Drachenmenschen
15. Ein Drrá'Kin
Ich nicke lächelnd auf Talis Einladung, meine Schwester klettert inzwischen wieder herunter und wir folgen Tali den Weg zum Eingang hinauf. Die Vorhalle ist zwar groß genug, dass wir dort auch landen könnten, aber das Stück ist fast ebenso schnell auf den Tatzen zurückgelegt.
Die Wände der Vorhalle sind von Reliefs bedeckt, deren Story und Hintergrund ich nicht kenne, die aber Eindeutig mit Drachen zu tun haben. Der eigentliche Eingang hat zwar Türen, die aber offenstehen und wird stattdessen von schweren gewebten Vorhängen verschlossen. Eine sehr angenehme Variante, wie ich beim Durchgehen schnell feststelle.
Wir kommen in eine weite, lichtdurchflutete Halle, die offensichtlich die gesamte Tiefe der Wohnstätte einnimmt und eine Art Empfangshalle zu sein scheint. Es gibt ein paar Podeste, die wohl als Sitz- bzw. Liegegelegenheiten dienen. Auf beiden Seiten gehen an der Rückwand seitlich ebenfalls mit Vorhängen verhängte Türen in weitere Räume, links zusätzlich eine Rampe eine Ebene nach oben, wo offensichtlich ebenfalls Durchgänge zu weiteren Räumen von einen auf der Rückseite verlaufenden Balkon abgehen. Es wirkt alles recht vornehm, aber nicht überladen.
T'Álirrah bleibt kurz stehen und schaut sich zu mir um.
„Würdest Du bitte einen Moment hier warten? Ich hole schnell Vater.“ –
Ich nicke nur und sie geht durch die Tür auf der rechten Seite. Ich schaue mir solange die auch hier vorhandenen Reliefs an. Auch hier wird anscheinend so etwas wie die Geschichte der Drachen dargestellt, vielleicht auch Fabeln und Mythen - aber mir öffnet sich der Sinn in der Handlung dahinter nicht. Dafür wird wohl ein zumindest elementares Wissen über diese Geschichte notwendig sein – ohne dieses Wissen sind es nur Bilder von Drachen in verschiedenen Gruppierungen und bei unterschiedlichen Handlungen. Bis ich schließlich ein Bild entdecke, auf dem ein kupferfarbener Drache ganz offensichtlich ein verheerendes Feuer vom Himmel regnen lässt…
Ich sehe wie meine Schwester, die meinem Blick gefolgt ist, die Schuppen meiner Hand streichelt. Aber dieses Bild schockiert mich in seiner schlichten, brutalen Deutlichkeit.
T'Álirrah steht plötzlich wieder neben mir, ich habe ihr Kommen nicht bemerkt…
„Ja, das ist T'Áan'Aáh, der Bringer des Himmelsfeuers“ sagt sie mit sanfter Stimme.
„Eine mythische Figur, hochgeachtet für seine Weisheit und Gerechtigkeit, aber auch gefürchtet für seine vernichtende Macht.“ –
„Bin ich das…?“ –
Sie schüttelt den Kopf.
„Nein. Du trägst seinen Namen, Du hast offensichtlich auch diese Kraft, kannst vermutlich Feuer vom Himmel fallen lassen – wie auch immer das genau aussehen mag, so jedenfalls wie auf diesen Bildern sicherlich nicht. – Aber Du bist nicht diese mythologische Gestalt. Du bist real, aus Fleisch und Blut, ich kann Dich sehen, fühlen, riechen. Und ich sehe keinen Grund, Dich zu fürchten wie den da.“ –
Sie reibt leicht ihren Kopf an meinem Hals. Aus dem Gang, in den sie vorhin gegangen war, höre ich das leise Ticken und Kratzen von Krallen auf dem geglätteten Felsboden. Ich blicke mich um, der Vorhang bewegt sich und dann schiebt sich der Kopf eines offensichtlich schon etwas älteren Drachen durch den Stoff. Grüngraue, recht kantig-knorrige Schuppen bedecken den Körper, eine Farbe, die mich an die Felsen des Brocken im Harz erinnert. Er wirkt auf den ersten Blick bedrohlich, aber die – aus Sicht eines Drachen – sympathisch freundlich blickenden Augen machen sofort klar, dass er eine eher freundliche Persönlichkeit ist. An seiner schlanken Gestalt erkenne ich den Flieger, der mit einer unbeschreiblichen Eleganz auf uns zu schreitet.
Ich wende mich ihm zu und senke meinen Kopf bis kurz über den Boden.
„Darf ich vorstellen…“ höre ich Tali. „…Trrá'Yrrh, Weiser des Drachenrates, mein Vater. – Vater, dies ist T'Áan'Aáh, den ich, Deinem Wunsch gemäß, zu Dir gebracht habe.“ –
„Ah… der Sohn von Tssa'Rán. Ich grüße Dich T'Áan'Aáh – endlich hast Du den Mut gefunden, Dich Deinem Schicksal zu stellen.“ –
„Herr… ich… - ich grüße den Weisen des Rates. Verzeiht… ich bin noch so unerfahren im Umgang mit Drrá'Kin…“ –
Himmel… was stottere ich hier nur rum… - aber Trrá'Yrrh senkt einfach ebenfalls seinen Kopf, bis wir uns direkt in die Augen schauen.
„Danke T'Áan'Aáh. Bitte, hebe doch Deinen Kopf wieder. Du hast mir genug Ehre erwiesen.“ –
Zögernd nehme ich meinen Kopf wieder hoch und blicke ihn an – immer noch unsicher, wie ich mich verhalten soll, aber doch neugierig, warum er mich mit so viel Aufwand hat holen lassen. Er scheint zu ahnen, was mich beschäftigt und lächelt mich freundlich an.
„Du fragst Dich sicher, was ich eigentlich von Dir will. Und du hast Recht mit dem Gedanken, dass wir das nicht mit jedem Drrékh so machen. Aber lass uns dazu nach nebenan gehen, da haben wir es etwas privater und bequemer.“
Seine einladende Geste mit dem Kopf ist eindeutig, währenddessen drängt Tali sich an meine Seite und beginnt ihren Kopf an meinem Hals zu reiben. Was Trrá'Yrrh mit einem deutlich fragenden Blick bemerkt.
„T'Álirrah… was bedeutet das? Hast Du… habt ihr etwa…“ –
„Ja Paps“ nickt sie. „Ich habe eben vor unserer Gemeinschaft die Partnerschaft verkündet. Wir müssen nur noch das Ritual durchführen – und uns paaren, aber es ist beschlossen und T'Irrh, Tochter von Tssa'Rán, seine Schwester, ist unsere Zeugin.“ –
Ti nickt schlicht dazu und Trrá'Yrrh grinst mich an.
„Vor einem Weibchen, noch dazu Deine Schwester, begründet und bezeugt … - Ich freue mich dann also, Dich in meiner Familie begrüßen zu dürfen, Tan. – Verzeih, wenn Du Dir diesen Empfang etwas anders vorgestellt hast… aber meiner Tochter beliebt es mal wieder, mich zu überraschen.“ Er schüttelt den Kopf.
„T'Álirrah… Du solltest mir zwar helfen, ihn hierher zu bringen… aber gleich als Partner…?“ –
„Paps… wenn er doch so süß ist…“ Sie reibt ihren Kopf an meinem Hals, während ich nicht recht weiß, was ich sagen oder machen soll… - freut er sich jetzt, oder bin ich der Falsche… ein Mensch, eine Schande…? –
Aber Trrá'Yrrh lächelt mich an.
„Dabei war sie sich so sicher, nie einen Menschen als Partner haben zu wollen.“ –
„Papa!“ wirft sie empört ein. -
„Mach Dir bitte keine Sorgen Tan…“ fährt Trrá'Yrrh fort. „…ich sehe Dir an, dass Du Dich etwas fehl am Platz fühlst - Du musst wissen, meine Tante war auch eine Menschin, eine Drrékhi. Ich habe sie geliebt, ich mag eure lockere Art - wir geschlüpften sind meistens so steif, so logisch. Nur meine Kleine ist manchmal so ein Wildfang wie ihre Großtante.“ -
Tali sieht mich seufzend an.
„Es stimmt schon. Ich gelte als sehr emotional für eine geschlüpfte – und ich wollte Paps einen Gefallen tun und deswegen einen Drrá'Kin zum Partner nehmen.“ Sie grinst diebisch. „Wobei ich das ja sogar eingehalten habe.“ –
Verwirrt blicke ich beide an.
„Ja… gut, aber ich bin doch ein Mensch. Also kein Drrá'Kin…“ –
Er legt seinen Kopf schief.
„Ja richtig – und doch bist Du auch ein Drrá'Kin. Das ist nicht alleine ein Schlupfrecht. Aber komm doch bitte mit nach nebenan… als Partner meiner Tochter lasse ich Dich nicht hier draußen stehen und ohnehin ist es dort angenehmer.“ –
Er macht eine sehr deutlich einladende Kopfbewegung und geht dann voraus, wieder auf den Durchgang zu, durch den er hereingekommen ist. Tali legt ihre Schwinge um mich und stupst dann Ti sanft mit der Schnauze an, um uns beide aufzufordern, ihm zu folgen. Ich will auch losgehen, aber meine Schwester sieht mich bittend an… Sie hatte sich schon die ganze Zeit praktisch an meiner Hand festgeklammert. Ich senke meinen Kopf zu ihr und blicke sie fragend an.
„Müssen wir da rein?“ sagt sie mit besorgter Stimme. „Trrá'Yrrh ist einer der höchsten Drrá'Kin… ich kann da nicht einfach reingehen…“ Dann sieht sie Tali an.
„Bitte… T'Álirrah… lass mich einfach hier warten…“ –
Ich schüttele leicht den Kopf.
„Nein, dann bleibe ich auch hier draußen. Na komm Ti… Du hast doch viel mehr Erfahrung mit den Drachen… Warum jetzt diese Furcht? Ich glaube nicht, dass Trrá'Yrrh eine Drrékhi beißen wird.“ –
Sie seufzt.
„Natürlich nicht… aber ich dürfte nicht mal in dieser Welt sein, Noch weniger hier in Arrkáan und schon gar nicht im Haus des Ratsältesten. Ich habe noch nicht die Fähigkeit, die Tore zu öffnen, kann mich nicht zum Feral wandeln… Ich darf hier nicht sein.“ –
Noch bevor ich etwas sagen kann, antwortet Tali schon.
„Ja, es gibt diese Regel. Solange ihr die Tore nicht selber öffnen könnt, nur auf Einladung, nur in wenigen begrenzten Gebieten, wo es Räume gibt, in denen wir uns mit ihnen dann treffen. – So gesehen solltest Du nicht hier sein, das ist richtig. Aber wenn wir Dich dazu einladen, darfst Du natürlich überall mit hingehen. Und vor Paps brauchst Du wirklich keine Angst haben.“ –
Der schaut gerade wieder durch den Vorhang.
„Wo bleibt ihr? – Ach… ist es wegen Deiner Schwester? – Mach dir keine Gedanken, T'Irrh. Du bist natürlich mit eingeladen und ein willkommener Gast. Nun kommt schon.“ –
Etwas widerstrebend setzt Ti sich auf einen erneuten Nüsternstupser von Tali in Bewegung und geht neben mir auf den Durchgang zu. Ich halte ihr den recht schweren Vorhang auf und folge ihr dann in einen recht schmalen Gang auf dessen rechter Seite zwei und am Ende eine Tür ist, auch jeweils mit Vorhängen geschlossen. Allerdings steht der Vorhang vor der Tür am Ende des Ganges offen.
„Na also…“ sagt Tali leise zu mir. „Paps erwartet Dich im privaten Wohnraum. Er hat Dich anerkannt als meinen Partner.“ –
„Sonst hätte er mich da in der Halle abgefertigt?“ –
Sie muss einen Moment überlegen, bis sie begreift, was ich damit meine.
„Warum so negativ… nein, Besucher empfängt er sonst im ersten Raum hier, das ist so etwas wie sein Arbeitsplatz… oder wie nennt ihr das?“ -
Ich senke meinen Blick.
„Verzeih, ich meinte das nicht so. Ja, in dem Fall ein Arbeitszimmer. Obwohl das für mich irgendwie immer noch ungewöhnlich klingt.“ –
„Schon gut. Sszurruk hat unseren Ruf bei euch drüben ja deutlich überhöht, ich versteh das schon, dass ihr da etwas empfindlich reagiert. – Aber Vater würde das nie tun, bei Dir schon gar nicht.“ –
Wir erreichen die Tür und ich blicke in einen überraschend wohnlich eingerichteten, langgestreckten Raum, den wir etwa auf halber Länge betreten. Wobei links noch ein weiterer Raum durch schwere Vorhänge abgeteilt zu sein scheint. Der Bereich davor ist komplett in Anthrogröße ausgestattet und das sogar recht umfangreich. Mehrere Polstergruppen sind um eine Art Tische gruppiert, Regale mit Büchern - irgendwie könnte das so ähnlich auch in einer menschlichen Wohnung so stehen. – Und nach dem Umfang der Ausstattung gerechnet, wird das anscheinend auch öfter genutzt.
Rechts ist dann eine Sitzgruppe, die eindeutig für uns Ferals gedacht ist. Hier gibt es keine Regale, aber einige Wasserbecken neben den Lagern, in die leise ständig Wasser plätschert – wohl dazu gedacht, daraus zu trinken, was nicht unlogisch erscheint, weil ein Feral mit einer Flasche Fruchtsaft wohl nicht weit kommen wird.
Trrá'Yrrh hat es sich auf einem der Polster auf der rechten Seite bequem gemacht, steht aber auf, als er Ti hereinkommen sieht.
„Verzeih T'Irrh. Du alleine unter uns Feral…“
Dann schließt er kurz die Augen und wir sehen, wie er zu einem Anthro transformiert. Anders als bei mir, bleibt sein Erscheinungsbild aber weiter recht knorrig, offensichtlich ein Anzeichen höheren Alters bei Drachen.
Meine Schwester starrt ihn mit großen Pupillen an.
„A… Aber… warum…“ –
„Nun, Du kannst ja noch nicht die große Form annehmen, also passen wir uns Dir an.“ Erklärt Trrá'Yrrh lächelnd. –
Tali und ich wandeln uns praktisch gleichzeitig und stellen uns dann neben Ti, die immer noch nicht weiß, was sie davon halten soll. Ich lege ihr meinen Arm um die Schultern und sie sieht mich so verwirrt an, dass ich grinsen muss.
„Sag mal, Ti… eigentlich müsste ich doch so hier stehen und nichts verstehen – Du bist doch eigentlich eine von denen, die alles schon kennen müssten.“ –
Endlich fängt sie an zu grinsen.
„Ja, Du hast ja Recht. Ich gehöre ja zu den wenigen Drrékh den wirklich regelmäßigen Kontakt mit den Drrá'Kin haben, sogar direkt mit einem zusammengearbeitet haben. Aber außer Mailkontakten hierher, sogar mit dem Edlen Trrá'Yrrh direkt, habe ich dann doch nur mit Sszurruk wirklich persönlich zu tun gehabt.“ –
Trrá'Yrrh macht eine einladende Handbewegung zum Anthro-Teil des Raumes und endlich wagt Ti es, sich auf einem der Polster nieder zu lassen, ich setze mich auf ein etwas größeres direkt neben ihr und sofort hockt Tali neben mir auf dem Polster und drückt mich sanft aber bestimmt nieder, mir die anscheinend übliche Ruheposition aufzwingend – um sich dann an mich zu kuscheln umso unseren Gesprächen zu folgen.
Ihr Vater holt derweil aus einem Wandschrank einige Becher und einen großen Krug, aus dem er die Becher füllt und diese an uns reicht. Dann legt er sich bequem auf ein Polster uns gegenüber – kurz muss ich daran denken, wie eigenartig eigentlich diese Situation ist. Ich – ein Mensch, der ein Drache werden kann – ich liege hier bei echten, realen Drachen in ihrer Wohnung. Und einer der höchsten Anführer von ihnen bewirtet mich hier mit einem sehr angenehm riechenden Wein, liegt mir jetzt kaum 2 Meter entfernt gegenüber und lächelt mich an, während seine Tochter sich an meinen Rücken kuschelt. – Grinsend schüttele ich meinen Kopf.
„Darf ich wissen, was Dich gerade belustigt?“
Ich nicke und erkläre ihm kurz die Situation, wie sie sich für mich darstellt.
„Ah, ja.“ Er grinst jetzt auch.
„Ja, ich verstehe Deine Gedanken. Es würde mir wohl ähnlich gehen. Immerhin sind wir völlig verschiedene Spezies von verschiedenen Planeten – auch wenn die Lebenskraft uns die Gnade erwiesen hat, dass wir miteinander Nachwuchs bekommen können, die dann jeweils ganz einer unserer Spezies angehören und keine Mischlinge sind.“ –
Aha. So nebenbei habe ich jetzt also erfahren, dass die Drachen nicht von der Erde stammen… Trrá'Yrrh wirft mir einen leicht belustigten Blick zu, in dem gleichzeitig die unendliche Weisheit einer uralten Spezies zu liegen scheint…
„Ihr habt also keinen Bezug zur Erde?“ –
Er schüttelt lächelnd den Kopf.
„Doch schon. Aber die Drachen stammen ursprünglich nicht von dem Planeten, auf dem Du gewor… entschuldige, geboren wurdest. Wir sind ein sehr altes Volk, älter als die Menschheit. Und wir haben bereits vor sehr langer Zeit die Wege zwischen den Welten gefunden. – Auch wenn das hier nicht so aussieht, wir haben ein sehr hochentwickeltes Wissen erworben. Wir erforschen schon sehr lange das Universum und wie es funktioniert. Sogar die Technik ist uns nicht fremd – nur fehlt uns die Begabung und die körperliche Fähigkeit, die Technik auch umzusetzen. Wir können ein Auto oder ein Raumschiff konstruieren, aber das dann auch wirklich zu bauen, da fehlt uns das handwerkliche Geschick. – Und da kommt die Menschheit ins Spiel.“ –
„Verstehe. Ihr erfindet und entwickelt, wir bauen für euch… Menschen… handwerklich begabte Affen. Eure Edelsklaven.“ –
Ti sieht mich entsetzt an und Tali drückt mich aufs Polster, schaut mich zornig mit funkelnden Augen an.
„Wie kannst Du es wagen…“ – aber Trrá'Yrrh unterbricht sie mit einem sanften Brummen.
„So mag das klingen, ja. Und nicht wenige denken auch daran, die Menschen als so eine Art Sklaven zu halten – ihnen in ihrer Welt einige Freiheiten zu lassen, solange sie ihre Dienste für uns erfüllen.“ -
Er nimmt einen großen Schluck Wein und blickt seine Tochter an, die mich zögernd loslässt und ihn fragend anblickt.
„Vater… ist das wirklich so? Sie sind uns fremd, ja – aber als Sklaven?“ –
„Wie ich sagte, einige im Rat denken so. – Aber die Mehrheit wünscht sich eine gleichberechtigte Zusammenarbeit.“ Trrá'Yrrh schüttelt den Kopf.
„Nein, wir wollen die Menschen nicht als Sklaven, nicht als reine Arbeitskräfte, die nur für uns arbeiten. Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihnen unsere Ziele erreichen – und ihre Ziele natürlich. – Die sind nämlich gar nicht so weit voneinander entfernt.“ –
Jetzt muss ich erst einmal einen ordentlichen Schluck von dem Wein nehmen – der fremd, aber hervorragend schmeckt.
„Und was sind diese Ziele? – Die Sterne?“ –
Er nickt.
„Ja.“
Ich sehe ihn an und er lächelt wieder.
„Zwar haben wir Wege zwischen einigen Welten gefunden – Du bist durch zwei dieser Wege in Deine Herkunftswelt gegangen. – Aber das sind immer Welten mit schon altem Leben, also oft mit höherem Leben, gegen das wir meistens kämpfen müssten, wollten wir uns dort ansiedeln. – Aber wir wissen, dass es noch junge Welten gibt, die Leben ermöglichen – Welten die wir besiedeln können.“ –
„Ihr wollt eine interstellare Zivilisation gründen?“ ich blicke nachdenklich in den Becher mit der blauen Flüssigkeit. –
„Nein… oder doch, vielleicht ist es das dann doch. – Weißt Du, wir Drachen sind nicht auf diesem Planeten aus dem ersten Ei geschlüpft. Unsere eigentliche Heimatwelt liegt jetzt schon seit Jahrtausenden unter dem alles verbrennenden Feuer ihrer Sonne, die schon bald explodieren und eine Supernova werden wird. Oder vielleicht schon geworden ist. – Diese Welt hier ist auch für uns nicht perfekt. Sie ist eine Notlösung, immerhin eine für uns recht angenehme. – Eine Welt, die Leben für uns ermöglicht, aber selber kein höheres Leben geschaffen hat. Leider ist auch die Existenz dieser Welt nur noch begrenzt. Einige zehntausend Jahre, vielleicht noch ein oder zweihunderttausend, dann müssen wir weiterziehen um überleben zu können.“ –
Etwas verlegen starre ich immer noch in den Becher, den Tali mir schnell wieder auffüllt.
„Das ist es also… ihr sucht eine Heimat. Eine Welt, die euch für längere Zeit aufnimmt. – Die Erde…?“ –
Trrá'Yrrh schaut mich nachdenklich an.
„Ja, die Erde wäre eine sehr gute Welt für uns – anders als unsere Ursprungswelt, aber hervorragend geeignet. Sie hat nur einen großen Nachteil für uns: die Menschen leben dort. Wir würden sie zwar auch heute noch leicht besiegen können und die Erde für uns erobern, aber das ist nicht unsere Art. Wir besiedeln keine Welt um den Preis eine andere intelligente Spezies auszurotten. – Außerdem sind die Menschen die einzige bisher uns bekannte andere Spezies, mit denen wir auch Nachwuchs zeugen können und die uns sehr viel frisches Blut bringt. – Nein, mach Dir keine Sorge, Dein Heimatplanet ist sicher vor uns.“ –
„Wir sollen euch also eine neue Welt suchen, die ihr besiedeln könnt?“ –
„Die Menschen haben den sehr starken Drang zu entdecken, neue Grenzen zu suchen. Diese Möglichkeit können wir ihnen sehr viel schneller eröffnen, als sie selber dazu in der Lage wären – dafür nehmen sie von uns einige mit, die sich nach einer geeigneten Heimat für die Drachen umsehen. – Das wäre jedenfalls ein mögliches Szenario.“ –
Ich schaue mich um, Ti blickt ebenso in ihren Becher, wie ich, auch sie hat offensichtlich den wahren Grund für die Anwesenheit der Drachen nicht wirklich gewusst. Und Tali schaut mich nachdenklich an, während sie sanft meine Flanke streichelt. Sie scheint schon mehr darüber zu wissen. Wenn auch vielleicht nicht alles.
„Darum versucht ihr uns zu helfen? Und passt auf, damit wir uns nicht selber ausrotten und so eure Chance vernichten?“ –
„Ganz einfach gesagt: ja.“ Er schaut mich erstaunlich offen dabei an. –
„Hmmm… aber gerade der Krieg ist doch bei uns der größte Antrieb zur Weiterentwicklung der Technik…“ –
Trrá'Yrrh sieht mich betroffen an.
„Und Du meinst, wir würden die Kriege der Menschen deswegen fördern? – Große Lebenskraft, nein. T'Áan'Aáh… ich hoffe, das ist nicht das, was Du über uns, über Dein Volk denkst…“ –
Ich spüre die Blicke von Ti und ganz schwach das beruhigende Streicheln, mit dem Tali mich schon die ganze Zeit liebkost. Und ich schüttele den Kopf – nein, tief in mir weiß ich, dass die Drachen selbst für ihre Ziele nicht die Menschen in Kriege treiben würden.
„Nein, ich weiß nicht warum, aber ich glaube das nicht. Die Kriege wirken viel zu unlogisch, um von Drachen gesteuert zu sein.“ –
Er grinst sanft.
„Das würde ich nicht einmal sagen – und ich muss zugeben, dass wir die Kriege der Menschen auch bewusst nicht völlig unterbinden, eben weil sie einer der stärksten Antriebe für die Weiterentwicklung der Technik bei den Menschen sind. Aber wir versuchen immer, diese Kriege nicht zu sehr eskalieren zu lassen. Was uns leider nicht immer gelingt, das sind dann die bekannten Kriege, von den vielen kleinen Konflikten, die wir kontrollieren konnten, bekommen die Menschen außerhalb nicht viel mit. Manchmal nicht einmal die direkt betroffenen.“ –
„Also würden wir ohne euch ständig Krieg führen, überall auf der Welt und viel mehr als so schon?“ –
„Vielleicht nicht mehr, aber sehr viel heftiger. Wir haben hochgerechnet, dass es höchstens drei Milliarden Menschen auf der Erde geben würde ohne unseren Einfluss. Alles Kriegstote – und wahrscheinlich wären es sogar noch weniger.“ –
Ich lasse meinen Kopf sinken.
„Wäre das nicht vielleicht besser?“ –
Wieder lächelt er… dieses unergründliche Lächeln einer uralten, weisen Seele…
„Ja, vielleicht wäre es das sogar. – Aber ein Drache dient dem Leben. Wir kommen aus der Lebenskraft, wir existieren durch sie und wir gehen in sie wieder ein. Du wirst bald verstehen, was es bedeutet, ein Drache zu sein. Wissen, wie es sich anfühlt. In vier- oder fünfhundert Jahren, vielleicht tausend. Aber Du wirst uns auch eines Tages verstehen.“ -
„Verstehe – so ungefähr jedenfalls. – Und was ist in dem ganzen jetzt meine Rolle?“ –
Jetzt grinst er verschmitzt.
„Sszurruk. Deine Schwester braucht wieder einen Anführer. Oder Chef, wie sie sagt.“ –
Sie starrt Trrá'Yrrh verwundert an und auch ich verschlucke mich fast am Wein.
„Waaaas? Ich soll die Drachen… euch Drrá'Kin auf der Erde vertreten? Wie soll das denn gehen… ich bin ein Mensch.“ –
„Du bist ein Drrá'Kin. Und Du hast Zeit Dich in die Aufgaben einzuleben. Auch Sszurruk hat gut 500 Jahre gebraucht.“ –
„Oh… er kannte Kolumbus?“ –
„Ja. Und den Menschen, den sie Carolus Magnus nannten, hatte er auch noch kurz kennen gelernt. Ein Freund der Drachen." –
Seufzend blicke ich in den Becher und kraule Tali ein wenig den Nacken.
„Er hat dann sicher viele interessante Menschen getroffen.“ –
„Ja, so wie ich vor ihm.“ Trrá'Yrrh blickt fast verträumt. „Ramses II., Kleopatra, Julius Cäsar. – leider hat er meine Warnung bewusst nicht befolgt und ging an dem Morgen in den Senat. – Seinen Neffen Germanicus… Augustus, der erste römische Kaiser. – Und einen sehr interessanten Galiläer, ein geborener Anführer, aber kein Heiliger. – Du kannst Deinen Mund wieder zu machen. Ja auch ich war drüben und habe meine Aufgabe für unser Volk erfüllt. – Und auch Du wirst Menschen kennenlernen und mit ihnen zusammenarbeiten, die später einmal als große Persönlichkeiten und Anführer in die Geschichte eingehen werden. – Und ich beneide Dich… Du wirst die Zeit erleben, in denen die Menschen zusammen mit uns Drachen in die Weiten des Universums vorstoßen werden. Vielleicht sogar selber dabei sein.“ –
Ich schüttele heftig den Kopf.
„Nein… ich… verzeih Edler Trrá'Yrrh, aber ich bin nichts. Ein Mensch. Kein Drache…“ –
Er steht auf, kommt um den Tisch, kniet sich vor mich und blickt mir ernst, aber freundlich tief in die Augen.
„Horche in Dich. Höre auf Dein Herz, Deine Seele. Sei offen für die Stimme in Dir – und Du wirst wissen, dass Du ein Drache bist. Einer von uns, ein Drrá'Kin. – Es ist so deutlich zu spüren… Deine Seele ist die eines Drachen. Deine Schwester hat eine Mischseele, mehr Drache als Mensch, aber in ihr ist beides. Deine Seele ist rein die eines Drachen. Du bist ein Dragonkin. Ein Drache im Körper eines Menschen. Und Du hattest jetzt das Glück, Deinen Körper wandeln zu dürfen, ganz ein Drache zu werden.“ –
„Ein Otherkin… Dragonkin… woher…“ –
„Ich weiß, es gibt mehr, die das fühlen, die eine Drachenseele tragen, aber nur sehr wenige haben die Kraft, sich auch zu wandeln, den Körper eines Drachen haben zu dürfen. – T'Áan'Aáh… Du bist der Dragonkin, auf den wir warten. Der Drache, der unser Ziel erreicht und uns eine neue, angenehme Heimat bringen wird. Und der alle Drachen auf der Erde befreit von der Notwendigkeit, sich unter den Menschen zu tarnen.“ –
Ich bin regelrecht gebannt von der ernsten Würde in seinen Augen. Er glaubt wirklich daran… Tali reibt sanft ihre Nüstern in meinem Nacken und streichelt meine Brustmuskeln… auch von ihr strömt diese Überzeugung aus, versucht mich zu überzeugen… - langsam schüttele ich meinen Kopf.
„Aber… ich? Warum gerade ich?“ –
Trrá'Yrrh legt mir eine Hand auf den Hals.
„Ich weiß es nicht. Nur dass Du der Späterweckte bist, von dem wir wissen, dass er uns in die neue Heimat bringen wird.“
Er grinst breit.
„Natürlich nicht so eine abgehobene und transzendente Persönlichkeit, wie in den alten Geschichten, eher ein Drache, der mit allen vier Beinen in der Gegenwart und Zukunft steht und die Gelegenheiten nutzt, die sich ihm bieten. – Es ist sicher eher Zufall, dass Du gerade in dieser Zeit lebst. Eine Zeit in der die Menschen technisch endlich so weit entwickelt sind, dass es wahrscheinlich wird, dass Du den Beginn – und vielleicht auch das Ende unserer Suche im Universum erleben kannst. – Deine späte Erweckung ist allerdings kein Zufall. Wir brauchen Dich, einen Drachen, der die Menschen besser versteht, es wird schwieriger mit ihnen zusammen zu arbeiten. Darum haben wir Dich doch noch geweckt.“
Ein Geräusch lässt ihn aufhorchen.
„Ah, T'Rasszia ist da. Sie wird sich sicher freuen, Dich kennen zu lernen.“ –
Tali umarmt mich.
„Gleich wirst Du auch Mom kennen lernen. Eine großartige Drachin und viel mehr eine gute Freundin als nur meine Mutter zu sein.“ –
Ich höre Schritte näher kommen… von zwei Drachen…
„Wo ist dieser Bursche, der es wagt, mir meine Kleine wegzunehmen!“ –
Oh… das klingt jetzt aber gar nicht so freundlich… Der Tonfall ist sogar sehr drohend – Trrá'Yrrh blickt mich besorgt an und auch Tali wechselt einen fast schon ängstlichen Blick mit mir – keine Angst vor ihrer Mutter, eher um mich.
Ich stehe auf und stelle mich neben das Lager, bereit mich ihrem Zorn zu stellen – aber meine weiße Drachin stellt sich sofort vor mich, bereit mich in Schutz zu nehmen. Im nächsten Moment fegt eine anthrazitfarbene Drachin herein, mit schwarzen, geschwungenen Hörnern, eine schlanke, elegante Gestalt, die ihre funkelnden orangefarbenen Augen sofort auf mich richtet.
„Duuu? Bist Du dieser Mensch, der meine Kleine verführt hat?“ –
Ich atme tief ein und richte mich auf – obwohl ich als Anthro natürlich deutlich kleiner bin als sie als Feral. Und bevor ich antworte, schmiege ich mich eng an Tali, umarme sie und lege auch meine Schwingen um sie, ihrer Mutter eindeutig zeigend, dass ich mich nicht einschüchtern lassen werde.
„Nein. Ich bin T'Áan'Aáh, der Drrá'Kin, dessen Herz Deine Tochter erobert hat.“ –
Tali blickt mich bei der plötzlichen Umarmung erst verwirrt an, beginnt aber bei meinen Worten damit, mir liebevoll die Kehle zu lecken. – Ihre Mutter senkt ihren Kopf und beschnuppert mich… immer noch mit einem zornigen Blick. Dann ruckt ihr Kopf hoch und sie geht mit eleganten Schritten zu den Fenstern.
„Dann will ich mir diesen Drrá'Kin erst einmal richtig ansehen.“ –
Sehr offensichtlich die Aufforderung, mich auch zum Feral zu wandeln und ihr zum Fenster zu folgen – sie will mich offensichtlich im vollen UV-Licht sehen. Ich lasse Tali los, die mich aufmunternd anblickt und beiseite tritt. Meine Schwester betrachtet das ganze stumm und gebannt – und Trrá'Yrrh wirkt jetzt aufrichtig gespannt, wie ich bei seiner Partnerin abschneide…
Ich konzentriere mich kurz und wandele mich ebenfalls wieder zum Feral. Mit vorsichtigen Schritten folge ich T'Rasszia zur Fensterfront. Sie betrachtet mich dabei deutlich prüfend und geht dann mit einer auffordernden Kopfbewegung durch eines der Fenster nach draußen. Ich schaue noch einmal kurz zu den anderen zurück, die mich offensichtlich gespannt betrachten und folge ihr dann.
Draußen steht sie auf einer Art Terrasse, auf der auch einige Ruhepolster liegen und wartet, bis ich vor ihr stehen bleibe, mich dabei sehr aufmerksam betrachtend. Anschließend geht sie um mich herum, ich bleibe stehen, bewege mich aber etwas unbehaglich fühlend, trete ein wenig unsicher auf der Stelle und wende meinen Blick nicht von ihr. Schließlich steht sie wieder vor mir und setzt sich einfach hin.
„Es stimmt was mir alle sagen. Du bist ein ausgesprochen attraktives Männchen, sehr groß und offensichtlich ein guter Flieger. Und Du hast Mut. Trittst einer zornigen Mutter so gegenüber und bist bereit sogar Dein Weibchen gegen mich zu verteidigen – nicht umgekehrt, wie es eher sein sollte.“ –
„Verzeih Edle T'Rasszia… ich wollte nur klarstellen, dass ich Dir Deine Tochter nicht nehme. Vielmehr hast Du einen Sohn gewonnen.“ -
Sie sieht mich erstaunt an.
„Einen Sohn gewonnen… eine interessante Sichtweise… Du willst also nicht mit T'Álirrah zu Deiner Familie ziehen?“ –
„Ich weiß zwar, dass mein Vater und noch zwei Schwestern hier leben, aber ich kenne sie noch nicht. Und für mich klang es so, dass ich zu T'Álirrah ins Haus ziehen würde, nicht umgekehrt.“ –
„Willst Du es denn auch?“ –
„Ich will, dass Tali glücklich ist. Und ich denke, wenn sie in der Nähe ihrer Familie bleiben kann ist sie glücklicher, als fern von hier. Also lebe ich hier bei euch, weil auch ich dann glücklich sein werde. Und nebenbei halte ich mich so an die Sitten.“ –
Sie blickt mich forschend an.
„Liebst Du sie? – Hast Du noch eine andere?“ –
„Tali ist die einzige Drachin, die ich liebe. Die einzige, die ich lieben werde. Die einzige, mit der ich mein Leben verbringen möchte. Aber ich liebe auch eine Menschenfrau, drüben in der Welt der Menschen. Natascha, sie bekommt ein Kind von mir und ich werde auch immer zu ihr stehen.“ –
„Nun. Eine Menschenfrau ist akzeptabel. Eine andere Drrá'Kina oder Drrékhi wäre das nicht.“ T'Rasszia legt mir eine Hand auf die Schulter, die andere in den Nacken und legt dann ihre Stirn gegen meine.
„Du bist attraktiv, kräftig, mutig und ehrlich. – Schade…“ –
Sie lässt mich los und geht wieder in den Wohnraum zurück, direkt zu den anderen, ich schaue mich um, bemerke, dass wir von den Nachbarn beobachtet wurden – dann tappe ich verwirrt zum Fenster hinterher und schaue durch den Vorhang ihr nach. – Jetzt steht auch die großgewachsene, dunkelbraune Drachin bei den anderen, T'Rrih'Án, die offensichtlich mit T'Rasszia zusammen angekommen ist. – Talis Mutter geht mit regelrecht eleganten Schritten zu den anderen Drachen.
„Ja, schade…“ wiederholt sie. „Ich hätte ihn gerne für mich gehabt. Sei froh, dass Du meine Tochter bist, ich hätte mit Dir um ihn gekämpft.“ Dann verändert sich ihre Stimme deutlich und wird liebevoll.
„Ach Kind… ich freue mich so für Dich, dieses Männchen gefunden zu haben. – Stell Dir vor, Tri… er hätte sie gegen mich verteidigt, gegen mich gekämpft um meine Tochter, das war deutlich zu riechen, sogar eben noch.“ –
T'Rrih'Án blickt zu mir, während mir gerade klar wird, warum T'Rasszia mich da draußen so offensichtlich freundlich behandelt hat – Sie hat damit allen Nachbarn gezeigt, dass sie mich akzeptiert.
„Ja. Wir haben wenige Männchen wie ihn. Er hat viel von seinem Vater… ist sogar noch attraktiver und mutiger. Schade dass er nach drüben soll. Die Weibchen würden seine Höhle belagern um seinen Samen zu bekommen…“ –
Ich bin komplett verwirrt… was war das eben? Die Drachinnen würden mich belagern? T'Rasszia wandelt sich zur Anthro, umarmt ihre Tochter und begrüßt dann Ti sehr freundschaftlich – offensichtlich kennen die beiden sich schon.
Dann sehe ich T'Rrih'Án auf mich zukommen und freundlich nicken.
„Glückwunsch. Du gehörst zur Familie. Ich hatte durchaus Bedenken, Tras ist sehr wählerisch, aber Du hast sie überzeugt. – Ich bin aber eigentlich mitgekommen, weil ich schauen will, wie ich Dir helfen kann.“ –
Ich schaue sie verwirrt an.
„Helfen? – Verzeih… wobei?“ –
„Mit Deinem Körper.“ –
„Verzeih… was ist mit meinem Körper?“ –
Ich muss so besorgt aussehen, dass sie leise kichert.
„Keine Sorge, vermutlich nichts Ernstes, aber ich spüre, dass Dir noch etwas fehlt…“ –
Mir schießt durch den Kopf, was sie von mir will.
„Oh… das meinst Du… Ja, ich… ich spüre fast nichts. Auf meinen Schuppen meine ich. Ich weiß, dass es anders sein müsste… aber ich spüre nur ein wenig an den Fingerspitzen, meinen Nüstern und unter den Füßen. Nur die Schwingen scheinen normal zu sein – das lässt mich überhaupt weitermachen… Sonst fühle ich mich eingesperrt.“ –
Sie nickt nachdenklich.
„Lege Dich bitte auf ein Lager. Ich werde Dich mal erfühlen. Es mag Dir eigenartig erscheinen, wie wir Heiler das machen, aber keine Sorge, wir können Erkrankungen spüren - und das lässt sich sicher behandeln. Vermutlich etwas seelisches.“ –
Ich gehorche wortlos und lege mich auf die Seite, was sie grinsend registriert, offensichtlich wohl nicht so üblich für ein Männchen gegenüber einem fremden Weibchen. – Sie lässt ihre Hände über meine Schuppen gleiten und ich spüre ein eigenartiges Kribbeln dabei. - Das dauert ein paar Minuten, während denen Ti und Tali sich zu uns setzen und abwarten, was passiert. Dann richtet T'Rrih'Án sich auf und blickt mich an.
„Ja. Deine Seele und Dein Körper sind nicht völlig im Einklang. Deine Seele – obwohl Drache - wehrt sich gegen Deinen Drachenkörper – auch wenn Dein Intellekt es inzwischen akzeptiert hat einer zu sein. Aber Du bist ein Drrá'Kin – auch wenn Du den Körper eines Menschen hattest, als Du in diese Welt getreten bist, so bist Du ein richtiger vollwertiger Drache. Du bist anders als die Drrékh, auch wenn Du ihnen als Anthro ähnlich siehst. Und diesen Unterschied hat Deine Seele nicht akzeptiert.“ –
„Ja. Was bedeutet das für mich? – Wird sich das bessern?“ –
„Vielleicht – in tausend Jahren möglicherweise. Wahrscheinlich jedoch nie.“ –
„Uff… keine Chance, ich werde nie ganz ein Drache sein?“ –
Sie schüttelt nachdenklich leicht den Kopf.
„Nein, wirst Du ohne Hilfe nicht. Du hast Deinen Körper bei der Erweckung nicht wirklich voll akzeptiert. Das wird sich von alleine kaum noch ändern. – Dagegen haben auch die Menschen keine Pillen.“ –
„Naja… ich werde ja drüben leben - und als Mensch geht es dann ja.“ –
Sie blickt betrübt zu Boden.
„Leider nicht. Es wird Dir nicht helfen, nur noch schlimmer werden. Es ist sogar möglich, dass Du auch den Kontakt zu Deinem menschlichen Körper mit der Zeit verlierst.“ –
Ich sacke in mich zusammen.
„Auch meinen menschlichen Körper…?“ –
„Ich muss zugeben, das ist nicht sicher, aber leider eine Möglichkeit, die besteht. – Das hat es schon gegeben vor langer Zeit. – Es gibt aber eine Heilung, die Dich allerdings etwas Wertvolles kostet.“ –
Ich sehe sie nachdenklich an.
„Eine Heilung?“ –
„Ja. Das ist für uns Heiler sogar relativ einfach. Ich kann Dich heilen, Dir den Kontakt zu Deinem Körper in vollem Umfang herstellen, Dich zu einem vollwertigen Drrá'Kin werden lassen. Nur, wie gesagt – es ist nicht umsonst.“ –
„Klar… Ich verdiene allerdings noch kein Geld – oder was immer Dein Preis ist.“ –
T'Rrih'Án lacht leise, wird dann aber schnell wieder ernst.
„Nein, ich meine keine Entlohnung für mich. Meine Dienste sind gratis für Hilfebedürftige. – Nein, ich meine damit, dass Du etwas anderes aufgeben musst, um geheilt zu werden. Es tut mir leid, ich kann es nicht ändern. Und Du kannst leider auch nicht wählen, was Du aufgeben möchtest.“ –
„Oh… und worauf müsste ich verzichten? Fliegen?“ –
„Nein. Es hat damit zu tun, dass Du Dich jetzt nicht vom Menschsein lösen kannst. – Das musst Du aufgeben, das ist der Preis dafür…“ –
Ich überlege.
„Das Menschsein… Du meinst… kein Mensch mehr sein? Nur noch Drache? Nie wieder meinen menschlichen Körper haben können…?“
Sie nickt nur.
„Oh… das… - oh… damit ich vollkommen ein Drache sein kann, muss ich auf das Leben als Mensch vollkommen verzichten…“ –
„Ja, so ist es.“ –
Tali schaut mich fragend an.
„Verzeih… Du bist ein Drache, ein Drrá'Kin – Du hast das selber zu Mom gesagt. – Was ist dann daran so schlimm?“ –
Ich überlege kurz, aber T'Rrih'Án antwortet bereits.
„Stelle Dir vor, Du solltest als Mensch leben. Und damit Du vollkommen ein Mensch bist, musst Du Dein Drachenleben ein für alle Mal aufgeben. Nie wieder ein Drache sein können. Nie.“ –
„Ja… das wäre furchtbar… Aber andersrum? Wer will schon ein Mensch sein?“ –
„Jemand, der als Mensch geboren wurde und fünfzig Jahre als Mensch gelebt hat…? Jemand, für den das der normale Zustand und ein Drache ein fremdes Wesen ist?“ –
Den Argumenten von T'Rrih'Án kann ich nichts hinzufügen. Ich muss gestehen, dass sich sehr gut einfühlen kann. Eine Heilerin scheint sehr empathisch zu sein, denn sie denkt im Grunde sicher ebenso wie Tali, spricht aber, als wäre sie an meiner Stelle.
Aber Tali schüttelt den Kopf.
„Tan ist kein Mensch, er ist ein Drache. Und er war das auch schon immer.“ –
„Schon richtig…“ nickt T'Rrih'Án „… er fühlt sich wirklich in seiner Lebensenergie wie ein geschlüpfter Drache an, nicht wie ein Drrékh. Aber vergiss nicht, dass er sein bisheriges Leben als Mensch geführt hat. Und er wurde ja doch erst recht spät erweckt.“ –
Ich seufze.
„Ich bin ja auch ein Mensch… kein Drache… naja, war jedenfalls keiner bis vor zwei Wochen…“-
„Würdest Du es mir zeigen? – Ich habe noch nie gesehen, wie ein Drache zu einem Menschen wird – und ich würde Dich dann gerne einmal fühlen.“ Die Heilerin wirkt ehrlich interessiert. Nur Tali schüttelt den Kopf.
„Nicht hier und jetzt.“ –
Auch T'Rrih'Án schüttelt ihren Kopf lächelnd.
„Natürlich nicht hier im UV-Licht. Aber ihr habt doch geschützte Räume.“ –
„Ich würde ihn auch gerne einmal als Mensch sehen.“ – Ich blicke auf und sehe jetzt auch T'Rasszia bei ihrer Tochter und Ti stehen und mich interessiert anblicken.
„Du kannst gerne nach drüben gehen, da bist Du vor dem UV-Licht sicher.“ –
Seufzend wandle ich mich zum Anthro und folge ihr in den hinteren Bereich, der ja noch von einem schweren Vorhang abgeteilt wird. Tali schmiegt sich dabei wieder an mich und nachdem sie sich auch zur Anthro gewandelt hat, folgt T'Rrih'Án uns. Insgeheim muss ich mir eingestehen, dass alle Weibchen ausgesprochen attraktiv sind, sowohl als Feral, wie auch jetzt als Anthro. Und kurz kommt mir in den Sinn, dass ich ihnen gleich als Mensch gegenüber stehen werde… nackt… - aber sofort ist mir auch klar, dass sie das sicher kaum beeindrucken wird.
T'Rasszia hält uns den Vorhang etwas auf und wir betreten eine Art Ruhezone, einen eher kleinen Raum, dessen Boden komplett gepolstert ist. Sie folgt uns und sagt dann – mir zuzwinkernd:
„Unser Spielzimmer…“ –
Tali, die sich immer noch an mich schmiegt, schaut sie empört an.
„Mom… er ist ein Mensch…“
Als ich sie grinsend anschaue merkt sie, was sie gerade gesagt hat.
„Oh… ich meine… naja, ist doch so…“-
„Ja, schon. Ich bin als Mensch geboren und habe als einer gelebt. – Aber ich kann mir schon vorstellen, wie kleine Drachen gemacht werden…“ –
Sie umarmt mich.
„Sooo? – Wann wollen wir das denn mal ausprobieren?“ –
„Hmmm… jetzt?“ –
Meine weiße Drachin schnurrt mich sanft an, aber ihre Mutter schüttelt den Kopf.
„Nein. Verzeih, aber so schnell gehört sich das nun mal nicht. Erst müsst ihr ein paar Rituale erfüllen, dann könnt ihr anfangen, für Nestlinge zu sorgen. – Würdest Du mir jetzt bitte wenigstens kurz Deine menschliche Gestalt zeigen?“ –
Ich nicke, Tali lässt mich kurz los und nach kurzer Konzentration fühle ich mich wieder zusammengestaucht, verliere einen Großteil meiner Sinne – aber fühle endlich wieder die Luft, und auch gleich die glatten Schuppen, die sich ledrig anfühlenden Hand- und Fingerballen und natürlich die spitzen, scharfen Krallen meiner süßen Drachin auf der Haut. Tali schmiegt sich sofort wieder an mich und hält mich fest – und legt auch gleich ihre Schwingen um mich, jetzt mich so schützend, wie ich vorhin sie.
Himmel, ist das angenehm… Ihre Wärme, das Spiel ihrer glatten Schuppen, die weiche Schwingenhaut – das alles auf der Haut zu spüren. Ich drehe meinen Kopf zu ihr und spüre sofort die feinen, weichen Schuppen ihrer Lippen auf meinen, ihre Zunge, die in meinen Mund vordringt und mit meiner zu spielen beginnt.
„Tali, Kind… Ich kann doch nichts von ihm sehen…“ T'Rasszia schüttelt lächelnd den Kopf und auch T'Rrih'Án lächelt. Tali unterbricht ihren Kuss und gibt mich zögernd frei.
Ihre Mutter betrachtet mich mit freundlichem Interesse – und ich bin recht froh darüber, dass mein Training mir auch als Mensch eine halbwegs sportliche Figur gebracht hat. Zumindest bin ich jetzt schlank und wirke recht drahtig. Sie tritt zu mir, beschnuppert mich und lässt ihre Hände über meine Brust gleiten.
„Interessant. Gar nicht so anders… Gut, keine Schuppen, keine Schwingen, das Gesicht flach… aber das war ja logisch. Aber sonst? Du riechst angenehm, fühlst dich so merkwürdig weich an, aber nicht unangenehm. Es würde mich reizen, mich mit Dir zu paaren, so als Mensch…“ –
„Mom…?“ Tali legt schnell wieder ihre Schwingen um mich und gibt mich erst wieder frei, als T'Rrih'Án vor mich tritt und ich auf ihren fragenden Blick nicke. Sie legt wieder ihre Hände auf meine Brust, ich spüre eine angenehme Wärme, dann nickt sie und tritt wieder einen Schritt zurück.
„Ja. Jetzt bist Du eins. Deine Seele – obwohl sie eindeutig die eines Drachen ist – Deine Seele fühlt sich mit diesem Körper verbunden.“ –
Ich sehe sie nachdenklich an.
„Und was bedeutet das für mich?“ –
„Leider nur zwei Möglichkeiten, entweder Du bleibst, wie Du jetzt bist und wartest darauf, ob sich irgendwann in einigen hundert Jahren noch etwas ändert – oder Du akzeptierst meine Hilfe und verlierst Die Möglichkeit ein Mensch zu werden. Wirst also ganz und gar ein Drrá'Kin wie wir.“ –
Ich schaue T'Alirrah an.
„Darf ich mir das in Ruhe überlegen? – Alleine?“ –
Sie umarmt mich sofort.
„Lass mich mitkommen – einfach bei Dir sein. Du musst nicht mit mir darüber reden…“ –
Ich schaue sie nur bittend an – sie erkennt das sogar in meiner jetzigen menschlichen Gestalt und nickt nur leicht, dann lässt sie mich zögernd los.
„Entschuldigt. Ich brauche einfach etwas Zeit für mich… ich lauf nicht weg, dass ich jetzt zu euch gehöre habe ich akzeptiert. Jetzt muss ich mir nur darüber klar werden, wie weit ich ein Drache sein will.“ –
Trrá'Yrrh – der sich das ganze grinsend auch mit angesehen hat – nickt jetzt ernst.
„Ja… ich verstehe Dich. Überlege es Dir, was Dir wichtiger ist. Deine menschliche Erscheinung behalten, oder vollkommen ein Drache zu sein. – Lass Dich nicht davon leiten, was Du glaubst, was wir wollen. Du wirst uns in der Menschenwelt vertreten, egal, wie Du Dich jetzt entscheidest. Wir unterscheiden da nicht, es geht nur um Dich und wie Du Dich wohler fühlst.“ –
Ich nicke und blicke mich kurz um – hier ist genug Platz auch für einen Feral und auch der Weg zum Ausgang reicht. Also hocke ich mich hin und wandle mich direkt in die große Form als Drache. Wieder dieses besonders intensive Gefühl, immens in die Länge gezogen zu werden – und irgendwie habe ich kurz den Eindruck, auf meinen Schuppen auch etwas zu fühlen, einen Lufthauch. Aber das ist schnell wieder vorbei und ich bin wieder in meinem Schuppenpanzer eingesperrt, auch wenn das mittlerweile ein schon vertrautes Gefühl ist.
Der Blick in die Augen der anderen verwirrt mich etwas, offensichtlich ist es ein für sie ungewohnter Vorgang, einen Menschen zu sehen, wie er direkt ein großer Drache wird. Ich gehe vorsichtig an ihnen vorbei, durch den Wohnraum hinaus. In der Empfangshalle breite ich meine Schwingen aus recke mich kurz und gehe dann hinaus. Ohne mich weiter umzuschauen stürze ich mich direkt über die Kante und habe auch sofort Auftrieb. Mit kräftigen Schwingenschlägen steige ich höher und höher.
Nur wohin… weiter das Tal hinab, wo mich offenbar das Meer erwartet – oder in die andere Richtung, in die Berge. Aber als Flieger… ich entscheide mich für die Berge, nehme Kurs auf die Bergkette, die sich auf einer Seite einige Kilometer entfernt parallel zu den Tälern hier zum Meer hinunterzieht, hier aber noch hohe steile Felswände zeigt. So in meinen Gedanken versunken bin ich schnell dort, finde hoch oben einige Felsvorsprünge, auf denen ich bequem landen und mich auch hinlegen kann. Hier kann ich hoffentlich in Ruhe meine Gedanken sammeln…
Was soll ich machen… ich soll die Drachen drüben in meiner Welt vertreten – ist das überhaupt meine Welt? Ist dieses hier, diese UV bestrahlte Welt der verrückten Farben – ist das meine Welt? Habe ich überhaupt eine? Und dann… soll ich ein Mensch bleiben? Oder eigentlich ja eher ein Drrékh? Oder ein Drache werden, ein Drrá'Kin meine menschliche Form für immer verlieren, aber dafür vollständig ein Drache sein. Alles so fühlen, wie T'Álirrah es fühlt. – Ach Tali… mit ihr zusammen sein… - aber was ist mit Natascha… Ja, sie hat sich mit einem Drrékh gepaart, bekommt ein Kind von einem Drachenmenschen – aber wird sie es akzeptieren, mich an die Drachen zu verlieren? – Und was will ich? Will ich überhaupt ein Drache sein? Will ich nicht lieber wieder ein normaler Mensch sein? – Was ist wenn… - ich blicke über die Kante… es geht verdammt tief runter hier, Felsen da unten… was wäre, wenn ich einfach… - ich sehe die Felsen auf mich zu kommen… spüre den Wind… aber lasse meine Schwingen gefaltet… die Felsen… ich schließe die Augen, ein kurzer Schmerz, es wird dunkel… schwarz…
T'Álirrah tappt mit hängenden Schwingen auf ihren Vater zu.
„Warum hat er das gemacht… warum sich von der Klippe gestürzt… er hätte doch einfach wieder als Mensch nach drüben gehen können…“ –
Trrá'Yrrh blickt sie ernst an.
„Es war zu befürchten… er konnte sich nicht von seinem menschlichen Leben trennen – aber er war schon zu sehr Drache um wieder zurück zu gehen – und ein Leben in der Mitte, immer gehandicapt… immer eingesperrt. Das wollte er nicht ertragen. – Es tut mir leid um ihn, nun ja, erwecken wir den nächsten…“
Das Geräusch von Schwingen, die durch die Luft gleiten, die wuchtigen Schläge einer Landung wecken mich aus meinen Gedanken. Ich kenne diesen Rhythmus schon. T'Álirrah, meine Tali. Sie mochte mich doch nicht einfach so alleine lassen.
Ihre Schritte kommen näher, ich halte meine Augen noch geschlossen. Spüre, wie sie sich neben mich legt, sich an mich schmiegt, ihren Kopf sanft an meinem Hals reibt.
„Woran denkst Du?“ –
„An mein mögliches Ende.“ –
„Hier haben sich schon Drachen in den Tod gestürzt… Du hast Dir einen geeigneten Platz dafür ausgesucht. – Wie hast Du Dich entschieden?“ –
Ich öffne die Augen und blicke sie an. Schaue in ihre amethystfarbenen Augen… und obwohl ich eben noch an meinen Tod gedacht habe, steht mein Entschluss jetzt schlagartig fest.
„Ich lebe noch. Und ich will weiterleben. Mit Dir – als Drache.“ –
Sie legt ihren Kopf schief und betrachtet mein Gesicht, blickt tief in meine Augen.
„Du nimmst die Heilung von T'Rrih'Án in Anspruch. Naja… lässt Deine Seele mit Deinem Körper durch ihre Kraft verbinden? – Aber Deine menschliche Form…?“ –
„Ich habe mich entschieden. Ich bin ganz offensichtlich ein Drache. Und ich liebe das Fliegen, ich will das alles voll erleben. Dich voll erleben, fühlen, spüren. – Und Natascha hat einen Drachen geliebt und von ihm ein Kind empfangen – für sie wird sich nicht viel ändern. – Aber ich kann dann erst wirklich hier mit Dir zusammenleben. Und das ja wohl noch einige Jahre lang.“ –
Sie küsst mich liebevoll und leidenschaftlich. Dann grinst sie.
„Gut, aber bevor wir zu den anderen fliegen, lass uns unsere Wohnstätte besichtigen. Vater hat uns eine hübsche kleine Wohnhöhle zuteilen lassen.“ –
Ich nicke – etwas verwundert darüber, dass wir schon nach ein paar Stunden hier eine eigene Wohnung haben und folge ihr, als sie aufsteht. Ich folge ihr auch, als sie über die Klippe springt um direkt Kurs zum hier schon sichtbaren Meer zu nehmen. Ein wunderbares Gefühl zu fliegen, dabei vergesse ich sogar meinen Käfig, in dem ich stecke. Viel zu schnell erreichen wir die Küste, fliegen ein Stück über den Strand bis wir zu einer hohen Klippe kommen, in der einige wenige Wohnhöhlen zu sehen sind. Auch hier alles mit fein gearbeiteten Fronten, die an mediterrane Häuser erinnern – und dann, ziemlich alleine gelegen und hoch oben, eine Höhle, deren Front an ein südfranzösisches Weingut erinnert. Kleine Säulen stützen Vordächer, die wie mit Dachpfannen gedeckt wirken, Pflanzen wachsen an der Front hoch, die Fenster wirken wie Oeffnungen in einem blauen Weinberg. Davor geräumige Terrassen, auf denen Ruhebänke unter Bäumen zum Verweilen einladen und den Blick über das Meer erlauben.
Wir landen auf einer geräumig freien Fläche vor dem Eingang, Tali geht voraus, durch einen luftigen Vorhang in eine gemütlich mit Ruhebänken eingerichtete Empfangshalle. Sie führt mich herum, rechts offensichtlich 2 Schlafräume, beide für Feral geeignet, links ein schon jetzt gemütlicher Wohnraum. Großzügig gepolsterte Lager, polierte Steinblöcke als Tische, Nischen in den Wänden als Schrankersatz. Dazu große gewebte Wandbezüge, die dem ganzen endgültig den höhlenartigen Eindruck nehmen.
Dann wandeln wir uns zu Anthros und gehen in das Obergeschoss. Auch hier rechts einige Schlafräume, schlicht ausgestattet, aber auch hier mit Stoffen mit eingewebten Mustern bespannte Wände. Dazu ein sehr geräumiges Bad, das sogar Warmwasser bietet. Im hinteren Bereich sind Lager und eine gut ausgestattete Küche. Hier gibt es sogar Strom…
„Solarzellen und ein Windrad, so nennen die Menschen das wohl – gut getarnt.“ Erklärt Tali mir, als sie meinen fragenden Blick sieht. – dann links der Wohnraum… holla. Eine reichhaltig gefüllte Bibliothek, viele Lagerstätten und offensichtlich bequeme Sessel – allerdings auch aus Stein gehauen und mit dicken Polstern belegt. Die Wände holzverkleidet, Regale, Schränke, Kommoden…
„So sehr viel anders, als bei Georgi sieht das hier aber auch nicht aus…“ –
Sie schaut mich sanft grinsend an. Gut, ich muss zugeben, dass hier alles wuchtiger gebaut ist. Keine Stühle oder Tische aus Holz, alles ist massiv aus Stein – Lager, Sessel, die Blöcke, die als Tische dienen. – Nur eben die Wände, die mit Holz verkleidet sind. – Und ein paar der Schränke, die meisten anderen sind auch aus Stein gehauen, wie ich jetzt bemerke. Und auch hier haben die Fenster keine Scheiben, nur Vorhänge. Und so etwas wie hölzerne Läden, die davor geschoben werden können, wohl falls es einen Sturm gibt.
„Das hier wird unsere Wohnung sein?“ –
Tali nickt vergnügt.
„Ja. Nicht groß, aber wundervoll gelegen. Draußen im Schatten der Bäume liegen und über das Meer schauen… - Ti hat mir verraten, dass auch Menschen das gerne machen…“ –
Ich nicke nachdenklich.
„Ja, das mögen wir wirklich gerne. – Aber… ich soll doch drüben leben und arbeiten…“ –
Tali nickt lächelnd und rafft die Vorhänge zur Seite, macht so den Blick frei. Dann drückt sie mich sanft auf einen der Sessel und legt sich zu mir.
„Ja natürlich. Aber doch nicht die ganze Zeit. Sszurruk war ebenso lange drüben, wie hier, immer im Wechsel. Aber er hat auch die Technik nicht so verwendet. Vater sagt, die Menschen haben Geräte, mit denen sie alles kontrollieren und sich verbinden können. Und die Drachen haben gemeinsam mit den Menschen einen Weg gefunden, wie diese Geräte durch ein Tor in Verbindung kommen können. Er meint, mit solchen Geräten brauchst Du meistens nur noch drei oder viermal in einem Mondlauf für einen oder zwei Tage zu den Menschen gehen.“ –
„Hmm… ich kann also das meiste von hier aus machen?“ –
„Naja… lass Dir das bitte von Vater erklären, ich bin mir nicht sicher, das alles aus seinen Äußerungen richtig verstanden zu haben. Aber Du musst Dich wohl oft mit Menschen treffen. – Und Du willst sicher auch genug Zeit für Dein Menschenweibchen haben.“ –
Ich schaue in ihre Augen.
„Ja… schon… Du akzeptierst sie?“ –
Ihre Hand gleitet über meine Brustschuppen und sie nickt.
„Natürlich. Du hast Dich entschieden vollkommen ein Drache zu sein, da ist ein Menschenweibchen keine Konkurrenz für mich. Es mag dir eigenartig erscheinen, aber Du wirst es selber bald merken - Menschen sind so kurzlebig. Glaube bitte nicht, Dein Vater wäre gefühllos, weil er Deine Mutter verlassen hat – aber er wusste sie ja in einer Partnerschaft und sie und Dich somit sicher. Dir wird es ebenso ergehen.“ –
„Natascha hat keinen Partner… nur ihren Vater und ihre Großmutter – und mich.“ –
Sie schaut mich an.
„Und Du machst Dir Sorgen?“ –
„Ja. Ich möchte sie nicht mit dem Kind alleine lassen.“ –
„Ti hat mir etwas darüber erzählt, was mit ihr passieren wird. Die Drrékh werden sich um sie kümmern, sie ist nicht alleine. Du hast richtig reagiert, Deine Schwester darüber zu informieren und die Kleine an sie zu verweisen. Sie ist dort gut aufgehoben und braucht sich um ihr Überleben nicht zu sorgen.“ –
„Das habe ich auch vermutet und sie deshalb zu meiner Schwester geschickt. Aber…“ –
„Du sorgst Dich trotzdem um Dein Kind?“ –
„Um beide. Auch um Natascha. – So wie ich mich immer auch um Dich sorgen werde.“ –
Tali nimmt meinen Kopf in die Hände und küsst mich liebevoll.
„Mach Dir keine Sorgen. Ich akzeptiere das Menschenweibchen und freue mich darauf sie kennen zu lernen.“ –
„Wirst Du mit mir nach drüben gehen?“ –
„Natürlich. Vielleicht nicht jedes Mal, aber ich möchte oft bei Dir sein und sehen, was wir da so machen. Möglicherweise kann ich Dir ja sogar ein wenig helfen – und ich finde da eine Aufgabe für mich.“ –
„Ich würde mich freuen, Dich bei mir zu haben. Du hast jetzt noch keine Aufgabe hier?“ –
Sie seufzt und legt ihren Kopf auf meine Brust.
„Doch, schon. Aber es ist nicht besonders aufregend, Weibchen in der Tragzeit zu helfen. Auch wenn es eine gut angesehene Tätigkeit bei uns ist.“ –
„Hast Du eine Idee, was Du drüben machen möchtest?“ –
„Nein. Erstmal alles besser kennenlernen – schon wegen Dir. Und dann… vielleicht kann ich den Erwachten helfen, sich als Drache zurecht zu finden. Oder ich helfe Dir, wenn Du Dich mit Menschen triffst. Und… ich habe mich zwar bisher nicht sehr für die technischen Dinge interessiert, aber man hat mir gesagt, ich hätte ein sehr gutes Verständnis für alles, was unsere Welt bewegt. – Äh... Astrophysik wird das bei euch wohl genannt. Aber da muss ich noch vieles lernen.“ –
„Ah, ja, das wäre vermutlich auch eine sinnvolle Fähigkeit.“ –
Ich genieße ihre zärtliche Nähe, ihr sanftes Streicheln meiner Schuppen spüre ich ja leider nicht so richtig. Dann seufzt sie wieder.
„Es wird gleich dunkel. Wir könnten zwar hier übernachten, aber hier sind noch keine Vorräte – und meine Eltern würden uns gerne noch bei sich haben. Sie möchten Dich sicher ein wenig näher kennenlernen. Und Ti wäre sicher auch froh, Dich bei sich zu haben. Eigenartig… sie ist älter als Du und schon viel länger erwacht – und doch verhältst Du Dich viel vertrauter uns Drrá'Kin gegenüber.“ –
„Sicher nur, weil ich eben auch ein Feral sein kann. – Und weil ich mich irgendwie immer noch wie in einem Traum fühle.“ –
„Ja, das muss merkwürdig sein. So plötzlich in dieser Welt ausschließlich unter Drachen zu sein. Aber doch auch schön, oder? Du brauchst Dich nicht mehr verstecken.“ –
„Stimmt schon. Auch wenn diese Welt sehr ungewohnt ist, bei euch fühle ich mich schon irgendwie wie zu Hause. – Und ihr Drachen seid ja auch ganz anders, als bei uns oft behauptet wird.“ –
Sie kichert.
„Ja, davon habe ich gehört. Bei den Menschen sind wir Drachen oft als schreckliche Ungeheuer verschrien – und hier bei uns werden die Nestlinge damit erschreckt, dass sie folgsam sein sollen, weil sonst die Menschen kommen und sie fressen… - Wir wissen natürlich, dass das nicht so ist.“ Sie steht auf und reckt ihre Schwingen.
„Wir sollten zurückfliegen. Zwar können wir auch nachts fliegen, aber Du…“ –
„Ich weiß…“ nickend stehe ich auch auf.
„…noch bin ich ungeübt – aber ich bin drüben schon nachts geflogen.“ –
„Aber nicht als Feral – und das Licht hier ist anders.“ –
Wir ziehen überall die Läden vor die Fenster bevor wir gehen – auch eine Art Tür ist vorhanden – so ist die Wohnstätte wetterfest. Die Sonne geht bereits unter und ich bemerke wie der UV-Anteil stark nachlässt, was das Licht tatsächlich sehr eigentümlich macht. Da wir uns drinnen in den unteren Räumen bereits wieder gewandelt hatten, starten wir direkt und fliegen noch ein Stück am Strand entlang, ehe wir auf das Tal treffen, in dem weiter oben die Drachenstadt liegt. Wie hieß die doch gleich? Achja, Arrkáan, Unterschlupf… ein irgendwie vorläufiger Name für eine Stadt. Ziemlich eindeutig, dass die Drachen sich hier eher nicht auf Dauer niederlassen wollten.
Mit einsetzender Dunkelheit erreichen wir die ersten Wohnstätten, die von Trrá'Yrrh liegt noch ein Stück weiter, wenn auch schon etwas außerhalb des Stadtzentrums. Und wirklich wird das Licht sehr eigenartig, zwar steht auch hier ein Mond am Himmel, aber der ist sehr dunkel und wirft kaum Licht zurück. Und auch die Sterne bringen kaum Licht. Allerdings scheine ich jetzt auch Infrarot sehen zu können, denn Tali vor mir leuchtet regelrecht, während alles im Umfeld sehr eigenartig beleuchtet zu sein scheint - durch die unterschiedliche Wärmeabstrahlung vermutlich.
Bald setzt sie zur Landung an und ich erkenne dann tatsächlich die Wohnstätte Ihrer Eltern wieder. Wir setzen auf, wobei ich für die eigentlich eher schwache Beleuchtung im normalen Licht durchaus dankbar bin. Drin ist die Beleuchtung zwar deutlich dunkler, als normal bei den Menschen, aber für uns Drachen vollkommen ausreichend. – Und eindeutig elektrisch. Wobei mir jetzt wieder einfällt, dass auch die anderen Wohnstätten überwiegend mit elektrischem Licht beleuchtet waren, nur einige hatten so etwas wie Fackeln als Außenbeleuchtung.
Tali geht mit mir gleich wieder in den Wohnraum, wo uns ihre Eltern, T'Rrih'Án und natürlich meine Schwester gespannt anschauen. Naja, sie sehen mehr mich an – und meine Schwester ist sichtlich erleichtert, mich wieder in ihrer Nähe zu haben. Auch wenn sie alle als Anthro offensichtlich recht gemütlich zusammen sitzen – oder liegen.
„Dürfen wir wissen, ob Du zu einer Entscheidung gekommen bist?“ will Trrá'Yrrh von mir wissen – die Spannung aller hier zusammenfassend. –
„Ja. Ich habe mich entschieden.“ –
Tali steht mit ernstem Blick neben mir, stuppst mich aber jetzt leicht mit ihrem Schwanz an. Ihre Mutter beginnt leicht zu lächeln.
„Wie ein Drrá'Kin reden kann er schon…“ –
„Verzeiht, ich habe nur die Frage beantwortet.“ Ich sehe, wie Trrá'Yrrh zu grinsen beginnt. –
„Ja, das ist richtig. Sag uns bitte, wie die Entscheidung ausgefallen ist.“ –
„Ja, verzeiht.“ Ich atme tief durch.
„Ich bitte Dich, mich mit meinem Körper zu vereinen, T'Rrih'Án.“ –
Trrá'Yrrh lässt sich erleichtert in die Polster sinken.
„Ich danke Dir für diese Entscheidung T'Áan'Aáh. Du würdest zwar auch mit einer anderen Entscheidung für uns arbeiten können, aber der Ältestenrat fühlt sich sicherer, wenn ein Drrá'Kin den Posten besetzt.“ –
„Und Du?“ –
„Ich hätte Dich auch so gerne dabei. Aber ich freue mich, dass Du ganz ein Drache werden möchtest, auch wenn du dabei auf etwas verzichten musst. – Aber Du sollst auch wissen, dass ich es bedauere, dass es so kommt. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach für Dich ist, Deine menschliche Form für immer aufzugeben.“ –
Ich nicke.
„Ja… reden wir nicht mehr davon, sonst überlege ich es mir noch…“ –
Er grinst und macht eine einladende Handbewegung.
„Kommt, legt euch zu uns. Deine Schwester wird froh sein, Dich wieder hier zu wissen. - Hier wächst eine Pflanze, die einen guten Wein gibt, Du hast ja bereits etwas davon als Saft kennen gelernt. Und ich habe schon das Wisentfleisch gerochen, das ich gerne mal wieder essen würde.“ –
Tali nickt mir zu und praktisch gleichzeitig wandeln wir uns zu Anthros. Ich lege mich auf ein Lager direkt neben meiner Schwester und Tali legt sich zu mich, schmiegt sich an meinen Rücken – was ihre Mutter leicht schmunzeln lässt. Ti reicht mir einen Becher mit dem Wein, ich schnuppere und probiere, ein ungewöhnliches Aroma, aber sehr angenehm – und tiefblau in der Farbe, viel dunkler als der Saft, den ich vorhin schon probiert hatte.
Talis Eltern holen dann das Fleisch, die beiden und T'Rrih'Án essen das von uns mitgebrachte Wisent, das den dreien sehr gut schmeckt - mir geben sie ein paar verschiedene Stücke von den Tieren, die hier gehalten werden, die mir wiederum sehr gut schmecken.
T'Rrih'Án leckt sich anschließend die Finger genüsslich ab.
„Sehr lecker… das müsste man hier bekommen können…“ Sie schaut mich fragend an.
„Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit?“ –
„Naja… Sie züchten die Tiere und verkaufen bisher einige wenige davon dort. Ich könnte mir vorstellen, dass sie gerne mehr damit verdienen würden. – Und Natascha ist auf einer Tierfarm groß geworden, sie versteht davon sicher auch einiges…“ –
Ti nickt mir zu.
„Ja… damit hätte sie ein eigenes Einkommen und ist nicht von der Firma abhängig. Oder von Dir, falls Dir das wichtig ist.“ –
„Es wäre mir schon wichtig, zu wissen, dass sie sich und unser Kind auch selbständig versorgen kann. Auch wenn ich eigentlich für sie sorgen möchte.“ –
„Das machst Du doch, wenn Du ihr diese Möglichkeit öffnest. Und nebenbei werden auch Georgi und das Dorf davon profitieren.“ –
„Und ihr meint, ihr nehmt ausreichend viel ab?“ –
Jetzt kichert T'Rrih'Án und nickt.
„Ihr könntet sicher jeden Tag mindestens 1.000 Kilo reines Fleisch hier los werden, also entsprechend viele Tiere hierher bringen. Und da die Tiere hier nicht lange überleben können – vermute ich jedenfalls, da sie ja von der Menschenwelt stammen – besteht auch keine Gefahr, dass hier eine eigene Zucht aufgebaut wird. Sie werden also eine beständige Nachfrage haben, denn das Fleisch schmeckt wirklich ausgesprochen gut, selbst jetzt, schon einige Stunden alt.“ –
„Gut… verzeih… wie wird das eigentlich ablaufen… - ich meine mit mir…“ –
Sie wird ernst, blickt mich aber weiter freundlich an.
„Nun… heute nicht mehr, aber morgen… Es ist eigentlich ganz einfach. Du entspannst Dich und öffnest mir Deine Seele – dann kann ich die Kraftströme in Dir so verknüpfen, wie es bei einem Drachen sein soll. Mir ist bewusst, dass ich Dich damit aber auch beeinflusse, Dich verändere - aus Dir ein anderes Wesen mache, als Du bisher bist… Überlege es Dir bitte noch einmal, ob Du wirklich Deine menschliche Form aufgeben möchtest. Ich möchte dich nicht zwingen völlig ein Drache zu werden. Was mir durchaus möglich wäre, wenn Du Dich mir öffnest.“ –
Ich grinse.
„Glaubst Du, die Drachin, die mich hier gerade so umklammert, würde mir erlauben, mich noch einmal anders zu entscheiden?“ –
Tali dreht meine Schnauze zu sich und blickt mich lächelnd an.
„Nein… ich werde Dir gar nicht die Gelegenheit geben, darüber noch mal nachzudenken. Du gehörst jetzt mit Schuppen und Krallen mir. Und ich sorge schon dafür, dass Du ein Drache sein willst.“
Dann zwängt sie ihre Fangzähne hinter meine und küsst mich ausgiebig und leidenschaftlich. – Wieder bemerke ich, dass die anderen uns höflich ignorieren und sich leise darüber unterhalten, ob T'Rrih'Án heute noch nach Hause fliegt, oder hier in einem Gästezimmer übernachtet. Ti wird gar keine Wahl gelassen, sie bleibt natürlich ebenfalls und soll erst morgen nach meiner Behandlung zurückkehren um meine Ankunft vorzubereiten und ihren Mann zu informieren.
Schließlich löst Tali ihren Kuss wieder.
„Drachen machen wir aber erst, wenn Du selber vollkommen einer bist. Du sollst das richtig Erleben können, nicht nur die Hälfte.“ –
Ich grinse sie an und nicke. Auch mir erscheint das jetzt logischer – und heute schon eine Paarung erscheint mir – warum auch immer – ein wenig zu früh. Zudem spüre ich jetzt deutlich die Müdigkeit in mir wachsen. Hier ist die Zeit so deutlich verschoben zu unserer – bei mir zudem noch ein wenig weiter durch meine Flucht nach Osten – dass auch Ti jetzt allen ihr Gebiss zeigt… bis sie merkt, dass sie hier ungeniert gähnt und verlegen die Hände vors Gesicht hält. Aber auch ich kann ein Gähnen nur mühsam unterdrücken.
„Ihr solltet schlafen…“ bemerkt Trrá'Yrrh.
„Eure Zeit ist zu unserer hier um einige Stunden verschoben, für euch ist ja schon tiefe Nacht. – Morgen können wir einen neuen, jungen Drrá'Kin begrüßen und weiter über Deine Zukunft sprechen. T'Irrh wird dann sicher zurück wollen um Deine Ankunft dort vorzubereiten. – Und Tali wird sich sicher noch ein paar weitere Tage mit der offiziellen Begründung eurer Partnerschaft gedulden können. Es ist ja üblich, dass eigentlich mehrere Mondläufe dazwischen liegen nachdem ihr euch gefunden und zu Partnern erklärt habt. Ihr liegt schon zusammen, wie Partner, ihr habt eure Partnerschaft vor der Gemeinschaft erklärt – sogar beide. Ihr seid ja auch schon gemeinsam geflogen…“ –
Tali nickt.
„Ja nicht nur in enger Formation… wir haben uns aneinander festgehalten und sind wie ein Drache geflogen.“ –
„Tri erzählte davon… ungewöhnlich aber das hat es schon gegeben bei sehr guten Fliegern…“ fährt Trrá'Yrrh grinsend fort.
„Ihr habt vorher eure Partnerschaft voreinander und vor T'Irrh als Zeugin bekundet. Das offizielle Ritual ist nur noch eine nette Sitte, aber nicht zur Gründung einer Partnerschaft notwendig. – Ihr braucht also mit einer Paarung nicht länger warten… Und da Du ja in unsere Familie eintrittst und bei uns bleiben möchtest, haben wir also wirklich einen Sohn erhalten. – Oder Tras?“ –
Talis Mutter nickt.
„Ja. Einen mutigen Sohn, der sich nicht von einem Weibchen verschrecken lässt. Nicht mal von der zornigen Mutter der Partnerin, die ihn erwählt hat. – Aber nun geht in eure Schlafkammern und in die Nester – ihr schlaft ja gleich hier ein.“ –
Ti und ich stehen auf und Tali führt uns nach oben in schlichte Schlafkammern, in denen aber sehr gemütlich aussehende Schlafkobel einladend in der Wand eingelassen sind. Ti umarmt Tali und küsst mich kurz auf die Wange und verschwindet direkt in dem Kobel. Tali geht mit mir einen Raum weiter und schiebt mich auch in den Kobel hier, in dessen Polstern ich regelrecht versinke. Kurz darauf spüre ich eine Bewegung und dann die zärtliche Umarmung von Tali.
„Schlaf gut mein Drache. Genieße Deine erste Nacht bei deinem Volk und träume von uns.“ –
„Gute Nacht meine Drachin.“ –
Mehr bekomme ich nicht heraus, ich schlafe sofort in den Armen meiner weißen Drachin ein.
Naja, wer weiß... vielleicht redet er ja gar nicht mehr mit Menschen - dann so als reiner Drache... ;-)
Ich hoffe nur, dass Dir meine Lösung nicht zu langweilig sein wird. ^^
Meine Skepsis entstand dur die erzählform da ich persönlich eigentlich kein freund der 1. Person bin. Aber ich muss sagen, dass es mich dann so sehr gefesselt hat, dass ich darüber hinweg sehen konnte. Und auch der Umstand, dass du dir am Anfang wohl nicht sicher warst ob das ganze in Deutschland oder den USA spielt, hat man deutlich heraus gelesen. Stempeln wir es als kleine Startschwierigkeit ab.
Was mir fehlt sind die Sichtweisen der anderen Charaktere. Allen voran Kyrrah. Was in ihm vorgeht hätte mich brennend interessiert. Zwar hast du es kurz durch Erzählungen anderer angedeutet, aber meine Neugier konnte es nicht stillen.
Gruß
Turmalon
Schön, dass es weitergeht, macht immer noch Spaß zu lesen. Schade finde ich, dass er sich zwischen seinen Formen entscheiden muss, wo ich doch die Hybriden so gerne mag. Wäre doch auch ein Unterscheidungsmerkmal zu Unter Drachen, da haben wir doch schon den "echten" Drachen. ;) Naja, ich lasse mich gerne mal überraschen, vielleicht planst du ja noch etwas völlig anderes. Solange er sich dabei nicht à la Kafka plötzlich in einen Käfer verwandelt sollte alles ok sein. :D
Ansonsten finde ich immer noch, dass er sich ein bisschen sehr schnell Hals über Kopf verliebt, wobei bei Tali ist es nicht so "schlimm" wie bei Natascha. ;)
nee keine Sorge, so schlimm wird es schon nicht. ^^
Und... nun ja - Drachen sind nun mal heißblütig.