US-Navy versenkt unbewaffnetes Schiff nach gemeinsamem Manöver

Das ist die Story. Die Marine von Indien hatte ein gemeinsames Manöver mit dem Iran und USA veranstaltet, mit Kulturaustausch, um den Frieden zu fördern. Die teilnehmenden Schiffe waren daher unbewaffnet, auch die iranische Fregatte IRIS Dena. Inzwischen haben die USA und Israel ohne Kriegserklärung den Iran überfallen, die Dena befand sich südlich der Insel Sri Lanka auf der Rückfahrt, deswegen wusste die US-Navy genau, wo das Schiff ist. Das US-Atomuboot Charlotte feuerte zwei Torpedos auf die Dena ab, eines davon traf, die Fregatte sank sofort, mit 180 Mann an Bord. Es gibt keine Überlebenden, weil die Charlotte entgegen den Bestimmungen des Seerechts davonfuhr, ohne irgendwelche Versuche zu machen, irgendwen zu retten. Die Marine von Sri Lanka konnte 87 Leichen bergen, weitere iranische Schiffe flüchteten in neutrale Häfen. Wievielen Kriegs- und Völkerrechtsverbrechen wollen wir noch zusehen? pic godl regierung von indien

Links, Rechts und der Antisemitismus

Wie kann man herausfinden, was Links, Rechts oder Mitte für Ansichten haben? Zur Demokratie, zum Antisemitismus, zur Verfassung? Indem man die Leute fragt: Wo stehst du, zwischen links- und rechtsextrem, und welche Ansichten hast du? Zu diesem Zweck wurden 2022 Berliner:innen befragt (das sind bei gut dreieinhalb Millionen ziemlich viele). Das ist das Ergebnis (PDF): Demokratie, Menschenrechte und Verfassung sind vor allem den Menschen im linken Spektrum (bis in den Linksextremismus) wichtig, während diese Werte im rechten Spektrum beinahe ausgestorben sind. Besonders erschreckend: im „konservativen“ Lager, das sich der politischen Mitte zurechnet, sind autoritäre Denkmuster, Bereitschaft zur Diskriminierung, Antiziganismus und Antisemitismus sehr verbreitet. Nochmal in einfachen Worten: Das sagen nicht irgendwelche eierköpfigen Elfenbeinturmbewohner, sondern die Leute auf der Strasse. Sieht so aus, als müssten sich Gesellschaft und Medien von der Vorstellung einer demokratiefeindlichen, stalinistischen, antisemitischen Linken verabschieden und statt dessen die Gefahr für unsere Verfassungsdemokratie wahrnehmen, die von der selbsternannten politischen Mitte ausgeht.

pic broadmark cc0

Der Ukraine-Krieg war vorher bekannt

Der britische Guardian berichtet heute von seiner Recherche mit über 100 Geheimdienstmitarbeiter:innen in den USA und UK zur Situation vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine: Demnach war Putins Angriffsplan drei Monate vor dem Tag des Überfalls bekannt – allerdings glaubten westliche Regierungen den Warnungen nicht. Bereits zu Beginn des Jahres 2022 waren die konkreten Angriffspläne bekannt, der Truppenaufmarsch, die Ziele. Zwei Wochen vor dem Angriff verliessen westliche Geheimdienste die Ukraine und vernichteten vertrauliche Daten. Während dieser ganzen Vorbereitungszeit versuchten westliche Regierungschefs, Putin von einem Krieg abzuhalten. Die Friedensverhandlungen begannen also schon vor dem Krieg. Tage vor dem Überfall wurden Funksprüche russischer Offizieren aufgefangen, wonach ihre in Stellung seien und bereit, nach Kyiv zu rollen. Am 24. Februar, noch vor Morgengrauen, begannen die russischen Raketenangriffe. Mit einem entschiedenen Eingreifen des Westens, etwa mit der Verlegung von Truppen in die Ukraine und entsprechenden Waffenlieferungen an das osteuropäische Land hätte der Krieg vermieden werden können. Aber niemand hatte den Geheimdiensten CIA und MI6 geglaubt, bis es zu spät war.

Der nächste Dieselskandal: Plug-In-Hybride

Vor wenigen Jahren waren so ziemlich alle PKW-Hersteller dabei erwischt worden, wie sie die Motor-und Abgassteuerung auf „abgasarm“ getrimmt hatten. Indem der Bordcomputer erkannte, ob das Auto beim typischen TÜV-Abgastest lief (wenig Abgase) oder in der Realität (dann viele Abgase). Ein paar wenige Auto-Manager wurden bestraft. Jetzt hat das Fraunhofer-Institut in Karlsruhe Plug-In-Hybride getestet (PDF), also Autos mit Verbrennungsmotor, die auch über Elektromotor und Batterie verfügen und an eine Steckdose angeschlossen werden können, um letztere abgassparend aufzuladen. Plug-In-Hybride verbrauchen nach Herstellerangaben ein bis zwei Liter Sprit auf 100km – in der Realität aber eher sechs Liter. Ein Skandal, oder? Wo bleibt der Aufschrei? Wer muss alles in den Knast für diese Form der organisierten Kriminalität? Da bin ich jetzt mal gespannt. pic
eutrophication&hypoxia
cc by

Wieviel sind NFTs eigentlich heute wert?

Wer von euch weiss noch was NFTs sind? War ja mal ne grosse Sache. Leute sind steinreich geworden damit. Einfach das Non-fungible token (NFT) von etwas in die blockchain hängen und dann für extremes Geld verkaufen. Tolle Sache, nicht? So hat zum Beispiel das Pop-Idol Justin Bieber (bild oben) einen Bored Ape aus Yuga Labs’ Bored Ape Yacht Club für 1,3 Mio USD gekauft. Vor vier Jahren. Jetzt ist das token noch ca 12.000 USD wert. Also rund ein Tausendstel. Im Gegensatz dazu kann man im frühen 2026 demnächst weder Grafikkarten noch RAM, SSDs oder Harddisks bekommen. Sind mehr oder weniger ausverkauft, weil die AI-Konzerne immer noch grössere Datenzentren bauen. Mit geliehenem Geld. Um dann Patente zu bekommen wie Zuckerbergs Meta-Konzern, der uns eine künstliche Intelligenz anbieten will, die nach unserem Tod weiter postet. Also ob wir noch leben. Wer will das? Eine massive Umfrage unter 6000 CEOs (und anderen Executives in USA, UK, Deutschland und Australien) legt uns nahe, dass zwar praktisch alle KI verwenden, aber niemand damit Profit macht. Die tollen Einsparungen finden nicht statt. Trotzdem setzen Konzernchefs auf den aktuellen Fashiontrend, weil ja niemand zugeben will, dass man nochmal auf einen gelangweilten Affen aus einem Yacht Club reingefallen ist. Die Grössenordnung der Geldverbrennung kennen wir jetzt.

All your base – 25 Jahre

All your base are belong to us ist wirklich 25 Jahre alt (gestern) – ein Mem, das uns (mich zumindest) jahrelang verfolgt hat. Jamie (Zawinsky), der damals Netscape und Mozilla mit gegründet hat, war so freundlich, das Originalvideo mit dem Original-MP3 von „Invasion of the gabber robots“ von den Laziest Men On Mars zu unterlegen und zu reposten. Die Bilder stammen aus dem legendär schlecht übersetzten japanischen Game Zero Wing von 1989 (Arcade) und 1991 (Sega Mega Drive). Fuck, das war 2001, da hatte ich noch nen Internetzugang via AOL, hatte Y2K und 9/11 miterlebt (letzteres lief im TV, als ich in München bei nem Internetverlag arbeitete), da kam All Your Base genau richtig. Was meint ihr, was ist das passende Mem für early 2026?

Warum Abnehmen durch Sport so schlecht funktioniert

Warum nehmen wir nicht ab, trotz Bewegung, Sport, Training? Weil, wie eine in Current Biology veröffentlichte Studie nachweist, unser Körper immer noch in den Savannen Ostafrikas lebt. Da, wo unsere Spezies herkommt. Sobald wir uns nämlich stärker bewegen, anstrengen, Ausdauer und Muskeln aufbauen wollen, schaltet unser Steinzeitkörper in den Notfallmodus und fährt andere Verbraucher runter. Sowas wie Heilung, Erneuerung. Deswegen steigt der Kalorienumsatz in Summe nur wenig. Klar, Bewegung ist gut und für uns superwichtig. Jeder gelaufene Kilometer, jedes Treppenstockwerk sind positiv für unsere Gesundheit. Aber Abnehmen funktioniert nur über die Ernährung. Sowas wie kein Zucker, kein Getreide. Oder zumindest sehr wenig. Dafür jede Menge Pflanzen. Eben, was unser Savannenkörper eigentlich erwartet. Ok.

Eilmeldung: Sowjet-Basis auf dem Mars! Deep Red!

Es gibt auch noch gute Nachrichten: Wer erinnert sich noch an Iron Sky, diesen aufsehenerregenden finnischen, ähm, Dokumentarfilm um Nazis auf der Mondrückseite, Reichsflugscheiben und Neuschwabenland? Wir haben uns alle sehr amüsiert. War super. Jetzt kündigen die gnadenlosen Dokumentarfinnen (siehe Bild oben) die nächste Enthüllung an: Deep Red. Darin nämlich startet und verschwindet in den Sechzigern des 20.Jahrhunderts eine sowjetische Rakete mit Besatzung auf dem Weg zum Mars, und in der Gegenwart unternimmt ein US-Multimilliardär (wir nennen mal keinen Namen) eine Expedition zum roten Planeten, nur um dort eine sowjetische Marskolonie vorzufinden, regiert von einem gigantischen Computer: Deep Red. Klingt vielversprechend. Und noch besser klingt, dass die finnischen Enthüllungsfilmer nicht einen, sondern gleich drei (3!) Filme auflegen. Bin gespannt!

Fröhliches Pferd allerseits

Heute beginnt das Jahr des Pferdes. Zumindest sieht das die jahrtausendealte chinesische Kultur so. Auch für uns andere ein Grund zu feiern – schliesslich symbolisiert das Pferd Stärke, Freiheit, Leidenschaft, Energie. Können wir alles brauchen. Allerdings sind, laut der jahrtausendealten chinesischen Weisheit, bestimmte Dinge zu beachten und zu unterlassen, damit das herangallopierende Glück nicht ins Stolpern kommt: In den ersten fünf Tagen (seit heute) darf man nicht wischen, staubsaugen, Wäsche waschen (wahscheinlich auch nicht Geschirr spülen) um das positive Schicksal nicht wegzuwaschen. Und keine scharfen, spitzen Gegenstände benutzen, Messer, Scheren. Keine Scherben (Glas oder Keramik) verursachen. Um das neue Glück nicht zu zerschneiden. Ich seh schon, das wird nicht klappen. Nur gut, dass chinesische Mythologie auch sonst keine wirkliche Rolle in meinem Leben spielt (ich als Ratte bin da völlig rational eingestellt). Aber danke für den netten Feiertag. Mǎ Dào Chéng Gōng.

Das Land gehört niemandem, sondern allen

Grönland bekommt gerade sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien, so als Ablenkung von den Epstein Akten, die uns zeigen, wie die Reichen und Mächtigen einfach machen, was sie wollen. Einschliesslich sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Aber zurück zur grössten Insel der Erde, die aber lange nicht so gross ist wie auf unseren, von der Mercator-Projektion verzerrten Weltkarten. Die Bewohner des eisigen Eilands, fast ausschliesslich Inuit, haben nämlich ein sehr interessantes Verhältnis zum Thema Grundbesitz: Das Land gehört allen. Gemeinsam. Wenn man ein Haus bauen will, holt man sich von der Dorfgemeinschaft eine Genehmigung dafür. Wenn man es kaufen oder verkaufen will, ebenfalls. Der Boden unter dem Haus gehört einem nicht, man benutzt ihn nur. Das ist ein radikal anderes System als im „Westen“, wo Land genauso gehandelt werden kann wie ein Sack Kartoffeln. Mit den bekannten Problemen, Ich finde das Inuit-System besser und würde es gerne auch hierzulande einführen. Einfach, indem man beschliesst, dass Landeigentum ab sofort nur noch Landnutzung bedeutet. Damit fällt zum Beispiel Spekulation weg. Und die Gemeinschaft bestimmt, was auf einem Stück Land jeweils passiert: Wohnhaus, Fabrik, Acker, Spielplatz, Wald. Ich weiss, dieses Konzept ist so radikal anders als wir es gewöhnt sind, dass es im politischen Spektrum gar nicht erst vorkommt – selbst in hardcore-kommunistischen Staaten, die so autoritär und diktatorisch regiert werden, dass sie eigentlich dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden müssen, gehört das Land nicht allen, sondern dem Staat. Oder eben dem Diktator. Die Inuit machen das besser, und wir sollten von ihnen lernen.

pic antonio bovino cc by

Warum KI so grossartig ist. Und warum nicht

In einem Satz: Weil der Begriff falsch ist. Was? Wie? Der Begriff ist falsch. Was wir heute „KI“ (oder „AI“) nennen, ist nichts anderes als eine weiterentwickelte Form der Suchmaschine (so wie „Google“) mit einem Programmteil, der Wahrscheinlichkeit berechnet. Also eigentlich nichts aufregendes. Du stellst dem LLM (Large Language Model) eine Frage und die Suchmaschine klaubt sich aus dem Internet eine Antwort zusammen. Nichts daran ist intelligent. Das merkt man schon daran, dass nach aktuellen Tests bis zu 45% der „KI“-Antworten Fehler enthalten. Was, so viele? Ja, weil Suchmaschinen eben nicht intelligent sind. Und nie sein werden. Deswegen ist es auch eine brandgefährliche Idee, eine „KI“ in Kampfroboter (oder eben Drohnen) einzubauen. Kann enorm schiefgehen, wird es früher oder später auch. Wofür ist diese … Nicht-KI dann gut? Na, eben als Suchmaschine. In der Lagerhaltung (Logistik). Sachen zählen. Oder in der Forschung, etwa um in kurzer Zeit Millionen von Ergebnissen zu vergleichen. Tolle Sache. Nur sollten wir aufhören, diese Programme „intelligent“ zu nennen. Sondern „weiterentwickelte Suchmaschinen“. Das wäre gut. Nachteil: Der Hype um die angebliche „KI“, die angeblich alles kann, würde zusammenbrechen, und die KI-Konzerne wie OpenAi und alle anderen würden Pleite gehen, was die Weltwirtschaft (vor allem die der USA) in ein tieferes Loch stürzen würde als bei Y2K und Subprime zusammen. Nicht auszudenken. Noch mehr Austerität, noch mehr Flucht der einfachen Leute in autoritäre (rechtsextreme) Heilsversprechen. Und nicht einmal Arnie Schwarzenegger kann uns da raushelfen. Können nur wir. Aber das wisst ihr ja schon. pic ex machina

Kaffee verlängert das Leben

Eine Langzeitstudie der Universität von Navarra, Spanien zwischen 1999 und 2017 mit 43.000 Teilnehmer:innen ergab, dass die Sterblichkeit (egal welcher Grund) von Kaffeetrinkern (mindestens vier Tassen) um 64% niedriger liegt als bei Menschen, die keinen oder fast keinen Kaffee trinken. Erstaunlicherweise sank die Mortalität um weitere 30%, für jeweils zwei weitere Tassen pro Tag. Ja, natürlich kann man Kaffee überdosieren und mit Herzrasen und Bluthochdruck zusammenklappen, aber unterhalb dieser Menge ist Kaffee anscheinend besonders gesund. Ok. Ich mach gleich mal eine neue Kanne. Die erste für heute ist nämlich schon leer.

Jason erklärt, warum gefühlte Mehrheit so gefährlich ist

Jason zeigt uns sehr anschaulich in seinem Tiktok-Beitrag (ich hab das Video auf Bluesky verlinkt, damit ihr nicht Tiktok benutzen müsst), wie das menschliche Bedürfnis danach, Teil einer Gruppe und damit „normal“ zu sein, zu extremen Problemen führt. In unserer Gesellschaft. Zu verzerrter Wahrnehmung, zur Unterdrückung gefühlter Minderheiten, zu Gewalt. Er beginnt mit dem weit verbreiteten Cartoon, indem ein (gefühlter) Durchschnittsbürger in einem modernen Cafe nach schwarzem Kaffee fragt und der Barista ihm statt dessen unentwegt neue Modekaffeezubereitungen vorschlägt. Obwohl der Mann ja nur schwarzen Kaffee haben will. Haha, hihi. Allerdings, so beschreibt Jason, ist diese Situation aus der Luft gegriffen. Natürlich hat der Cartoon nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Allerdings, und hier wird es spannend, erzeugen neue Wahlmöglichkeiten tatsächlich in vielen Menschen das Gefühl, dass ihre eigene Einstellung sie auf einmal zu einer Minderheit macht. Wenn nicht gar zu einer Randgruppe. Und dann fällt einem ein, wie man bisher Randgruppen behandelt hat. Und das ist das Problem. Dass man Angst bekommt, so schlecht behandelt zu werden, weil man vielleicht selber zur Randgruppe gehört. Eben wie man selber bisher Randgruppen behandelt hat. Nämlich schlecht. Das tritt aber in der Realität nicht ein. Im Gegenteil. Man bekommt problemlos schwarzen Kaffee, Fleisch, Benzin, Heizöl, alles. Niemand hindert einen daran, seine Gewohnheiten beizubehalten. Aber die Angst davor führt dazu, dass viele Menschen aktiv gegen neue Wahlmöglichkeiten vorgehen. Alles Neue unterdrücken wollen. Gut erklärt, Jason. Danke.

Künstliche Intelligenz: Ja oder Nein?

Meine bevorzugte Suchmaschine DuckDuckGo hat seine Nutzer:innen befragt, ob sie die sogenannte Künstliche Intelligenz (AI) verwenden möchten oder nicht. Das Ergebnis ist eindeutig. Wozu auch. Diese Art von Computerprogrammen ist weniger intelligent als eine Stubenfliege und nur dafür gebaut, um alles, was sich im Internet befindet, zu kopieren (a.k.a. raubkopieren) und anschliessend zu raten, welche der kopierten Teile zusammenpassen könnten. Und das mit einem gigantischen technischen Aufwand und Ressourcenverbrauch. Warum macht „man“ das dann mit der KI? Weil die Vorstellung so unwiderstehlich ist, alle Informationsverarbeitung (Medien, Kultur, Wissenschaft) von einigen wenigen Maschinen machen zu lassen, die einigen wenigen Menschen gehören. Und alle anderen haben verloren. Unwiderstehlich ist diese Vorstellung natürlich nur für diese wenigen Menschen, nicht für uns andere.

Deswegen glauben Leute an Verschwörungstheorien

Eine aktuelle Studie der Psychologen Adrian FurnhamStephen CuppelloDavid S. Semmelink mit 253 Teilnehmern aus 4 Ländern enthüllt, aus welchen Gründen Leute an die unterschiedlichen Verschwörungstheorien glauben. Als gemeinsame Vorstellung wurde identifiziert, dass „da etwas vertuscht wird“, also die Öffentlichkeit über etwas getäuscht. Allen Verschwörungsgläubigen gemeinsam war eine geringe Toleranz für Uneindeutigkeit. Unsichere Menschen, die mit komplexen Antworten nicht zufrieden sind, halten sich dagegen gerne an eine beliebige Theorie – wenn diese nur behauptet, alle Antworten zu liefern. Ein weiterer Hauptgrund für das Akzeptieren von Verschwörungstheorien ist die Vorstellung, dass die Welt zutiefst ungerecht sei. Von da aus ist die Idee nicht weit, dass dies von Geheimorganisationen verursacht würde. Keinen Zusammenhang fanden die Forscher dagegen mit der Bildung oder Intelligenz der untersuchten Personen. pic pd us gov

Wozu wir Kohlebergwerke brauchen

Ja, richtig: Kohlebergwerke haben uns Industrialisierung, Dampfmaschinen, Stahlherstellung und damit den Imperialismus der letzten 200 Jahre eingebracht. Das war schlecht. Heute allerdings stehen die Minenschächte immer noch da. Unbenutzt. Dabei wären sie ausgesprochen wichtig für unsere Energieversorgung. Nein, nicht um noch mehr Kohle zu fördern, sondern um die Körbe, jetzt gefüllt mit irgendwelchem schweren Kram, bei Sonnenstromüberschuss hochzuziehen und sie dann, zum Beispiel nachts, wieder abzulassen und dabei elektrische Energie zu erzeugen. Oder eben zurückzugewinnen. Kohlebergwerksschächte sind grossartige Gravitationsbatterien. In Australien wird bereits ein stillgelegtes Bergwerk bei Russell Vale umgebaut zum Stromspeicher. Die australische Firma Green Gravity bietet ihr System weltweit an. Da gäbe es doch eine Menge Möglichkeiten, nicht wahr? pic Daniel Mennerich cc by nc nd

Bier zukünftig mit Impfstoffen

Der Virologe Chris Buck vom National Cancer Institute (NCI) in Maryland hat einen Weg gefunden, wie er Impfstoffe in Bier unterbringen kann. In der Bierhefe. Gegen Polyomaviren. Das Verfahren lässt sich aber bestimmt auch auf andere Viren ausweiten. Eine Horrorvorstellung für Impfgegner, nicht wahr?. Allerdings hofft Buck, dass mit seiner Methode mehr Menschen vor Krankheiten geschützt werden können als bisher. pic Felix cc by nc sa

Warum der Überfall auf den Louvre so einfach war

Bevor das in Vergessenheit gerät: Die Kleinkriminellen hatten beim Überfall auf den Louvre am 19. Oktober leichtes Spiel, weil sie vorher die Überwachungsanlage ausgeschaltet hatten. Keine Kameras, nichts. Mon Dieu! Wie war das möglich? Das Passwort für die Security war… “Louvre”. pic Pedro Szekely cc by sa

Willkommen im zweiten Vierteljahrhundert

Oder: Happy 2026! Das erste Vierteljahrhundert im neuen Jahrtausend hätten wir also geschafft. Und? Fühlt es sich an, als ob wir in der Zukunft leben? Fliegende Autos, Ferien auf dem Mond, Städte auf dem Meeresgrund? Anyone? Statt dessen Genozid, Faschismus und Krieg, und eine Klimakatastrophe, die immer härter wird und nur von den täglichen sonstigen Horrormeldungen überdeckt wird. Zum kotzen, really. Jetzt die gute Nachricht des Tages: „Die Oper ist nicht vorbei, bevor die fette Frau gesungen hat“. Hat jemand gesungen? Welche fette Frau überhaupt? WTF? In weniger blumigen Worten: Wir leben noch. Und solange wir leben können wir uns zusammenschliessen und gemeinsam dafür einsetzen, dass die Gräuel weniger werden. Wir können mit den CDUCSU-Wähler:innen (überwiegend Senior:innen) reden und mit dem desillusionierten AFD-Klientel, und sie damit konfrontieren, dass sie belogen werden. Von ihren jeweiligen Heilsbringern, die sich konsequent die eigenen Taschen vollstopfen. Rechts, Links, irgendwas, das gilt schon lange nicht mehr wirklich. Die meisten Leute wollen nur in Frieden leben, nur einige wenige Psychopathen wollen alles für sich, und machen dabei alles kaputt. Jetzt ist es an uns. Dass es besser wird. Happy 2026! pic pd ukraine

Held der USA

South Park Drehbuchautor Toby Morton hatte die richtige Nase: Als Trump damit anfing, ab Februar 25 den Verwaltungsrat des Kennedy-Center umzugraben und sich dann selbst zum Vorsitzenden küren liess, registrierte der erfahrene Satiriker im August die Domain trumpkennedycenter.org (und .com). Ja, nur um den orangegesichtigen Möchtegerndiktator zu trollen. Bravo. Seht euch die Website selber an und feiert Toby dabei. Schön, dass es South Park gibt!

Deswegen sind wir heute alle DJs

Frankie McNamara wohnt in Irland (das hört man) und erklärt uns hier, warum heute alle (zumindest in seiner Generation, Millennials und angrenzende) DJs sind. Nicht selber Musik machen, nicht selber Remixen, sondern nur noch Playlists austauschen. Das klingt depressiv, negativ, und gleichzeitig wird Frankie als Comedian gehandelt. Obwohl er nur Rants über sein Leben und die Welt um ihn youtubed. Ich denke, es ist nicht entscheidend, ob er mit allem Recht hat. Aber er zeichnet ein präzises Bild unserer aktuellen Gesellschaft und ihrem Umgang mit Kultur.

Was unsere Gesellschaft spaltet

Das wichtigste Interview der letzten Zeit: Der Soziologe Michael Hartmann erklärt im Dissens Podcast, dass es in Deutschland und anderswo eine Elite aus wenigen Tausend Menschen (überwiegend Männer) gibt, die ihren sozialen Status in der Familie weitergeben. Es gibt also keinen echten gesellschaftlichen Aufstieg durch Leistung seit der Kaiserzeit (pic: Wilhelm II, Gemälde v. Max Koner 1890) sondern Bürger:innen mit einem leichten Start und solche, die niemals auf einen grünen Zweig kommen werden. Hartmann hat Statistiken aus mehr als 100 Jahren Gesellschaftsentwicklung ausgewertet) zB in seinem Buch „Die Abgehobenen„) und zeigt, dass in der Weimarer Zeit ein Aufstieg durch Leistung leichter möglich war als heute. Hört euch den Podcast selber an, um zu verstehen, was unsere Gesellschaft spaltet. Die Äusserungen unserer politischen Führung werden dadurch verständlich.

Kling Klang: Half Life

Kling Klang haben nicht nur ihren Bandnamen aus den Tiefen des Krautrock gehoben, sondern auch jede Mange anderer Inspiration. Das – mittlerweile – Duo aus Liverpool aus Liveschlagzeug und Synthis (plus Gastgitarren) wäre im Progrock unterwegs, wenn nicht die ebenso hymnischen wie erfrischend atonalen Synthies da ganz andere Ideen hätten. Neues Album Half Life und leider aktuell keine Pläne, auf dem alten Kontinent zu touren.

Ukraine: Horror gegen Putin

Die Ukraine wurde im Februar 2022 von Russland überfallen und ist seither einem Vernichtungskrieg und anhaltenden Terrorangriffen gegen die Zivilbevölkerung ausgesetzt. Das osteuropäische Land wehrt sich verzweifelt, muss aber das Trauma eines versuchten Genozids verkraften. Die ukrainische Filmemacherin Iryna Kostyuk trägt zur Verarbeitung bei, indem sie eine Serie von Horrormovies (oben: The Witch: Revenge) produziert, in welchen junge Ukrainerinnen aus Verzweiflung zu schwarzer Magie greifen und mit drastischen Splattereffekten russische Soldaten niedermetzeln. Was den Zuschauenden Momente der Befreiung und Erleichterung verschafft. Slava ukrajini, aus angemessener feministischer Perspektive.

Bruise Blood: You Run Through the World Like An Open Razor

Mike Bourne (Bruise Blood) wohnt in London und schraubt uns aus Elektro, IDM, Techno, Acid House und dem Musikgenre, das wir mangels passenderer Begriffe „Experimentell“ nennen, ein Album zusammen. Mit einem Saxofon im opening track, das nicht nervt. Im Gegenteil: 9 Tracks belebende elektronische Unterhaltung.

Happy Halloween!

Süsses oder Saures – müsst ihr euch selber überlegen, da misch ich mich nicht ein. Ich finds einfach erfrischend, mal einen Feiertag zu haben (wie jedes Jahr), der nichts mit der christlichen Mythologie und ihrem Missbrauch zu tun hat. Ja, richtig, mir geht diese verlogene Pharisäerbande (um mal im Sujet zu bleiben) von Möchtegernchristen und ihre Rechtfertigung von Ausbeutung, Vergewaltigung und Mord mit einem lapidaren „deus vult“ nach wie vor flott auf die Nerven. Echt, keiner aus diesem De-Facto-Todeskult hat je die Bergpredigt gelesen. Um so schöner, wenn sich ein Popkultur-Feiertag um Kürbisse, Masken, Geister und anderen Gothic-Kram dreht. Happy Halloween, ihr Fledermäuse! pic brenkee cc0