Tag 4: Keymer dominiert, Leko "nah am Herzinfarkt"
Wenn es einer wie Peter Leko sagt, dann hat das Gewicht: „Das grenke Schachfestival ist eine Bereicherung für die Schachwelt.“
Auch der vierte Tag brachte wieder zahlreiche Geschichten und Emotionen mit sich.
Keymer perfekt gestartet – Carlsen nicht unantastbar
Vincent Keymer ist bislang die prägende Figur des Turniers. In der Vormittagsrunde (Startposition 131) besiegte er Hans Niemann, indem er einen Fehler des Amerikaners konsequent ausnutzte.
18. Tae1? ermöglicht … Sf3+!. Schwarz profitiert dabei von den Fesselungen auf der d- und e-Linie. Kommentator Alexander Donchenko sprach im Stream von einem „einfachen Treffer“ für den Deutschen. Nach dem Gewinn der Qualität brachte Keymer die Partie anschließend souverän nach Hause.
Niemanns ungewöhnliche Vorbereitung
Ein interessantes Detail zur Vorbereitung von Niemann verriet Peter Leko im Livestream:
Der Amerikaner nutzt gezielt aufgezeichnete Gespräche aus der Freestyle Chess Tour. Dabei handelt es sich um die Beratungen von Spielern mit derselben Farbe vor der Partie, in denen gemeinsam Ideen entwickelt und Varianten diskutiert werden. Niemann schneidet sich diese Sequenzen zusammen und analysiert sie systematisch für seine Vorbereitung.
Hausrath nutzt seine Chance
Eine weitere bemerkenswerte Geschichte lieferte der deutsche Großmeister Daniel Hausrath. Mit 2440 Elo und Platz 1133 der Weltrangliste wechselte er nach einer gelungenen ersten Turnierhälfte vom klassischen Schach ins Freestyle Open.
Das brachte ihm eine Partie auf der großen Bühne der Schwarzwaldhalle gegen die Nummer 4 der Welt, Nodirbek Abdusattorov. Hausrath meisterte diese Herausforderung und belohnte sich mit einem Remis.
Neuer Turniersponsor?
Die Startposition der 7. Runde (549) wurde vom Sponsor des Düsseldorfer SK, Wadim Rosenstein, gezogen. In seiner kurzen Ansprache sprach er in der Wir-Form vom Turnier – ein möglicher Hinweis auf ein zukünftiges finanzielles Engagement.
Traumduell Keymer gegen Carlsen
In Runde 7 kam es zum mit Spannung erwarteten Spitzenduell: Keymer als Führender gegen Magnus Carlsen als Verfolger.

Foto: Ivica Müller
Im Vorfeld adelte Carlsen den jungen Deutschen mit den Worten, dass er sich gerne zu Partiebeginn Keymers Eröffnungen anschaue: Er finde immer interessante Ideen in den ersten Zügen der Freestyle-Partien.
Die Partie selbst verlief wechselhaft. Zunächst hatte Keymer Vorteile, später übernahm Carlsen die Initiative. Für Trainer Leko war es eine Partie „nahe am Herzinfarkt“. Am Ende einigten sich beide auf Remis – ein Ergebnis, das vor allem Keymer in die Karten spielt.
Tabellenstand
Vincent Keymer führt das Freestyle Open nach sieben Runden mit 6,5 Punkten an, dicht gefolgt von Maxime Vachier-Lagrave, Alexey Sarana und Pranav mit jeweils 6,0 Punkten.

Foto: chess.com
Im klassischen A-Open liegen Tong Xiao (China), Andrew Z. Hong (USA) und Dominik Horvath (Österreich) mit jeweils 6,5 Punkten in Führung.
Bemerkenswert: Von rund 3.600 Spielern haben bislang nur zwei alle sieben Partien gewonnen – beide im B-Open: Pavlo Soroka (Ukraine) und Liu Bei (China).
Letzter Tag steht bevor
Der letzte Turniertag steht bevor – ein Moment, der immer auch ein wenig Wehmut mit sich bringt.
Noch einmal volle Konzentration – bei den Spielern ebenso wie bei den vielen Helfern hinter den Kulissen. Noch einmal Spannung an den Brettern, bevor sich die Hallen langsam leeren.
Die Vorfreude auf einen finalen Tag, der diesem Turnier einen würdigen Abschluss geben wird, ist dennoch groß. ♟️



