Da hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen Alice Weidel zum Interview geladen. Das gehört zum Auftrag des öffentöich-rechtlichen Rundfunks, denn es trägt zur Meinungsbildung bei: wie will man sich über Frau Weidel und die AfD eine Meinung bilden, wenn man sie nicht gehört hat? Ansichten, die aus Nichtwissen und Behauptungen Dritter bestehen, haben doch allenfalls an Stammtischen nach dem fünften Herrengedeck noch Wert…
Nun hat sich da aber was abgespielt, was zumindest frankophile Cineasten an eine Szene aus dem ersten Don-Camillo-Film erinnert: während die kommunistische Partei den Genossen Peppone feiern will mit einer großen Kundgebung auf dem Marktplatz, schwingt sich Don Camillo nach bester Quasimodo-Manier durch den Glockenstuhl und übertönt so jeden Redebeitrag und sogar die aus Lautsprechern gespielte Internationale.
Chorgesang, Hupen und Anti-AfD-Slogans: Proteste übertönen Sommerinterview mit Weidel – AfD-Politiker fordert Wiederholung https://share.google/3gx7vz7yiqwT1X4AR
Eine „Bereicherung“ des politischen Diskurses und der grundgesetzlich geschützten Informationsfreiheit (Art. 5 GG – es handelt sich um ein besonders geschütztes Grundrecht!), wie sie totalitären Bewegungen nur zu lieb ist – die aber im Grunde zutiefst undemokratisch ist. Also genau das, was die Akteure der AfD vorwerfen. Und damit wird Alice Weidel noch die Möglichkeit geradezu in die Hand genötigt, den Vorwurf undemokratischen Denkens und Handelns gegen die Krakeeler umzuwenden. Wie dumm…
Ich kann nur sagen: mit solchen Aktionen rollt man der AfD einen roten Teppich mit Goldrand aus. Alice Weigel kann sich – zu Recht! – als Opfer von Krakeelern hinstellen, die wohl gerade auf dem Klo waren, als in Staatsbürgerkunde und Politikunterricht die Meinungs- und Informationsfreiheit und die freiheitlich-demokratische Grundordnung durchgenommen wurden. Sonst wüßten sie ja, daß sie da gerade KP- und SA-Methoden anwenden…
Wie geht man sinnvoll gegen totalitäre Gruppen vor, die großen Rückhalt in der Bevölkerung finden?
Nun, es ist einfach, aber anspruchsvoll: indem man ihnen Fakten entgegensetzt. Indem man sie auffordert, ihre kruden Thesen im Detail zu erklären. Indem man so lange nachfragt, bis sie sich in Widersprüchen verwickeln und verheddern. Indem man ihnen ihre eigenen Äußerungen vorhält, die sie heute gar nicht mehr gemacht haben wollen.
Also genau so, wie es das öffentlich-rechtliche Fernsehen machen wollte, und woran es durch die Krakeeler gehindert wurde.
Die Krakeeler haben also die demokratische Meinungsbildung gestört und verhindert und der AfD lautstark in die Hände gespielt. Und dabei berufen sie sich auf Konrad Adenauer? Auf dem Rhöndorfer Waldfriedhof muß die Erde fliegen, weil der Alte im Grab rotiert…


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