Fliegenpilz als Entspannungsmittel? Wenn solche Tipps kursieren, ist es Zeit für eine kritische Einordnung. Janos Hegedüs übernimmt das in seinem neuen Video.
Aus der Videobeschreibung:
Fliegenpilze essen für innere Ruhe, bessere Hirnwellen und spirituelle Selbsterkenntnis? Ja, genau. Willkommen im Wald. In diesem Video schauen wir uns an, warum ausgerechnet der Fliegenpilz gerade in gewissen Natur- und Wellnessblasen als eine Art geheimnisvolles Heilmittel verkauft wird – gegen Stress, gegen innere Unruhe, für besseren Schlaf, für „Bewusstseinserweiterung“ und vermutlich demnächst auch gegen schlechte Laune beim Wocheneinkauf. Klingt tief. Ist aber vor allem gefährlich, unberechenbar und wissenschaftlich ziemlich unerquicklich.
Fliegenpilze essen?! Was zur Hölle wird da empfohlen… @timog
Wir schauen uns an,
was im Fliegenpilz (Amanita muscaria) überhaupt drin ist,
warum die Wirkung alles andere als harmlos ist,
was über Muscimol und Ibotensäure bekannt ist,
warum dieses ganze Gerede über „Alpha-, Theta- und Hirnwellen“ meistens einfach nur bedeutungsschwer klingender Unsinn ist
und weshalb es ein ziemlich miserabler Ratschlag ist, psychoaktive Substanzen als Lösung für Stress, Krisen oder persönliche Probleme zu romantisieren.
Zum Thema:
Video: Ärztlich geprüft: Timo mixt ein Antibiotikum aus Gewürzen… @timog, Dr. Hegedüs vom 09.03.2026
Video: Arzt geprüft: Antibiotikum aus der Küche? Selbst gemacht in 10 Minuten! @timog, Dr. Hegedüs vom 02.03.2026
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Die GWUP hat den Biologen Colin Wright interviewt:
Im November 2025 veröffentlichte Colin Wright “Why There Are Exactly Two Sexes” im Fachjournal Archives of Sexual Behavior (Bd. 54, S. 3941–3945), einen Kommentar, der zu einem Prüfstein in Debatten über das biologische Geschlecht wurde. Das peer-reviewte Papier behandelt systematisch die verschiedenen theoretischen Modelle, die vorgeschlagen wurden, um die Zweigeschlechtlichkeit in Frage zu stellen – von chromosomenbasierten Definitionen bis hin zu Modellen eines Geschlechterspektrums – und erläutert, warum in der Biologie Geschlecht anhand von Gameten, also Spermien und Eizellen, definiert wird.
Wir sprachen mit Wright über die Wissenschaft, die der Zweigeschlechtlichkeit zugrunde liegt, über berufliche Konsequenzen, die mit der öffentlichen Vertretung dieser Position verbunden sein können, und darüber, was Skeptiker aus unterschiedlichen Perspektiven innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft lernen können.
Der Arzt Dr. med. Pierre Teichmann hat die Studienlage zur Kinderosteopathie untersucht und seine Ergebnisse in einem Artikel für den skeptiker (3/2024) zusammengefasst. Auf unserer Website ist dieser Beitrag jetzt frei zugänglich:
Der Besuch beim Kinderosteopathen ist für viele Eltern heute genauso selbstverständlich wie Babyschwimmen oder ein PEKiP‑Kurs. Häufig erfolgt der Erstkontakt bereits im Neugeborenenalter auf Empfehlung der Hebamme. Insbesondere nach einer schwierigen Geburt stellen viele ihr Kind aus Sorge, dass ansonsten etwas übersehen wird, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig osteopathisch vor. Nach der Homöopathie ist Osteopathie in Deutschland die zweithäufigste von Eltern für ihre Kinder in Anspruch genommene komplementärmedizinische Methode (Anheyer et al. 2021). Der folgende Artikel vermittelt einen Überblick über die Konzepte und die Studienlage.
Artikel: Geschlecht. Die neuen Irrungen und Wirrungen um einen altbewährten Begriff, Dittmar Graf für den skeptiker 3/2025
Artikel: Blockade weg, Kind gesund? Osteopathie in der „Zeit“, GWUP-Blog vom 27.11.2023
Hinweis:
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Viele Missverständnisse und falsche Annahmen über psychische Störungen und deren psychotherapeutische Behandlung können die Erwartungen und das Vertrauen von Patienten beeinflussen. Der Vortrag „Therapiemythen: Fakten und Fiktionen in der psychotherapeutischen Praxis“ untersucht gängige Mythen wie die Annahme, dass alle Therapeuten oder alle Psychotherapieformen gleich gut sind, dass die gute Beziehung von Therapeut und Patientin ausreichend für den Therapieerfolg ist, dass Empathie der Therapeutin immer gut ist, dass erfahrene Therapeuten bessere Ergebnisse als Anfänger erzielen, dass mehr Sitzungen zu viel besseren Ergebnissen führen, dass “tiefere” tiefenpsychologische Therapien zu besseren anhaltenderen Therapieerfolgen führen, dass Psychotherapie viel besser wie Zuckerpillen wirkt, dass es unabdingbar ist, bestimmte einzelne Techniken zu verwenden oder dass man bei allen psychischen Störungen gleich viel erreichen kann. Nach einer kurzen Übersicht über Psychotherapien mit überdurchschnittlich hohen Quoten an Schädigungen und unerwünschten Nebenwirkungen wird angestrebt, eine fundierte, realistische und Hoffnung vermittelnde Sicht auf Psychotherapie zu vermitteln.
10 Psychotherapie-Mythen enttarnt: Couch, Empathie, Erfahrung, Chatbots | Robert Mestel
Inhalt:
Die 10 Mythen im Überblick [ab 0:00 min]
1) Alle Psychotherapeuten sind gleich gut!? [ab 1:40 min]
2) Erfahrene Psychotherapeuten sind immer die besten!? [ab 7:10 min]
3) Eine gute Therapiebeziehung ist eine hinreichende Bedingung für den Therapieerfolg!? [ab 11:00 min]
4) Empathie des Therapeuten ist immer gut!? [ab 14:20 min]
5) Alle Psychotherapieformen sind gleich gut!? [ab 15:40 min]
6) Psychotherapien können nicht schaden!? [ab 17:20 min]
7) Längere Therapiedauer nützt immer mehr !? [ab 21:00 min]
9) Wirksame Psychotherapie kann sich nur im persönlichen Präsenzkontakt entfalten!? [ab 24:00 min]
10) Wirksame Psychotherapie muss von Menschen durchgeführt werden!? [ab 24:30 min]
Fazit [ab 26:00 min]
Das nächste SkepKon-Video erscheint in 2 Wochen.
Zum Thema:
Artikel: SkepKon-Rückblick: Placebo- Effekte in der (Richtlinien-) Psychotherapie, GWUP-Blog vom 23.06.2014
Artikel: SkepKon-Video: Wie ein Leserbrief Erich Eder in den Rechtsstreit mit Grander führte, GWUP-Blog vom 12.03.2025
Artikel: SkepKon 2025: „Neues vom Barnum-Effekt“ mit Christoph Bördlein (Video), GWUP-Blog vom 23.02.2026
Artikel: SkepKon-Video: Christian Zeller zur Frage „Gibt es Rassismus gegen Weiße?“, GWUP-Blog vom 10.02.2026
Artikel: Steuert die Weltbevölkerung auf den Kollaps zu? Amardeo Sarmas SkepKon-Vortrag jetzt als Video, GWUP-Blog vom 26.01.2026
Artikel: SkepKon-Vortrag von Leif Inselmann: Anunnaki, Planet Nibiru und der Mythos um die ‚Astronautengötter‘ – von Pseudoarchäologie bis hin zu Verschwörungserzählungen, GWUP-Blog vom 13.01.2026
Artikel: Video zu SkepKon-Vortrag: Pseudomedizin im Praxisalltag – Janos Hegedüs analysiert Heilpraktiker-Angebote, GWUP-Blog vom 30.12.2025
Artikel: SkepKon-Video: Verschwörungsdenken verstehen – Vortrag von Alexander Wolber, GWUP-Blog vom 15.12.2025
Artikel: Neu von der SkepKon 2025: Vortrag von Ilse Jacobsen zum biologischen Geschlecht – jetzt als Video, GWUP-Blog vom 01.12.2025
Artikel: Video zur SkepKon 2025: Ein skeptischer Blick auf die Finanzwelt – Panel mit Gerd Kommer und Holger Kreymeier, GWUP-Blog vom 18.11.2025
Artikel: Dr. Gerd Kommer auf der SkepKon 2025: Warum Finanzjournalismus oft zur „Finanzpornografie“ wird, GWUP-Blog vom 03.11.2025
Artikel: SkepKon-Video #6: Ganz natürlich und ohne Chemie? – Prof. Dr. Sascha Skorupka entlarvt die Mythen alternativer Reinigungsmittel, GWUP-Blog vom 20.10.2025
Artikel: Video #5 der SkepKon 2025 mit Ali Hackalife: „Hack me if you can! – Betrug entdecken und verstehen“, GWUP-Blog vom 06.10.2025
Artikel: SkepKon-Video Nr. 4: Cornelius Courts entkräftet den Mythos vom DNA-Geruchssinn bei Hunden, GWUP-Blog vom 22.09.2025
Artikel: SkepKon-Video #3: „Der pathologisierte Andere: Trump und seine Wählerschaft“ von Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler, GWUP-Blog vom 08.09.2025
Artikel: Zweites SkepKon-Video: Panel „Dialog oder Distanz – Mit wem sollten Skeptiker sprechen?“ zu Varnans Auftritt bei Jasmin Kosubek, GWUP-Blog vom 25.08.2025
Artikel: Es geht los: Das erste Video der SkepKon 2025 ist online! – Panel-Diskussion „Hexenjagd 2.0“ mit Marie-Luise Vollbrecht, GWUP-Blog vom 11.08.2025
Hinweis:
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Der Academic Freedom Index (Update 2026) ist herausgekommen. Er wirft jährlich einen weltweiten Blick auf den Zustand der Wissenschaftsfreiheit und zeigt, wie sich die Situation in einzelnen Ländern entwickelt.
Die Conclusion des Berichts beginnt mit den Worten:
This year’s report demonstrates that academic freedom continues to deteriorate in more countries than those where it is improving. Between 2015 and 2025, academic freedom declined in 50 countries, whereas only 9 countries experienced improvements.
In einer Weltkartenansicht kann man sich die Werte für jedes Land ansehen und mit dem Stand von 2015 vergleichen.
Die sind in dem Ranking seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump massiv abgerutscht und gehören nun zu den unteren 30 bis 40 Prozent der Länder, sagt Lars Lott. Er ist Politikwissenschaftler an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, die federführend an dieser Auswertung beteiligt ist. „Wir sehen in unseren Daten ganz klar, dass die Wissenschaftsfreiheit, insbesondere auch die institutionelle Autonomie der Hochschulen, mit dem Machtantritt Trumps und den Maßnahmen der Bundesregierung dramatisch abgestützt ist.“
Und wie sieht es in Deutschland aus?
Hier gehört man zwar noch der Spitzengruppe der oberen 20 Prozent an. Zu den Top Ten zählt man aber seit letztem Jahr nicht mehr. Die Forscher verzeichnen für die Bundesrepublik insgesamt einen leichten Rückgang.
Ein Grund dafür: Universitäten geraten häufiger unter politischen oder gesellschaftlichen Druck.
So würden Universitäten immer häufiger von außen unter Druck gesetzt, etwa wenn gefordert werde, dass „bestimmte Veranstaltungen, beispielsweise im Kontext des Themenkomplexes Gaza-Krieg abgesagt werden“.
Hinzu kommen strukturelle Probleme im Wissenschaftssystem:
Außerdem führe der befristete Status vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Universitäten dazu, dass sie weniger frei forschen könnten, „als es der Fall wäre, wenn sie eine Dauerperspektive hätten“. Denn wer darum bangt, dass sein Vertrag verlängert wird, der äußert sich vielleicht seltener kritisch als ein festangestellter Mitarbeiter.
Es gibt aber auch positive Entwicklungen. In einigen Ländern verbessert sich die Lage wieder:
Trotzdem sieht der Politikwissenschafter Lars Lott durchaus positive Effekte. „Wir sehen in Polen oder auch Brasilien, dort, wo radikal rechte Populisten abgewählt werden, dass die Wissenschaftsfreiheit sich erholen kann.“
Artikel: Wissenschaftsfreiheit in Deutschland leidet, Spiegel vom 13.03.2025
Artikel: Wissenschaftler verlassen die USA – Deutschland profitiert, BR vom 22.12.2025
Artikel: Amardeo Sarma beim hpd: „Wissenschaftsfreiheit: Lehren aus Harvard für Deutschland“, GWUP-Blog vom 10.06.2025
Artikel: BMBF und Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit einer gemeinsamen Erklärung für Wissenschaftsfreiheit, GWUP-Blog vom 04.04.2025
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Diesmal unterhalte ich mich mit meinem lieben Freund Dr. Johannes Steinthaler. Wir beginnen bei der künstlichen Intelligenz und beschäftigen uns auch mit Moral, Kommunikation, dem Smartphone und der Frage, wann die Roboter die Weltherrschaft an sich reißen.
Inhalt:
Johannes Steinthaler stellt sich vor. [ab 0:00 min]
KI [ab 4:00 min]
Moral und Ethik bei Maschinen und bei Menschen [ab 22:00 min]
Kommunikation, Sprache und Pädagogik [ab 31:00 min]
Muss man überall mitreden können? [ab 36:00 min]
Schlusswort [ab 52:00 min]
Fragen, Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen gerne an skeptitalk@gwup.org
Artikel: „Ich war immer ein kleiner Rebell“: Oberfranke erhält Doktortitel mit 77 Jahren, Allgäuer Zeitung vom 30.05.2022
Artikel: Richard Wagner und der Antisemitismus: Gespräch mit Museumsleiter Dr. Sven Friedrich im Skeptitalk, GWUP-Blog vom 10.03.2026
Artikel: Skeptitalk: „Speer des Schicksals?“ – Hinter den Legenden um die Heilige Lanze, GWUP-Blog vom 16.02.2026
Artikel: „Die Sache mit den Ariern – oder: wie man sich eine Superrasse bastelt“: Neuer Skeptitalk von Onkel Michael, GWUP-Blog vom 03.02.2026
Artikel: Skeptitalk: Martin Luthers Antisemitismus und sein langes Echo, GWUP-Blog vom 19.01.2026
Artikel: Vorhersagen auf dem Prüfstand – Timur Sevincer in der neuen Skeptitalk-Folge, GWUP-Blog vom 22.12.2025
Artikel: Dunkle Symbole und krude Weltbilder: Neuer Skeptitalk zur Mystik der SS, GWUP-Blog vom 09.12.2025
Artikel: Okkulte Nazis, Heß‘ Friedensmission und die Abteilung „Siderisches Pendel“ in der neuen Skeptitalk-Folge, GWUP-Blog vom 25.11.2025
Artikel: Skeptitalk mit Stefan Uttenthaler: „Beweist ein Artikel die Existenz von Alien-Sonden?“, GWUP-Blog vom 10.11.2025
Artikel: Kaspar Hauser im Skeptitalk: Rätsel, Theorien und homöopathische Experimente, GWUP-Blog vom 28.10.2025
Artikel: GWUP-Podcast Skeptitalk: Von den Pocken bis Corona – „Impfgegner gestern und heute“, GWUP-Blog vom 13.10.2025
Artikel: Skeptitalk: Der neue GWUP-Podcast ist da! Erste Folge mit dem Vorsitzenden André Sebastiani, GWUP-Blog vom 30.09.2025
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Aus der Mottenkiste pseudowissenschaftlicher Gadgets wieder aufgetaucht: Spritspar-Dongles
Steigende Kraftstoffpreise waren in der Automobilnation Deutschland schon immer große „Aufreger“ – als Begleiterscheinungen sind uns aufgeregte Schlagzeilen und aktionistische politische Forderungen ebenso sicher wie scheinbar einfache, von der Automobil- oder Mineralöl-Industrie unterdrückte technische Wunderlösungen …
So berichteten zuerst Heise1 und das Handelsblatt2 [am 16. März 2026] von aktuell zirkulierendem E-Mail-Spam, in dem versucht wird, kleine Dongles für die On-Board-Diagnostics-(OBD2)-Schnittstelle an den Mann zu bringen. Wenig später griffen auch Spiegel Online3, chip4 und Skeptix5 die Geschichte auf.
Die kleinen Dongles sollen die Motorsteuerung neu kalibrieren bzw. auf den speziellen Fahrstil des Fahrers anpassen und so bis zu 55% Kraftstoff gegenüber der „bewusst konservativ“ gewählten Applikation der Hersteller einsparen. Die Masche ist natürlich alles andere als neu, nutzlose Gadgets ähnlicher Art zirkulieren ebenso wie Aufkleber zum elektromagnetischen Entstören des Autos bereits seit Jahrzehnten. Nur musste vor den Zeiten der OBD2-Schnittstelle der Zigarettenanzünder für die Spannungsversorgung herhalten.
Ein besonders dreistes Exemplar für den Anschluss an die 12V-Versorgung des Zigarettenanzünders besteht nur aus einer LED sowie einem Kondensator und einigen Widerständen. (Foto: Philippe Leick)
Unter den zahlreichen Varianten des „magischen Auto-Tunings“678 handelt es sich im Grunde um die einfachste, denn die Kosten der Dongles sind überschaubar und der Einbau erfordert nicht einmal ein Öffnen der Motorhaube. Anders als bei den ähnlich „beliebten“ Magneten, die an den Kraftstoffleitungen angebracht werden und angeblich die langkettigen Kraftstoffmoleküle so orientieren, dass der Sauerstoff besonders gut an sie herankommt, gibt es keine oberflächlich plausible physikalische Erklärung. Stattdessen soll der Dongle auf der Ebene der Motorsteuerung wirken – vollkommen unbestritten ist natürlich, dass die Betriebsstrategie des Motors für dessen Effizienz, aber auch für Geräusche, Verschleiß und Abgasemissionen entscheidend ist.
Vor einigen Jahren hat die Zeitschrift c’t9 sich einige dieser „Schlangenöl-Stecker“ näher angeschaut und dabei keinerlei echte Funktion festgestellt – die Elektronik innerhalb der Dongles dient ausschließlich dazu, einige LEDs blinken zu lassen, die dem Fahrer vorgaukeln, der Dongle würde seine Arbeit verrichten.
Dieses OBD2-Exemplar enthält immerhin einen echten Mikrochip – vermutlich aber nur zur Ansteuerung der 3 LED. (Foto: Philippe Leick)
Etwas grundsätzlicher kann die Frage aufgeworfen werden, ob denn signifikante Einsparungen überhaupt möglich sind. Das Beschleunigen eines tonnenschweren Metallkastens und die Überwindung des Luftwiderstandes benötigen viel Energie und der Effizienz von Verbrennungsmotoren sind durch den 2. Hauptsatz der Thermodynamik Grenzen gesetzt, das theoretische Maximum liegt für einen Benziner bei ca. 60% und für einen Diesel um 67%. In der Praxis sorgen vor allem Reibung und Wärmeverluste, aber auch die erforderliche Schonung der Bauteile sowie Grenzwerte für die Abgasemissionen dafür, dass die reale Effizienz nur ungefähr halb so hoch ist. Mit der angepriesenen Einsparungen von bis zu 55% würde das Auto die theoretische Bestmarke knacken!
Das alleine wäre schon ein sehr gewichtiger Grund für massive Skepsis, hinzu kommt aber noch, dass es keine Wirkung ohne Nebenwirkung gibt. Denn tatsächlich ist jeder Betriebspunkt im Motorkennfeld ein Kompromiss zwischen verschiedenen Anforderungen: Dem Fahrgefühl und dem Motorgeräusch, dem Kraftstoffverbrauch und der Zusammensetzung des Abgases bzw. den Bedürfnissen des Katalysators. Daher gibt es fast immer denkbare Maßnahmen, um den Kraftstoffverbrauch zu senken, wobei die mögliche Größenordnung eher bei 10% als bei 55% liegt. Doch diese Maßnahmen haben ihren Preis, höhere Effizienz geht oft mit höherer Belastung der Komponenten, einem lauteren Verbrennungsgeräusch und vor allem deutlich erhöhten Emissionen von Stickoxiden einher. Für die gutgläubigen Kunden ist es daher Glück, dass die Stecker nicht in der Lage sind, mit der Betriebsstrategie des Motors zu pfuschen: Das würde nämlich die Betriebserlaubnis erlöschen lassen bzw. wie bei legalem Tuning eine Genehmigung vom Kraftfahrtbundesamt voraussetzen.
Warum schwören manche Kunden dennoch auf die Stecker und berichten von tatsächlich geringerem Kraftstoffverbrauch? So gut wie sicher liegt das am Placebo-Effekt, wie der ADAC10 ausführt. Womöglich passt man in Erwartung des optimierten Motors vorsorglich das eigene Fahrverhalten an. Dies illustriert eine Anekdote aus der Forschungsabteilung, in der ich früher gearbeitet habe und die mir glaubwürdig kolportiert wurde. Dort kam es öfters vor, dass vermeintliche Wunderlösungen bewertet werden mussten, worauf die Fachleute, denen klar war, dass nichts herauskommen würde, verständlicherweise wenig Lust hatten. Bei einer dieser Gelegenheiten wollte man keine teuren Versuche am Motorprüfstand spendieren und überredete daher den Sekretär des Abteilungsleiters, sich das Gerät ins private Auto einbauen zu lassen und fortan Fahrtenbuch zu führen. Als es zur Auswertung kam, staunte man nicht schlecht, denn der Verbrauch war deutlich geringer. Das Rätsel konnte aber im Gespräch schnell gelöst werden: Der technisch wenig versierte Sekretär hatte derart Respekt vor dem „High-Tech-Teil“, das man ihm eingebaut hatte, dass er sich nicht mehr traute, richtig Gas zu geben!
Zum Schluss lohnt es sich an dieser Stelle, die wirksamen Ratschläge aus dem ADAC-Video zu wiederholen: Vorausschauende Fahrweise, guter Zustand des Fahrzeugs, ausreichend Luftdruck in den Reifen (ruhig etwas mehr als angegeben), kein unnötiges Gewicht im Kofferraum mitführen und schon gar keine momentan nicht benötigten Gepäck- oder Fahrradträger spazieren fahren. Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass kurze Strecken auch zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können und auch öffentliche Verkehrsmittel oft eine gute Alternative sind.
Die offene Zukunft und ihre Freunde: Klimakatastrophe, KI-Apokalypse, Kriege – Die Welt scheint aus den Fugen geraten
Im Humanistischen Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz (hbbk) findet ein Vortrag zur Lage der liberalen Demokratie statt. Diese steht derzeit von vielen Seiten unter Druck. Wie ein Blick nach vorne dennoch gelingen kann, zeigt Florian Chefai vom Hans-Albert-Institut.
Zeit: Dienstag, 24. März, ab 19:00 Uhr
Ort: hbbk, Zähringerplatz 12, Konstanz
Eintritt: 8 € (5 € für Mitglieder, Schüler & Studenten. Frei für Premium-Mitglieder.)
Angesichts der großen Herausforderungen blicken westliche Gesellschaften immer pessimistischer in die Zukunft und verlieren das Vertrauen in die liberale Demokratie.
Doch wie sieht ein realistisches Zukunftsmodell aus? Lässt sich die Zukunft überhaupt vorhersagen oder ist sie prinzipiell offen? Was bleibt übrig von den Fortschrittsverheißungen der Aufklärung? Florian Chefai, wissenschaftlicher Koordinator des Hans-Albert-Instituts (HAI), wird diese Fragen aus der Perspektive des Kritischen Rationalismus beleuchten.
Ort: Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, Nürnberg
Eintritt: 10 € (ermäßigt 6,5 €)
Die Zeitschrift Lancet veröffentlichte 2014 mehrere Berichte, die zu dem Ergebnis kamen, dass 85% der Aufwendungen für biomedizinische Forschung sinnlos sind. Dieser erschreckend große »waste« setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Dazu gehören schlechte Forschungsplanung, nicht nachvollziehbare Ergebnisse, Überinterpretation der Daten, ebenso wie die verschiedenen Spielarten der Forschungsfälschung. Dieser Vortrag wird die einzelnen Stufen der Entstehung biomedizinischer Forschungsergebnisse, insbesondere die für Patienten relevanten Schritte der Forschung analysieren. Es wird an konkreten Beispielen aufgezeigt, dass das Problem der nicht glaubhaften Daten in der Medizin viel größer und umfassender ist, als angenommen. Im Vortrag wird erklärt, warum die verschiedenen Arten der Verstöße gegen Grundsätze der Wissenschaft in der Medizin nicht nur das Vertrauen der Menschen in das »System Medizin« zerstören, sondern auch zu einer gespaltenen, für Fake News und Populismus anfälligen Gesellschaft beitragen.
Die Zuhörer werden nicht nur angeleitet, unseriöse medizinische Wissenschaft zu erkennen, sondern auch informiert, wie mögliche Problemlösungen aussehen könnten. Zentral steht dabei die Forderung im Raum, dass das einzige Kriterium zur Bewertung der medizinischen Leistung der Nutzen für den Patienten (und nicht für das »System Medizin«) sein darf.
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Jürgen Habermas: Ein Nachruf aus skeptischer Perspektive
Jürgen Habermas ist tot – und mit ihm verliert die Bundesrepublik nicht nur ihren vielleicht letzten großen Philosophen, sondern auch den wichtigsten Theoretiker einer Öffentlichkeit, die auf Gründe vertraut. Für die skeptische Szene ist dieser Verlust mehr als eine kulturpolitische Randnotiz. Habermas hat nie über Wünschelruten, Homöopathie oder Verschwörungsglauben geschrieben – und doch bildet sein Denken einen der stillen Grundpfeiler dessen, was kritisches Denken im öffentlichen Raum überhaupt erst möglich macht.
Denn Habermas’ Werk war nie Elfenbeinturm. Seine „Politik der Gründe“ war ein Gegenentwurf zu genau jener Entwicklung, die Skeptiker seit Jahren beobachten: der Erosion einer Öffentlichkeit, in der Argumente zählen; der Verschiebung vom rationalen Diskurs zur strategischen Kommunikation; der wachsenden Dominanz von Emotion, Empörung und Identität über Prüfung, Evidenz und Verständigung.
Habermas hat beschrieben, was fehlt – und Skeptiker erleben täglich die Folgen dieses Mangels.
Habermas für Skeptiker: Warum sein Denken uns näher ist, als es scheint
Habermas hat etwas formuliert, das in der skeptischen Szene oft intuitiv gelebt, aber selten explizit benannt wird: Rationalität ist keine individuelle Fähigkeit, sondern eine soziale Praxis.
Deliberation als angewandte Rationalität
Habermas’ zentrale Idee war einfach und radikal zugleich: Legitimität entsteht nicht durch Autorität, sondern durch das bessere Argument. Das ist exakt der Kern skeptischer Arbeit – nur dass Skeptiker ihn meist auf Wissenschaft, Medizin oder Evidenz anwenden, während Habermas ihn auf die politische Öffentlichkeit bezog.
Öffentlichkeit als epistemischer Raum
Für Habermas war Öffentlichkeit kein Marktplatz der Meinungen, sondern ein Raum, in dem Gründe geprüft werden können. Damit beschreibt er genau das, was skeptische Organisationen seit Jahrzehnten versuchen zu kultivieren: Transparenz statt Andeutung, Prüfbarkeit statt Behauptung, Revisionsbereitschaft statt Dogma, Verständigung statt Identitätskampf.
Gegenentwurf zur Manipulation
Habermas hat früh erkannt, wie systemische Verzerrungen – ökonomische Interessen, strategische Kommunikation, mediale Logiken – die Verständigung untergraben. Was er theoretisch beschrieb, begegnet Skeptikern täglich praktisch: Desinformation, pseudowissenschaftliche Heilsversprechen, politisierte Wissenschaftskommunikation, Echokammern.
Wenn Gründe ihre Kraft verlieren, entsteht ein Vakuum, das von Manipulation gefüllt wird.
Der Mangel der Gegenwart: Warum Habermas’ Stimme heute dringender wäre denn je
Habermas’ Tod fällt in eine Zeit, in der seine zentrale Diagnose kaum aktueller sein könnte: Die politische Öffentlichkeit verliert ihre Fähigkeit zur Verständigung. Nicht, weil Menschen dümmer geworden wären, sondern weil die Bedingungen, unter denen Gründe wirken können, erodieren.
Politik ohne Gründe – nur noch Taktik, Affekt, Identität
Der politische Diskurs hat sich von der Idee der Begründung entfernt. Was zählt, ist nicht mehr das Argument, sondern die Wirkung. Für Skeptiker ist das kein abstraktes Problem, sondern der gleiche Mechanismus, der Pseudomedizin und Verschwörungserzählungen stark macht.
Medienlogiken, die Konflikt belohnen und Gründe entwerten
Aufmerksamkeit schlägt Argument, Zuspitzung schlägt Differenzierung, Empörung schlägt Evidenz. Die skeptische Szene kennt diese Dynamik aus der Wissenschaftskommunikation: Komplexität wird zur Schwäche, Vereinfachung zur Währung.
Fragmentierte Öffentlichkeiten – und der Verlust gemeinsamer Maßstäbe
Die digitale Öffentlichkeit ist kein gemeinsamer Raum mehr, sondern ein Nebeneinander von Teilöffentlichkeiten. Damit verschwindet etwas, das Habermas für unverzichtbar hielt: ein gemeinsamer Maßstab für Gründe.
Was die skeptische Szene aus Habermas’ Werk lernen kann
Habermas hinterlässt ein theoretisches Gebäude, das weit über politische Philosophie hinausreicht. Für die skeptische Szene ist es ein Angebot – und eine Herausforderung.
Kritisches Denken ist mehr als Faktenprüfung – es ist eine soziale Praxis
Rationalität entsteht nicht im Kopf, sondern im Austausch. Sie braucht Räume, in denen Gründe gelten können – und Menschen, die bereit sind, sie zu hören.
Skepsis braucht Öffentlichkeit – und Öffentlichkeit braucht Regeln
Die skeptische Szene arbeitet an der Infrastruktur einer deliberativen Öffentlichkeit: durch verständliche Wissenschaftskommunikation, durch das Einfordern von Transparenz, durch die Kritik an manipulativen Narrativen.
Die „Politik der Gründe“ ist der Gegenentwurf zu Desinformation
Verschwörungserzählungen gedeihen dort, wo Gründe ihre Kraft verlieren. Die skeptische Szene begegnet diesem Verlust täglich – und hält dagegen.
Ein Verlust – und ein Auftrag
Jürgen Habermas war kein Philosoph der schnellen Antworten, sondern einer der geduldigen Herausforderungen: der Herausforderung, Gründe ernst zu nehmen; der Herausforderung, Verständigung nicht aufzugeben; der Herausforderung, Öffentlichkeit als gemeinsamen Raum zu denken, auch wenn sie längst fragmentiert ist.
Für die skeptische Szene ist sein Tod kein Anlass für akademische Trauer, sondern ein Moment der Selbstvergewisserung. Denn vieles von dem, was Habermas theoretisch formuliert hat, begegnet Skeptikern täglich praktisch: die Erosion gemeinsamer Maßstäbe, die Verführung durch einfache Wahrheiten, die Macht strategischer Kommunikation über das bessere Argument.
Habermas hat uns nicht hinterlassen, wie man diese Entwicklungen aufhält. Aber er hat beschrieben, warum es notwendig ist, es zu versuchen.
Stammgast Leif war erneut zu Gast beim Podcast Alle Zeit der Welt. Thema ist der im Januar verstorbene Erich von Däniken. Die Episode umfasst mehr als drei Stunden und ist auf zwei Folgen aufgeteilt.
In dieser ersten Folge unserer zweiteiligen Däniken-Reihe nehmen wir seine Biografie unter die Lupe: die Kindheit im kriegsgeprägten Schaffhausen, die frühen Faszinationen, der lange Weg zum ersten Buch und die Frage, was von seinen Thesen geblieben ist, wenn man sie heute mit anderen Augen betrachtet.
Im zweiten Teil unserer Däniken-Biografie begleiten wir den erfolgreichsten Sachbuchautoren aller Zeiten durch Skandale, Triumphe und Goldene Bretter vom Kopf: Von der berüchtigten Ecuador-Affäre um eine nie gefundene Metallbibliothek über ein denkwürdiges Playboy-Interview bis zum gescheiterten Mystery Park in Interlaken und fragen: Was bleibt von 49 Büchern und 75 Millionen verkauften Exemplaren?
Der Beitrag sieht sich die Herkunft der in esoterischen Kreisen beliebten Leylinien an:
Die These eines durchaus anerkannten Laienforschers, des Hereforder Fotografen Alfred Watkins, dass sich vorgeschichtliche Straßen, die Leys, geradlinig durch die Landschaft zogen, wurde in den 1960er-Jahren mit dem Phänomen der UFOs und Ende dieses Jahrzehnts im psychedelischen Umfeld auch als Leylinie mit der Radiästhesie verknüpft. Durch die esoterische Literatur verbreitete sich die Vorstellung von der durch Erdkräfte befruchteten Landschaftslinie immer weiter, ohne dass die Protagonisten dieser Verbreitung noch die Ursprünge dieser Idee kannten. Der Aufsatz zeichnet diese Entwicklung nach.
Hier gibt es u. a. eine Überschneidung mit dem Däniken-Thema:
Eine weitere Besonderheit der deutschen Ley-Forschung ist der Einfluss der Prä-Astronautik, also der These, dass die vorgeschichtlichen Kulturen von Raumfahrern von fremden Planeten beeinflusst worden seien. Einzelne Ansätze zu einer solchen Ley-Deutung finden sich in der englischsprachigen Literatur (vgl. Temple 1977). Däniken (1993; 1997) übernahm Ley-Thesen des Dänen Preben Hansson (1990) sowie von Jens Möller (1988): Hier werden die Leys entweder als Flugbahnen Außerirdischer oder als Beleg für eine globale Erdvermessung in grauester Vorzeit betrachtet.
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Seit der Festnahme eines 20-Jährigen im Juni 2025 in Hamburg führen Verschwörungstheoretiker gelegentlich den Fall „White Tiger“ als Beleg für die Existenz von „Ritueller Gewalt / Mind Control“ (RG-MC) an. In der Realität haben diese beiden Sachverhalte allerdings nichts miteinander gemein.
Die Hintergründe des White Tiger
White Tiger war der Profilname eines 20-Jährigen, dem vorgeworfen wird, im Alter zwischen 16 und 19 Jahren über 120 Straftaten gegen acht Kinder und Jugendliche begangen zu haben. Er soll sich online das Vertrauen der Geschädigten erschlichen (sogenanntes „Cybergrooming“) und sie durch gezielte Manipulationen zu sexuellen und selbstschädigenden Handlungen im Internet verleitet haben. In mindestens einem Fall hätte er zudem ein Kind vor laufender Kamera in den Suizid getrieben.
White Tiger ist Mitglied des Netzwerks „764“ – einer kriminellen Online-Community, die Kinder und Jugendliche im Internet gezielt manipuliert und zu ähnlichen Taten motiviert wie im Fall von White Tiger. Die Community ist stark hierarchisch organisiert und besteht aus mehreren „Zellen“, die von sogenannten Cell Ownern geleitet werden und thematisch unterschiedliche Straftaten begehen. Die höchste Ebene bildet die „Inner Cell“, also Personen, die sich als besonders loyal gegenüber den Aktivitäten von 764 zeigen.
Ein Aufstieg zum Cell Owner oder sogar in die Inner Cell gelingt über eine längere Mitgliedschaft im Netzwerk und durch zahlreiche begangene Straftaten. Laut FBI laufen rund 250 Verfahren gegen Mitglieder von 764.
Das 764-Netzwerk ist seinerseits Teil des sogenannten Com-Netzwerks, das neben 764 zahlreiche andere gewaltverherrlichende Online-Gruppen umfasst, die es auf psychisch labile und leicht manipulierbare Kinder und Jugendliche abgesehen haben.
Nihilistisch, gewaltbereiter Extremismus
Seit dem Fall White Tiger kursiert das wissenschaftlich wenig beforschte und kriminologisch unscharfe Konzept des „nihilistisch gewaltbereiten Extremismus“ (engl. nihilistic violent extremism; NVE) in den Medien. Damit soll laut Felix Neumann, Referent für Extremismus- und Terrorismusbekämpfung der Konrad-Adenauer-Stiftung, das 764-Netzwerk treffend beschrieben werden.
Beim NVE geht es um eine Reihe von Überzeugungen und Einstellungen einer Person, die mit der Ablehnung der Gesellschaft, der Verherrlichung von Gewalt (selbstgerichtet und zwischenmenschlich) sowie dem Wunsch nach sozialer Instabilität, Chaos oder einem gesellschaftlichen Zusammenbruch einhergehen (Hart, 2026). Nihilistische Extremisten vertreten ein misanthropisches Weltbild, bei dem keine bestimmte Gruppe, kein konkretes Feindbild und kein politisches Ziel im Zentrum der Ideologie stehen. Vielmehr richtet sich der Hass gegen die Gesellschaft als Ganzes und um seiner selbst willen.
Laut Hart (2026) empfinden nihilistisch gewaltbereite Extremisten die moderne Gesellschaft als „entartet“ und sich in einer Krise befindend, die lediglich durch Gewalt überwunden werden könne. Das Leben ist aus ihrer Sicht allgemein nicht besonders wertvoll – auch nicht das eigene. Manche Personengruppen, etwa Juden, Feministen und Angehörige der LGBTQ-Community, gelten aus ihrer Sicht als besonders wertlos (ebd.).
An diesen Stellen gibt es im Übrigen immer wieder thematische Überschneidungen mit dem Rechtsextremismus. Nihilistisch gewaltbereite Extremisten sehen sich jedoch in der Regel nicht als Angehörige einer überlegenen „Rasse“ mit Herrschaftsansprüchen, sondern zeichnen sich eher durch einen allgemeinen Hass auf Menschen aus (ebd.).
Im Übrigen repräsentiert die Kultfigur des „Joker“ aus The Dark Knight (2008) zwar eine künstlerisch überzeichnete, im Kern jedoch zutreffende Darstellung eines nihilistisch gewaltbereiten Extremisten. Auch der Joker verfolgt keine politischen Ziele, sondern möchte Chaos stiften und das gesellschaftliche System einstürzen sehen. In einem Gespräch mit Bruce Wayne fasst der Butler Alfred das Grundmotiv des Jokers treffend zusammen: „Manche Männer wollen einfach nur die Welt brennen sehen.“
Ist White Tiger nun ein Paradebeispiel für Rituelle Gewalt / Mind Control?
Kurz und knapp: Nein! Das Vermischen dieser beiden Sachverhalte ist das Resultat einer typischen Verwässerung kriminologischer Konzepte, zu der Vertreter der RG-MC-Verschwörungstheorie gerne neigen. Kernelemente der RG-MC-Verschwörungstheorie sind die Idee der Existenz einer im Geheimen agierenden satanischen Elite, die über viele Jahre hinweg Kinder unbemerkt aufs Heftigste (sexuell) missbrauchen, dadurch deren Persönlichkeit in Teilpersönlichkeiten aufspalten und diese anschließend aus der Ferne steuern können.
Nichts dergleichen ist über 45 Jahre hinweg weltweit jemals auch nur ansatzweise belegt worden, wohingegen das 764-Netzwerk und sein Vorläufer bereits seit vielen Jahren bekannt sind und polizeiliche Ermittlungen zu handfesten Belegen für deren Aktivitäten geführt haben. Die Täter im 764-Netzwerk wenden auch keine „Mind Control“-Techniken im Sinne der RG-MC an, um ihre Opfer zu missbrauchen, sondern nutzen Manipulationsstrategien, die von pädokriminellen Tätern häufig eingesetzt werden und in der wissenschaftlichen Literatur seit Langem beschrieben sind.
Annäherungsstrategien durch das Erschleichen des kindlichen Vertrauens, soziale Isolation, das Herstellen emotionaler Abhängigkeit und Druckausübung sind typische Strategien pädokrimineller Täter, die auch im Fall White Tiger beschrieben wurden. RG-MC-Verschwörungstheoretiker werfen zudem häufig die Begriffe „organisierte“ und „rituelle“ Gewalt durcheinander.
Ersteres beschreibt ermittelbare Tätergruppen, die sich in Netzwerken (z. B. Pädophilenringe oder eben 764) organisieren, eigene Machtpositionen gegenüber ihren Opfern ausnutzen und dabei (wiederholt) Gewalt anwenden. Letzteres charakterisiert die Verschwörungserzählung einer Elitengruppe, die im Geheimen über viele Jahre hinweg schwerste Missbräuche unter Zuhilfenahme okkulter und satanischer Praktiken durchführen würden, ohne dass – abgesehen von einer kleinen, auserlesenen Gruppe – jemals jemand etwas davon mitbekommt. Auch das Konzept des NVE, das im Fall White Tiger aktuell diskutiert wird, hat inhaltlich wenig mit den Ideen der RG-MC-Verschwörungstheorie gemein.
Schlussendlich ist der Fall White Tiger und seine Hintergründe ein weiteres erschreckendes Beispiel dafür, wie ausgeliefert Kinder und Jugendliche Kriminellen im Internet heute sein können und wie wenig wir gegenwärtig für ihre digitale Sicherheit tun. Der Fall sensibilisiert einmal mehr dafür, wie wichtig es ist, mit unseren Kindern, Schülern und Schutzbefohlenen ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zu pflegen, Interesse an ihren Aktivitäten zu zeigen und gemeinsam mit ihnen den digitalen Raum zu erkunden.
Die Versuche von RG-MC-Verschwörungstheoretikern, eine Spur zu geheimen Eliten zu legen, die Kinder rituell missbrauchen und „Mind-Control“-Techniken anwenden würden, lenken von realen Problemen ab und binden wichtige Ressourcen an Nebelkerzen.
Literatur
Hart, M. B. (2026). ‘Less than a speck of dirt’: exploring the manifestos of nihilistic violent extremists. Behavioral Sciences of Terrorism and Political Aggression, 1-20.