wahrscheinlich eine Kompensation für seine mangelnde Körpergröße sein musste. Sein graues, klebrig schimmerndes Fell wurde von einer Schürze mit Fetträndern komplettiert, die aber im Vergleich zu denen der Mitarbeiter erstaunlich sauber war. Aus dem langen Gesicht mit den großen, schwarzen Glubschaugen ragten zwei gebogene Hörner, die dem Rest entsprechend winzig waren. Plötzlich dämmerte Arik, warum in der Kneipe so viele Geweihe herumhingen. Ist man selbst nicht gut genug bestückt, muss man halt seine Umgebung potent ausstaffieren, um davon abzulenken.

Der Gamsbock huschte heran. »Wie viele Hausverbote muss ich dir erteilen, bis du dich endlich an eines davon hältst?«, meckerte er.

Joas hatte kurz einen überraschten Blick über die Schulter geworfen, aber Bossel schien einen sechsten Sinn für so etwas zu haben und ermahnte ihn, weiter Rettich zu schneiden.

»Nicht dicker als vier Millimeter!« — »Ein Waschbär ist mir genug«, zischte Bossel. »Zu viel von euch machen mir die Kunden grimmig. Obwohl ich vielleicht noch ein weiteres Paar Waschbärenhände gebrauchen könnte. Die können gut den Dreck aus dem Teekocher kratzen.« Er hielt seine behuften Pranken hoch.

Arik glaubte ihm gerne, dass seine Hufe in der Küche ziemlich nutzlos sein mussten. Vielleicht bevorzugte er es daher auch, lieber andere rumzukommandieren und für sich schuften zu lassen, während er sich eigenwillige Rezepte ausdachte.

»Mich interessiert deine Hütte nicht«, gab Arik zurück und ließ seinen Blick wandern. »Ich sehe bloß nach dem Rechten.«

In den Küchenregalen konnte er nichts Ungewöhnliches entdecken. Keine gefüllten Einmachgläser und auch keine Kräuter. Er musste sie irgendwo anders versteckt halten.

»Auf deine Hilfe kann ich verzichten«, entgegnete die Gams. »Und jetzt zieh Leine, bevor ich die Polizei rufe.«

Arik lachte bloß trocken. Als ob Bossel die Polizei in seinem Schuppen gebrauchen könnte. »Warum nicht auch gleich das Gesundheitsamt? Die fänden deine Rabatte sicher sehr interessant.«

»Red keinen Stuss.«

»Hast heute morgen gut gejätet.«

»Nein, das hab ich«, meldete sich Joas und hielt seine Waschbärhand hoch. Dann unterbrach er das Gemecker der beiden: »Zwei Bestellungen mit ›Rotem Wunder‹.«

Das ließ Bossel aufhorchen. »Sind die Kunden legitim?«, fragte er.

Joas zog den Zettel vom Brett und hielt ihn hoch. »Viktoria hat die Bestellung zumindest unterstrichen. Und einen kleinen Galgen daneben gezeichnet, an dem ein Häschen hängt. Sieht niedlich aus.«

Der Gamsbock grummelte. Er warf Arik einen missbilligenden Blick zu. Er schien genau zu wissen, was der Waschbär hier zu suchen hatte. Arik beobachtete wie er scheinbar mehrere Optionen durcharbeitete, während sich beide anstarrten.

Joas zog eine Packung mit Teigblättern aus dem Schrank und eine Dose mit Fleischbrät, das wohl die Wildfüllung für die bestellten Torteloni sein musste.

Er sah Bossel an, denn ohne die geheime Zutat konnte er das Gericht nicht zubereiten. Wenn der Bock noch länger mürrisch herumstand, würden die Gäste sicher ungeduldig werden. Besser er setzte seine kurzen Beinchen in Bewegung.

Bossel schien zur selben Erkenntnis zu kommen, zog einen Schlüssel aus der Schürze und öffnete eine kleine Seitentür. Seine Augen verharrten stur und argwöhnisch auf Arik, bis er hineinhuschte und die Tür hurtig hinter sich zuzog.

Nach einer Minute öffnete sie sich erneut und Bossels Kopf tauchte wieder auf. Genauso mürrisch und misstrauisch blickend wie zuvor. Er war sichtlich unerfreut, dass der Waschbär immer noch dastand und zurückglotzte. In seiner Hand hielt er ein Döschen.

Schnell trat er die Tür wieder ins Schloss und verriegelte sie.



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Update 2020-04-10