Ausland

Bei einem Bombenanschlag auf einer Straße im Westen Kolumbiens sind nach Behördenangaben 14 Menschen getötet und mindestens 38 weitere verletzt worden. Unter den Verletzten seien fünf Minderjährige, führte der Gouverneur der Region Cauca, Octavio Guzman, im Onlinedienst X aus. Präsident Gustavo Petro machte den Anführer abtrünniger Mitglieder der früheren Guerrilla-Organisation FARC dafür verantwortlich.

Im Vorfeld der ersten Runde der Wahl am 31. Mai ist die Lage in Kolumbien angespannt. Erst am Vortag war bei einem Anschlag auf einen Militärstützpunkt in der Region Cali ein Mensch getötet worden. In den Regionen Cauca und Cauca-Tal gab es nach Angaben des Verteidigungsministeriums zudem 26 bewaffnete Angriffe innerhalb von zwei Tagen.

Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens, die einst linken oder rechten Ideologien anhingen, sind heute kriminelle Banden, die sich insbesondere durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren.

Ungarns scheidender Premier Viktor Orban hat gestern nach der Sitzung des FIDESZ-Parteivorstands auf Facebook angekündigt, sein Parlamentsmandat zurückzulegen. Diese Aussage erfolgte nach Orbans schwerer Niederlage bei der Parlamentswahl am 12. April, die sein Herausforderer Peter Magyar von der TISZA-Partei mit einer Zweidrittelmehrheit für sich entschieden hatte.

Für ihn bestehe aktuell keine Notwendigkeit, im Parlament präsent zu sein, so Orban. Vielmehr müsse er sich der Neustrukturierung „der ungarischen nationalen Seite“ widmen. Er wolle seine Tätigkeit als FIDESZ-Vorsitzender fortsetzen, sollte ihm der Kongress im Juni das Vertrauen aussprechen.

Weiter wies der scheidende Premier darauf hin, dass die FIDESZ-Parlamentsfraktion grundlegend umstrukturiert werde. Die neue Fraktion soll vom bisherigen Kanzleiminister Gergely Gulyas geleitet werden. Auch der scheidende stellvertretende Ministerpräsident Zsolt Semjen vom Bündnispartner Christdemokraten (KDNP) verzichtet auf sein Parlamentsmandat, berichtete das Onlineportal 24.hu.

Erstmals seit dem Gaza-Krieg haben die Menschen im Westjordanland und in einem zentralen Teil des Gazastreifens in Kommunalwahlen ihre Stadtspitzen und Gemeinderäte neu bestimmt. Die Wahlbeteiligung schien gestern jedoch niedrig: Im Gebiet Deir el-Balah im Gazastreifen lag sie bei Schließung der Wahllokale nur bei 21,2 Prozent. Im Westjordanland lag sie nach Angaben der Wahlkommission bei etwas über 40 Prozent.

Die Kandidaten der meisten Wahllisten standen der säkular-nationalistischen Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahe oder waren unabhängig. Die im Gazastreifen regierende und mit der Fatah im Westjordanland rivalisierende Hamas hatte keine Wahllisten aufgestellt.

In vielen Städten im Westjordanland wurde nur eine Liste eingereicht. Einige potenzielle Kandidaten gaben an, sie hätten sich nicht aufstellen lassen können.

Wahl als „Experiment“

Im seit mehr als 20 Jahren von der Hamas kontrollierten Gazastreifen war es der erste Urnengang seit der Parlamentswahl von 2006, aus welcher die radikalislamische Gruppe als Sieger hervorgegangen war. Die Palästinensische Autonomiebehörde halte im Gazastreifen Wahlen zunächst lediglich in Deir el-Balah „als Experiment“ ab, „um den eigenen Erfolg oder Misserfolg zu testen, da es keine Meinungsumfragen aus der Zeit nach dem Krieg gibt“, sagte Dschamal al-Fadi, Politikwissenschaftler an der Al-Aschar-Universität in Kairo, zur Nachrichtenagentur AFP.

Im westafrikanischen Mali haben militante Gruppen bei offenbar koordinierten Attacken die Hauptstadt Bamako sowie mehrere andere Orte angegriffen.

Einem UNO-Bericht zufolge handelte es sich um „gleichzeitige, komplexe Angriffe“ gegen den wichtigsten Militärstützpunkt des Landes in Kati, die Umgebung des Hauptstadtflughafens sowie Städte wie Mopti, Gao und Kidal.

Die Armee teilte gestern mit, sie habe die Kontrolle zurückerlangt. Die Berichte waren aber widersprüchlich: Die von Tuareg dominierte Rebellenallianz FLA teilte in sozialen Netzwerken mit, ihre Kämpfer hätten die Kontrolle über Stellungen in Gao sowie eines von zwei Militärlagern in Kidal übernommen.

In Mali gibt es im Norden seit Längerem immer wieder Aufstände der Tuareg-Volksgruppe. Zudem kämpft die Armee gegen islamistische Extremisten. Die Militärregierung unter Assimi Goita, die nach den Putschen von 2020 und 2021 die Macht übernommen hatte, versprach, die Sicherheit wiederherzustellen.

Krieg in Nahost

Die israelische Regierung hat das Militär angewiesen, Ziele der radikalislamischen Hisbollah-Miliz im Libanon in großem Maßstab zu attackieren. Premier Benjamin Netanjahu habe die Anweisung erteilt, „Hisbollah-Ziele im Libanon mit Nachdruck anzugreifen“, erklärte sein Büro gestern Abend. Weitere Details wurden in der Mitteilung nicht genannt.

Israel hatte zuvor gemeldet, Hisbollah-Kämpfer hätten Soldaten in der Region Kantara mit Drohnen angegriffen. Im Süden des Libanon habe die Armee außerdem „mehr als 15 Terroristen eliminiert“ und ein Hisbollah-Waffenversteck mit Panzerabwehrraketen und Kalaschnikow-Gewehren entdeckt.

Der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur zufolge wurden bei den israelischen Angriffen im Südlibanon vier Menschen getötet. Am Vortag waren nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sechs Menschen getötet worden.

Dreiertreffen Trump, Netanjahu und Aoun

Am 16. April hatte US-Präsident Donald Trump eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon verkündet, die der US-Präsident dann kurz vor ihrem Auslaufen um drei Wochen verlängerte. Israel und die Hisbollah-Miliz setzten ihre gegenseitigen Angriffe jedoch fort.

Trump kündigte ein Dreiertreffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und Netanjahu „in den kommenden Wochen“ in Washington an.

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ali Chamenei feuerte die von Teheran unterstützte Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin heftige Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Ukraine-Krieg

Bei stundenlangen russischen Angriffen auf die ostukrainische Stadt Dnipro sind nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Die Bomben- und Drohnenangriffe begannen in der Nacht auf gestern und dauerten rund 20 Stunden lang, wie Bürgermeister Borys Filatow berichtete. Beschossen wurden Wohnhäuser, Unternehmen und Energieinfrastruktur.

ein nach einem russischen Drohnenangriff schwer beschädigtes Haus in  Dnipro (Ukraine)
Reuters

Mindestens 49 Menschen wurden laut Filatow verletzt, darunter zwei Kinder. Auch sein Stellvertreter sei schwer verletzt worden, berichtete der Bürgermeister. Weitere zehn Menschen wurden in der Region Dnipropetrowsk verletzt.

Ein Wohnhaus wurde den Angaben zufolge zweimal in zeitlichem Abstand bombardiert. Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem Angriff auf militärische Ziele in der Ukraine. Dnipro liegt mehr als hundert Kilometer von der Front entfernt.

Verletzte in Belgorod

Kiew greift als Reaktion auf die fortgesetzten russischen Angriffe immer wieder Ziele auf russischem Gebiet an. Auch dabei gibt es zivile Opfer. Der Gouverneur der russischen Grenzregion Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, teilte mit, bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Auto seien eine Frau getötet und ein Mann schwer verletzt worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, die russischen Streitkräfte hätten in einer Nacht 127 ukrainische Drohnen abgefangen.

Schäden durch Drohnentrümmer in Rumänien

Im NATO-Mitgliedsstaat Rumänien stürzte derweil inmitten der russischen Angriffe auf die Ukraine eine Drohne über bewohntem Gebiet ab. Opfer gab es nach Behördenangaben nicht, ein Strommast und ein Gebäude wurden beschädigt. Die Behörden ordneten eine Evakuierung des Gebiets an, betroffen waren 200 Menschen.

Feuerwehreinsatz in der rumänischen Stadt Galati
Reuters/Inquam Photos

Das Verteidigungsministerium in Bukarest erklärte, Russland habe mit Drohnen Ziele in der Ukraine nahe einem Grenzfluss zu Rumänien angegriffen. Vom Radar seien „im rumänischen Luftraum operierende Drohnen“ erfasst worden.

Wirtschaft

Das erste bisher geplante Bauverbot in den USA für große KI-Datenzentren ist gescheitert. Die Gouverneurin des Bundesstaats Maine, Janet Mills, legte gestern ihr Veto ein.

Grundsätzlich sei ein vorläufiges Bauverbot gerechtfertigt „angesichts der Auswirkungen riesiger Datenzentren in anderen Bundesstaaten auf die Umwelt und die Stromkosten“, erklärte Mills.

Keine Ausnahmen gestattet

Sie blockiere das Moratorium jedoch, weil es keine Ausnahme für den Bau eines solchen KI-Datenzentrums in der Ortschaft Jay zulasse, die unter den „verheerenden“ Folgen der Schließung einer Papierfabrik leide.

Das Parlament von Maine hatte das Moratorium Mitte April für Rechenzentren mit einer Kapazität von mehr als 20 Megawatt beschlossen. Damit sollte der Bau von KI-Rechenzentren zunächst bis November 2027 ausgesetzt werden.

Weitere Moratorien werden geprüft

Maine im Nordosten der USA gehört laut der Internationalen Energieagentur zu den Bundesstaaten, in denen die Stromrechnung der Haushalte in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen ist. In zwei Städten des Bundesstaates wurde Ende 2025 der Bau von Rechenzentren abgelehnt.

Die Behörden warfen den Unternehmen laut Medienberichten vor, sie hätten falsche Angaben zum Strom- und Wasserverbrauch gemacht. Auch in elf weiteren US-Bundesstaaten wird derzeit ein Moratorium für KI-Rechenzentren geprüft.

Chronik

US-Präsident Donald Trump lässt dem berühmten Reflecting Pool am Lincoln Memorial, einem Wasserbecken im Herzen von Washington, einen Schwimmbadbodenbelag verpassen. Arbeiter waren gestern dabei, den Boden des Reflecting Pools mit blauem Material auszukleiden, das normalerweise in Schwimmbädern genutzt wird.

Arbeiter verlegen im Becken vor dem Lincoln Memorial in Washington einen Schwimmbadbodenbelag
APA/AFP/Getty Images/Andrew Leyden

Trump hatte seinen Plan am Donnerstag verkündet. Das Wasserbecken, vor dem Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 seine Rede mit den Worten „I Have a Dream“ gehalten hatte, sei „in schrecklichem Zustand“, so der Präsident in einem vom Weißen Haus verbreiteten Video. Der zu den Wahrzeichen von Washington zählende Reflecting Pool sei „dreckig und schmutzig“ und habe „seit vielen Jahren geleckt wie ein Sieb“.

„Habe mehr als 100 Schwimmbäder gebaut“

Laut Trump sollen die Arbeiten zur Auskleidung drei Wochen dauern und 1,5 Millionen Dollar (1,3 Millionen Euro) kosten. Einen Plan, den Steinboden des 1923 fertiggestellten Beckens zu erneuern, habe er abgelehnt, weil das drei Jahre dauern und 300 Millionen Dollar kosten würde.

Stattdessen habe er eine Firma kontaktiert, die schon in der Vergangenheit für ihn gearbeitet habe: „Ich habe mehr als 100 Schwimmbäder in verschiedenen Gebäuden gebaut“, sagte der Präsident vor Reportern. „Am Ende werden wir einen schönen, schönen Reflecting Pool haben, wie er sein sollte. Viel schöner als er jemals war“, verkündete er.

Trump ist schon seit einiger Zeit dabei, Washington architektonisch seinen Stempel aufzudrücken. Unter anderem ließ er den historischen Ostflügel des Weißen Hauses abreißen, an dessen Stelle er einen riesigen Ballsaal bauen lassen will. Auch einen Triumphbogen will er errichten lassen.

Medien

Ingrid Thurnher ist am Donnerstag mit 31 von 35 Stimmen im Stiftungsrat als Generaldirektorin des ORF bis Jahresende bestätigt worden. Ob sie sich auch für die kommenden fünf Jahre im Amt bewerben wird, ließ sie gestern im Ö1-Mittagsjournal erneut offen. Bei einer Neuernennung an der Spitze der ORF würde sie jedenfalls eine unterstützende Rolle einnehmen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen.

In den kommenden Monaten will sie als Weichenstellerin fungieren, eine neue Unternehmenskultur etablieren und mit Altlasten aufräumen. Das werde nicht allen gefallen, räumte Thurnher gegenüber Ö1 ein – das könnte „laut und vielleicht unangenehm“ werden: „Es werden möglicherweise noch unangenehme Schritte folgen müssen, wenn wir unsere jüngere Vergangenheit aufarbeiten.“

Zu der Aussage von FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler, dass es bis hin zu Kündigungen gehen müsse, hielt sie sich bedeckt. Man müsse nun unabhängige Experten und Expertinnen die Situationen bewerten lassen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Fälle wie das Verhalten von ORF-III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber, dem Mobbing und Interventionen vorgeworfen wurden, und dem früheren ORF-NÖ-Landesdirektor Robert Ziegler, der laut Vorwürfen professionelle Distanz zu ÖVP-Politikern vermissen ließ, würden gegebenenfalls erneut geprüft.

Gerichte werden entscheiden

Zu den Pensionsansprüchen des langjährigen Managers Pius Strobl, für die im ORF 2,4 Millionen Euro zurückgestellt sein sollen, sagte Thurnher, dass sie und das derzeitige Management diese nicht anerkennen würden. Entscheiden werden wohl die Gerichte. Ebenso wie im Fall ihres Vorgängers Roland Weißmann, der nach seinem Rücktritt und der danach erfolgten Kündigung eine knapp vier Millionen Euro schwere Klage gegen den ORF angekündigt hat.

Thurnher unterstrich erneut, dass das Verhalten Weißmanns gegenüber einer ORF-Mitarbeiterin nicht akzeptabel gewesen sei: „So kann man sich in unserem Unternehmen nicht benehmen, wenn man es so formulieren möchte. Und daraus ist der Schritt der Kündigung erfolgt.“ Die Mitarbeiterin hatte den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen Weißmann erhoben.

Der Compliance-Bericht zu dem Fall, der, wie Thurnher betonte, keine konkreten Materialien wie Chats, Fotos oder Audiomaterial enthalte, werde nun den Stiftungsräten offengelegt. Eine Kündigung der Mitarbeiterin, die die Belästigungsvorwürfe öffentlich geäußert hat, soll zuletzt im Stiftungsrat zur Diskussion gestellt worden sein. Das schloss Thurnher dezidiert aus.

Panorama

Bei einem kuriosen Wettbewerb auf einer Agrarmesse im estnischen Tartu haben sich gestern rund ein Dutzend Teilnehmer im Nachahmen von Schweinelauten gemessen. Auf einer Bühne unter freiem Himmel grunzten die Imitatoren so authentisch wie möglich. Gewinner des schweinischen Wettquiekens war Lokalmatador Andrus Maileht.

„Es kam einfach aus mir heraus“, sagte der Sieger. Als Preis für seinen vom Publikum lautstark umjubelten Auftritt nahm der Este einen Gutschein für ein halbes Schwein und für Wurstwaren mit nach Hause.

Gekürt wurde der Gewinner von einer Jury, bestehend aus Vertretern der estnischen Schweinezuchtbranche, die die Teilnehmer anhand von Kriterien wie Authentizität, Kraft und Unterhaltungswert bewerteten. Klang, Präsentation und Humor zählten.

Andrus Maileht, Sieger des Bewerbs im Nachahmen von Schweinelauten, vor Personen in Tierkostümen
APA-Images/dpa/Alexander Welscher

Der Wettbewerb in Estlands zweitgrößter Stadt wurde heuer zum ersten Mal ausgetragen. Damit soll auf die schwierige Lage der Schweinezüchter in Estland aufmerksam gemacht werden. Wiederholt brach in den vergangenen Jahren im Land die Afrikanische Schweinepest aus, große Teile der Bestände mussten gekeult werden.