Sonderpreis? Ja. Schnäppchen? Beim knapp Zwölffachen des Normalpreises eher nicht. Aber kann ja nicht sein, Markenschnaps für nen halben Euro die 0,7-Liter-Flasche gibt es nicht.
Erst wenn man ganz genau hinschaut, Weiterlesen „Sonderangebot“
Sonderpreis? Ja. Schnäppchen? Beim knapp Zwölffachen des Normalpreises eher nicht. Aber kann ja nicht sein, Markenschnaps für nen halben Euro die 0,7-Liter-Flasche gibt es nicht.
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Wir leben in gesundheitsbewussten Zeiten. Nicht, dass wir alle tatsächlich so furchtbar gesund leben – fast überall ist zuviel Zucker im Essen, zuviel Fett, zuviel Salz. Viele trinken zuviel Kaffee und bewegen sich zu wenig. Dann ist da der Alkohol, manche rauchen auch noch oder dampfen ganz progressiv die Umwelt mit penetrant-künstlichem Bonbonduft voll; das ist wohl weniger ungesund als Rauchen, aber ganz sicher auch nicht unbedingt gesundheitsfördernd.
Außerdem gibt es noch Umwelteinflüsse, denen man sich kaum entziehen kann, Abgase, Feinstaub, Stickoxide, immer mehr Kohlendioxid in der Luft, sodass sogar die frische Luft draußen schon ziemlich verbraucht ist, ungesunde Dämpfe und Dünste aus Maschinen, Möbeln, Kleidungsstücken und weiß der Himmel was noch.
Dem steht dieser aufdringliche, glamourös daherkommende und gleichzeitig etwas weltfremde Gesundheitskult gegenüber: Alles bio, man trinkt Smoothies statt Saft (schnödes Wasser ist völlig abgemeldet), isst Superfood aus Bowls statt Essen von Tellern, verzichtet auf Farb- und Konservierungsstoffe in Duschgel, Shampoo und Seife, richtet sich minimalistisch à la Marie Kondo ein oder lebt nach Kräften hyggelig, übt Achtsamkeit allüberall usw. usf.
Alles muss gesund, nachhaltig, natürlich sein, ganz unbedingt. An Brotaufstrichen wird dann regelmäßig bemängelt, dass das ja im Wesentlichen nur Zucker und Fett mit etwas Kakao und Haselnussmehl als farb- und geschmacksgebenden Zutaten sei. Die Produkte seien megaungesund und verdürben unseren Kindern von vornherein den guten Geschmack und das Ernährungsverhalten gleich mit – an die geschmackliche Tiefe einer selbstgekochten Marmelade oder eines guten einheimischen Imkerhonigs komme diese elende Nussnougatpampe ja im Leben nicht dran, aber wer einmal die Schokoschmiere reichlich und mit viel Butter auf dem weißen Frühstücksbrötchen gehabt habe, sei für die gute Waldfruchtmarmelade mit dünn Margarine auf Körnerbrötchen kaum mehr zu gewinnen.