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17. April 2026
von chris
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Die Saga der FOSSGIS-Mitgliedsbeiträge

Ich hatte eigentlich bereits beschlossen, diesen Blogbeitrag nicht zu schreiben – die Entwicklungen haben mich jetzt jedoch dazu verleitet, diese Entscheidung zu revidieren. Aber ich möchte in der korrekten Reihenfolge beginnen, damit alle gedanklich folgen können, auch diejenigen, die keine FOSSGIS-Mitglieder sind und deshalb von diesen Dingen vermutlich bis jetzt kaum etwas mitbekommen habe.

Vorgeschichte

Der FOSSGIS-Verein hat historisch im Grunde als Interessenvertretung der professionellen Entwickler und Anwender von freier und Open-Source Software im GIS-Bereich begonnen. Die Vereins-Ziele waren allerdings von Anfang an deutlich breiter definiert und der FOSSGIS hat sich während meiner Zeit eigentlich immer durch eine Offenheit gegenüber Aktivitäten außerhalb dieses Kernbereiches gezeigt, was ich immer als sehr positiv empfunden habe. Das galt aber am Ende nur, so lange die Dominanz der professionellen Interessen nicht in Frage gestellt wurde. Sprich: Die ja im FOSS-Bereich ganz generell recht große Bedeutung von Entwicklung und Anwendung im nicht professionellen, privatem Bereich war zwar akzeptiert und anerkannt, aber im Verein ganz klar als dem professionellen Bereich untergeordnet platziert – etwas, was in der globalen FOSS-Community nicht generell der Fall ist.

Ende 2017 wurde dann der FOSSGIS-Verein eine lokale Vertretung für OpenStreetMap für Deutschland. Damit wurde die Dominanz der professionellen Interessenvertretung im Verein eigentlich unmittelbar in Frage gestellt und es hätte eigentlich die Möglichkeit bestanden, dass die deutsche OSM-Mapper-Community den Verein übernimmt. Dies fand nicht statt, und zwar in erster Linie aus drei Gründen:

  • OpenStreetMap war bereits zuvor ein wichtiges Thema im Verein, insbesondere auch unter professionellen Entwicklern und Anwendern. Es war also nicht so, dass OpenStreetMap völlig neu in den Verein kam und OSM-Aktive dort ein unbestelltes Feld vorfanden, sondern das Thema war dort schon etabiert und in die professionell geprägten Strukturen des Verein integriert.
  • Die deutsch Mapper-Community war und ist – obwohl sie weltweit zu den größten und aktivsten lokalen Communities zählt – sehr individualistisch und sehr wenig organisiert. Die überwältigende Zahl der Mapper in Deutschland ist zufrieden damit, einzeln für sich zu mappen und verspürt über eventuelle lokale Stammtisch-Treffen hinaus keinerlei Bedarf, sich zu organisieren und zu engagieren, schon gar nicht dort, wo es noch keine fertigen Strukturen gibt, sondern man etwas neu aufbauen muss.
  • Die Hürden für die formelle Mitgliedschaft im Verein waren insbesondere am Anfang 2017-2018 recht hoch, man musste einen schriftlichen Mitgliedsantrag (auf Papier) einreichen und einen Mitgliedsbeitrag leisten, der mit EUR 30 pro Jahr beim doppelten des Beitrags für die OSMF lag. Damit lag die Zahl der Hobby-Mapper, die aufgrund der neuen Funktion des FOSSGIS in den ersten Jahren in den Verein eingetreten sind, vermutlich deutlich unterhalb der Zahl bestehenden professionellen Mitglieder mit OSM-Bezug. Daneben war (und ist nach wie vor) eine Mitsprache bei formellen Entscheidungen des Vereins de fakto an eine physische Anwesentheit bei der Jahres-Hauptversammlung gebunden. Eine Online-Teilnahme ist nicht vorgesehen (mit Ausnahme der COVID-Jahre durch eine gesetzliche Sonderregelung) und eine Delegation von Stimmen ist nur sehr begrenzt möglich (ein anwesendes Mitglied kann nur eine Stimme delegiert bekommen).

Damit war also nicht nur eine Übernahme des Vereins durch die OSM-Commmunity praktisch ausgeschlossen, de facto haben die Hobby-Mapper im Verein auch so gut wie kein Gewicht.

2020 hat die Mitglieder-Versammlung dann beschlossen, den Mitgliedsbeitrag für Einzelpersonen von EUR 30 auf EUR 40 zu erhöhen. Gleichzeitig wurde der Mitgliedsbeitrag für Firmen-Mitgleider von EUR 100 auf EUR 200 verdoppelt und die Schaffung einer permanenten bezahlten (Teilzeit-)Stelle im Verein für administrative Arbeiten beschlossen. Ich war damals nicht auf der Versammlung, kann also über die Diskussion dort nichts berichten, was über das Protokoll hinaus geht (Wer sich erinnert: das war damals die legendäre FOSSGIS-Konferenz quasi am Vorabend des ersten Pandemie-Lockdowns).

Die bezahlten Arbeiten im Verein, die sich bis dahin auf interne, administrative Funktionen beschränkten, wurden dann, 2023, um eine sogenannte OSM-Beratungsstelle erweitert (siehe hier – die Details zur Aufgabenbeschreibung sind anscheinend mittlerweile depubliziert). Diese und die Ideen dahinter und deren praktische Entwicklung wären Thema für einen eigenen Beitrag, ich lass das hier der Kürze wegen weg. Zusammen mit der Ankündigung der Schaffung einer weiteren Position vor einem Monat für die Entwicklung eines Angebotes von OpenStreetMap-Schulungen im Rahmen des FOSSGIS kann man sagen, dass der Verein zunehmend im Bereich Dienstleistungen zu OpenStreetMap tätig wird, und dabei in erster Linie auf bezahlte Arbeit setzt. Die Versuche, dafür Geld einzuwerben, scheinen durchwachsen zu sein – die Idee eines Förderprogrammes, welche auf der Mitgliederversammlung 2025 vorgestellt wurde (ich hatte darüber geschieben) scheint nicht sonderlich gut zu laufen – stattdessen scheint man verstärkt zu versuchen, sich um öffentliche Fördermittel zu bemühen. Bemerkenswert ist dies vor allem in Anbetracht des breiten Spektrums an unbezahlter Beratungs- und Lobbying-Arbeit, welche seit vielen Jahren durch die Hobby-Mapper-Community geleistet wird, und welche jetzt natürlich den bezahlten Aktivitäten im FOSSGIS gegenüber steht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der FOSSGIS sich zunehmend als OpenStreetMap Deutschland präsentiert und damit einen Vertretungsanspruch für die deutsche OSM-Community impliziert. Dies wird auf der einen Seite auch in der öffentlichen Kommunikation des Vereins unterstrichen, wo man von Uns, der Community spricht, sich aber gleichzeitig auch gegen die Community abgrenzt und der Verein als Verbindung zur Community dargestellt wird.

Der Mitglieds-Beitrag

So weit zur Vorgeschichte. Vor der diesjährigen Mitglieder-Versammlung hat dann der Vorstand einen Vorschlag an die Mitglieder verschickt, den Mitgliedsbeitrag abermals zu erhöhen, und zwar auf EUR 60 – also zusammen mit der vorherigen Änderung eine Verdoppelung innerhalb von sieben Jahren, und es würde den FOSSGIS bei der Höhe der Mitgliedsbeiträge unter den OSMF local chapters ziemlich an die Spitze katapultieren. Ich war auch dieses Jahr nicht auf der FOSSGIS-Konferenz, also auch nicht auf der Mitglieder-Versammlung, aber es gab anscheinend eine Diskussion und der Vorschlag des Vorstandes wurde nicht angenommen, stattdessen wurde der Vorstand beauftragt, eine Online-Mitglieder-Versammlung zu initiieren, auf der das Thema diskutiert und ein Beschluss gefasst werden soll.

Ich hatte nach der ursprünglichen Ankündigung und der von mir erwarteten Zustimmung der Mitglieder-Versammlung bereits beschlossen, das als Anlass dafür zu nehmen, meine Mitgliedschaft im FOSSGIS zu beenden, war aber jetzt angenehm überrascht, dass es anscheinend nicht nur eine kritische Diskussion zu dem Vorschlag gab, sondern dass auch beschlossen wurde, die Sache zumindest innerhalb des Vereins so breit wie möglich zu diskutieren. Und ich möchte mit diesem Beitrag versuchen, diese Diskussion auch für die OSM-Community außerhalb des Vereins zu öffnen. Ob das am Ende dann gehört wird, ist natürlich offen. Bei Vereins-internen Diskussionen in den vergangenen Jahren haben Vereins-Aktive, auch aus dem Vorstand, immer wieder durchblicken lassen, dass sie möchten, dass Entscheidungen des Vereins ausschließlich innerhalb des Vereins entschieden werden und Diskussionen außerhalb nicht erwünscht sind.

Zur Einordnung der Beitragshöhe: Der normale Mitgliedsbeitrag beim FOSSGIS von derzeit EUR 40, vorgeschlagen zukünftig EUR 60, ist für Erwerbstätige. Für nicht Erwerbstätige gibt es einen reduzierten Beitrag von derzeit EUR 10, vorgeschlagen zukünftig EUR 15. Der Verein definiert Erwerbstätigkeit nicht, das Ganze ist eine Selbst-Deklaration. Diese Unterscheidung ist, insbesondere in Deutschland mit seiner derzeitigen Demographie, schon ein ziemlicher Stinkefinger für Leute, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, während Leute, die Aufgrund von substantiellem Nicht-Erwerbs-Einkommen nicht arbeiten müssen, weniger zahlen müssen – unabhängig davon, ob dieses Einkommen höher oder niedriger ist, als das Erwerbs-Einkommen der Erwerbstätigen.

Betrachten wir den Jahresbeitrag im Vergleich zu anderen professionellen Vereinigungen und Interessenverbänden in Deutschland dann ist selbst EUR 60 nicht sonderlich hoch. Interessanter ist der Vergleich im OSM-Umfeld. Hier mal die Jahres-Beiträge für Individuen für diverse Organisationen:

  • OSMF: GBP 15, kostenlos für OSM-Aktive
  • OSM Frankreich: EUR 20
  • OSM Schweiz: CHF 20
  • OSM Österreich: kostenlos
  • OSM UK: GBP 5
  • OSM US: USD 20
  • OSGeo Oceania: kostenlos
  • OSM Belgium: kostenlos
  • Wikimedia Italia: EUR 25
  • Stowarzyszenie OpenStreetMap Polska: PLN 50 (EUR 12)
  • Asociación de Cartografía Colaborativa de Colombia: COP 350 (EUR 82), COP 175 (EUR 41) für OSM-Aktive

Kurz: Selbst mit den derzeitigen EUR 40 ist der FOSSGIS in der absoluten Spitzengruppe im OSM-Bereich, mit EUR 60 wäre man das teuerste OSMF local chapter für OSM-Aktive. Im Bereich westlicher Länder mit größerer Mapper-Community sogar mit einem gewaltigen Abstand.

Das häufigste Argument für hohe Individual-Mitgliedsbeiträge, dass ich gewöhnlich höre, ist, dass sich der Verein nicht von der Finanzierung durch externe Interessen abhängig machen möchte. Dieses Argument zieht aber nur, wenn ein Verein sich ernsthaft bemüht, mit den begrenzten Zuwendungen, die die Einzel-Mitglieder in der Lage und bereit sind, zu geben, auch sparsam zu haushalten. Das ist aber beim FOSSGIS ganz klar nicht der Fall. Die prognostizierten Individual-Mitgliedsbeiträge summieren sich beim FOSSGIS selbst mit einer Beitrags-Höhe von EUR 60 auf unter EUR 20k. Damit kann nicht mal die 2020 geschaffene Stelle für administrative Arbeiten finanziert werden. Ich persönlich finde die Idee eines Vereins OpenStreetMap Deutschland, welcher sich aus Individual-Beiträgen finanziert und nicht für regelmäßige Ausgaben von Finanzierung durch externe Interessen abhängig ist, durchaus reizvoll. Aber dafür wäre es notwendig, den Verein praktisch vollständig auf ehrenamtlicher Arbeit aufzubauen. Der FOSSGIS hat sich schon vor vielen Jahren, spätestens 2020, ganz klar dagegen entschieden. Da jetzt damit zu kommen, dass die Beitragserhöhung irgendwie eine finanzielle Unabhängigkeit sichert, passt nicht zur wirtschaftlichen Realität des Vereins.

Was bei der ganzen Frage immer im Raum steht, ist das in der Vorgeschichte beschriebene Spannungsfeld im FOSSGIS zwischen der professionellen Interessenvertretung für FOSS-Anwender und -Entwickler, einschließlich solcher mit OSM-Bezug, und dem Anspruch, die Vertretung der deutschen Hobby-Mapper-Community zu sein. Ein hoher Mitgliedsbeitrag bewirkt – unabhängig ob so intendiert, oder nicht – dass die Anzahl der Mitglieder ohne professionelle Interessen im Verein gering bleibt. Der Verein mag so zwar die ernsthafte Absicht haben, auch die Interessen der deutschen OSM-Community zu vertreten, es handelt sich aber dabei ganz klar nicht um eine demokratische Vertretung durch Repräsentanten aus der Mitte der Community selbst, sondern durch Träger eigener professioneller Interessen, welche nicht zwingend mit den kollektiven Interessen der Community übereinstimmen, sondern diese bestenfalls als wohlwollender Treuhänder wahrnehmen (aber mit unvermeidlichen Interessenkonflikten).

Mein Vorschlag

Ich denke, der FOSSGIS-Verein steht hier an einem Scheideweg. Der latente Konflikt, der Ende 2017 damit begonnen hat, dass der FOSSGIS formell zur lokale Vertretung für OpenStreetMap in Deutschland geworden ist und den der Verein über acht Jahre nicht wirklich aufgelöst hat, könnte sich hier definitiv entscheiden. Wird sich der Verein substantiell der Hobby-Mapper-Community in Deutschland öffnen – in dem Sinne, dass Mapper nicht nur willkommen sind, sich in die bestehende Vereinskultur zu assimilieren, sondern auch in dem Sinne, dass sie den Verein tatsächlich mit ihrer eigenen Kultur erweitern und umgestalten? Oder wird der Verein zwar das Aushängeschild OpenStreetMap Deutschland weiter vor sich her tragen, aber ausschließlich als Label für seine eigenen professionellen Aktivitäten und die seiner Mitglieder?

Dass diese Frage nicht ausschließlich von den Entscheidungen im FOSSGIS abhängt, sondern auch davon, ob die Mapper-Community in Deutschland es schafft, sich unabhängig von professionellen Interessen nachhaltig zu organisieren, hatte ich ja bereits erwähnt. Aber man macht es sich im FOSSGIS zu einfach, wenn man behauptet, dass man ja offen ist für alle, die sich engagieren wollen. Denn das stimmt – wie gesagt – nur für diejenigen, die bereit sind, sich weitreichend an die bestehende Vereinskultur anzupassen.

Vor diesem Hintergrund wäre mein Vorschlag für die Mitglieds-Beiträge:

  • die Unterscheidung Erwerbstätige/nicht Erwerbstätige abschaffen.
  • den normalen Mitgliedsbeitrag senken, dadurch ein Signal senden, dass man sich explizit gegenüber FOSS-Anwendern/Entwicklern und Mappern ohne wirtschaftliche Interessen im Verein öffnet. Vorschlag: EUR 30.
  • für OSM-Aktive (man könnte hier die Definitionen der OSMF übernehmen) einen deutlich reduzierten Beitrag festlegen. Vorschlag: EUR 10.
  • einen Förder-Beitrag für Individual-Mitglieder schaffen, vorgesehen für alle, welche substantielles Einkommen aus FOSS-Entwicklung, FOSS-Anwendung oder der Verwendung von OSM-Daten beziehen, aber darüber hinaus auch offen für alle Mitglieder auf freiwilliger Basis. Vorschlag: EUR 90.
  • Unternehmens-Mitgliedschaften gestaffelt nach Mitarbeiter-Anzahl/Umsatz. Der Vorschag aus der Mitglieder-Versammlung scheint hier sinnvoll mit Ausnahme der Idee für Solo-Selbstständige. Die Idee, dass ein abhängig Beschäftigter mit FOSS/OSM-Bezug generell einen geringeren Mitglieds-Beitrag zahlen soll, als Selbstständige, scheint mir nicht sachlich begründbar. Genausowenig die alternative Lesweise, dass Solo-Selbstständige neben der Individual-Mitgliedschaft noch eine unabhängige Unternehmens-Mitgliedschaft haben können/sollen. Eine Förder-Mitgliedschaft für alle Mitglieder mit professionellem FOSS/OSM-Bezug scheint mir deshalb sinnvoller.

Daneben – und das ist im Grunde wichtiger als die Mitglieds-Beiträge – wäre es von fundamentaler Bedeutung dafür, dass der FOSSGIS sich ernsthaft als Vertretung von OpenStreetMap in Deutschland darstellen kann, dass alle Aktivitäten des Vereins mit OSM-Bezug für die breite Beteiligung der deutschen OSM-Community geöffnet werden und keine geschlossenen Veranstaltungen nur für Mitglieder des Vereins sind. Ich halte das für sehr wichtig, sehe aber auch, dass diese Idee im Verein sehr wenig populär sein dürfte. Die Art und Weise wie in der Vergangenheit oft kommuniziert wurde: Das regeln wir vereinsintern, da haben Externe nichts mitzureden, spricht da eine recht deutliche Sprache. Aber wirklich substantielle Veränderungen gibt es halt nicht ohne Konflikte.

Zum Abschluss

Ich hoffe, dass diese Ausführungen den OSM-Aktiven in Deutschland, welche nicht Mitglieder im FOSSGIS sind, einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen im Verein gibt, der sich auch als ihre Vertretung präsentiert. Und dass meine Vorschläge vielleicht vor diesem Hintergrund Unterstützung oder zumindest positive Resonanz finden dahingehend, dass sie andere, insbesondere Hobby-Mapper, dazu animieren, ihre eigenen Ideen zu artikulieren.

Vielleicht stößt das Ganze damit, dass ich es hier öffentlich diskutiere, ja auch international auf Resonanz. Die Ausnahme-Position, in die sich der FOSSGIS mit einem Jahresbeitrag für normale Mapper von EUR 60 in der weltweiten OSM-Community platzieren würde, habe ich ja dargestellt.

Was ich daneben auch anmerken möchte ist, dass ich – und das habe ich auch in der Vergangenheit mehrmals betont – die offene Diskussions-Kultur im FOSSGIS-Verein als etwas sehr Positives wahrnehme. Sie ist allerdings bis jetzt fast vollständig auf Präsenz-Veranstaltungen begrenzt. Schafft es der Verein, diese Kultur auf digitalen Kanälen und über die Grenze der Vereins-Mitgliedschaft zu öffnen, hätte dies enormes Potential für eine produktive Zusammenarbeit mit der OSM-Community, gerade auch über Deutschland hinaus. In diesem Sinne möchte ich auch diesen Beitrag verstanden wissen – ich sehe zwar die Konflikte, wie ich sie hier herausgestellt habe, aber ich sehe auch das enorme Potential der Verbindung – wenn denn der kollektive Wille im Verein besteht, sich anzupassen und zu öffnen und eine wirklich neue Vielfalt im Verein zu akzeptieren und zu unterstützen.

Update: Ich habe eine Formulierung oben in Reaktion auf einen Kommentar geändert – siehe Diskussion unten.

Northern Greenland in Musaicum Greenland

1. April 2026
von chris
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Das Musaicum Grönland

Von meinem Musaicum-Satellitenbildprodukt ist eine neue Erweiterung verfügbar – für die Insel Grönland.

Das Musaicum Grönland

Grönland war in den letzten Monaten häufig in den politischen Nachrichten, daher ist es im Grunde ein ungewöhnlich passender Zeitpunkt, das neue Bild vorzustellen.

Wie langjährige Leser meines Blogs wissen, wird Grönland – entgegen den Marketingversprechen – nicht vollständig von Sentinel-2-Bilddaten abgedeckt. Die Erstellung einer Musaicum-Erweiterung für ganz Grönland erforderte daher eine Erweiterung des Musaicum-Prozesses, um die Verwendung von Landsat-Bilddaten zu ermöglichen. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften der Sensoren sind einige subtile Farbunterschiede zwischen den auf Sentinel-2 und den auf Landsat-Daten basierenden Teilen des Mosaiks unvermeidlich, doch insgesamt ist der Übergang nahezu nahtlos. Damit ist das Musaicum Grönland das erste visuelle Farbbild in dieser Auflösungsklasse, das nach einem einheitlichen Qualitätsstandard für das gesamte Gebiet Grönlands erstellt wurde.

Ilulissat Eisfjord

Ilulissat Eisfjord

Das Musaicum Grönland ersetzt mein bisheriges regionales Bildprodukt von Grönland aus dem Jahr 2015 – das Landsat-Mosaik von Grönland. Vor etwas mehr als 10 Jahren war dies ein Meilenstein bei hochwertigen Bildmosaiken entlegenerer Regionen und bis heute ist es das einheitlichste Bildprodukt von Grönland in höherer Auflösung, das verfügbar ist – mit Ausnahme des hier nun vorgestellten Musaicum-Bildes.

Zum besseren Vergleich habe ich Beispiele vieler derselben Stellen erstellt, an denen ich auch Beispiele des Landsat-Mosaiks gezeigt habe – allerdings in unterschiedlichen Projektionen.

Ich biete außerdem die Möglichkeit an, das Bild mit einer lokalen Kontrastanpassung zu versehen – eine Methode, die ich ursprünglich für mein Antarktis-Mosaik eingeführt habe und die sich in Gebieten mit starken Helligkeitskontrasten als nützlich erweist – wie beispielsweise in Grönland, wo sich helle Eiskappen und Gletscher und andererseits teils dunkler, kahler Boden gegenüberstehen.

Vergleich normale Darstellung und mit lokaler Kontrastanpassung – volle Größe: normal, mit lokaler Kontrastanpassung

Die Mercator-Bildkacheln habe ich noch nicht aktualisiert; dies soll in naher Zukunft geschehen. – Siehe Aktualisierung unten.

Wenn Sie daran interessiert sind, dieses neue Bildprodukt zu nutzen, sollten Sie sich die Produktseite ansehen.

Flüsse am Ufer des Hagen-Fjord, Nordgrönland

Flüsse am Ufer des Hagen-Fjord, Nordgrönland


Gletscher in Ostgrönland

Gletscher in Ostgrönland


Sermilik-Fjord, Ostgrönland

Sermilik-Fjord, Ostgrönland

Update: Die Mercator-Karte ist jetzt auch mit den Kacheln für Grönland ergänzt.

29. Januar 2026
von chris
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Digitale Ökosysteme und Lobbyarbeit

Deutsche Version auf Grundlage einer automatischen Übersetzung mit deepl.

In den letzten Tagen und Wochen gab es einiges Aufsehen um eine öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission zu einer Initiative namens „Towards European open digital ecosystems” (Auf dem Weg zu offenen digitalen Ökosystemen in Europa).

Obwohl der Titel in keiner Weise darauf hindeutet, dass es hierbei speziell um Softwareentwicklung geht – oder auch nur um Technologie im Allgemeinen, geht aus den Begleittexten eindeutig hervor, dass das Thema Softwareentwicklung ist und dass die Initiative sowohl finanzielle als auch die politische Maßnahmen umfasst.

Daher scheint ein erheblicher Teil der FOSS-Community derzeit angesichts der Aussicht auf einen Geldregen aus dem Häuschen zu sein, und es gab bereits mehr als tausend Kommentare zu der Konsultation.

Was ich bemerkenswert fand (und der Hauptgrund, warum ich dies hier schreibe), ist, dass viele Kommentare aus der Community in Richtung einer europäischen Version des deutschen Sovereign Tech Fund gehen. Der STF ist für mich insbesondere deshalb bemerkenswert, weil er das einzige mir bekannte offene öffentliche Förderprogramm ist, das das Matthäus-Prinzip (https://en.wikipedia.org/wiki/Matthew_effect) ausdrücklich festschreibt. Eines der Kernkriterien des STF ist die Prävalenz – was im Wesentlichen bedeutet, dass nur Projekte gefördert werden sollen, die bereits eine gewisse Marktdominanz erreicht haben. Eine wesentliche Ausweitung der FOSS-Förderung unter dieser Prämisse könnte verheerende Auswirkungen auf die Open-Source-Softwarelandschaft haben. Einer der großen praktischen Vorteile von Open-Source-Software ist die Vielfalt der verschiedenen Lösungen, die sowohl Anwendern als auch Entwicklern zur Verfügung stehen, und die daraus resultierende Widerstandsfähigkeit. Die wirtschaftliche Dynamik der Open-Source-Entwicklung ist in der Regel viel weniger anfällig für die Bildung von Monopolen und Oligopolen. Eine massive Finanzierung speziell der Marktführer und ausdrücklich nicht der innovativsten Projekte könnte dies jedoch durchaus ändern.

Nun möchte ich dieses Problem nicht überbewerten, denn viele andere Finanzierungsmöglichkeiten für die Entwicklung von Open-Source-Software – sowohl private als auch öffentliche – begünstigen de facto ebenfalls die Marktführer. Es ist jedoch bemerkenswert, dass man allen hier ostentativ vor Augen führt, dass man Steuergelder einsetzt, um im Wesentlichen bereits erfolgreiche und einflussreiche Projekte vor aufstrebender Konkurrenz zu schützen. Dies gilt umso mehr, wenn diese Vorgehensweise von der Entwicklergemeinde sogar mit Beifall aufgenommen wird.

Außerdem: Was mir in den Diskussionen und Kommentaren, die ich bisher gesehen habe, am meisten gefehlt hat, sind ernsthafte Diskussionen über den politischen Aspekt. In Europa gibt es zahlreiche Gesetze, die Open-Source-Software und offene Technologien im Allgemeinen erheblich behindern. Dazu gehören beispielsweise die Gesetze gegen die Umgehung technischer Maßnahmen, die eingeführt wurden, um Menschen daran zu hindern, die Technologie zu kontrollieren, die sie legal besitzen. Diese Dinge sind für offene digitale Ökosysteme viel wichtiger als eine kurzfristige Finanzspritze.

Ob diese Initiative ein Hinweis auf eine tatsächliche ernsthafte Bewegung hin zu einer offeneren digitalen Welt in Europa ist oder ob es sich im Wesentlichen nur um einen Versuch handelt, durch ein kurzfristiges Förderprogramm billige Arbeit aus der FOSS-Community für bestimmte Interessengebiete einflussreicher Akteure zu beschaffen, ist ungewiss. Eine ernsthafte Initiative erfordert erhebliche politische Veränderungen. Wenn es sich nur um einige hundert Millionen Euro an Zuschüssen und Subventionen handelt, dann handelt es sich vermutlich nicht um ein ernsthaftes Vorhaben.

Fazit: Wenn Sie Feedback zu dieser Initiative der Europäischen Kommission geben möchten, empfehle ich Ihnen, sich auf die folgenden Ideen zu konzentrieren:

  • Die EU-Politik sollte so angepasst werden, dass sie kleine und unabhängige Akteure in diesem Bereich unterstützt, anstatt ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, und dass sie die Offenheit sowohl von Technologie als auch von Wissens schützt und unterstützt – beispielsweise durch die Aufhebung von Gesetzen zur Umgehung von Schutzmaßnahmen.
  • Öffentliche Mittel sollten zur Unterstützung von Innovationen und insbesondere für Arbeiten in Phasen vor der Entwicklung konkreter Produkte bereitgestellt werden. Dies wird viel mehr zur nachhaltigen Verbesserung der digitalen Fähigkeiten und Widerstandsfähigkeit Europas beitragen als kurzfristige Subventionen für bereits erfolgreiche Projekte.
  • Letztendlich hängt der anhaltende Erfolg offener digitaler Ökosysteme davon ab, dass es eine langfristige wirtschaftliche und soziale Grundlage dafür gibt, dass Bürger sich mit Arbeit in diese Ökosysteme einbringen. Diese Grundlage kann nicht durch öffentliche Subventionen geschaffen werden, sondern muss von unserer Gesellschaft insgesamt kommen. Die Politik kann jedoch helfen, indem sie beispielsweise positive Beispiele setzt und öffentliche und öffentlich finanzierte Institutionen dazu verpflichtet, sich umfassend und uneingeschränkt an diesen offenen digitalen Ökosystemen zu beteiligen – sowohl als aktive Mitwirkende als auch als Konsumenten und ohne opportunistische Rosinenpickerei. Die Politik kann auch günstigere wirtschaftliche Bedingungen für die Arbeit an offenem Wissen und offener Technologie schaffen, beispielsweise durch eine geringere Besteuerung dieser Arbeit.
Musaicum image tiles

16. Januar 2026
von chris
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Musaicum-Bildkacheln

In den letzten Jahren habe ich hier verschiedene regionale, qualitativ hochwertige Satellitenbildmosaike in hoher Auflösung produziert und vorgestellt – die Musaicum-Reihe. Diese sind für die Lizenzierung in dem ursprünglich produzierten MGRS-Raster der Sentinel-2-Daten verfügbar, auf denen sie basieren. Indem Sie die Bilder im ursprünglichen Koordinatensystem erhalten, können Sie die Daten ohne Qualitätsverlust durch Umrechnung in ein anderes Koordinatensystem optimal nutzen.

Viele Kunden möchten die Bilder jedoch natürlich in interaktiven Karten verwenden und wünschen aus Gründen der Bequemlichkeit und zur Reduzierung des Bearbeitungsaufwands ihrerseits die Bilder in der Mercator-Projektion, die ich selbstverständlich bereitstellen kann.

Ich bin nun einen Schritt weiter gegangen und habe alle verfügbaren Musaicum-Bilder – sowie das Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic – zu einem gebrauchsfertigen Kachelsatz für interaktive Webkarten verarbeitet. Wie das Originalmosaik verfügen diese Kacheln über einen Alpha-Kanal (Transparenzkanal), der eine nahtlose Überblendung mit einer Hintergrundbild-Ebene für offenes Wasser und für Gebiete ermöglicht, die bisher nicht vom Musaicum abgedeckt sind. Das zur Berechnung der Kacheln verwendete System ermöglicht selektive Aktualisierungen, wenn eine neue Region verfügbar wird oder eine bestehende Region in Zukunft aktualisiert werden soll.

Kacheln werden in niedrigen Breitengraden bis zu einer Zoomstufe von 14 erstellt, wodurch die volle Auflösung der Musaicum-Bilder nutzbar wird. Bei höheren Breitengraden sind Kacheln der Stufe z14 aufgrund des variablen Maßstabs der Mercator-Projektion sinnlos, sodass die Kachelgenerierung je nach lokalem Maßstab auf z13 oder sogar noch niedriger begrenzt ist. Ebenfalls ausgeschlossen sind Bereiche ohne Bildabdeckung. Die Kacheln werden im AVIF-Format generiert, können aber auch in anderen Dateiformaten wie WEBP oder PNG erstellt werden.

Das Gesamtdatenvolumen der Kacheln mit der aktuellen Musaicum- und COMA-Abdeckung in AVIF-Format mit hoher Qualität beträgt 350GB. Natürlich können Sie auch eine begrenzte Abdeckung von nur einer oder mehreren Regionen anstelle aller Regionen erhalten.

Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie dieser Kachelsatz in der Praxis aussieht, habe ich eine Demo-Karte mit Kacheln bis zur Zoomstufe 7 erstellt:

Sie können sich dies auch mit der Green Marble als Hintergrund ansehen:

Falls Sie daran interessiert sind, den Mercator-Kachelsatz oder allgemein die Musaicum-Bilder für Ihre Projekte zu lizenzieren, schauen Sie sich die Produktseite an und kontaktieren Sie mich über den dort angegebenen Link.

Musaicum Mercator-Kacheln bei z14 in Westasien

Musaicum Mercator-Kacheln bei z14 in Westasien

Musaicum Mercator-Kacheln bei z14 in Ostasien

Musaicum Mercator-Kacheln bei z14 in Ostasien

Peeking at peaks - importance rating of peaks in map production

2. Januar 2026
von chris
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Betrachtungen zu Gipfeln

Ich habe mich ein bisschen intensiver mit der Darstellung von Berggipfeln in Karten beschäftigt und darüber etwas auf Englischer Sprache geschrieben.

Freiburg area with Black Forest and Kaiserstuhl mountains at z9

Freiburg area with Black Forest and Kaiserstuhl mountains at z10

Freiburg area with Black Forest and Kaiserstuhl mountains at z11

Freiburg area with Black Forest and Kaiserstuhl mountains at z12

Freiburg area with Black Forest and Kaiserstuhl mountains at z13

Freiburg area with Black Forest and Kaiserstuhl mountains at z14

Crossing the line - rendering of pedestrian crossings of roads in maps

27. Dezember 2025
von chris
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Linien überschreiten

Der dritte Teil meiner Reihe zu den neuesten Änderungen meines experimentellen Kartenstils im Bereich Straßen-Darstellung behandelt die Darstellung von Fußgänger-Übergängen an Straßen und ist verfügbar in in Englischer Sprache.

Fußgänger-Übergänge in Brüssel, Belgien bei z19

Fußgänger-Übergänge in Brüssel, Belgien bei z19

Fußgänger-Übergänge in Straßburg, Frankreich bei z19

Fußgänger-Übergänge in Straßburg, Frankreich bei z19

Fußgänger-Übergänge in  Portland US bei z19

Fußgänger-Übergänge in Portland US bei z19