Gerät arbeitslos, Kundendienst befohlen

In einer großen, international tätigen Firma mit Firmensprache Englisch muss auch der Caterer seine Mitteilungen auf Englisch machen. Wahrscheinlich hat er das im Vertrag stehen. Damit hat der Caterer ein Problem: Sein Personal soll Kaffeemaschinen befüllen und reinigen, Geschirrspülmaschinen bedienen, Süßigkeiten und Getränke verkaufen, Tische in Pausenräumen abwischen. Dazu muss man kein Englisch können. Bei den meisten Leuten, die sich auf diese Stellen bewerben, sind wohl kaum brauchbare Englischkenntnisse zu erwarten. Klar, man kann sich mit Schul-Englisch ganz passabel im Alltag durchschlagen, aber Schriftliches produziert man damit nicht so ohne weiteres.

Trotzdem muss irgendwer die englischen Texte für Aushänge und Mitteilungen liefern. Die paar Zeilen professionell übersetzen zu lassen kommt den Leuten wahrscheinlich nicht in den Sinn. Zwar gibt es im Haus eine Reihe Englischübersetzer, aber der Caterer kennt die natürlich nicht, und offiziell dürfte er die sicher nicht um Unterstützung bitten. Also wird jemand mit Wörterbuch und Google drangesetzt, die Mitteilungen über defekte Kaffeemaschinen und ähnliches ins Englische zu kriegen. Die Ergebnisse sind meistens sehr liebenswert und oft unfreiwillig komisch. Weiterlesen „Gerät arbeitslos, Kundendienst befohlen“

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein

Es muss eine Regel geben, dass jeder Politiker diesen Satz einmal in seiner Karriere öffentlich äußern muss. Oder dass kein Monat vergehen darf, in dem dieser Satz nicht öffentlich geäußert wird. Wie auch immer, das ganze ist offenbar so wichtig, dass dieser Satz seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt wird. Das ist überflüssig und albern, weil das Internet bei näherem Hinsehen nun wirklich kein rechtsfreier Raum ist (ein blogrelevantes Beispiel ist das sogenannte Niggemeier-Urteil). Man könnte sinnvollerweise fordern, die Rechtssicherheit im Internet durch nachvollziehbare, weltweit gültige Regeln zu erhöhen, oder Rechtsbrüche im Internet effektiver zu verfolgen, zum Beispiel durch verbesserte internationale Zusammenarbeit. Aber das ist nicht so ohne weiteres erreichbar, weil immer ein paar Länder nicht mitmachen. Und es lässt sich nicht so schön griffig in eine Phrase pressen. Also wird weiter gedroschen. Das Publikum ist geduldig.

Weil das anscheinend ziemlich vielen Leuten eher lächerlich vorkommt, hat sich der schöne Brauch etabliert, den Spruch zu veralbern. Das Weiterlesen „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“

…milk dispenser of the coffeemaschine…

Aushang neben einer Kaffeemaschine:

Liebe Gäste,
wir weisen Sie freundlich darauf hin, dass die Milchzubereitung der Kaffeemaschine
Freitag
ab 15:15 Uhr
gereinigt werden muss.
Danach stehen Ihnen aus hygienischen Gründen keine Kaffeespezialitäten mit Milchzusatz mehr zur Verfügung.
Für Ihr Verständnis danken wir.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr XYZ – Team

Ähm, muss ich jetzt die Milchzubereitung reinigen, wenn ich am Freitag um viertel nach drei hier Kaffee hole? Überhaupt: Weiterlesen „…milk dispenser of the coffeemaschine…“

Twix für 1 DM

Bei uns in der Nachbarschaft hängt ein Süßigkeitenautomat, vermutlich seit Jahrzehnten. Das Ding habe ich nie richtig wahrgenommen. Ist halt einer von den vielen Automaten, die unmotiviert an Deutschlands Hauswänden herumhängen. Kaufen würde ich da nie was, weil die Ware jahraus jahrein ungekühlt in dieser Blechkiste liegt, auf die den halben Tag die Sonne scheint. Wahrscheinlich reicht schon eine halbe Stunde Sonnenschein, dass der Inhalt gut durchgewärmt wird. Lebensmittel werden von sowas nicht besser.

Und so gammelig wie der Kasten aussieht kann er auch kein großer Publikumsmagnet sein. Ich habe keine Ahnung, wieviel Umsatz dieser Automat bringt, aber es dürfte schon eine Weile dauern, bis der Kasten leergekauft ist und nachgefüllt werden muss. Ensprechend ältlich wird die Ware sein.

Heute ist mir im Vorbeigehen aufgefallen, dass der Preis für Twix da noch in DM ausgezeichnet ist. Weiterlesen „Twix für 1 DM“

Scherbentroll

Gestern abend ist uns beim Tischabräumen ein Trinkglas auf den Boden gefallen. Interessanterweise hat es den eigentlichen Absturz unbeschadet überlebt – Terrazzo wirkt zwar wie harter Steinboden, scheint aber doch etwas zu federn. Kaputtgegangen ist das Glas erst, als es nach dem ersten Aufprall auf dem Boden rumgekugelt ist. Dabei hat es sich aber gründlich zerlegt. Der ganze Küchenboden war voll mit Scherben und Splittern.

Wir haben erstmal die Scherben grob zusammengefegt. Dann nochmal gefegt. Dann Staub gesaugt. Nochmal gründlich Staub gesaugt. Dann feucht gewischt. Eine halbe Stunde danach habe ich in der Küche einen Splitter im Gegenlicht funkeln sehen. Also nochmal Staub gesaugt. Diesmal extra gründlich, noch viel gründlicher als die ersten beiden Male: Stühle hochgestellt, alle Ecken, Fußleisten, Ritzen unter Kühlschrank, Spülmaschine usw. extra mit dem schmalen Aufsatz abgesaugt, dann den Boden einmal längs und einmal quer gesaugt. So sauber war der Boden zuletzt bei Erstbezug der Wohnung 1934. Ich habe also den Staubsauger weggeräumt und bin wieder in die Küche. Und was grinst mir fett und fies entgegen? Weiterlesen „Scherbentroll“

Murphys reiche Ernte

Normalerweise bewahren wir keine Flüssigkeiten in Schnapsgläsern im Kühlschrank auf. Gestern war aber ein Rest Sahne übrig, und den habe ich in einem Schnapsglas in den Kühlschrank gestellt. Idiotischerweise an die Vorderkante von einem der Glasböden, und auch nicht an die Seite, wie es vernünftig gewesen wäre, sondern eher in die Mitte, wo eben grad Platz war – wie immer musste es schnell gehen, weil das Kleinvolk ins Bett gebracht gehörte.

Abends suchte ich dann was im Kühlschrank und habe dabei ein paar Wurst- und Käsepackungen und anderes Zeug hin- und hergeschoben. Dabei habe ich das Sahneglas umgestoßen. Es ist erstaunlich, wieviel Schweinkram man mit 50 ml Sahne und einem bisschen Glas doch machen kann.

Die Ausbeute: Weiterlesen „Murphys reiche Ernte“

Videoüberwachung

Ich laufe über den Mitarbeiterparkplatz einer großen Firma. Etwa fünfzig Meter vor mir steht mitten auf dem Parkplatz ein silbergrauer Passat mit laufendem Motor und offener Fahrertür. Direkt daneben steht einer im dunklen Anzug, sieht aus wie ein Geschäftsmann auf Reisen. Beim Näherkommen sehe ich, dass er auf den Parkplatz pinkelt, ganz offen und ungeniert.

Er hätte sich natürlich an einen der Bäume stellen können, die es da gibt. Oder er hätte an den Rand fahren können, wo es Büsche gibt. Sich so mitten in die Öffentlichkeit zu stellen ist schon komisch, zumal da immer Leute unterwegs sind und der Parkplatz videoüberwacht wird. Mir wäre unwohl bei dem Gedanken, dass die Sicherheitsleute mich beim Pinkeln filmen und das Video vielleicht in ihre Sammlung aufnehmen. Und dass jemand das vielleicht online stellt und ich auf den Bildern zu erkennen sein könnte. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass das jemand findet, der mich kennt, gering sein mag – das Risiko würde ich nicht eingehen wollen.

Aber egal, jeder muss selbst wissen, wo er wie und wobei gesehen werden will.

Einzeltraktion

Ansage vom Band, heute morgen im Zug: Sehr verehrte Fahrgäste, aus betrieblichen Gründen verkehrt dieser Zug heute in Einzeltraktion. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Dass nur ein Zugteil unterwegs ist anstelle der üblichen zwei sieht man vom Bahnsteig aus ganz gut. Wer das nicht sieht und dann im Zug sitzt, benötigt die Information nicht mehr. Gründe werden auch nicht genannt – betriebliche Gründe können alles sein, von der andere Zugteil ist kaputt bis der Lokführer hat sich beim Nasebohren den Finger gebrochen und wir konnten auf die Schnelle keinen anderen auftreiben. Die Ansage enthält also keine relevante Information und ist damit überflüssig.

Außerdem, woher soll ich wissen, was Einzeltraktion ist? Weiterlesen „Einzeltraktion“

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