Schrottnachrichten aus Neuland

Hach, Met­tin­gen ist schon irgend­wie putzig. Ger­ade stellt sich dieses Prob­lem:

Die Posts, die auf den Social-Media-Kanälen der Gemeinde Met­tin­gen zu find­en sind, seien manch­mal zum Verzweifeln.

Nein, es geht nicht um die eige­nen. Es geht um die Kom­mentare:

Die Gemeinde ver­suche, (…) über die Net­zw­erke „Face­book“ und „Insta­gram“ zu informieren. Oft ist das aber offen­bar eine Quelle steten Ärg­ers. Beispiel: Wenn die Kom­mune darüber informiere, dass derzeit Bauar­beit­en auf den Park­plätzen südlich der Kirche sind, werde das von manch­er Seite sofort in Zusam­men­hang mit dem Cafébus „Dop­pel­leck­er“ gebracht, der dort in den ver­gan­genen Tagen Sta­tion gemacht und Kaf­fee verkauft hat. Das gipfelte in der Behaup­tung, die Gemeinde wolle das nicht und habe dort deshalb eine Baustelle ein­gerichtet, berichtet Rählmann im Gespräch mit unser­er Redak­tion.

Schlimm sei, dass das

let­ztlich auch das Social-Media-Team im Rathaus verun­sichere, das sich neben­bei um diese Posts küm­mert.

Neben­bei? Kriegen die da kein Geld für? Ich hätte ja gesagt, wech­sel­seit­ige Kom­mu­nika­tion ist der wesentliche Aspekt von Social Media, scheint ja in Met­tin­gen anders gese­hen zu wer­den. Also, wenn Sie mal am Met­tinger Rathaus vor­beikom­men, lassen Sie mal ne Umar­mung da, die machen so viel neben­bei, das ahnt man gar nicht.

Wobei, wenn man mal durch­scrollt, so unfass­bar viele Kom­mentare gibt es wed­er hier noch da. Davon abge­se­hen: Her­zlichen Glück­wun­sch zur Ent­deck­ung, dass es Spam gibt!

Auf den entsprechen­den Seit­en von Ibbtown gibt es auch solche Kom­mentare. Weswe­gen Sie die jet­zt nicht sehen wer­den? Die wer­den von einem Fil­ter abge­fan­gen, so wie man das bei Spam-Mails machen kann. Man muss sich nicht jeden Kom­men­tar durch­le­sen, erst recht nicht jede E‑Mail.

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Denise Osterbrink — Vergiss nicht zu leben

Man kön­nte fast Mitleid haben mit „Ver­giss nicht zu leben“ – wäre das Buch nicht so pen­e­trant überzeugt davon, Lit­er­atur zu sein. Der Roman der sich selb­st rechts nen­nen­den Insta­gramerin Denise Oster­brink möchte Nachkriegsro­man sein, Zeit­panora­ma, Trau­mas­tudie, Gesellschafts­bild. Gewor­den ist er eine Back­fis­chschmonzette auf Stelzen, die schon beim ersten Schritt ins his­torische Gelände umknickt: 1918 tre­f­fen sich der trau­ma­tisierte Sol­dat Hein­rich und die Klavier­spielerin Elis­a­beth in ein­er west­fälis­chen Kle­in­stadt und grün­den eine Fam­i­lie. Span­nen­der wird’s nicht.

Die Nachkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg ist bloß Kulisse aus Papp­maché. Gesellschaftliche Ver­w­er­fun­gen wer­den behauptet, nicht gestal­tet. Die west­fälis­che Kle­in­stadt im Teck­len­burg­er Land – mut­maßlich Ibben­büren – bleibt eine eigen­schaft­slose Pro­jek­tions­fläche, bevölk­ert von Fig­uren, die so viel his­torische Glaub­würdigkeit besitzen wie ein Kostüm­ball. Rechte Män­ner sind hier schon braun, lange bevor es die Sturmabteilung über­haupt gab. Trau­ma­ta funk­tion­ieren wie schlecht arrang­ierte Film-Flash­backs: Bild an, Bild aus, Zigarette, fer­tig. Wer so schreibt, hat vom 20. Jahrhun­dert unge­fähr so viel ver­standen wie von lit­er­arisch­er Dra­maturgie.

Und damit zum eigentlichen Kern des Prob­lems: der Sprache. Lit­er­atur lebt von Rhyth­mus, Verdich­tung, Entwick­lung – von einem Bewusst­sein für Klang und Struk­tur. Oster­brink hinge­gen häm­mert Haupt­satz an Haupt­satz wie Nägel in Presss­pan:

Die Bilder ver­schwinden. Ich muss rauchen. Zünde eine Zigarette an. Mein Herz­schlag fährt runter. Der Rauch verur­sacht Schwindel, doch das bek­lem­mende Gefühl ver­schwindet. Das Zit­tern kam nicht. Ich bin nicht schwach gewor­den. Gut. Ruhe. Nein. (S. 348)

Das ist keine Stakka­to-Tech­nik, das ist Schreiban­fänger­prosa im Tar­nanzug der Bedeu­tungss­chwere. Kein Kli­max, keine Steigerung, kein gedanklich­er oder emo­tionaler Bogen. Nur Behaup­tun­gen, die sich gegen­seit­ig aus­löschen. Wer innere Zer­ris­senheit darstellen will, muss mehr kön­nen als Telegramm­stil mit Kip­pen­zusatz.

Inhaltlich zer­fasert der Roman in Beliebigkeit. The­men wer­den angeris­sen wie Click­bait-Über­schriften und genau­so schnell fall­en gelassen. Nichts ist aus­gear­beit­et, nichts hat Gewicht. Es gibt kein zen­trales Motiv, das trägt, keine Fig­ur, die über die Funk­tion hin­auswächst. Alles scheint nur Mit­tel zum Zweck: Selb­stin­sze­nierung statt Erzäh­lung. Das Buch ist für die Autorin da, nicht für Leser. Fan­leser bet­telt sie im Anhang dann auch noch an, ihr bei Insta­gram zu fol­gen, wobei dieses Her­beifan­tasieren von Leuten so wel­tentrückt wirkt wie das Her­beifan­tasieren link­er Geg­n­er ihrer Insta­gram-Aktiv­itäten.

Dass trotz bezahltem Lek­torats Gram­matik­fehler ste­hen geblieben sind – geschenkt. Dass viele der Rezen­sio­nen online wirk­liche Leserein­drücke erset­zen sollen – eben­falls geschenkt. Das eigentliche Prob­lem liegt tiefer: Hier wollte jemand einen großen his­torischen Roman schreiben, ohne sich für Geschichte zu inter­essieren, eine lit­er­arische Sprache find­en, ohne an Sprache zu arbeit­en, und gesellschaftliche Tiefe erzeu­gen, ohne Gesellschaft zu ver­ste­hen.

„Ver­giss nicht zu leben“ ver­gisst vor allem eines: dass Lit­er­atur mehr ist als Pose.

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In der Abwärtsspirale

Man hört ja nicht oft was von der Leitung der IVZ, jet­zt immer­hin mal diese Duft­wolken:

Die IVZ sei in erster Lin­ie ein Dig­i­talver­lag, erk­lärte er, betonte aber auch, dass es die gedruck­te Zeitung im Markt geben werde, so lange es wirtschaftlich abbild­bar sei. Den­noch sei zu erwarten, dass die gedruck­te Zeitung in den 2030er Jahren durch die dig­i­tal­en Ange­bote erset­zt wer­den kön­nte. Und schon heute nutzen 80 Prozent der Kun­den die Dig­i­tal­pro­duk­te der IVZ.

Ja, das deckt sich übri­gens mit Berech­nun­gen kün­stlich­er Intel­li­genz, wenn man sie mit den Dat­en zur IVZ füt­tert, was die Entwick­lung von Abozahlen, Abo-Preis und alter Leser­schaft ange­ht. Die schätzt, dass die gedruck­te Zeitung in vier bis sechs Jahren nicht mehr rentabel ist, die jährlichen Preis­steigerun­gen und die sink­ende Preisakzep­tanz der Leser­schaft nicht mal mit ein­berech­net. Allerd­ings kommt dort auch raus, dass die Abozahlen des E‑Papers nicht so steil steigen, dass sie das Niederge­hen der immer teuer­er wer­den­den gedruck­ten Aus­gabe auf­fan­gen kön­nten.

Das ist keine schwierige Phase. Das ist struk­tureller Wan­del.

Offen­sichtlich ist es bei­des.

er warf auch die Frage auf, wie man den nachwach­senden Gen­er­a­tio­nen Teil­habe an der Gestal­tung der Region ermögliche und ihnen Zugang zu den Infor­ma­tio­nen ver­schaffe, die sie dafür benötigten.

Freie Infor­ma­tion­sange­bote online, nicht hin­ter Bezahlschranken. Hat aber nichts mit der IVZ zu tun.

Dabei ging es auch darum, bei der jün­geren Gen­er­a­tion ein größeres Inter­esse für lokale und regionale Vorgänge zu weck­en.

Das gibt’s. Die lesen nur keine IVZ, weil ihre Eltern schon keine IVZ mehr lesen. Das ist nicht mal hämisch gemeint. Wer heute Infor­ma­tio­nen zu Ange­boten bre­it treten möchte, kann eben nicht mehr die IVZ so ein­fach nutzen, wie das vor 15 Jahren vielle­icht noch der Fall war. Ein­fach weil die größ­ten­teils nur noch von Leuten über 60 gele­sen wird. Und die wenig­sten lokalen Anbi­eter haben online ihre Ziel­gruppe schon so gebun­den, wie man sie vor 15 Jahren über die IVZ erre­icht hat.

Für die IVZ wäre es sin­nvoll, über­haupt mal mit der Ziel­gruppe in Kon­takt zu kom­men, der in Zukun­ft das Pro­dukt haupt­säch­lich kaufen soll. Solche Boomer-Ver­anstal­tun­gen helfen da nicht weit­er.

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Ibbtown Buchclub #6: Jakob Martin Strid — Der fantastische Bus

In der sech­sten Aus­gabe des Buch­clubs empfehlen wir das zweite Mal ein Buch, das von einem Bus han­delt, der Träume erfüllt. Aber die Lage sieht anders aus: Das Hafen­vier­tel von Ahn­starr City wird vom Kap­i­tal­is­mus bedro­ht, alte Häuser wer­den abgeris­sen, die tierischen Ein­wohn­er ver­trieben. Da entste­ht die Idee, mit einem fan­tastis­chen Bus in das Land Bal­an­ka, Heimat der sagenum­wobe­nen Safran-Lilie, zu fahren. Doch dazu muss der Bus erst noch gebaut wer­den. Und kann so auch dem tod­kranken Timo geholfen wer­den?

Das Buch ist enorm, und das fängt lei­der schon beim Preis an: 68€ sind nicht für jeden Haushalt ein Betrag, den man lock­er­flock­ig für ein Kinder­buch aus­gibt. Das Buch ist auch noch so schw­er, dass man sich gut über­legen sollte, wo man das hin­stellt.

Aber wenn das mach­bar ist oder wenn man es in der Bücherei aus­geliehen bekommt, erhält man einen ful­mi­nan­ten Com­ic, samt mitreißen­der Geschichte, der Phan­tasie und Ent­deck­ergeist von jung bis alt sprühen lässt. Jakob Mar­tin Strid legt nach Herr Rumpelpumpel fliegt weg, Die unglaubliche Geschichte von der Riesen-Birne und ein klein­er Frosch macht ärg­er (mehr sind lei­der auf deutsch nicht erschienen) sein Meis­ter­w­erk vor, an dem er 15 Jahre, in denen sein Sohn groß gewor­den ist, gear­beit­et hat. Ein ganz toller Schmök­er, den man immer wieder ent­deck­en kann.

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Das neue Wahrzeichen

Harald TribbüneIbbtown trauert. Das Kraftwerk, sein langjähriges Wahrze­ichen, ist gesprengt wor­den. Ein Loch in der Sky­line und ver­mut­lich auch in den Herzen der Bürg­er. Hierzu befragt unser Reporter Har­ald Trib­büne den Kreisheimat­forsch­er Erich Dykschädel.

Herr Dykschädel: Wie verkraftet die Heimat­forschung so einen Ver­lust?

Ver­lust? Das ist kein Ver­lust, das ist eine Befreiung! Endlich kön­nen wir zurück zu unseren wahren Wurzeln. Ich präsen­tiere Ihnen hier­mit feier­lich das neue Wahrze­ichen von Ibbtown: den Gelb­sack­baum! Denn Geschichte ist wie ein gel­ber Sack im Wind: Man weiß nie, wo er lan­det, aber man muss doch hin­ter­her­ja­gen. Und deshalb sage ich: Wir brauchen ein neues Wahrze­ichen. Den Gelb­sack­baum!

Den … Gelb­sack­baum?

Ja, nun… Tra­di­tionell bege­hen wir ja schon lange das Gelb­sack­fest. Zweimal monatlich, bevor die Mül­lab­fuhr kommt, schmück­en viele Mit­bürg­er sym­bol­isch die Straßen mit gel­ben Säck­en aus recycel­barem Hochleis­tungs-Poly­ethylen, oft ste­ht ein Gelb­sack­baum an der Ein­fahrt. Die Säcke sind nach­haltig, wet­ter­fest und gelb wie die Sonne über den Bäu­men des Teu­to­burg­er Waldes!

Moment … das Gelb­sack­fest? Ich glaube, ich habe da etwas ver­passt. Seit wann feiern wir denn ein Gelb­sack­fest?

Seit jeher! Das reicht zurück bis zu unserem Stadt­grün­der, dem leg­endären Ibbo dem Tüten­klop­per. Wis­sen Sie noch, wie Ibbo die ver­has­sten Met­tinger Tüöt­ten ver­trieben hat? Im Jahre 1147 – oder 1138, die Quellen sind sich uneinig, weil sie größ­ten­teils in Bleis­tift ver­fasst wur­den – zogen die Met­tinger Tüöt­ten her­an. Sie woll­ten der ibbtown­er Bevölkerung über­teuerte Leinen­taschen ver­hök­ern. „Nach­haltig! Region­al! Mit Kordelzug!“ riefen sie. Doch Ibbo erkan­nte den Schwindel. Er nahm eine dieser Leinen­taschen – ver­mut­lich Größe M – und haute sie den Tüöt­ten um die Ohren. Mehrfach! Die Tüöt­ten sind schreiend zurück nach Met­tin­gen ger­an­nt. His­torisch gese­hen war das der erste doku­men­tierte Akt nach­haltiger Ver­brauchervertei­di­gung.

Und was hat das jet­zt mit Gel­ben Säck­en zu tun?

Die Vertrei­bung der Tüöt­ten? Na, die Sym­bo­l­ik liegt doch auf der Hand! Die Ibbtown­ies schworen daraufhin: Nie wieder über­teuerte Taschen! Stattdessen ran­nten sie gefühlt noch Jahrhun­derte lang mit East­paks herum — eine klare Absage an das Leinen. Die Gel­ben Säcke, die sich far­blich am Stadt­wap­pen ori­en­tieren, sind die mod­er­nen Leinen­taschen der Gegen­wart – nur viel prak­tis­ch­er, durch­sichtiger und vor allem kosten­los! Statt teur­er Tüten von auswärts nehmen wir ein­fach, was die Mül­lab­fuhr uns gnädig dalässt.

Wie stellen sie sich denn so ein Gelb­sack­fest konkret vor?

Mor­gens gemein­sames Aufhän­gen der Säcke an Met­all­stie­len. Mit­tags „Tüöt­ten-Weitwurf“ mit Stoff­beuteln. Nachts das feier­liche Warten auf die Mül­lab­fuhr.

Man feiert das Warten auf die Mül­lab­fuhr?

Natür­lich! Wenn das Fahrzeug kommt und alles ord­nungs­gemäß abholt, ist das ein kathar­tis­ch­er Moment. Reini­gung! Erneuerung! Stadti­den­tität!

Herr Dykschädel … das sind doch ein­fach die Gel­ben Säcke für Plas­tikver­pack­un­gen. Die hän­gen da, damit gesam­melter Müll abge­holt wird.

Details, Herr Trib­büne, reine Kleinigkeit­en! Die Haupt­sache ist die Erzäh­lung. Und die Erzäh­lung lautet: Ibbtown hat wieder ein Wahrze­ichen, das jed­er sofort erken­nt. Kein rauchen­der Schlot mehr, son­dern ein atmender, raschel­nder, gel­ber Baum der Zukun­ft!

Also … kein Kühlturm mehr, son­dern ein Stiel mit Müll­säck­en?

Ein Stiel mit wertvollen, sorten­reinen Sekundär­rohstof­fen! Und wenn wir Glück haben, kommt näch­stes Jahr sog­ar der Gelb­sack­baum XL – mit 240-Liter-Säck­en!

Und Sie glauben ern­sthaft, dass die Bürg­er dieses… Rascheln als Ersatz für das Kraftwerk akzep­tieren?

Herr Trib­büne, ein Schorn­stein raucht nur. Ein Gelb­sack­baum spricht. Er sagt: „Tren­nt euren Müll, wie Ibbo einst die Wahrheit von der Täuschung tren­nte.“

Ich … ich glaube, ich brauche erst mal einen Kaf­fee.

Kaf­fee­bech­er aus Plas­tik? Kommt in den Gel­ben Sack, junger Mann. Willkom­men in der neuen Heimat!

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Floskelabo

Auf stolze 64,90€ klet­tert der monatliche Abo-Preis der gedruck­ten IVZ in diesem Jahr. Die dig­i­tale Vari­ante klet­tert eben­falls um 5€ auf 44,90€. Die Kosten für die Zeitungszusteller sind schuld, sagt man, und über­sieht, dass dann die Begrün­dung für die Erhöhung des E‑Pa­per-Preis­es irgend­wie fehlt.

Inzwis­chen kommt einem das so vor, als würde man jedes Mal das Floskel­rad drehen und dann in den Text schreiben, bei welchem Begriff das Rad dann ste­hen bleibt. Dieses Mal kriegt man für sein Geld *rat­ter­rat­ter­pling­pling­pli­i­i­i­ing*:

unab­hängi­gen Qual­ität­sjour­nal­is­mus in unser­er Region

Immer­hin! Die Antwort hat­ten wir noch gar nicht.

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