Broken Blossoms
★★★½

Watched 16 Jul 2024

1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)

∆ Kapitel 7

Gebrochene Blüten
Broken Blossoms
USA 1919
R.: D. W. Griffith
90 Min.

Gebrochene Blüten ist so ein bisschen das Gegenprojekt Griffiths zu seinen ausladenden Monumentalschinken. Hier bleibt der Regisseur, der sonst nach dem Allergrößten gestrebt hat, erstaunlich nahbar. Griffith fokussiert sich auf eine einzige Geschichte und erzählt diese in einer angenehm kurzen Laufzeit. Er verzichtet darauf die Technik des Filmemachens mit opulenten Schnitten und experimenteller Erzählstruktur voranzutreiben und legt den Wert nahezu gänzlich auf die Schönheit des Bildes.
Damit ist Gebrochene Blüten eine blühende Vertreterin des sogenannten "Soft Styles". Experimentierfreude herrschte hier vor allem bei den Kameraleuten, denn ob nun ölveredelte Linsen oder gewaltige Gazeschleier: jedes Mittel war recht die Schönheit der Stars in Szene zu setzen.

Aber nicht nur, weil Gebrochene Blüten eher genügsamer daherkommt, steht er anderen Filmen Griffiths entgegen. Fast scheint dieser hier wie ein versöhnliches Händereichen nicht-weißen Menschen gegenüber. Der zwar noch als "gelber Mann" bezeichnete chinesische Migrant wird zwar noch immer von einem weißen Schauspieler im Raceface gespielt, schlägt aber abgesehen davon durchaus mildere Töne an. Zumindest im Kontext seiner Zeit versucht Griffith wohl das Rassismus-Debakel von Die Geburt einer Nation hinter sich zu lassen.
Mit dem idealistischen Chinesen, der nach Europa kam um mit den Lehren Buddhas zu missionieren, aber dann gebrochen einen Tandladen am Hafen führt, schafft Griffith dann auch eine ziemlich tragische Figur. Im Fokus soll wohl aber Lilian Gishs Lucy stehen, das Zentrum der "Soft Style"-Spielereien. Leider ergeht es Lucy nicht anders als Lilian: es geht nur darum sie hübsch herzurichten und in Szene zu setzen. Obwohl es auch ihre tragische Geschichte ist, darf Lucy nicht handeln, sondern wird den ganzen Film über nur darüber definiert, was Männer aus ihr machen, wie sie mit ihr umgehen, was sie ihr erlauben. Da hat Griffith aber schon stärkere Frauenfiguren erzählt.

Noch 994 Filme.
Noch 11 Jahre, 2 Monate, 19 Tage

{Gesamtspieldauer: 999 Minuten}


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