Briefe gegen den Krieg Nr. 1 (24.4.2026)

Andere Sprachen, siehe das Original auf Englisch


Wir veröffentlichen diesen ersten Brief, nachdem wir Nachrichten über eine mächtige Streikbewegung in Indien erhalten haben, den ersten defensiven Massenstreik gegen die Folgen des Iran-Kriegs, gefolgt von einem Massenstreik in Haiti. Weitere proletarische Massenbewegungen werden folgen, wenn immer deutlicher wird, dass die sich verschlechternden Lebensbedingungen der Arbeiter weltweit durch eine zunehmende Anzahl von Kriegen verursacht werden, die den Weg für den Dritten Weltkrieg zwischen den Vereinigten Staaten, einer im Niedergang begriffenen Macht, und China, einer aufstrebenden imperialistischen Macht, ebnen. 

Unsere Initiative für diese Briefe spiegelt einen weiteren Aspekt dieses wachsenden Klassenbewusstseins auf Massenebene wider: das Aufkommen revolutionär gesinnter Einzelpersonen und Gruppen in verschiedenen Teilen der Welt. Nachdem wir zahlreiche Texte veröffentlicht haben, die die Kriege in der Ukraine, im Gazastreifen, im Nahen Osten, in Afrika und in Asien aus proletarischer Sicht analysieren, gehen wir mit diesen Briefen den nächsten Schritt.

Wir laden alle Interessierten ein, über die folgenden Artikel nachzudenken und uns ihre Kommentare mitzuteilen, sei es öffentlich oder privat. Mail an to:FredoCorvo@protonmail.com (Englisch, Deutsch, Französisch) oder an Aníbal:interreva98@gmail.com (Spanisch, Portugiesisch, Italienisch).

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Briefe gegen den Krieg Nr. 1 (24.4.2026)

Rezension zu Simon Sutterlütti / Stefan Meretz ‚Kapitalismus aufheben‘

Von Herman Lueer

Simon Sutterlütti und Stefan Meretz haben mit Kapitalismus aufheben ein ungewöhnliches Buch vorgelegt. Es ist weder ein klassischer politischer Programmentwurf noch eine rein akademische Monographie. Der Untertitel trifft den Anspruch genau: Es handelt sich um „eine Einladung, über Utopie und Transformation neu nachzudenken“. Das Buch will nach dem historischen Scheitern des Staatssozialismus und angesichts der Erschöpfung sowohl reformistischer als auch traditionell revolutionärer Modelle einen neuen theoretischen Rahmen eröffnen. Es verbindet dazu Kritik des Kapitalismus, Kritik herkömmlicher Transformationsvorstellungen, Utopietheorie, Anthropologie, Gesellschaftstheorie
und einen eigenen Entwurf des „Commonismus“.

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Rezension zu Simon Sutterlütti / Stefan Meretz ‚Kapitalismus aufheben‘

Indien: Erster massiver Abwehrstreik gegen die Folgen des Iran-Kriegs

Arbeiteraufstand in Indien

Seit dem 13. April tobt ein massenhafter Arbeiteraufstand in den südlichen Industriegebieten Delhis. Einerseits direkt gegen die Teuerungen aufgrund des Iran-Kriegs, andererseits war es seit Jahresbeginn in den Industriezentren immer wieder zu Arbeiterprotesten gekommen. Sie forderten kürzere Arbeitszeiten, höhere Mindestlöhne, höhere Überstundenzuschläge, ausstehende Lohnzahlungen und gleiche Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter wie für Festangestellte.

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Indien: Erster massiver Abwehrstreik gegen die Folgen des Iran-Kriegs

Konflikt im Nahen Osten: Der brüchige Waffenstillstand im Überblick

 

Von G.O. 11-4-2026

 

Vom Waffenstillstand nach Islamabad

Die heutige Phase des Kriegs im Nahen Osten wird nicht mehr vor allem durch Luftangriffe, Raketen und Militärmeldungen bestimmt. Im Mittelpunkt steht jetzt ein Widerspruch: Es gibt einen Waffenstillstand, aber noch keinen sicheren politischen Frieden. Der Krieg ist also nicht wirklich vorbei. Er hat nur seine Form verändert. Statt offener Angriffe geht es nun stärker um Sanktionen, Schifffahrtswege, Stellvertreterkonflikte und Machtfragen in der Region.

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Konflikt im Nahen Osten: Der brüchige Waffenstillstand im Überblick

Den Krieg im Nahen Osten verstehen: Klassenkampf und Imperialismus

English, Dutch, French, SpanishItalian and Portuguese (Brazil)

Die folgenden Thesen und ihre Erläuterungen sind Teil einer laufenden Diskussion, die bislang noch nicht zu einer vollständigen Einigung geführt hat. Angesichts der Dringlichkeit, einen rätekommunistischen Standpunkt zu diesem sich rasch entwickelnden Krieg zu veröffentlichen, werden wir diese Diskussion in Kürze fortsetzen. Sollten andere Beteiligten ihren Standpunkt veröffentlichen, werden wir hier darauf verweisen.

Über den gegenwärtigen Krieg im Nahen Osten, die Rivalität der Blöcke und die Aufgaben der Arbeiterklasse

Rätekommunistische Thesen, März 2026

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Den Krieg im Nahen Osten verstehen: Klassenkampf und Imperialismus

Thesen zur Revolution in Russland

Englisch, Französisch, Espagnol – Italian – Brazilian Portuguese, Niederländisch

Die folgenden Thesen sind das vorläufige Ergebnis einer Diskussion einiger Genossen und spiegeln die erzielten Übereinstimmungen wider. Damit sind einige Fragen geklärt, andere müssen noch diskutiert werden. Die Thesen konzentrieren sich auf Imperialismus und Isolation als wichtige Faktoren der russischen Revolution. Sie befassen sich nicht mit der internen Konterrevolution durch den Bolschewismus an der Macht, dessen Fehlern im Bereich des Staatskapitalismus und dessen Verbrechen gegen die Arbeiterklasse.

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Thesen zur Revolution in Russland

März 1921. Eine Geschichte von Mut, Widersprüchen und Zukunft

Spanisch

Im März 1921 spitzte sich in Mitteldeutschland ein harter Konflikt zu: Arbeiter kämpften für Würde, Sicherheit und politische Macht, während der Staat mit Polizei, Kontrollen und Härte reagierte. Wer nur auf das Ergebnis blickt, sieht eine Niederlage. Wer genauer hinsieht, erkennt auch etwas anderes: Lernprozesse, Selbstorganisation und den Versuch, aus Wut kollektive Kraft zu machen. Genau darin liegt die Bedeutung dieser Geschichte bis heute.

Im vergangenen Jahr ist ein interessantes Buch über die Märzrevolution von 1921 in Mitteldeutschland erschienen:  Berndt Langer, „Im Glauben an die Weltrevolution. Die Märzrevolte 1921”. Unrast Verlag.

Berndt Langer war nach dem Fall der Mauer jahrelang in der deutschen Antifa-Bewegung aktiv. Diese Bewegung war und ist, gelinde gesagt, unklar in ihrer Haltung gegenüber der bürgerlichen Demokratie und der Bildung einer Front mit bürgerlichen Kräften. Langers Studie erschien mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, von der keine Sympathie für den Rätekommunismus zu erwarten ist. Dies kommt auch in Randbemerkungen im Buch zum Ausdruck. Dennoch ist das Buch wegen seiner historischen Beschreibung der letzten großen Bewegung des revolutionären Proletariats in Deutschland interessant.

 Die Revolution vom März 1921 markierte die endgültige Niederlage, eine Niederlage, die durch den Aufstand von 1920 im Ruhrgebiet gegen den rechten Kapp-Putsch eingeleitet wurde. Aber jede Niederlage ist ein Fortschritt, wenn man aus ihr lernen kann. Das versuchen wir hier zu tun.

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März 1921. Eine Geschichte von Mut, Widersprüchen und Zukunft

Drei Beiträge zur Sozialisierung der privaten Haus- und Sorgearbeit

Frei erfundenes Plakat

Englisch

  1. Die „Initiative Demokratische Arbeitszeitrechnung“ (IDA) veröffentlichte mit dem Titel “Feministisch vergesellschaften?” einen Beitrag zur “Chance der Arbeitszeitrechnung für das Problem der privaten Reproduktionsarbeit”. Zur Beantwortung der Frage “Wie kann private Reproduktionsarbeit im Sozialismus vergesellschaftet werden?” analysiert der Text politische, kulturelle und strukturelle Besonderheiten privater Reproduktionsarbeit und will aufzeigen, inwiefern die Arbeitszeitrechnung (weiter AZR) ein Werkzeug sein könnte, sie ökonomisch und damit auch politisch anzuerkennen.
  2. Wir empfehlen useren Lesern diesen Artikel, nicht zuletzt wegen der kritischen Reaktion von Hermann Lueer. Lueer schrieb als Antwort an die IDA den Artikel Gesellschaftliche versus private Reproduktionsarbeit, oder: Wie man die marxistische Arbeitszeitrechnung ad absurdum führen kann. Lueer zieht aus seiner ausgezeichneten Analyse auf Grundlage der AZR im Sinne der Gruppe Internationaler Kommunisten (GIK) die Schlussfolgerung das “Der Versuch, private Reproduktionsarbeit moralisch aufzuwerten, ohne sie real zu vergesellschaften, die Arbeitszeitrechnung nicht erweitert, sondern systematisch unterläuft.” Lueer schlägt anstatt vor Reproduktionsarbeit real zu vergesellschaften (z. B. durch kollektiv organisierte Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Gemeinschaftsküchen, öffentliche Gesundheits- und Sorgeinfrastrukturen), wobei – wie im vorhergehenden Abschnitt gezeigt – diese Vergesellschaftung nur dann emanzipatorisch ist, wenn sie die Transparenz des Arbeitsaufwands wahrt und nicht unter dem beliebten Schlagwort ‘Nehmen nach Bedarf’ in die Aufgabe gesellschaftlicher Selbstverwaltung umschlägt.”
  3. Wir schließen uns dieser Kritik an mit dem folgenden bescheidenen historisch-theoretischen Beitrag zur Diskussion.

Kapitalistische Vergesellschaftung und kommunistische Sozialisierung

Das von der IDA angesprochene Problem ist real und kann nach einer proletarischen Machtübernahme in einem Gebiet mit ausreichenden Ressourcen angegangen werden. Die Erfahrungen aus der Russischen Revolution von 1917 sind aus verschiedenen Gründen leider begrenzt. Auf diese Gründe möchten wir in diesem kurzen Beitrag nicht alle erschöpfend eingehen. 

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Drei Beiträge zur Sozialisierung der privaten Haus- und Sorgearbeit

Gesellschaftliche versus private Reproduktionsarbeit

oder: wie man die marxistische Arbeitszeitrechnung ad absurdum führen kann

Von Hermann Lueer

Der vorliegende Text ist eine Erwiderung auf den Artikel der IDA – Feministisch vergesellschaften? Die Chance der Arbeitszeitrechnung für das ökonomische Problem der Reproduktionsarbeit –, in dem das von der GIK entwickelte Modell der Arbeitszeitrechnung durch die Einbeziehung privater Reproduktionsarbeit erweitert wird. 

Ausgangspunkt der Kritik ist nicht die politische Intention des Beitrags, sondern seine innere Logik: Der IDA-Ansatz greift zwar zentrale Kategorien der marxistischen Arbeitszeitrechnung auf, löst sie jedoch aus ihrem systematischen Zusammenhang. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass der vorgeschlagene Umgang mit privater Reproduktionsarbeit nicht zu einer Präzisierung oder Fortentwicklung der Arbeitszeitrechnung führt, sondern deren buchhalterische und gesellschaftstheoretische Grundbedingungen unterläuft.

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Gesellschaftliche versus private Reproduktionsarbeit

Das Proletariat zwischen imperialistischen Blöcken

Der Iran, Venezuela, Rojava und die USA im Kontext der Rivalität zwischen den USA und China


Die gegenwärtige Situation ist geprägt von einer beschleunigten Neugestaltung der imperialistischen Machtverhältnisse, die zunehmend vom Antagonismus zwischen den Vereinigten Staaten und China bestimmt wird. Dieser Antagonismus löst die bestehenden Hierarchien nicht ab, sondern reorganisiert sie und gestaltet Allianzen, untergeordnete Konflikte und regionale Kriege neu. In diesem Zusammenhang erscheint das Proletariat nicht als autonomes historisches Subjekt, sondern in erster Linie als soziales Material, an dem konkurrierende bürgerliche und imperialistische Strategien getestet und durchgesetzt werden.

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Das Proletariat zwischen imperialistischen Blöcken