Sonntag, 29. März 2026
Warum hier ein Beitrag verschwunden ist


(so sagte es der kluge Tom in der taz vom 13.9.2919, und da muss ich mich ja nicht beteiligen)

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Mittwoch, 18. März 2026
Intrinsisch
Das Wort kennen wahrscheinlich nur die Pädagogen und Psychologen unter Ihnen. Als ich auf Lehramt studierte, war es groß im Schwang: Intrinsische Motivation, das war die gute, also die, die nicht von Schule und Lehrer aufoktroyiert wird, sondern aus individuellen Interessen von Schülern entsteht, eine Motivation, die sinnvollerweise möglichst breiten Raum im Unterrichtsgeschehen einnehmen sollte – im Gegensatz zur extrinsischen Motivation, die aus äußerer Einwirkung auf Lernende entsteht.

Schön an dieser Sichtweise ist, dass sie dem lernenden Subjekt, das in in der Schule notwendigerweise extrinsischen Manipulationen ausgesetzt ist, immerhin Wertschätzung und möglichst viel vorurteilsfrei akzeptierten Freiraum zugesteht. Diese Zeiten sind lange vorbei.

In dem Konzept einer modernen Reform-Schule (Alemannenschule Wutöschingen), die sich die Selbstständigkeit der Schülerindividuen auf die Fahnen geschrieben hat, lese ich Folgendes: „Intrinsische Motivation: Schüler wollen aufsteigen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie die Freiheiten schätzen“. Gemeint ist damit: Lernende werden nicht aufgrund aufgrund einer Datenlage und ohne Ansehen der Person durch die Schule in Klassen genannte Lerngruppen zusammengebracht, in denen sie dann zu bleiben haben, sondern die Lerngruppen sind fluide, mischen sich anhand von sozialem und Wissensstand der Lernenden immer wieder neu.

Das fühlt sich natürlich ziemlich individuell an, da Lernende scheinbar frei auf- und absteigen und sich als Gruppen immer neu formieren können. Intrinsisch ist das aber nicht, da sich die Schüler nicht aufgrund eigener Interessen zusammenfinden, sondern aufgrund eines extrinsisch gesetzten Wettbewerbs. Individualität wird hier mit Kampfgeist verwechselt.

Wie neoliberal sich diese Verwechslung dann letztendlich auswirkt, hängt wohl davon ab, wie stabil die entstandenen Lerngruppen sind: Sind sie so stabil, dass sie den individuellen Lernenden den für das Lernen nötigen Schutz geben können oder haben wir es mit einer immerwährenden Neusortierung nach Leistung zu tun? Denn was der Mensch, das Rudeltier, braucht, ist eine Balance zwischen der Freiheit, sich seinen Platz in der Gruppe auch selber erkämpfen zu können, und der Sicherheit, in der erkämpften Position dann auch erstmal längere Zeit einfach sein zu können. Nur in dieser Sicherheit kann der Mensch intrinsische Interessen entwickeln – was dann wieder der Allgemeinheit zugute kommt. Wer sich seinen Platz in der Gruppe nicht erstreiten darf, sondern zugeteilt bekommt, der verkümmert, das ist klar - wer aber immerfort (und vielleicht verschuldet oder unverschuldet aus schlechter Ausgangslage) um seinen Platz kämpfen muss, der verkümmert auch.

Es gibt ein Pendant dazu in der Gesellschaft: Die Großfamilien zerfallen seit fast 200 Jahren in immer kleinere Kleinfamilien, was die einzelnen Individuen freier, aber auch machtloser macht gegenüber dem gleichbleibend stabilen Wirtschaftssystem. Es ist kein Wunder, dass die Unterschichtler im Osten oder im Ruhrgebiet zwar lautstark den neoliberalen Egoismus propagieren, den sie den Erfolgreicheren neiden, dass sie sich faktisch aber ganz unindividuell in festen ideologischen Gruppen zusammenklumpen, von denen sie sich Schutz erhoffen. Populistisch nennt man das dann. Es ist die Einsicht, dass sie als Einzelkämpfer keinen Blumentopf gewinnen können, aber vielleicht als lautstark meuternde Gruppe doch einen Vorsprung gegenüber anderen marginalisierten Gruppen.

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Montag, 9. März 2026
Die Plakatwerbung wird auch immer moralischer
- immer dieser Wokismus!

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Samstag, 28. Februar 2026
Nachrichten des Tages
In Anlehnung an einen alten Witz aus DDR-Zeiten muss man wiederholen, dass die USA das aggressivste Land sind, denn sie mischen im gesamten Nahen Osten in die inneren Angelegenheiten des Iran ein.

Dabei tut der amerikanische Präsident doch nichts weiter als sich eigenhändig um den Schutz der amerikanischen Nation in diesen Gebieten zu kümmern, wie er betont. Offenbar zählen ihm in Kriegszeiten nur Uniformierte (von denen viel derzeit dort stationiert sind) als wahre US-Bürger.

Und die israelische Regierung, befragt, wie lange dieser Krieg dauern werde, antwortet: "Solange es nötig ist, um unseren Präsidenten vor Gericht und Verfolgung zu schützen.“

Während die iranische Regierung stolz die Erreichung ihres primären Kriegsziels verkündet: Ihr Präsident ist wohlauf.

Denn in Kriegszeiten gilt die Priorität, Menschen vor Tod und Verfolgung zu schützen, nur für amtierende Präsidenten. Darum geht es ja bei Kriegen. Worum sonst?

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Samstag, 14. Februar 2026
„Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern“
Ich lese gerade „Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider (wunderbares Buch übrigens, viel besser als sein voriges) und da kommt eine religionskritische Figur mit ihrer eigenen Theorie zum Islam um die Ecke: Der eigentliche Islam, das seien nur die Mekkanischen Suren, und am Ende der Mekkazeit, da sei ein Dämon in Mohammed gefahren, und den ganzen Rest des Korans, mit den Religionsgesetzen und Strafen, das wäre gar nicht von Mohammed, sondern die Ausgeburt eines bösen Geistes.

Da ich davon keine Ahnung habe, musste ich die Lektüre unterbrechen und nachgooglen. Meine oberflächliche Recherche ergab, dass Mohammed Mekka verlassen musste, weil er bei den amtierenden Religionen und Religionsherrschern aneckte mit seiner Mission. Er zog sich nach Medina zurück, wo er seine Jünger um sich scharte und versuchte, auch andere mit ins Boot zu holen, auch die Christen und Juden, die aber dankend ablehnten. An letzteren Fakt erinnere ich mich auch noch dunkel aus dem Geschichtsstudium, dass seine brüste Ablehnung dieser Religionen aus dieser schmählichen Abfuhr zu erklären sei. Wie auch immer, er zog dann militärisch in den Kampf gegen Mekka, um seine Sache durchzusetzen.

Erinnerte mich irgendwie an Jesus. So wie Mohammed gänzlich vaterlos (und daher geneigt, einen Vater im Himmel anzunehmen), war ja Jesus zeitlebens durch die Sehnsucht nach seinem eigentlichen Vater im Himmel geprägt. Und beide sammelten Sie Getreue um sich im Namen des jenseitigen Gottvaters. An der Stelle allerdings, wo der Konflikt mit realer religiöser und politischer Macht unausweichlich wurde, entfloh Jesus nicht, sondern wurde verhaftet und bald auch hingerichtet, während Mohammed an dieser Stelle den realen politischen, bald auch militärischen Kampf aufnahm. Den Kampf um seine Bewegung überließ Jesus den Nachfolgern, die diesen auch nicht als militärischen Kampf organisierten, sondern als geheimes Netzwerk – und erst viel, viel später (und darum umso ausdauernder) in den gewaltsamen Kampf um die politische Macht einstiegen.

An dieser Stelle ist der eigentliche Knackpunkt. Sehr gut erspürt hat das Rilke, auch der so ein Mann mit Vatermanko (die Mutter erzog ihn als Mädchen, der Vater war erfolglos und verließ auch bald durch Scheidung die Familie, Rilke kam ins Internat), in einem meiner liebsten Rilke-Gedichte: "Der Ölbaumgarten". Wenn man über manche kitschige Floskel hinsieht („das Staubigsein der heißen Hände“ hätte nicht unbedingt sein müssen), stellt Rilke hier absolut die richtige Diagnose: Dass Jesus am Ölberg, als seine Mission an die Grenzen friedlichen Handeln stieß, ein Engel erschienen sein soll, dass sein Scheitern ein Element göttlicher Vorsehung und als solches gut und richtig gewesen sein soll, das leuchtet nicht unbedingt ein. Und gar noch das Ding mit der Erbsünde, dass sein Scheitern unsere Sünden ausgewaschen haben soll, dass das Quatsch ist, das hat schon Maarten d`Hart in seinem herrlichen Buch „Der Flieger“ nachgewiesen.

Womit ich nicht sagen will, dass Mohammed mit seinem Kämpfer-Ding den besseren Weg gewählt hat, im Gegenteil.

Vielleicht (ich habs ja noch noch nicht fertig gelesen) kommt Abbas Khider mit seinem „Sommer der Tauben“ näher ans Ideal: Er zeigt nicht nur, wie brutal Diktaturen sind, auch wenn sie Süßigkeiten verschiedener Art verteilen und diesen und jenen damit auf ihre Seite ziehen, er zeigt auch, dass in Gesellschaften, in denen Wesen wie seine Tauben in solidarischer Verbundenheit ein Stück Freiheit genießen und individuelle Eigenart, individuelle Liebe möglich ist, dass auch da nicht alles auf die gerechteste und gewaltloseste Art zustande gekommen ist.

Ich weiß auch nicht. Es braucht den guten Willen, das Zurückstecken für die Gemeinschaft und es braucht das „Jetzt bin aber mal ich dran!“ Vielleicht ergibt beides zusammen erst das, was Khider im freien Flug der Tauben bewundert.

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Samstag, 20. Dezember 2025
Politischer Advent
Ich habe heute Morgen die Presseschau im Deutschlandfunk gehört und fand sie niederschmetternd.

Da sind sie in Brüssel also klar bei ihrer Linie geblieben, haben aber der Versuchung widerstanden, übrgriffig zu werden; die unvermeidlichen Querulanten haben sie irgendwie besänftigt und eine Lösung gefunden, die für alle funktioniert.

Und die Medien von links bis rechts jammen was von Schmach, von Niederlage und fehlender Führungsstärke. Sie sehnen sich nach einer souveränen Führung, die sie kraftvoll und selbstbewusst an der Nase herumführt.

Ich hoffe, sie werden ihren Messias nie bekommen. Denn das wird dann ganz sicher kein Jesus.

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Mittwoch, 22. Oktober 2025
Streit um das Potsdamer Stadtbild
In Potsdam gibt es seit Jahren Steit um das Stadtbild, den Abriss symbolträchtiger DDR-Bauten sowie den Wiederaufbau verlorener feudaler Architektur. Gestern traf ich (eigentlich auf der Suche nach etwas anderem) auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau dazu aus dem Jahr 2019, der meines Erachtens zeigt, inwiefern die Frontlinien der Auseinandersetzung schief liegen.

Der Autor Thomas Leinkauf plädiert darin für den Erhalt von Bauten der „sozialistischen Moderne“, wie er es nennt: das Interhotel und die Fachhochschule, 2 Bauten, die das Aussehen der Innenstadt deutlich prägen. Er verweist kritisch auf Ludger Brands, einen aus Münster stammenden Potsdamer Professor, der anderer Meinung ist: „Das Dilemma der Moderne, sagt er, sei, nur einzelne, autonome Gebäude gedacht zu haben, nicht aber ganze Stadträume, Stadtzusammenhänge. Nicht der Krieg, sondern diese Autonomie habe letztlich unsere Städte kaputtgemacht. So sei das auch in der Potsdamer Altstadt.“

Da konfrontiert sich also ein eher linker Ossi, der die Moderne liebt, mit einem eher konservativen Wessi, der sie hasst. Aber ist das überhaupt Moderne? Moderne, wie ich sie kenne und durchaus verehre, ist das Neue Bauen der vorigen 20er Jahre, und das hat sehr wohl in Stadträumen, Stadtzusammenhängen gedacht, wie ich hier schon geschildert habe, ja, es hat sich von der vorherigen historistischen Epoche gerade dadurch abgegrenzt, dass es diese Zusammenhänge höher wertete als die Schönheit des Einzelgebäudes. Zu sehen zum Beispiel hier in Altona (rechts oben neben dem Park), wo ein notwendiger riesiger Schulbau 1930 mit einigem architektonischen Aufwand in das historische Stadtbild eingepasst wurde.

Was der Professor im Blick hat, das ist der Brutalismus der Nachkriegsmoderne, ein (überwiegend westliches) Phänomen der Nachkriegszeit, als man mit einem „Hoppla, jetzt kommen wir!“ die Vergangenheit vergessen wollte, etwa indem man in Hamburg (Ost-West-Straße) und Bremen (Martinistraße) breite Autotrassen quer durch die bombenzerstörten Innenstädte zog und so deren Wiederbelebung architektonisch unmöglich machte.

Aber das in Potsdam, das Leinkauf als sozialistische Moderne feiert und Brands als geschichtsvergessene Moderne ablehnt, das ist noch etwas anderes. Das ist eben nicht rücksichtslos oder gar geschichtsvergessen wie die Ost-West-Straße: Es ist auf boshafte Weise sehr geschichtsbewusst. Die Fachhochschule und das Interhotel setzen die Markenzeichen für die DDR ganz bewusst so, dass sie historische Stadträume zerstören. Das Interhotel besetzt genau den Platz, den früher der Lustgarten des Stadtschlosses innehatte, die Fachhochschule mauert die Nikolaikirche völlig ein.

Das ist weder sozialistisch noch modern. Denn der Sozialismus und das Neue Bauen zielten auf ein gleichberechtigtes, harmonisches Miteinander der Menschen. Auch daran hätte ich übrigens etwas zu kritisieren, aber das steht auf einem anderen Blatt. Und vor allem hat es nichts zu tun mit dem Potsdamer Architekturstreit, in dem ideologisierte Gruppen ihre Marken für ihre jeweilige Klientel setzen (oder erhalten) wollen.

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Donnerstag, 16. Oktober 2025
Ein Bild des Alters
Ich bin heute am Museum vorbeigekommen, da war eine Sonderausstellung zu den Tatorten der NSU-Verbrechen plakatiert, und da ich Zeit hatte, ging ich rein.

Im Vorsaal empfing mich zuerst ein großes Ölbild vom Lessingtunnel, der zu meiner täglichen Umgebung gehört. Gemalt von Robert Schneider – sympathische Malweise, aber etwas langweilig. Ich wollte mich schon abwenden, da fiel mir dieses große blaue Verkehrsschild auf, der Pfeil, der einen hineinweist in den Tunnel. Aha, dachte ich, so wirds dann demnächst reingehen in das „Alter“ genannte Lebensalter: Der Lauf der Dinge sagt einem „Hier entlang!“ und „Rein in den Tunnel!“ Selbiger ist zwar durch die Errungenschaften es Industriezeitalters einigermaßen solide abgestützt und korrekt beleuchtet, aber trotzdem düster, und zum Ende hin wirds immer enger. Erst ganz am Schluss tritt man wieder ins Freie, aber nur um vor der endgültigen roten Ampel zu stehen. Es gibt da zwar noch einen kleinen Pfeil nach rechts, wahrscheinlich als Trost für die, die an ein Jenseits glauben. Aber als täglicher Nutzer dieser Verkehrssituation weiß ich genau: Da kannst du dich nicht einfach nach rechts wegschummeln – rote Ampel bleibt rote Ampel.

Dass ich mit meiner Interpretation Recht habe, erwies sich übrigens, als ich weiterging und bemerkte, dass genau gegenüber eine Reihe von Fotoportraits von Hospiz-Bewohnern hing. Aber wie dem auch sei - es ist mir immer eine Freude, wenn sich ein Kunstwerk bei näherer Betrachtung dann tatsächlich als anregend erweist.

Die Fotoausstellung zu den NSU-Tatorten war dann nicht so schön – mehr so im westdeutschen 68er StiL. Die Fotos waren schwarz-weiß und menschenleer, aus dilettantisch wirkenden schiefen Blickwinkeln, also bewusst kunstlos wie Schnappschüsse, dann aber in riesigen Formaten ohne Abstand (und ohne Beschriftungen) als langes Band auf schwarze Wände gehängt im fensterlosen Raum. Sodass der Eindruck entstand: Wie hässlich ist dieses Deutschland!

Ohne konkret zu fragen, was da eigentlich so hässlich ist und warum. Beispielsweise weil die Mördern nach dem internationalen Schlachtruf der Rechten „Krieg den Hütten! Friede den Palästen!“ gehandelt und grundsätzlich in ärmeren Gegenden gemordet haben. Von den vielen anderen Fragen und Fragwürdigkeiten rings um den NSU mal ganz abgesehen.

… als die Schau in Nürnberg war, haben sie das Band ja wenigstens auf Hellgrau platziert ...

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Samstag, 27. September 2025
Wie damals in Studentenzeiten ...
... mag ich understatement und altmodische Dinge. So wie mir Handygeknipse für Fotos völlig ausreicht, wenn es um kurze Skizzierung der Erinnerung halber geht, so mag ich alte Möbel, die einfach so hergeflogen kommen.



Den Stuhl links bekam ich vor einem Jahr von einer Kollegin geschenkt, mit der ganz richtigen Bemerkung: "Du magst doch solche Dinger." Sie hatte ihn ihrerseits geschenkt bekommen, aus ausrangiertem Schulmobiliar, und ich benutze ihn seitdem als Schreibtischstuhl.
Und jetzt geh ich abends mit meiner Frau spazieren und da steht der Stuhl, den Sie rechts sehen. Nochmal eine Steigerung!
Während der linke Stuhl zwar das schöne, gemütliche, alte Holzdesign hat, mit seiner ungelenken Optik und der giftgrünen Sitzfläche aber auch ein bisschen spießig und studienratsmäßig aussieht, hat der andere trotz konservativer Bürohaftigkeit doch noch ganz die Eleganz der klassischen Moderne. Und viel bequemer Sitzen tut er sich auch. Ich werd ihn heute Abend putzen und ein bisschen möbelpolieren und freue mich auf schöne Jahre mit ihm.

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Samstag, 16. August 2025
Ein Buchumschlag sagt mehr als 1000 Worte
- jedenfalls, wenn er gut gemacht ist. Eine Freundin hatte das Buch meiner Frau in die Hand gedrückt. Ich sah es da rumliegen und war vom Buchumschlag zuerst abgestoßen, das Cover sagte deutlich: Achtung, das hier ist Trash.





Ich war irritiert – die Feuilletons hatten doch geschrieben, das sei ein ernst zu nehmendes Buch über die Familie Henselmann. Ich blätterte rum, sah, dass die berühmte Kat Menschik den Umschlag gestaltet hat, und ja, das war schon gut gemacht, wie da Hollywood-Kitsch mit realsozialistischer Architektur kombiniert wird, das Haus an der Weberwiese zentral auf dem Buchrücken und am Himmel der Buchtitel wie eine Leuchtreklame und die drei Portraits wie auf dem Mount Rushmore, man sieht förmlich die Agenten auf ihren Nasen herumklettern.

Ich fing an zu lesen, legte das Buch aber nach 30 Seiten weg: Die flott und plakativ geschriebene Promi-Geschichte sagte mir gar nichts. Meine Frau aber raste durch das Buch durch, sie erzählte mir die ganze Geschichte, las mir sogar Stellen vor – sie war entsetzt von der Geschichte, ich eher angewidert. Über die Stasi-Geschichte der Henselmanntochter Isa sprachen wir länger, die stimmte hinten und vorne nicht, wie sie da aufgeschrieben war, und auch als weibliche Emanzipationsgeschichte konnte das nicht so richtig durchgehen, der große Papa schwebte ja doch über allem.

Man nennt das wohl Triggern, wie meine Frau von diesem Buch aufgeregt wird und wie es mich wütend macht. Ich konnte ihr meine Wut erst verständlich machen, als mir einfiel, warum sie doch die erste sein müsste, die dieses Buch verabscheut: „In den Jahren, als du in der DDR nicht studieren durftest, hat die Autorin Journalismus studiert, in Leipzig, am Roten Kloster.“

Wie dem auch sei: Der Buchumschlag von „Die Allee“ hat Recht, nehmen Sie die Warnung ernst!

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