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https://www.youtube.com/watch?v=E1EppPc2c4A
https://www.youtube.com/watch?v=ezS01hIxaCk
https://www.youtube.com/watch?v=SxHK9Io1cLE&list=RDSxHK9Io1cLE&start_radio=1
https://www.youtube.com/watch?v=OF8jVYTErC4&list=RDOF8jVYTErC4&start_radio=1
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Die Art Angst kenne ich, war ich doch als ich vor langen Jahren massiven Observationen ausgesetzt war selber mal der Paranoia nahe gewesen. Dennoch, würde ich Derartiges erleben - Die Mobber lassen sich nicht ausfindig machen, die Polizei tut nichts, die eigenen Haustiere werden ermordet, es gibt eindeutige Mordaufrufe - verhielte ich mich nicht so verhuscht-passiv wie die Protagonistin. Ich würde nach Antwerpen fahren, einen der spezielleren Flohmärkte dort besuchen und mir mindestens eine Schrotflinte, eher ein Sturmgewehr besorgen um das Mörderpark beim Showdown am Ende des Films vor der eigenen Haustür mit "Bumm" oder "Rattattatat" zu begrüßen.
https://www.stern.de/kultur/tv/streaming--und-tv-ausblick--zdf-film--eine-bessere-welt---es-ist-doch-nur-ein-shitstorm-37245344.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Eine_bessere_Welt_(2025)
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Ich möchte jetzt nicht die ganze Veranstaltung wiedergeben sondern mich darauf beschränken was auf meine Fragen geantwortet wurde. Was hier in wörtliche Rede gesetzt ist entspricht meiner eigenen Mitschrift und wurde nicht ganz wörtlich aber sinngemäß so gesagt.
„Was ich nicht ganz verstehe ist die Schwäche und Passivität der Demokraten. Welche Rolle spielen Gavin Newsom, Gretchen Widmer, Abigail Spanberger und Tim Walz aktuell? Was ist mit MAGA-kritischen Kräften bei den Republikanern, mit den Bushs und Cheneys, Mitch McConnell und Mitt Romney? Wie ist die Basisbewegung in Minnesota einzuschätzen?“
Antwort Hannah Winnick u.a.
„Es gibt einen Unterschied zwischen der Administration und dem Kongress. Da Trump nur über Erlasse regiert und kaum Gesetzesvorlagen einbringt geht das Regierungshandeln am Parlament vorbei. Die Demokraten sind streng legalistisch ausgerichtet und auf der Ebene des praktischen Handelns, der unmittelbaren politischen Aktionen weit von der Bürgerrechtsbewegung entfernt und damit im Augenblick kaltgestellt. Ihre Stunde wird erst mit den Midterms kommen.
Von den Republikanern steht nur etwa ein Drittel hinter Trump. Das ist die MAGA-Bewegung im engeren Sinne, also America-first-Leute, dann weiße Rassisten bis hin zu Alt Right und Ku Klux Klan und die High-Tech Leute (nicht nur die IT-Milliardäre), denen es um freie Bahn für Investitionen in ihr Business geht. Die Mehrheit der Republikaner ist in einer Art Schockstarre. Viele Abgeordnete ziehen sich ins Privatleben zurück, nehmen ihre Mandate nicht wahr oder gehen vorzeitig in den Ruhestand. Die fürchten tatsächlich ermordet zu werden wenn sie sich gegen Trump wenden.
Die Basisbewegung, von Minneapolis und überhaupt Minnesota ausgehend, verbreitet sich inzwischen über die ganzen Staaten. Es handelt sich um eine furchtlose, sehr rasch wachsende Bürger- und Menschenrechtsbewegung und auch Fundamentalopposition wie es sie seit den 68ern nicht mehr gegeben hat. Die demonstrieren inzwischen auch wenn geschossen wird.“
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass ein Teil der Bewegung in Minnesota mit Sezessionsplänen liebäugelt: Dem Austritt aus den USA und dem Eintritt in Kanada, was vom Gouverneur der kanadischen Provinz Ontario auch befürwortet wurde. Von „Minnetoba“ wurde in diesem Zusammenhang schon geredet.
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(Frank Zappa)
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Öl gehört jemandem.
Gas gehört jemandem.
Uran gehört jemandem.
Und dann kommt die Sonne.
Und plötzlich gehört die Quelle niemandem.
Genau darin liegt das eigentliche Problem. Jahrzehntelang war Energie ein Geschäft, weil sie kontrolliert, verknappt und bepreist werden konnte. Wer Zugriff auf Rohstoffe, Förderung und Infrastruktur hatte, bestimmte nicht nur die Versorgung, sondern auch die Abhängigkeit. Energie war nie bloß Technik. Energie war immer Macht.
Mit der Sonne gerät diese Logik ins Wanken. Die Quelle selbst entzieht sich dem Besitz. Wer eine Anlage betreibt, verändert seine Rolle. Aus dem reinen Zahler wird ein Erzeuger. Nicht völlig unabhängig, aber sehr viel schwerer kontrollierbar. Und genau das trifft den Kern eines Systems, das von zentralem Zugriff gelebt hat.
Und kommt mir jetzt keiner mit China. Ja, viele Module werden dort produziert. Aber danach passiert der entscheidende Punkt. Du kaufst Technik einmal und erzeugst dann über Jahre selbst Energie. Kein Konzern kassiert bei jeder Kilowattstunde mit, kein Förderland sitzt dauerhaft am Hebel, kein fossiles Kartell bestimmt, ob deine Quelle fließt oder versiegt.
Natürlich braucht auch Solar Netze, Technik, Speicher und Wartung. Aber die Quelle selbst bleibt frei. Sie lässt sich nicht monopolisieren. Und genau das ist der eigentliche Bruch.
Davor haben Energiekonzerne und alle, die an fossilen Rohstoffen oder Atomkraft verdienen, nicht bloß Respekt. Sie haben Angst. Denn jede Anlage auf einem Dach verschiebt ein Stück Macht. Leise, unspektakulär, aber dauerhaft. Und genau das ist es, was dieses Modell so gefährlich macht für alle, die jahrzehntelang von Kontrolle gelebt haben.
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Ihn selbst habe ich gelesen und im Fernsehen reden gehört, aber nie persönlich erlebt, im Gegensatz zu seiner Tochter Rebecca, die ich als Lehrende an der Universität Göttingen, aber vor allem als Mitherausgeberin der Zeitschrift Historische Anthropologie intensiv erlebte und die leider, ebenso wie Alf Lüdtke, viel zu früh verstorben ist.
Da es mir an Zeit und Muße fehlt, sich mit Vita und Hinterlassenschaft dieses Denkers hier und jetzt auseinanderzusetzen verweise ich auf den sehr lesenswerten Beitrag bei Bersarin sowie meine eigene Adorno-Rezeption.
https://bersarin.wordpress.com/2026/03/17/gesellschaftskritik-in-kommunikativ-verwasserter-gestalt-zum-tod-von-jurgen-habermas
https://che2001.blogger.de/stories/2909919/
https://che2001.blogger.de/stories/1460591/#1462349
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09. März 2026
Kümmelöl, meist das ätherische Öl aus Carum carvi, wird traditionell bei Blähungen und krampfartigen Magenbeschwerden eingesetzt. In der evidenzbasierten Medizin spielt es vor allem als Kombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl bei funktioneller Dyspepsie eine Rolle. Für viele weitere beworbene Effekte fehlen meist belastbare Daten. Gleichzeitig gilt: Als ätherisches Öl ist Kümmelöl hochkonzentriert – Dosierung und Produktqualität sind wichtig für die Sicherheit.
Was genau ist Kümmelöl?
Ein Blick auf die Details: Unter dem Begriff „Kümmelöl“ werden im Handel 2 grundsätzlich unterschiedliche Produkte zusammengefasst. Zum einen handelt es sich um ätherisches Kümmelöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den Samen gewonnen wird. Dieses Öl ist hochkonzentriert, pharmakologisch wirksam und Thema klinischer Studien. Zum anderen wird Kümmelsamenöl als fettes Öl angeboten, das durch Pressung hergestellt wird und deutlich weniger flüchtige Wirkstoffe enthält.
Für die medizinische Bewertung ist dieser Unterschied wichtig: Nahezu alle klinischen Untersuchungen beziehen sich auf das ätherische Kümmelöl, meist in magensaftresistenten Kapseln und häufig in Kombination mit Pfefferminzöl. Aussagen zur Wirksamkeit lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf andere Zubereitungen übertragen.
Inhaltsstoffe und Variabilität: Wovon hängt die Wirkung ab?
Die Zusammensetzung des ätherischen Kümmelöls bestimmt seine pharmakologischen Eigenschaften. Analysen zeigen, dass Monoterpene, insbesondere Carvon und Limonen, in hoher Konzentration vorhanden sind. Deren Anteile können jedoch erheblich schwanken, abhängig von Herkunft der Pflanzen, Erntezeitpunkt und Verarbeitung.
Diese Variabilität erklärt, warum frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel nicht automatisch mit arzneilich geprüften Präparaten gleichgesetzt werden können. Standardisierung ist hier keine Formalität, sondern Voraussetzung für reproduzierbare Effekte und verlässliche klinische Aussagen.
Klinische Evidenz: Wo ist ein Nutzen belegt?
Die mit Abstand beste Datenlage existiert für Kombinationen aus Pfefferminzöl und Kümmelöl bei funktioneller Dyspepsie. Randomisierte, placebokontrollierte Studien sowie Metaanalysen zeigen eine signifikante Verringerung dyspeptischer Symptome und eine insgesamt gute Verträglichkeit. Auch neuere Übersichtsarbeiten, die mehrere hundert Patienten einschließen, berichten von klinisch relevanten Effekten auf Beschwerden und Lebensqualität.
Für die Praxis ist entscheidend, dass diese Evidenz klar indikations- und produktgebunden ist. Untersucht wurden definierte Kombinationen in spezifischer Dosierung und Galenik. Sie lassen sich nicht unbedingt auf ähnliche Produkte aus Drogeriemärkten oder aus Online-Stores übertragen.
Für das Reizdarmsyndrom (IBS) ist die Datenlage deutlich schlechter. Eine kleinere klinische Studie untersuchte Kümmelöl-Umschläge. Dabei besserten sich die Beschwerden zwar, gemessen anhand von Symptomskalen. Die Ergebnisse sind jedoch eher als Hinweis denn als belastbarer Wirksamkeitsnachweis zu werten. Für oral eingenommene Kümmelölpräparate fehlen im IBS-Kontext überzeugende klinische Daten.
Häufig genannte Eigenschaften wie „antibakteriell“, „entzündungshemmend“ oder „antioxidativ“ lassen sich meist nur in Labor- und Tierexperimenten belegen. Sie erlauben keine verlässliche Aussage über eine therapeutische Wirksamkeit beim Menschen. Belastbare, hochwertige Humanstudien existieren bislang nicht.
Sicherheit und Verträglichkeit: Worauf ist zu achten?
In klinischen Studien zur Pfefferminzöl-/Kümmelöl-Kombination wird die Behandlung insgesamt als gut verträglich beschrieben. Typische unerwünschte Effekte betreffen den oberen Gastrointestinaltrakt, etwa Refluxbeschwerden oder sogenanntes Minz-Aufstoßen. Diese Effekte hängen stark von der Galenik und der individuellen Empfindlichkeit ab.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass ätherische Öle hochkonzentrierte Wirkstoffgemische sind. Tierexperimentelle Toxizitätsdaten zu verwandten Ölen verdeutlichen, dass Überdosierung und unsachgemäße Anwendung Risiken bergen können. In der Schwangerschaft, der Stillzeit, im Kindesalter sowie bei Patienten mit relevanter Begleitmedikation sollten Präparate zurückhaltend eingesetzt werden.
Fazit: Evidenz nur bei wenigen Indikationen
Alles in allem ist Kümmelöl ist kein Allheilmittel, besitzt aber plausible pharmakologische Eigenschaften und eine gute klinische Evidenz in Kombination mit Pfefferminzöl bei funktioneller Dyspepsie. Für das Reizdarmsyndrom gibt es allenfalls Hinweise auf einen Effekt.
Ärzte sollten Patienten raten, auf eine geprüfte Produktqualität zu achten und Experimente mit hochdosierten ätherischen Ölen zu vermeiden.
https://deutsch.medscape.com/viewarticle/k%C3%BCmmel%C3%B6l-im-faktencheck-was-drin-und-was-2026a100063z?ecd=WNL_mdplsfeat_260309_mscpedit_de_etid8167132&uac=389796AZ&impID=8167132
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"Meinen Urlaub überleben, damit ich hinterher weiterarbeiten kann."
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Hinterher war ich mit unserer Trainerin duschen, bewunderte ihren supersexy Körper und die interessanten Tattoos, die sich darauf befinden. Eines davon ist ein zehnzeiliger Text in einer mir unbekannten Schrift. Ich fragte sie was das sei und sie erwiderte, das sei ein Gedicht von Tolkien aus dem Silmarillion und die Schrift Elbisch.
"Dann kann man von Dir nicht nur lernen, sondern Dich auch lesen?"
"Sagen wir so: Lernen können alle weil meine Kurse öffentlich sind, mich lesen ist schon eine sehr private Angelegenheit."
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Die haben Frauenwahlrecht und legalen Alkoholverkauf.
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Die Rechtsanwälte der Buchläden zum Thema:
"Die drei Buchläden wurden von einer sachverständigen Jury für den Preis bestimmt, weil sie ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren“, heißt es von den Juristen. Die Buchhandlungen haben aus Sicht der Rechtsanwälte den Preis verdient. „Wir bereiten daher Klagen gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Vergabe des Preises wie von der Jury gewollt vor“, heißt es weiter.
https://taz.de/Deutscher-Buchhandlungspreis/!6159761/
https://www.hna.de/lokales/goettingen/es-hagelt-kritik-kulturstaatsminister-schloss-goettinger-buchhandlung-von-preis-aus-genauer-grund-unklar-94199719.html#google_vignette
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Monsieur Kepel, wie würden Sie die Ereignisse rund um den Irankrieg beschreiben – als einen Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens?
Es ist wirklich ein neues Kapitel, das hier aufgeschlagen wird. Dieses Kapitel begann 1979 mit der islamischen Revolution, die grundstürzend war, weil sie den Beginn des radikalen politischen Islams markierte.
… der eine neue Art von Terrorismus in die Welt trug.
Ja. Es ist außerdem wichtig, sich daran zu erinnern, dass es seinerzeit zu jenem Bündnis zwischen Islamismus und Linksextremismus kam, dessen Nachhall wir gerade heute noch in unseren Universitäten hören und in Frankreich auch sonst beobachten können, beispielsweise in dem Bündnis zwischen La France insoumise und den Muslimbrüdern. Denn 1979 war auch der Zeitpunkt, an dem die marxistischen Kategorien von Frantz Fanon, dem Autor von „Die Verdammten dieser Erde”, vom Sohn des Ajatollahs ins Persische übersetzt wurden, und zwar übersetzt in koranische Kategorien.
Es gab also eine Art Verschmelzung zwischen dem politischen Vokabular des Marxismus und dem religiösen Vokabular des Islams?
Ja, und dass man die ganze Sache damals „islamische Revolution” nannte, war in diesem Sinne völlig gerechtfertigt. Diejenigen, die die Ajatollahs damals begleiteten, die Marxisten, landeten meistens im Gefängnis oder wurden gehängt. Dennoch kam es zu dieser Art antiimperialistischer Tendenz der islamischen Revolution, und das erklärt, warum es auch heute möglich ist, dass sich die Solidarität mit Gaza und mit der Hamas in der Unterstützung der europäischen extremen Linken für den angeblich von Zionisten und Imperialisten bombardierten Iran niederschlägt.
Wenn das Kapitel der islamischen Revolution jetzt aber an sein Ende kommt, wie Sie sagen, bedeutet das zwangsläufig, dass wir auch das Ende des iranischen Regimes als solches erleben werden?
Die außergewöhnliche Stärke der israelischen und der amerikanischen Geheimdienste, die imstande waren, nahezu die gesamte iranische Führung zu lokalisieren und zu bombardieren, ist beeindruckend. Aber sie ist auch an Grenzen gestoßen, denn die Maschinerie der Revolutionsgarden funktioniert weiter – nach der Fassungslosigkeit über den Tod von Khamenei am ersten Tag hat Iran am zweiten Tag seine Fähigkeit zur Gegenwehr gezeigt.
Neu und auffällig waren vor allem die iranischen Angriffe auf die arabischen Nachbarn am Golf.
Und dort insbesondere auf Bahrain und auf Dubai. Diese etwas künstliche Welt der Influencer, der Menschen, die keine Steuern zahlen und in der Sonne leben, ist plötzlich zusammengebrochen. Das Modell der Ölmonarchien, die in einer Art verzauberter Zwischenwelt leben, hat seine extreme Fragilität gezeigt. Gerade erst habe ich gelesen, dass die Iraner Rechenzentren angegriffen haben, weil in den Ländern am Golf mit ihrer billigen Energie sehr viele Rechenzen¬tren angesiedelt sind, darunter auch chinesische. Die Iraner stören also die gesamte kybernetische Funktionskette. Das ist völlig neu und scheint von Amerikanern und von Israelis nicht vorhergesehen worden zu sein.
Die Frage ist wohl, wie lange Iran das durchhalten kann.
Das iranische Regime verfügt meiner Meinung nach nicht mehr über viele Ressourcen, da es sich mit den Unruhen im Januar von seiner Bevölkerung abgeschnitten hat.
Es gab schon früher Proteste in Iran.
Ja, aber die Menschen, die nach der Ermordung von Mahsa Amini im Jahr 2022 protestierten, waren moderne, liberale Frauen und Kurden, die ohnehin nicht zur Basis des Regimes zählten. Im Januar indes protestierte die kleine Mittelschicht, die von der Umverteilung der Öleinnahmen lebte und durch Finanzspekulationen der Banken und Revolutionsgarden ruiniert worden ist. Mit ihnen hat das Regime seine soziale Basis verloren. Es hält sich jetzt nur noch durch diesen Staat im Staat, den die Revolutionsgarden bilden.
(Anmerkung des Che: Basis des Regimes waren unter anderem die Bazaris, also die Markthändler. Auf die stützte sich einst auch das Schah-Regime, und die Erosion seiner Macht zeigte sich zuerst am Verlust der Bazaris)
Bislang verfügen sie über genügend Ressourcen, um der amerikanisch-israelische Offensive vorübergehend die Stirn zu bieten.
Es ist nicht sicher, dass das ewig so bleiben wird. Denn ein weiterer wichtiger Punkt ist der Ölmarkt. Die Straße von Hormus ist zwar blockiert. Die Blockade hat bislang aber keine großen Auswirkungen auf die westlichen Verbraucher, wohl allerdings auf China, weil ein großer Teil der chinesischen Gasimporte aus Iran stammt.
Die eigentliche Herausforderung beginnt wohl an dem Tag, an dem das System der islamischen Revolutionsgarden erschöpft sein wird. Nicht nur die arabischen Nachbarstaaten fürchten, dass Iran auseinanderbrechen könnte.
Es gäbe dann keinen Iran als solchen mehr, sondern ein Mosaik aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Als Benjamin Netanjahu das iranische Volk vor ein paar Tagen zum Aufstand aufrief, hat er sie aufgezählt: die Belutschen, die Aserbaidschaner, die Kurden, die Araber. Für die Region ist ein Iran, der aus kleinen Fürstentümern besteht, sehr gefährlich. Netanjahus Logik lautet hingegen: Wenn diese kleinen Fürstentümer sich gegenseitig bekämpfen, können sie nicht Israel angreifen. Diese Frage der Fragmentierung stellt sich. Noch sind wir nicht so weit, aber der Trend geht in diese Richtung.
Jahrzehntelang ging von Iran und seiner „Achse des Widerstands“ eine Ideologie aus, eine Denkweise, die die Welt in Gut und Böse teilte und mit der sich sehr viele Menschen nicht nur in Iran, auch in Syrien, Libanon und Irak identifizierten.
Ja, aber die Revolutionsgarden selbst haben keine Ideologien, sie sind pragmatisch, sie verdienen Geld. Die Ideologie ist das, was die Bevölkerung zusammenhält. Es wird immer Frauen im Tschador geben, die demonstrieren, und einen Nachrichtensprecher, der weint, wenn er im iranischen Staatsfernsehen den Tod von Khamenei verkündet – das war eine Reverenz an die Frömmigkeit des schiitischen Volkes. Aber ich glaube, dass die Ideologie ihre Kraft verloren hat.
So schnell? Sie ist über Jahrzehnte gewachsen und tief verwurzelt.
Aber es ist nicht mehr viel von ihr übrig. Der Widerstand ist tot. Seltsamerweise haben sich die Huthis im Jemen nicht bewegt, sie wurden nicht aktiviert. Die Hizbullah hat vage angegriffen und den Israelis einen Vorwand geliefert, sie zu liquidieren. Syrien existiert nicht mehr. Die Hamas betreibt nur noch begrenzten Terrorismus in Gaza und wartet darauf, dass sie an der Reihe ist. Die Einzigen, die derzeit noch ein wenig aktiv sind, sind die pro-iranischen schiitischen Milizen im Irak. Ich denke, dass die ideologische Dimension, die sehr wichtig war und mit dem 1979 entstandenen Islamo-Gauchismus aufgebaut wurde, zusammengebrochen ist. Heute bleibt nur noch die Fähigkeit der Revolutionsgarden, für eine gewisse Zeit Schaden anzurichten, von der sie hoffen, dass diese Zeit so lang dauern wird, bis die Amerikaner sagen: „Stopp. Wir hören auf, weil es Trump zu viel kostet und er sonst die Midterm-Wahlen verlieren könnte.“
Wie bewerten Sie die Möglichkeit eines Regimewechsels, etwa der Rückkehr des Sohnes des Schahs?
Die Frage ist, ob die Revolutionsgarden zusammenbrechen oder ob es unter den Wächtern Leute gibt, die verhandeln – und die versuchen, so viel Macht wie möglich zu behalten, um die Rückkehr des Schah-Sohnes zu verhindern. Er ist in der Exil-Diaspora sehr beliebt. Ich bin mir derzeit nicht sicher, wie beliebt er in Iran ist. Aber das wird sich zeigen.
Gilles Kepel gilt als einer der führenden Nahostexperten
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/gilles-kepel-sieht-iran-krieg-als-ende-der-islamischen-revolution-110847469.html
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Fünf maßgebliche kurdische Parteien aus Rojhilat (Ostkurdistan) haben die Gründung der „Koalition der politischen Kräfte Kurdistans in Iran“ bekannt gegeben. Ziel des Bündnisses ist nach eigenen Angaben die Bündelung der politischen Kräfte im Kampf gegen die Islamische Republik Iran sowie die Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts der Kurd:innen. Zu den Mitgliedern gehören die Demokratische Partei Kurdistans-Iran (PDK-I), die Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK), die Organisation Xebat (Khabat), die Freiheitspartei Kurdistans (PAK) sowie die Komala-Fraktion der Werktätigen Kurdistans. Der Zusammenschluss ist nach längeren Gesprächen und Abstimmungsprozessen zustande gekommen.
„Ziel ist der Sturz der Islamischen Republik“
In der Gründungserklärung der Allianz betonen die Parteien: „Die politische und nationale Bewegung der Kurd:innen in Rojhilat führt seit Jahrzehnten einen organisierten und kontinuierlichen Kampf gegen Autoritarismus und die zentralistische Diktatur, um ihre nationalen und politischen Rechte durchzusetzen.
Auch nach der Revolution von 1979 und der Machtübernahme der Islamischen Republik blieb Kurdistan ein zentrales Zentrum des Widerstands gegen das unterdrückerische Regime. In dieser Zeit hat Kurdistan einen hohen Preis für seinen Kampf gezahlt: Es wurde ihm Krieg aufgezwungen, zahlreiche politische Führungspersönlichkeiten wurden hingerichtet oder ermordet, tausende Aktivist:innen und Kämpfer:innen kamen ums Leben oder starben in Gefängnissen. Kurdistan wurde militarisiert und als besetzte Region behandelt; es wurde unter einer Politik der Repression, Ausplünderung und Unterdrückung verwaltet.
Mitwirkung an der Gestaltung neuen Irans
Wir, die unterzeichnenden politischen Parteien, haben die ‚Koalition der politischen Kräfte Kurdistans in Iran‘ gegründet. Aufbauend auf unserer Geschichte des Widerstands und angesichts der Notwendigkeit, auf die gegenwärtige politische Lage in Iran zu reagieren – in einer Situation, in der die Islamische Republik jegliche politische Legitimität verloren hat, jedoch von der Zersplitterung der oppositionellen Kräfte profitiert –, haben wir unsere Kräfte in Kurdistan gebündelt und eine politische Allianz bekanntgegeben.
Diese Allianz entstand nach einer Phase des Meinungsaustauschs und praktischer Zusammenarbeit im ‚Zentrum für Dialog und Kooperation‘. Ihr zentrales Ziel ist es, die politische Bewegung der Kurd:innen in Iran zu stärken, Kurdistan und seiner politischen Bewegung ein größeres politisches Gewicht im Kampf gegen die Islamische Republik zu verleihen, die Rechte und Freiheiten der Bevölkerung Kurdistans zu sichern und an der Gestaltung eines zukünftigen Iran mitzuwirken.
Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts des kurdischen Volkes
Unser gemeinsames Hauptziel ist der Sturz der Islamischen Republik Iran, die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts des kurdischen Volkes sowie der Aufbau einer nationalen und demokratischen Struktur in Rojhilat auf Grundlage des politischen Willens der kurdischen Nation. In dieser Phase unterstützen wir die landesweiten Proteste und Kämpfe aller Völker in Iran gegen die Islamische Republik.
Wir betonen die Notwendigkeit einer politischen und praktischen Koordination zwischen den politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen Rojhilats sowie mit politischen und zivilgesellschaftlichen Kräften in anderen Teilen des Landes. Während wir die Entstehung einer demokratischen und inklusiven Übergangsphase befürworten, beruht jede Zusammenarbeit oder Allianz mit anderen Kräften auf der Anerkennung der nationalen Rechte der Völker, der Akzeptanz demokratischer Prinzipien und der Ablehnung jeglicher Form von Diktatur.
Ziele: Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung
Innerhalb dieser Allianz bekennen wir uns zum Schutz der Umwelt, zu sozialer Gerechtigkeit, zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern, zur Gewährleistung freier Wahlen sowie zur Sicherung der grundlegenden Rechte aller ethnischen und religiösen Gemeinschaften Kurdistans. Ebenso betrachten wir es als unsere Pflicht, für die Errichtung eines demokratischen und säkularen politischen Systems in Iran einzutreten, das die Rechte aller nationalen und religiösen Gruppen garantiert.
Wir sind überzeugt, dass politische Einheit, gemeinsames politisches Handeln und koordinierter praktischer Widerstand heute mehr denn je Voraussetzung dafür sind, die Position der Kurd:innen in den sich ständig wandelnden politischen Konstellationen Irans zu stärken. Daher sind wir bereit, mit allen politischen Parteien und Kräften außerhalb unserer Allianz zusammenzuarbeiten, und laden zugleich alle Menschen Kurdistans ein, sich an dieser Allianz zu beteiligen.“
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/-50416
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Zendegi mobareze baraye azadi ast
برکسودان جیانه
Berxwedan jiyane
Nicht, dass ich dem Hojatoleslam Ali Khameney eine Träne nachweine, ich habe im Gegenteil einen Bordeaux entkorkt. Ein scheußlicher Diktator, der fast fünfzig Jahre lang Menschen hat quälen und töten lassen, insgesamt hunderttausende, wurde beseitigt. Dennoch ist das, was Isis und Amis da getan haben ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, und ich unterstelle sowohl Netanjahu als auch Trump, (auch) aus sehr persönlichen Motivationen gehandelt zu haben.
Ich bin jetzt sehr gespannt, was im Iran selber passiert.
Fast zeitgleich hat Pakistan Afghanistan offiziell den Krieg erklärt. Scheint so, dass es den reaktionärsten Islamisten insgesamt an den Kragen bzw. Fez oder Turban geht.
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https://bersarin.wordpress.com/2026/02/14/punk-is-dead-punk-is-not-dead-zwischen-avantgarde-und-museum
Es beginnt schon einmal mit Definitionsfragen über den Gegenstand selber. Sowohl was den Punk angeht als auch die Hippies als subkulturelle Bewegung fasst er diese Begrifflichkeiten viel weiter als ich das tue. Die Gesamtheit der bunt gekleideten, langhaarig und im Falle der Männer meist auch langbärtig auftretenden Angehörigen einer durch Sex and drugs and rock´n roll geprägten Jugend- und Junge-Erwachsenen-Subkultur in zeitlicher Abfolge vor den Punks als Hippies zu bezeichnen, das geht nicht. Neben den Hippies gab es die Yippies und die Freaks, die keineswegs mit den Hippies gleichgesetzt werden können. Jim Morison, der Leadsänger der Doors, machte sich in einem Song über die Hippies lustig, deren Lebensstil er verachtete.
„Your ballroom days are over, baby
Night is drawing near
Shadows of the evening
Crawl across the year
Ya walk across the floor with a flower in your hand
Trying to tell me what no one understands
Trading your hours for a handful of dimes
Gonna′ make it, baby, in our prime
Come together one more time
Get together one more time.“
Hippie-Musik -das war aus dem Verständnis der eigenen Zeit heraus Greatful Dead, Jefferson Airplane, The Mamas and the Papas, Melanie, Scott McKenzie, Janis Joplin, schon Jimi Hendrix nicht mehr – erst recht nicht die Doors. Die Ära der Hippies war im Übrigen auch schon vorbei, als ab 1975 die Punks zu einer dominierenden Subkultur wurden.
Ich würde auch die Einstürzenden Neubauten und Palais Schaumburg nicht unter Punk subsummieren. Palais Schaumburg ist New Wave oder auch Neue Deutsche Welle, die Einstürzenden Neubauten sind ebenso wie Kraftwerk, Eloy, Tangerine Dream, Amon Düül oder 3Mustafa3 sehr schwer zu kategorisieren, mir fiele allenfalls Experimental oder Avantgarde dazu ein.
Ich kann mich erinnern, dass wir ägyptischen Freunden, gläubigen Muslimen, in Kairo und noch dazu im Ramadan diesen Song vorspielten und simultan auf Englisch übersetzten:
Erstes Geschoss:
Hier leben die Blinden
Die glauben was sie sehen
Und die Tauben
Die glauben was sie hören
Festgebunden auf einem Küchenhocker
Sitzt ein Irrer, der glaubt
Alles was er anfassen kann
(seine Hände liegen im Schoss)
Auf ins nächste Geschoss:
Welches, oh Wunder! nie fertiggestellt
Nur über die Treppe erreicht werden kann
Hier lagern Irrtümer, die gehören der Firma
Damit kacheln sie die Böden
An die darf keiner ran
Viertes Geschoss:
Hier wohnt der Architekt
Er geht auf in seinem Plan
Dieses Gebäude steckt voller Ideen
Es reicht von Funda- bis Firmament
Und vom Fundament bis zur Firma
Im Erdgeschoss:
Befinden sich vier Türen
Die führen
Direkt ins Freie
Oder besser gesagt. in den Grundstein
Da kann warten wer will
Um zwölf kommt Beton
Grundsteinlegung!
Gedankengänge sind gestrichen
In Kopfhöhe braun
Infam oder katholisch violett
Zur besseren Orientierung
Dachgeschoss:
Es hat einen Schaden
Im Dachstuhl sitzt ein alter Mann
Auf dem Boden tote Engel verstreut
(deren Gesichter sehen ihm ähnlich)
Zwischen den Knien hält er ein Gewehr
Er zielt auf seinen Mund
Und in den Schädel
Durch den Schädel
Und aus dem Schädel heraus
In den Dachfirst
Dringt das Geschoss
Gott hat sich erschossen
Ein Dachgeschoss wird ausgebaut
Gott hat sich erschossen
Ein Dachgeschoss wird ausgebaut
Lüge, Lüge
Ein Dachgeschoss wird ausgebaut
EPILOG
Untergeschoss:
Dies ist ein Keller
Hier lebe ich
Dies hier ist dunkel
Feucht und angenehm
Dies hier ist ein Schoss.
Darüber diskutierten wir dann ganz entspannt miteinander, und unsere ägyptischen Freunde fragten uns, wenn wir an keinen Gott glaubten was denn für uns die universelle Antwort auf die großen Fragen wäre, und wir erwiderten: 42. Später schenkten wir Mohamed eine Ausgabe von „Per Anhalter durch die Galaxis“ und hatten viel Spaß miteinander.
Was waren das für Zeiten, was haben wir seither verloren!
Über die Weltuntergangsstimmung von damals schreibt Bersarin Dinge, die wahr und zugleich falsch sind. Es ist richtig, dass unsere heutige Situation in Europa im Gegensatz zu den späten Siebzigern und frühen Achtzigern tatsächlich bedroht ist und die damalige Sicherheitslage vergleichsweise idyllisch war, was die Weltuntergangsstimmung von damals absurd erscheinen lässt. Das ist faktisch völlig richtig und erklärt vor allem nicht, dass damals Risiken wie Atomkrieg, Super-Gau, Waldsterben und despotischer Computerstaat bis hin zur Somatisierung verinnerlicht wurden.
Und andererseits ist diese Wahrnehmung sozial blind. Während heute in sehr vielen Branchen ein Jobüberangebot herrscht und wir einen durchwegs entspannten Arbeitsmarkt haben zogen damals die geburtenstarken Jahrgänge in einen Arbeitsmarkt der am Kollabieren war. In den späten Siebzigern herrschte im gesamten Westen Stagflation, die Gleichzeitigkeit von Stagnation und Inflation, und in der BRD in den Jahren 1979 – 1982 Nullwachstum. Es gab erheblich weniger freie Arbeitsplätze als Arbeitsuchende. Angesichts der Lebenssituation „Mit 16 arbeitslos“ erschien no future als realitätsnahe Beschreibung der eigenen Berufsperspektive. DAS war die Matrix der mit Atomkriegsängsten und Ähnlichem aufgeladenen Endzeitstimmung. Man schaue sich nur einmal die Biographie eines Klaus Jürgen Rattay an um dafür ein Gefühl zu bekommen.
Nun weiß ich aus Gesprächen und Mails mit Bersarin von ihm dass er einen Zugang zur Realität hat der sich von meinem grundsätzlich unterscheidet, da für ihn keine Objektivität und keine feststehende Wahrheit im Zentrum, sondern Haltungen, Relationen und Stile eher im Vordergrund stehen. Obwohl ich das weiß erscheint mir seine Conclusio vollends absurd.
„Rebellion und Widerstand heute sind konservativ. Freilich nicht in der Weise, daß sie etwas Altes wiederherstellen oder etwas Vergangenes bewahren wollte, sondern als Protest gegen die bestehende Gesellschaft und gegen einen linken Zeitgeist, so wie dies Teile des Punk in den 80er Jahren und davor auch der 1968er-Bewegung gegen den Zeitgeist ihrer Jahre praktizierten – gegen eine deutlich konservativere Gesellschaft. Heute geht es darum, gegen einen progressivem Mainstream im Kulturbetrieb und als politischer Überbau mitsamt seinem Journalismus zu rebelllieren.“ - Abgesehen davon, dass das Überbauphänomene sind die mit dem, was eine Gesellschaft ausmacht, nämlich dem Klassenwiderspruch und wie Klassenherrschaft umgesetzt wird nichts zu tun haben erscheint mir eine solch apodiktische Setzung monströs. Hätte er geschrieben „Ich war mal links und verstehe mich heute aus bestimmten, für mich sehr dezidiert begründbaren Motiven als konservativ“ wäre das plausibel. Hier aber wird die eigene biographische Entwicklung nebst ihren Begründungen als quasi historische Tatsache der ganzen Gesellschaft übergestülpt – eine Kombination aus verkürzter politischer Analyse, Narzissmus und Egozentrik, so, wie das auch schon Momorulez betrieben hatte. Eine Art Polit-Autismus.
Es erscheint mir auch äußerst fragwürdig, wie sich denn Kritik an Mietwucher, Wohnungsnot, Billigjobs und Behördenschikanen konservativ begründen ließe – oder gar Kritik an entfremdeter Arbeit.
In einer Zeit, in der durch internationale Abkommen festgelegt ist, dass deutsche Kommunalbetriebe ihre Aufträge für Onlineportale international ausschreiben müssen und dann indische Billigpixler den Auftrag bekommen statt deutscher Werbeagenturen ist das neoliberale Regime vollendet. Kritische linke Journalisten haben hier die Hofnarrenrolle. Wobei das, was in den öffentlich-rechtlichen Medien oder der Massenpresse so als kritisch und links firmiert dies gar nicht ist.
Für mich bedeutet Kritik stets Kritik am Kapitalismus. Schlüsselerlebnis war für mich ein Treffen linker Gruppen in Bremen im Herbst 1990, am Vorabend der Zweiten Golfkriegs, wo es darum ging, was für Widerstandsperspektiven für die Linke es noch gäbe.
Das Impulsreferat hielt Frank Borris von der Redaktion der Materialien für einen Neuen Antiimperialismus. Er begann mit einem Überblick der Praxis linker Proteste in der BRD seit der „Kampf dem Atomtod“ – Bewegung in den 1950ern bis (zum damaligen) heute, um dann am Beispiel von Verena Stephans Roman „Häutungen“ zu erläutern, wie linke Belletristik sich von einer ursprünglich auf politische Kämpfe bezogenen Ausrichtung sich mehr und mehr zu Innerlichkeit und Nabelschau entwickelt hätte und eine „Rückkehr zum Konkreten“ forderte. Zum Schluss kam er zu der These, dass es anders als in den Sechzigern und Siebzigern nur noch wenig Möglichkeiten zu einem widerständigen Aussteigertum gäbe und wir alle irgendwie in der kapitalistischen Gesellschaft mitmachen müssten, die Korruption habe aber ihre Grenzen. Sehr viele Jobs seien für Linke ein No Go.
Nun begannen wir für uns selber eine Art kategorischen Imperativ der Jobwahl im Kapitalismus zu entwickeln, Borris-Line genannt. Für die Meisten gehörte dazu, dass akzeptable Jobs Tätigkeiten für NGOs, Alternativjobs in mitarbeitergeführten Kollektivbetrieben, als InvestigativjournalistInnen, in Forschung und Lehre, im pädagogischen und heilenden und pflegenden Bereich und als GenossInnen vertretende RechtsanwältInnen seien, sicher nicht als Angestellte in der „freien Wirtschaft“. Als ich nach Promotion und Weiterbildung zum Mediengestalter Marketingmanager für eine Softwarefirma wurde musste ich mich als „Verräter“ bezeichnen lassen. Ich möchte lieber nicht wissen, was die Leute von damals zu meiner heutigen Tätigkeit in der Finanzbranche sagen würden. Dabei sehe ich es durchaus als eine soziale Aufgabe an, kleinen Leuten zu ihrem Eigenheim zu verhelfen oder durch Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherungen gegen Schicksalsschläge abzusichern. Dennoch gilt für mich auch immer noch: Identifizieren darf ich mich mit einer Arbeit im Kapitalismus nicht. Irgendwie fühle ich mich über die 25 Jahre, die ich in der Wirtschaft arbeite, immer noch wie ein Agent auf feindlichem Territorium. Für viele meiner alten Mitstreiter bin ich ein Opportunist.
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Das ist die Stelle, als ich mit Luft unter den Sohlen am Seil hing, sozusagen aus der Schwebe fotografiert.



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