Der Straßenlampeneffekt der Pädagogik und der Prüfungen

Jörans Kolumne aus der PÄDAGOGIK
Als die Polizistin spät am Abend die Straße patrouillierte, fiel ihr der Betrunkene auf, der um einen Laternenpfahl herum auf dem Fußweg kroch. Auf Nachfrage erklärte der Betrunkene, dass er seine Schlüssel verloren hatte, die er nun suche. Die Polizistin sah sich um, aber auch sie konnte die Schlüssel nicht finden. „Sind Sie sicher, dass Sie die Schlüssel an dieser Stelle verloren haben?“, fragte sie. Der Betrunkene antwortete: „Nein. Das war wohl drüben, auf der dunklen Straßenseite.“ Die Polizistin war verwirrt: „Aber warum suchen Sie dann hier?“ Für den Betrunkenen war die Sache klar: „Drüben ist es zu dunkel, um etwas zu erkennen! Deswegen suche ich hier, unter der Laterne.“
Diese Anekdote, die in verschiedenen Überlieferungen existiert, beschreibt den sogenannten Straßenlampeneffekt. Mit diesem Begriff wird in Debatten um wissenschaftliche Forschung die Tendenz beschrieben, dass Forscher*innen nicht unbedingt die relevantesten Effekte untersuchen, sondern diejenigen Effekte, die gut zu untersuchen sind. Wenn der Gegenstand von Interesse schlecht quantifiziert oder schlecht beobachtet werden kann, zieht man stattdessen solche Daten heran, die einfacher zu messen sind – aber nicht unbedingt das eigentliche Erkenntnisinteresse widerspiegeln.






