Alternativen zur Struktur von Raum und Zeit
dehnen sich in urmenschlichen Schienennetzen.
Von Kindheit an weht ein Hauch durch die Hallen
und kühlt die Gehirnzellen. Leise zeigt der Regen dir
die neolithischen Steine der Mauer und die erstarrten Neonröhren.
Ist Regenlaut diskret oder kontinuierlich?
Es blitzt, eh der nächste Zug einfährt,
ein frischer Hall um die Schläfen.
Die möglichen Welten versammeln sich um die Urknall-Stelle.
Wo das Licht traf, bebt das Dunkel lange nach dem Schlag.
Kein Licht ist vom Fleck gekommen.
Der Ursprung liegt immer dort in der Zukunft,
aber Linsen und Prismen sind gleichgültig.
Wir denken durch lebendige Werkzeuge.
Ohne Beweis. Das Licht misstraut dem Auge.
Lass das Ohr ruhen! – Lichtjahre Stille.
Es blitzt, eh der letzte Zug abfährt.
Der lehmige Raum, der dir bleibt, ist handtellergroß –
damit eng zusammen hängen die Fragen.
Ist er statisch oder dynamisch im freien Fall?
Gibt es leeren Raum, wenn du selbst nicht mehr bist?
Oder ist die Hirnhaut immer mit Substanz angefüllt?
Gibt es Zeit ohne Veränderung?
Unter dem Gleisbett bebt die tote Meise wieder
in einer Windpause, wie in Erinnerung an das Fliegen.
Flirren gefrorene Wiesen vor ihren leeren Augen?
Oder setzt die Schwerkraft dort aus?
Im Wartezimmer stehen wir im Stillstand,
ein jeglicher in einer Ecke,
bei der unnahbaren Narbe des Todes,
die sich auftut und den Raum krümmt.
Es blitzt. Der letzte Zug fuhr ab.
Vier Gedichte, «Signaturen-Magazin», Kristian E. Kühn editor, July 22, 2024.


