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Contango

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Futures-Preisspanne für die Referenzölsorten WTI und Brent für 2014. Ab August erfolgt der Wechsel in den Contango-Bereich. Es war der ausgeprägteste Wechsel seit 2009, als die Weltfinanzkrise zu einem erheblichen Nachfragerückgang und damit zu einem Anstieg der Rohölvorräte geführt hatte. Quelle: EIA

Contango[1] beschreibt eine Preissituation bei Warentermingeschäften (Futures), z. B. beim Handel mit Commodities wie Agrarprodukten, Energie (Energieträger), Währungen (FX), Aktienindizes u. a.

Futures sind ein Instrument des Risikomanagements. Ein Terminkontrakt bietet Marktteilnehmern eine Absicherung gegen Preisänderungen (Hedging), sowohl für Käufer als auch für Verkäufer.

Bei Contango liegt der Preis für Lieferung in der Zukunft (Terminkurs) über dem aktuellen Kassakurs (Spotpreis): Futures > Spot.

Die sogenannte Futures-Kurve ist bei einer Contango-Marktlage typischerweise nach oben gerichtet, d. h., je später der Liefertermin ist, desto höher ist der Preis. Die Kurve kommt zu Stande, wenn ein Preis in der nahen Zukunft tiefer liegt als in der weiter entfernten Zukunft, z. B. 50 US-Dollar in einem Monat und 70 US-Dollar in sechs Monaten. Dies stellt eine positive Steigung dar. Das heißt, die Preise für Kontrakte mit längeren Laufzeiten sind höher als die Preise am Spotmarkt oder für den nächsten Monat. Dies ist häufig der Fall bei einem Überangebot am Markt oder einer negativen Nachfrage.[2]

Contango führt für Spekulanten (= Käufer von Futures; als Hedger werden Verkäufer von Futures bezeichnet[3]) regelmäßig zu „Rollverlusten“ oder negativen „Rollrenditen“. Verkäufer, die ihre Ware nicht sofort verkaufen können, tragen die Haltekosten, wie Lagerkosten, Versicherungsprämien und Zinsaufwendungen.

Das Gegenteil von Contango ist Backwardation.[4]

Entstehungsgründe

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Die Gründe für eine Contango-Situation können vielschichtig sein:

  • Lagerkosten – also die Gesamtkosten der Lagerung eines Rohstoffs, von Lagergebühren über Versicherungskosten bis hin zu Zinsen und Schwund – sind ein wichtiger Grund, warum Rohstoff-Futures mit Liefertermin in der Zukunft oft zu einem höheren Preis gehandelt werden als zum aktuellen Zeitpunkt. Mittelfristig definieren die Lagerkosten in der Regel die maximale Stärke des Contango-Effekts. Denn bei stärkerem Contango, der nicht mehr durch höhere Lagerkosten zu erklären ist, treten in einem freien Markt früher oder später in der Regel Arbitrageure auf, die eine Ware zum günstigen Spotmarktpreis aufkaufen und zum selben Zeitpunkt als Warentermingeschäft zum Verkauf zur Lieferung in der Zukunft anbieten, wobei durch die Differenz mindestens die eigenen Lagerkosten abgedeckt werden. So ist bei stark gesunkenem Ölpreis regelmäßig das Phänomen zu beobachten, dass Hedgefonds Öltanker anmieten, um entsprechende Arbitrage-Geschäfte durchzuführen.[5]
  • Zusätzlich ist jedoch auch eine Nachfrage nach einer späteren Lieferung seitens der Käufer notwendig, damit überhaupt ein Bedarf zur Lagerung entsteht. Diese Nachfrage entsteht in der Regel dadurch, dass Käufer mit einem ansteigenden Rohstoffpreis am Spotmarkt in der Zukunft rechnen oder diesen zumindest befürchten, sich daher über Terminkontrakte „absichern“ wollen, und somit auch bereit sind, einen höheren Preis für diese zu zahlen. Wenn die Käufer hingegen – aus welchen Gründen auch immer – fest davon ausgehen würden, in der Zukunft auch preiswert am Spotmarkt einkaufen zu können, hätten sie keinen Grund, Aufschläge für Lagerung und Lieferung in der Zukunft zu zahlen, so dass eine entsprechende Nachfrage wegfallen würde und sich die Contango-Situation abschwächen oder gar ins Gegenteil, zur Backwardation umkehren könnte.
  • Eine plötzlich nachlassende Nachfrage oder ein verstärktes Angebot am Spotmarkt kann Käufer, Verkäufer und Arbitrageure überraschen. Da diese unter Umständen nicht kurzfristig ihre Planungen ändern können oder wollen, sinkt dann der Spotpreis und es entsteht automatisch Contango.

Einzelnachweise

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  1. John Black, Nigar Hashimzade, Gareth D. Myles: A Dictionary of Economics. Oxford University Press, Oxford 2017, ISBN 978-0-19-875943-0 (englisch).
  2. Frederik Regli, Roar Adland: Crude oil contango arbitrage and the floating storage decision. In: Transportation Research Part E: Logistics and Transportation Review. Band 122, Februar 2019, S. 100–118, doi:10.1016/j.tre.2018.11.007 (englisch, elsevier.com [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  3. Gary Gorton, K. Geert Rouwenhorst: Facts and Fantasies about Commodity Futures. In: Financial Analysts Journal. Band 62, Nr. 2, März 2006, ISSN 0015-198X, S. 47–68, doi:10.2469/faj.v62.n2.4083 (englisch, tandfonline.com [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  4. Masahiro Kawai: Backwardation. In: The New Palgrave Dictionary of Economics. Palgrave Macmillan UK, London 2018, ISBN 978-1-349-95188-8, S. 637–639, doi:10.1057/978-1-349-95189-5_444 (springer.com [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  5. Die Zeit der Öltanker. Handelsblatt, 9. Januar 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juni 2015; abgerufen am 12. Dezember 2024.