Einladung zur Impulswerkstatt – Mai/Juni 2026

Theoretisch wäre das der Vorsommer-Durchgang, nachdem es aber jetzt schon sommerlich heiß ist, wird es eben ein zweiter Sommerdurchgang. Mir fällt auf, dass meine Bilder alle mit Wasser zu tun haben und die Farben Blau und Grün sehr dominant sind. Ich habe kurz überlegt das hübsche Kroko durch ein ebenso hübsches Hochlandrind in hohem Gras zu ersetzen, habe es mir aber wieder anders überlegt, was spricht eigentlich gegen einen wässrigen Durchgang? Nächstes Mal könnte es ja ein erdiger werden mit Sand und Trockenheit.

Für diejenigen, die dieses Projekt noch nicht kennen:

Die Zusammenfassung der Runde Mai/Juni 25 – als Beispiel – ist hier zu finden

Wer nicht weiß, worum es hier geht, kann klicken:
Hier die Beschreibung des Projekts KLICK

KLICK Hier könnt ihr nachlesen, wie dieses Projekt entstanden ist  

Welche Art von Beiträgen sind nun bei der Impulswerkstatt willkommen? Nun, es kann so ziemlich alles sein: Ich freue mich über: Texte jeder Art, Bilder, Fotos, Zeichnungen, Betrachtungen, Musik, Töpfereien, Installationen, Kochrezepte, Bastelanleitungen usw usf. als Resonanz auf ein oder mehrere Fotos, den Mosaikstein oder das Zitat. Das Feld der Kreativität ist groß und dehnbar. Es gibt keine Beschränkungen für Länge, Kürze, Art oder Inhalt eines Beitrags. die einzige Bedingung ist, dass es einen Zusammenhang mit einem der Impulse gibt, wobei dieser Zusammenhang sehr individuell sein kann.

Die Teilnahme an dem Projekt ist für alle offen und natürlich können alle beliebig viele Beiträge jeder Art beisteuern. Bitte verlinkt alle eure Beiträge hierher damit ich sie finde. Besser wäre noch ein Link in einen Kommentar, weil die Pings derzeit überhaupt nicht funktionieren, zumindest auf meinem Blog. Ich stelle den Link zur Einladung über alle meine eigenen Beiträge, die ich ziemlich regelmäßig veröffentliche damit ihr nicht lange suchen müsst um die Einladung zu finden.

Allerdings gibt es derzeit eben Probleme mit den Pingbacks. Wenn ich eure Blogs abonniert habe – und das habe ich bei den meisten regelmäßigen Teilnehmern am Projekt – dann finde ich eure Beiträge ohnehin auch ohne Verlinkung. Wenn ich sie nicht finden sollte, schickt einfach den Link in einem Kommentar oder kontaktiert mich sonst irgendwie.

Seitdem ich auf Chrome umgestiegen bin, ist es noch nicht vorgekommen, dass ich auf irgendeinem Blog nicht kommentieren konnte, ich bin sehr gespannt, ob das auch so bleibt.

UND NUN – VIEL VERGNÜGEN 

Bild 1:

Bild 2:

Bild 3 :

Bild 4:

Nachzügler

Nun noch das Mosaikstück, das ganz flexibel eingesetzt werden kann: am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Textes, in beliebiger Kombination mit den Bildern oder auch ohne , oder auch ganz anders …

Mosaikstück
„Durststrecke“
mit Gedanken an Christiane

(Literatur)zitat) zum Weiterspinnen, Kommentieren oder was immer


119. Station meiner Literaturweltreise – Cuba

Die Autorin, Zoe Valdés wurde 1959 in La Habana geboren und wuchs in der kubanischen Hauptstadt auf.Nach abgebrochenen Studien war sie Mitglied der kubanischen UNESCO-Delegaton in Paris. Zurück in Cuba leitete sie eine Zeitschrift und schrieb zahlreichen Romane. „La nada cotidiana„, das im Jahr 1995 herauskam. löste Empörung bei der Castro-Regierung aus, woraufhin Zoe Valdés nach Paris zog, wo sie seither mit ihrem dritten Ehemann und ihrer Tochter lebt.

Recht spärliche Informationen aus Wikipedia sind das.Auf dem Buch selbst wird mitgeteilt, dass Zoe Valdés die berühmteste kubanische Autorin ihrer Zeit sei. Das mag sein, ich kann es aber nicht beurteilen.

Hier handelt es sich um eine Sammlung von kurzen Geschichten, manche gehen über eine halbe Seite nicht hinaus, die längsten haben maximal 3 bis 4 Seiten, mit einer Ausnahme. Gemeinsam haben diese Geschichten, abgesehen von ihrer Kürze, dass sie in der Vergangeheit der Autorin angesiedelt sind, von früher Kindheit bis zu der Zeit in Paris. Sie sind teilweise witzig, teilweise traurig, manche kann man ohne zumindest rudimentäre Kenntnisse über die kubanische Gesellschaft kaum lesen, weil die Autorin diese Kenntnisse voraussetzt und nichts erklärt. Ich hatte beim Lesen immer das Gefühl durch die Tür in einen Saal mit lebhafter Action hineinzusehen und nicht zu verstehen, was da ablief.

Etliche Geschichten haben mir durchaus gefallen, große Begeisterung haben sie bei mir aber nicht geweckt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich parallel „weiter leben“ von Ruth Klüger gelesen und beide Bücher miteinander verglichen habe, obwohl ich es nicht wollte und solche Vergleiche auch gar nichts bringen.

Zoe Valdés schreibt in ihrer Einleitung an die Leserschaft, man möge das Buch fröhlich und lächelnd lesen, sie habe es unter einem offenen Fallschirm geschrieben, mit einem Fuss auf der Erde und einem auf Wolke siebzehn.

Maibaum und Infanterieregiment und Lederhosen

Wir haben tatsächlich ein Maibaumfest gefunden, organisiert vom Roten Kreuz. Sehr gut organisiert übrigens. Ich denke, das Rote Kreuz hat eine Menge Geld lukriert, Einnahmen für die Verpflegung, Werbung, Sponsoring und eine Menge Spenden. Der Spendentopf war durchsichtig und da war eine Menge Geld drin. Wir haben uns auch gerne beteiligt.

Es wurde also ein Maibaum aufgestellt. Leider nicht von feschen jungen Männern mit strammen Wadln sondern von einem Kran. Na ja. Auf dem Foto ist er noch etwas schief und auch noch verschwommen, der Maibaum nicht der Kran.

Es gibt hier auf dem Land so viele verschiedene Veranstaltungen. Man könnte jedes Wochenende füllen. Die Feuerwehr, der Alpenverein, das Rote Kreuz, die Landjugend, der Musikverein, der Fotoklub, das Heimatmuseum und alle organisieren regelmäßig verschiedene Veranstaltungen.
Das Aufstellen des Maibaums war leider nur ein dekoratives Element, niemand kletterte hinauf, niemand tanzte rundherum, der Baum stand nur im Hintergrund. Allerdings wurde er bei einer Tombola verlost. Ob der glückliche Gewinner wirklich sehr glücklich mit seinem Gewinn war, kann ich nicht beurteilen, er hat auf jeden Fall überzeugend begeistert gewirkt.

Der örtliche Musikverein spielte bei diesem Fest auf. Als wir kamen, wurde gerade das Musikstück „Treue zu Tirol“ angekündigt. Seltsam, dachte ich, immerhin ist Tirol weit weg, Dann kamen diverse Kostproben aus den 80er Jahren und ein Stück, von dem ich gar nicht weiß, woher ich es kenne, tatsächlich kenne ich aber sogar den Text. Ein strammer Marsch „Wir sind vom k. und k. Infanterieregiment, Hoch- und Deutschmeister Numero vier“ Wahrscheinlich aus einem der Nostalgiefilme aus den 1940er und 1950er Jahren, Das Gedächtnis ist doch ein wahres Wunder! Beim Zurückgehen summte der F auch „wir sind vom k.und k. Infanterieregiment…“ Ein siebzigjähriger Ohrwurm.

Ja doch, inzwischen habe ich die Kameralinse geputzt . Die Dame mit dem rosa Pulli ist übrigens die Bürgermeisterin des Orts und der vor ihr stehende Herr ist gerade mit einem lauten „Grüß euch“ angekommen.

Es gab viele junge Leute in Lederhosen zu sehen, ein traditionelles aber durchaus praktisches Kleidungstück. Die Hosen waren sichtlich getragen und keine Dekostücke. Man sieht ja auch beispielsweise bei den Kilts sehr gut, ob jemand sich verkleidet hat oder sich in dem Kleidungsstück natürlich bewegt.

Zusammenfassung zur Impulswerkstatt – März/April 2026

In diesem Impulswerkstatt-Durchgang gab es leider einige technische Probleme. Sogar mit Blogs, mit denen ich noch nie das geringste Problem hatte, funktionierte der Ping nicht. Ich hoffe, dass ich trotzdem keinen Beitrag übersehen habe. Falls doch, bitte ich um Entschuldigung, es war nicht mit Absicht.
Bei unserer neuen Mitmacherin Diana (Beitrag Nr. 65) funktioniert der Link zum Blog zwar, aber von WordPress aus, kann man offenbar nicht in ihre einzelnen Beiträge hinein. Vielleicht findet sich auch dafür eine Lösung.

Trotz des Ärgers haben sich viele schöne, interessante Beiträge hier versammelt und ich hoffe, ihr mögt dieses Langzeitprojekt noch genauso gerne wie ich. Es wird dann wieder einmal Zeit, sich ein neues Detail einfallen zu lassen, denke ich, aber noch nicht das nächste Mal, irgendwann im Sommer. Es folgt die chronologische Liste der Beiträge. Die Einladung für den nächsten Beitrag kommt wahrscheinlich am Dienstag 5.Mai oder eventuell schon am Montag, je nachdem. Inzwischen meine allerbesten Grüße an alle – aktiven und passiven – Beteiligten an der Impulswerkstatt.

Paranoia ??

Erst hat mir WP an einem Tag 50 Follower gestrichen. Meine Frage beim Support hat genau gar nichts gebracht. Dann funktionieren seit vielen Tagen die Pings nicht mehr, einer ist sogar im Spam gelandet. Mein heutiger Beitrag erscheint nicht im reader und zur Krönung komme ich seit Stunden überhaupt nicht mehr in den Blog hinein. Jetzt geht zumindest das wieder. Zum Glück tendiere ich nicht zur Paranoia…

Sonnige Steine in der Ybbs.

Ein bissl Hektik, ein bissl Fliesen oder doch Platten und eine hohe Klomuschel

Unsere erste Besprechung zum Projekt PB-Sanitär war etwas hektisch angelegt. Der F hatte in der Früh nicht nur gearbeitet sondern auch das Auto vom Pickerl (= TÜV) abgeholt. Wir warfen das Gepäck fürs Wochenende ins Auto und landeten gleich im ersten Stau. Aus Wien hinauszufahren hat schon fast doppelt solange gedauert wie sonst, auf der Autobahn eine Baustelle nach der anderen und wir sind ungern aber doch wesentlich schneller gefahren als sonst. Klar, ein langes Wochenende voraus, warmes Wetter, alle sind unterwegs, irgendwohin. Unerwarteterweise sind wir dann aber gerade ein paar MInuten zu spät gekommen.

Die Besprechung begann mt der Auswahl einer Klomuschel. Flachspüler, Tiefspüler, da erweitert sich das Vokabular zum Thema Sanitärkeramik ! Faszinierend, es gibt Klomuscheln, die bei Annäherung einer Person dienstbeflissen automatisch den Deckel öffnen. Irgendwie gespenstisch, so was brauche ich eindeutig nicht. Noch weniger brauche ich ein Klo mit zwei unterschiedlich einstellbaren Wasserstrahlen zur Reinigung und einem Föhnsystem zum Trocknen. Unsere Beraterin meinte mit bemerkenswert neutraler Stimme, dass man schon sagen müsse, dass der Vorgang des Föhnens doch sehr lange dauert. Wir grinsten alle drei und entschieden uns für ein anderes Modell.

Die weiteren Bereiche waren schwieriger. Schon die Entscheidung: Fliesen oder Platten für die Dusche, Glastüren, aber welche Art ? welche Scharniere, welche Griffe, welche Armaturen, welcher Boden? und so weiter und so fort. Nach eineinhalb Stunden lichtete sich das Dickicht etwas, aber es bleibt noch viel zu entscheiden. In etwa zwei Wochen kommen verschiedene Kostenvoranschläge und somit weiteres Herantasten. Vor Herbst ist wohl mit einer Fertigstellung nicht zu rechnen. Muss eben im Sommer das Duschen nach dem Badeteich doch noch in der Badewanne stattfinden. Immerhin waren der F und ich uns bei allem einig, was ja auch nicht selbstverständlich ist.

Es steht also ein entspanntes Wochenende bevor. Wir haben schon nach einem Ort gesucht, wo morgen ein Maibaum aufgestellt wird. Ich bin sehr gespannt. Natürlich habe ich schon Maibäume gesehen, aber noch nie wie einer aufgestellt wurde und auch nicht das Drumherum. Die meisten alten Bräuche bekommt man aber wohl eh nicht zu sehen.





118. Station meiner Literaturweltreise – Libyen

Hisham Matar
„Meine Freunde“
Luchterhand Literaturverlag: 2025

Der Autor, Hisham Matar, wurde 1970 als Sohn libyscher Eltern in New York geboren, wo sein Vater bei den Vereinten Nationen arbeitete und wuchs in Tripoli und Kairo auf. 1986 ging er nach London um Architektur zu studieren.
1990 wurde sein Vater, der zunächst Diplomat, später ein wichtiges Mitglied der Opposition gegen Muammar al-Gaddafi war, in Kairo entführt und nach Libyen gebracht. Dort verschwand er in einem berüchtigten Gefängnis, sein Schicksal wurde bis heute nicht geklärt.

Hisham Matar veröffentlichte 2006 seinen Debütroman „In the Country of Men“ und 2017 seinen zweiten Roman. in dem es um die Suche nach dem verschwundenen Vater geht. Ein Thema, das in seinem gesamten Werk wichtig ist. „Fathers, Sons and the Land in Between„. Für diesen zweiten Roman bekam er den  Pulitzer-Preis.

„Meine Freunde“ ist sein vierter Roman. Die drei Protagonisten sind der Ich-Erzähler, Khaled, und zwei seiner Freunde, junge Männer aus Libyen, die – ursprünglich zwecks Studium – nach Europa gezogen sind und zwischen London, Paris, Edinburgh leben. Sie stammen aus wohlhabenden, gebildeten Familien, die vor Gaddafi gesellschaftlich angesehen waren, nun aber einer starken Repression ausgesetzt sind. Hier geht es nicht um die Balkanroute und um Menschen aus einem verarmten, bildungsfernen Milieu sondern um junge Männer, die unter einem anderen Regime zu den Eliten des Landes gehören könnten. Dieses Milieu in arabischen Staaten findet sich nicht allzu oft in literarischen Werken zum Thema Migration und ich fand den kleinen Einblick sehr interessant.

Nach 1969, dem Jahr in dem Gaddafi die Macht übernahm, lehnte mein Vater still akademische Posten und lukrative Positionen in staatlich finanzierten Komitees ab und verschwand in eine Anstellung, die weder seinen Fähigkeiten noch seinen Ambitionen entspracht: Er wurde Geschichtslehrer in einer mittelmäßigen Schule in einem der ärmeren Viertel Bengasis.
(…)
Er war glühend interessiert an der politischen Geschichte der arabischen Welt, vor allem am wachsenden Nationalismus, den er „das Abschiedsgeschenk der Kolonialmächte“ nannte. Seine Recherchen unternahm er im Verborgenen, in seiner Freizeit und veröffentlichte kein einziges Wort.
(…)
Die Wände in seinem Arbeitszimmer bei uns zuhause standen bis unter die decke voller Bücher zu Themen wie dem Osmanischen Reich, der italienischen Invasion Libyens oder dem britischen Mandat für Palästina. Die Stapel formten Säulen, die gefährlich hoch aufwuchsen, wie die uralten in höchste Höhen emporragenden Städte im Jemen.“ S 37ff


Sehr erhellend ist auch die Beschreibung des Systems nach dem die Gaddafi-Diktatur die im Ausland studierenden jungen Leute ausgesucht und bespitzelt hat.

„Damals schickte der Staat seine Stipendiaten in kleinen Gruppen ins Ausland, jede einzelne von ihnen mit zwei, drei „Telegrafen“-Studenten, deren Aufgabe es war die anderen auszuspionieren. Ein anderer Name, den wir für sie hatten, war „Schreiber“, da sie weniger zum Studieren da waren, sondern um Berichte über den Rest von uns zu schreiben (…) Eine andere ebenso kleine Minderheit waren die „Leser“, die Studenten, die tatsächlich zum Studieren gekommen waren. In unserer Gruppe waren Mustafa und ich die einzigen „Leser“. „S 73

Zunächst verläuft das Leben dieser Studenten und ihrer Bewacher relativ unspektakulär, wenn sie auch beobachtet und bespitzelt werden in allem, was sie sagen und tun, ihre Korrespondenz mit der Familie in Libyen wird zensuriert, ihre Gespräche werden analysiert. Aber im großen und ganzen ist es ein studentisches Leben mit relativer Freiheit, neu angeknüpften Beziehungen, Liebesaffären, dem Kennenlernen einer anderen Welt. „Menschen und Wolken bewegen sich anders“

„Mit jedem Schritt schuf die Welt Platz für uns, sie öffnete uns einen Pfad und doch schien die Straße – mit den Laternen, den Autos und Bussen, den Schaufenstern und Gesichtern der Passanten, der Schönheit mancher Frauen und der Bestimmtheit einiger der Männer – eine zögerliche Warnung in sich zu bergen: dass alle zukünftigen Tage von dem heute abhingen, der mehr als jeder andere der Beginn der Zukunft war. Und so verspürte ich neben einer leicht bangen Vorahnung auch die krude, zutiefst optimistische Hoffnung, das alles möglich war. Was mich erregte und ängstigte “ S 97

Das Ereignis an diesem besonderen Tag, das das weitere Leben des Ich-Erzählers und vieler anderer bestimmen wird, ist eine Demonstration vor der libyschen Botschaft in London, die völlig aus dem Ruder läuft: die Botschaftsangestellten schießen auf die Demonstranten und verletzen viele schwer, darunter auch Khaled. Die Londoner Klinik verhält sich sehr kulant: für die angeschossenen Studenten wird eine eigene Abteilung eröffnet, ihre Namen werden nicht genannt. Trotzdem befürchtet Khaled einen Übergriff der libyschen Regierung und betrachtet sein Stipendiaten-Leben als beendet. Er zieht von Edinburgh nach London. Seine schweren Schussverletzungen in der Lunge hat er nur knapp überlebt und behält davon eine gewaltige Narbe über den halben Körper.

In London, auf sich allein gestellt, studiert er nicht weiter, wie er seiner Familie gegenüber behauptet, sondern arbeitet an verschiedenen Stellen, zuletzt als Englischlehrer. Seine Heimat Libyen trägt er in Form der großen Narbe und großer Angst mit sich herum. Obwohl seine beiden Freunde zurück nach Libyen gehen und sich am bewaffneten Kampf gegen den Diktator beteiligen, bleibt Khaled in London, er weigert sich sogar seine Familie zu besuchen und erfindet dafür viele in seinem angeblichen Studium begründete Argumente.

„(…) dass es verdammt schwer ist, einen Abschluss in einer Sprache zu machen, die nicht die eigene ist, besonders in Literatur, wo die Sprache natürlich im Mittelpunkt steht, und jede ist ihr eigener Fluss, samt seiner Quelle, Ökologie und seinen Strömungen. All das würde ich ihnen erklären und wiederholen, dass es wirklich eine verdammt schwere Arbeit ist, weil du den Geist einer anderen Kultur in dir finden musst, um das möglich zu machen, muss ein Teil von dir sterben“ S 112

Ich habe das Buch hauptsächlich wegen seiner Beschreibung mir fremder Welten gelesen und daher geschätzt, dass der Autor sich nicht mit literarischen Experimenten befasst hat. Seine Sprache ist klar, lebendig auch in den Dialogen, mit poetischen Passagen und sehr flüssig lesbar ohne banal zu sein.

Gaddafi wird gestürzt, Khaleds Freunde waren an den Kämpfen beteiligt. Immer noch zögert er, nach Libyen zurückzugehen. Der letzte Teil des Buchs besteht aus e-mails von Khaleds Freund Hosam, der sein Leben unter den neuen politischen Verhältnissen beschreibt und der beschließt nach Amerika auszuwandern. Im vorletzten Kapitel des Buchs wird ein Traum Khaleds beschrieben: er ist in Libyen im Haus seines Freundes Mustafa, wo eine sprechende Leiche aufgebahrt ist. Der Traum beschäftigt ihn sehr und schließlich, im allerletzten Kapitel beschließt er doch nachhause zu fahren. Ob er es dann tatsächlich tut?


Woche 17- NEU (20 bis 26.April 26)

So werde ich es nunmehr halten: die Beiträge, die ich in einer Woche schreibe, werden in einem Montagbeitrag versammelt. Viele oder wenige, je nach Lust und Laune.

So gab es in dieser Woche drei Beiträge:

Gerade lache ich über mich selbst, weil das ja schon wieder ein strukturiertes System wird, wahrscheinlich kann ich gar nicht anders. Aber es gibt doch einen Unterschied: ich schreibe, wann ich Lust habe, worüber ich Lust habe und die Beiträge einer Woche müssen nichts miteinander zu tun haben.

Vor meiner Nase liegen zwei Bücher zum Besprechen. Davon wird zumindest eines nächste Woche drankommen und was mir sonst noch so einfällt. Das fühlt sich sehr locker an.

Pflanzliche Kinderzimmer als Gegengewicht zur Weltlage

Drei Tage habe ich damit verbracht Blumen und Gemüse zu pflanzen. So eine schöne Vorstellung, wie sich die Wurzeln der Pflänzchen zuerst zaghaft ganz leicht strecken, die gute Erde spüren und dann beschließen, sich so richtig tief und weit auszubreiten. Die einen folgen dem Drang Blüten auszubilden und zu öffnen und sonnen sich dann ganz eitel in der Bewunderung des Publikums. Die anderen fahren Mini-Gemüsestücke aus, als Vorschau auf ihre zu erwartenden Früchte. Nach dem vier Jahre dauernden Totalfiasko mit den Zucchinis habe ich heuer Brokkoli, Karfiol, Lauch, Kohlrabi und Pflücksalat angebaut, ach ja und Gurken natürlich, für die ich eine besondere Vorliebe habe. Die Tomaten, die ebenfalls eingezogen sind, gehören ausschließlich dem F, die esse ich nicht gerne, aber ich schaue ihnen auch gerne beim Wachsen zu.

Triumphaler Karfiol

Freude machen auch die mehrjährigen Pflanzen. Die wunderschönen gelben Lilien vom Vorjahr sind wieder herausgekommen und haben noch Verstärkung bekommen. Die Hortensien sind Büsche geworden und blühen auch alle Jahre wieder, ganz zu schweigen von den Erdbeeren, die den Winter nicht nur in der Erde sondern sogar auf den eiskalten Betonplatten überstanden haben und schon eifrig blühen.

Die Blaubeeren, die Ribisel und der Mini-Kiwi haben schon verheißungsvolle Fruchtansätze. Wobei der Mini-Kiwi mich dadurch sehr überrascht hat, dass er eine Schlingpflanze und kein Baum ist. Hat er eben ein Rankgitter bekommen, mit dem er sehr zufrieden zu sein scheint.

Das Feigenbäumchen arbeitet an der Weltherrschaft


Der Pfirsich- und der Apfelbaum haben so schön geblüht, dass sie ihre Pflichten eigentlich schon erfüllt hätten, sie haben aber heuer – ganz im Gegensatz zum Vorjahr – haufenweise Fruchtansätze. Auch falls es nochmals frieren sollte, müssten sie das gut überstehen, das ganz empfindliche Stadium müsste vorbei sein. Offenbar sind auch die Marillenblüten in der Wachau gut durchgekommen. Ich habe gar nichts davon gehört, dass die Obstbauern nächtliche Feuer angezündet oder die Blüten vereist hätten. Es scheint endlich wieder einmal alles gut gegangen zu sein.

Weit entfernt sind wir hier noch vom Abbild der Vergänglichkeit, der Tulpenleiche

Bloggiges oder Blogiges jedenfalls Ärgerliches und Bilanziges

Pings zur Impulswerkstatt: aus mir nicht verständlichen Gründen gibt es in letzter Zeit Probleme mit Pings, die nicht durchkommen. Bei Lwie oder m.mama habe ich mich zuerst daran gewöhnt, dass ich dort über firefox nicht kommentieren kann und bin halt auf Chrome umgestiegen. Nun funktionieren ihre Pings zu mir auch nicht mehr. Auch bei den Kommentaren bei Gerda und Petra hat sich der Umstieg auf Chrome als Lösung für mögliche Kommentare erwiesen. Heute aber sehe ich, dass auch der Ping von Random nicht angekommen ist und da hört sich der Spaß auf, denn das ist ein Blog mit dem ich in Jahren noch nie irgendein Problem mit der Kommunikation hatte.
Nachdem sich die Happiness Engineers von WordPress bei anderer Gelegenheit als nicht sehr hilfreich erwiesen haben, warte und hoffe ich darauf, dass sich das Problem von selbst löst.

Wochenrückblick: Seit Beginn dieses Jahres habe ich jede Woche einen Rückblick geschrieben. In letzter Zeit habe ich aber bemerkt, dass es mir zusehends immer weniger Freude macht, diese doch ganz willkürliche Zeitspanne irgendwie zusammenzufassen. Ich werde also wieder dann Beiträge schreiben, wenn ich gerade Lust dazu habe und daraus dann – eventuell – einen Wochenrückblick zu machen. Oder auch nicht, ich mag mich nicht in meinen eigenen Strukturierungen verfangen und fesseln lassen.

Literaturweltreise: Eine Zeit lang ging es da nur sehr langsam voran. Jetzt bin ich wieder etwas flotter unterwegs. Nachdem dieses Projekt nun in seinem zehnten Jahr ist und schon sehr viel zusammengekommen ist, werde ich demnächst einmal die Karte aktualisieren und zusammenfassen, was noch so fehlt. Es ist immer noch eine Menge, aber es kommt doch langsam Überblick in Sicht. Auf der Projektseite gibt es eine Liste sämtlicher Länder, die bereist werden wollen und dann eine chronologische Liste mit Verlinkung zu den Beiträgen über die einzelnen Bücher.

Woche 16 (13. -19.April) – pflanzen, Pflanzen, Gesundheit und Routinen

Vor dem Hintergrund dunkler Wolken, die Regen, ja sogar Gewitter ankündigen, setze ich kleine Gemüsepflanzen in eines meiner neuen Hochbeete. Karfiol. Kohlrabi, Poree und Pflücksalat. Die Pflänzchen habe ich großteils in PB gekauft und bilde mir ein, dass sie viel robuster aussehen als die vorher in Wien gekauften. So ganz glaube ich ja aber nicht daran, dass es einen Unterschied macht, wo man die Pflanzen aussät und dann verkauft, aber Einbildung ist ohnehin das halbe Leben. Brokkoli sind auch dabei, die hatten wir noch nie. Und Gurken, denen schaue ich ganz besonders gerne beim Wachsen zu, wie aus einem winzigen Stift eine richtig schöne, saftige, meist gekrümmte Gurke wird.

Ein paar kräftige Windböen und es beginnt heftig zu schütten. Nicht die schlechteste Wetterlage, wenn man gerade am Pflanzen ist. Hinaus, hinein, ein paar Minuten Regen, dann ein Zeitfenster zum Weiterpflanzen. Wir haben am Mittwoch einen Rieseneinkauf an Pflanzen, hauptsächlich Blumen gemacht, das Gemüse ist aus PB angereist und wartete schon und jetzt muss alles in die Erde. Ein paar Tage werde ich dafür schon noch brauchen.

Auch in anderer Weise war ich in dieser Woche mit Pflanzen beschäftigt: beim dritten Ikebana-Kurs durfte ich mein erstes Free-Style-Gesteck machen. Für einen Erstling bin ich ganz zufrieden, nur das Foto ist schlecht. Kein Wunder, es ist über zwei Handys und gmail geschickt worden, weil ich wieder einmal sowohl meine Kamera als auch das Handy vergessen hatte. Asymetrisch muss so ein Ikebana-Gesteck sein und dreidimensional. Ich werde mich noch einlesen und stecken üben. Schalen und Vasen habe ich schon eine Menge erworben.

Meine noch eigene Hüfte war diese Woche recht beleidigt und es traf sich gut, dass ich gerade einen Termin bei der Physio hatte. Sie meinte, man könnte das Gelenk noch zentrieren und die Muskel zum besseren Halten „motivieren“ bevor im Endeffekt wahrscheinlich doch eine OP nötig sein wird. Ich rechne schon Jahre damit, dass die zweite Hüfte sich auch in Titan kleiden wird bis jetzt ist aber alles recht gut gegangen. Das Gelenk wurde eine Stunde lang durchgearbeitet, teilweise von ihr teilweise durch Übungen. Man wird sehen: gestern und heute ist alles wieder etwas geschmeidiger geworden. Toi, toi, toi ! Oder darf man sich das nicht selbst wünschen? Gut gegangen ist auch die Kortisonspritze vom Orthopäden in die Sehnenscheiden der Hand: ich hatte schon wieder einen springenden Finger, diesmal an der anderen Hand, der inzwischen schon fast wieder normal funktioniert. Optimismus ist das Gebot der Stunde.

Oder Ablenkung. Freitag saß ich wieder einmal bei MILA an der Kassa. Es war so viel los, wie ich dort noch nicht erlebt hatte. An der Kasse standen die Leute Schlange. Ich habe es zu meiner eigenen Überraschung sehr genossen dabei mit kleinen Herausforderungen konfrontiert zu sein. Hinter mir fand eine Verkostung von neuen Produkten statt und im Hintergrund ein Tauschtreff, zu dem viele Leute kamen und die kuriosesten Dinge loswerden wollten. Insgesamt war es sehr laut, ich habe aber mühelos meine jahrzehntelange Routine der Konzentration durch weitgehendes Ausblenden von Hintergrundgeräuschen gefunden. Es war ein sehr gutes Gefühl.

Der F und ich haben heute ein paar wichtige Fragen besprochen und haben diese Besprechung beim veganen Vietnamesen ausklingen lassen. Es gab dort doch tatsächlich schon wieder neue Gerichte, die mir geschmeckt haben. Das Lokal ist immer gut besucht, vor allem von sehr jungen Leuten, wir beide heben den Altersschnitt immer beträchtlich.

Lesenotiz: Banana Yoshimoto

Lesenotizen sind keine Buchbesprechungen sondern kürzere oder längere persönliche Notizen ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit

Aus dem Japanischen übersetzt von Wolfgang E. Schlecht

Skurril kulinarisch würde ich sagen. Skurril ist die Geschichte und Essen hat darin eine große Bedeutung. Es kommen zahlreiche japanische Gerichte vor, von denen man aber nur deren japanische Namen erfährt und leider gibt es weder Glossar noch Fußnoten zur Erklärung bzw Beschreibung. Die Leserin bleibt also gewissermaßen zwischen üppig gedeckten Tischen sitzen ohne zu wissen, was serviert wird. Das ist aber nur ein Nebenaspekt, es handelt sich ja nicht um ein Kochbuch.

Die drei Hauptpersonen sind eine sehr junge Frau, die Ich-Erzählerin, die gerade ihre letzte Verwandte, ihre Großmutter verloren hat, ein junger Mann, der sie einlädt bei sich und seiner Mutter zu wohnen und dessen Mutter, die eigentlich sein Vater ist und eine quere Bar betreibt. Die Zutaten für eine skurrile Geschichte sind also reichlich vorhanden. Die Geschichte „kitchen“ beginnt folgendermaßen:

“ Der liebste Platz auf dieser Welt ist mir die Küche.
Ganz gleich, was sonst geschieht – in einer Küche, an einem Ort, an dem man kochen kann, da gehts mir gut. Wenn diese Küche auch noch praktisch ist und alles darin seinen festen Platz hat, wenn überall saubere Tücher hängen und die weißen Fliesen funkeln und blitzen, dann ist´s perfekt

Doch auch für wahnsinnig schmuddelige Küchen kann ich mich begeistern.

Für Küchen etwa, deren Boden mit Gemüseresten übersät ist und so schmutzig, dass die Sohlen meiner Schlappen schwarz werden, und deren Boden eine Riesenfläche hat; so was finde ich toll. Vielleicht ragt darin ein riesiger Kühlschrank auf, vollgestopft mit Lebensmitteln, so vielen, dass man leicht über den Winter kommt. Vor dem stehe ich, gelehnt an seine metallene Tür. Wenn ich den Blick vom fettbespritzten Gasherd und den angerosteten Messern hebe, leuchten draußen vor dem Fenster einsam die Sterne.

Übriggeblieben bin dann ich und die Küche. Ein tröstlicher Gedanke, wenn ich mir vorstelle, nur ich allein wäre noch da.

Manchmal, wenn ich total am Ende bin, denke ich mir: Wen ich einmal sterben muss, dann will ich meinen letzten Atemzug in einer Küche tun. Ganz gleich, ob ich allein bin und es kalt ist, ob jemand bei mir sitzt und es warm ist: Furchtlos will ich den Dingen entgegensehen. Wenn es nur in einer Küche wäre, denke ich – wie schön! „

Die Skurrilität der Erzählung reißt immer wieder auf und lässt in Tiefen sehen, die auf den ersten Blick gar nicht zu erwarten wären. „Kitchen“ war das erste Buch einer sehr interessanten und mittlerweile international erfolgreichen, japanischen Autorin.