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Ausgabe 10/2026

Berufliche Grundbildung

95%-Ziel: Standortbestimmung nach 20 Jahren

95% aller 25-Jährigen sollen einen Abschluss auf Sekundarstufe II haben. Dieses Ziel wurde vor 20 Jahren deklariert, aber nie erreicht. 2023 lag die Quote bei 90,2%. Was ist zu tun? Darüber haben sich Fachleute von Bund, Kantonen und Wirtschaft an einer Tagung ausgetauscht. Im Nachgang äussern sich zwei Vertreter/innen der EDK zum Thema. Generalsekretärin Klára Sokol betont im Interview mit dem Einsteiger, die Schweiz stehe im internationalen Vergleich gut da. Sie müsse aber mehr tun für Jugendliche aus wirtschaftlich oder sozial benachteiligten Verhältnissen. Der stv. Generalsekretär Peter Marbet schreibt im EDK-Blog, die Berufsbildung sei der entscheidende Erfolgsfaktor. Kantone mit starker Berufsbildung kämen dem Ziel deutlich näher als solche mit hoher Gymnasialquote.

Kaufleute EFZ: Erstmals vollständig digital geprüft

2023 startete die reformierte kaufmännische Grundbildung. Sie brachte die konsequente Ausrichtung auf Handlungskompetenzen. Anfang Juni 2026 absolvierte der erste Jahrgang (rund 10'000 EFZ-Lernende) das Qualifikationsverfahren nach den neuen Vorgaben – und dies vollständig digital. Das Prüfungssetting setzte auf «Open Book» und «Open Internet», um reale Arbeitssituationen und die Anwendung von Wissen im digitalen Umfeld zu prüfen. Wie der Kaufmännische Verband Schweiz mitteilt, war das erste digitale Qualifikationsverfahren ein Erfolg. Ihm gingen ein mehrjähriger Vorbereitungsprozess, ein nationaler Stresstest mit 5000 Teilnehmenden und zahlreiche Probeprüfungen voraus. Nun werden die Erfahrungen ausgewertet und die Prüfungen an neue Entwicklungen – insbesondere KI – angepasst.
Medienmitteilung

EHB: Sammelband zur Berufsmaturität

Ein Sammelband der EHB bietet umfassende Einblicke in die Berufsmaturität. Wie ist sie entstanden? Wie hat sie sich entwickelt? Wie ist sie ins Bildungssystem eingebettet? Der Band enthält theoretische Ausführungen und wissenschaftliche Analysen, lässt aber auch Lernende zu Wort kommen. Porträts zeigen exemplarisch, wie vielfältig und individuell die Bildungswege von Berufsmaturandinnen und -maturanden verlaufen. Der Sammelband dient als Lehrbuch in berufspädagogischen Bildungsgängen. Er versteht sich aber auch als Inspirationsquelle für Lehrpersonen und andere Bildungsfachleute, welche die Berufsmaturität weiterentwickeln wollen.

TBBK: Sitzungsbericht vom Mai 2026

Die Tripartite Berufsbildungskonferenz (TBBK) hat an ihrer Sitzung vom 13. Mai 2026 zu den laufenden Arbeiten im Rahmen der Roadmap «Attraktivität der Berufsbildung» Stellung genommen. Dabei hat sie den ersten Entwurf des Orientierungsrahmens zur Künstlichen Intelligenz und die geplante Umsetzung des Projekts zur Regulierungsüberprüfung diskutiert. Zudem hat sie sich im Zusammenhang mit dem geplanten Förderschwerpunkt «Betriebliche Bildung» über Erfahrungen der Lehrstellenförderung im Kanton Zürich informieren lassen und die Eckwerte der strategischen Mehrjahresplanung 2029-2032 der EHB diskutiert.
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Höhere Berufsbildung und Weiterbildung

SVEB: Chatbots halten Einzug in die Weiterbildung

Welche Chatbots gibt es im Bereich der Weiterbildung? Was leisten sie und wie verändern sie die Weiterbildung? Diesen Fragen geht der SVEB in einem Artikel nach. Identifiziert werden fünf Einsatzfelder: Information, Matching, Laufbahnberatung, Lernbegleitung und Kompetenzerkennung. Der Artikel enthält Links zu Anwendungsbeispielen. Obwohl Bots bereits einiges leisten, sieht sie der SVEB eher als ergänzende Angebote; sie ersetzen das Gespräch mit Fachpersonen nicht. Es müssten noch viele Fragen geklärt werden, etwa: Wie verändern Bots die Rolle der Fachpersonen und wie können sie sinnvoll in die Beratungsstrukturen eingebettet werden?

Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen: Genehmigungen

Folgende Prüfungsordnungen (ohne Titeländerungen) wurden vom SBFI genehmigt:

  • Automobil-Werkstattkoordinator/in (BP)

  • Spenglerpolier/in (BP)

  • Spenglermeister/in (HFP)

Die Prüfungsordnungen werden im SBFI-Berufsverzeichnis aufgeschaltet.

Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung

Forschungsbericht: Berufsprofile werden hybrider

Das Nationale Forschungsprogramm «Digitale Transformation» (NFP 77) hat im Auftrag des Bundesrates die Chancen und Risiken des digitalen Wandels in Bildung, Arbeitsmarkt und Demokratie untersucht. Zwischen 2020 und 2025 wurden 46 Forschungsprojekte durchgeführt. Der Synthesebericht zeigt unter anderem auf, dass die digitale Transformation nicht primär zum Verschwinden von Berufen führt, sondern Tätigkeiten innerhalb bestehender Berufe verändert. Besonders digitale, analytische und soziale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung und Berufsprofile werden hybrider.
Medienmitteilung

dvb forum: Geisteswissenschaftler/innen am Arbeitsmarkt

Die deutsche Zeitschrift dvb forum beleuchtet in der Ausgabe 1/2026, welche Wege Geisteswissenschaftler/innen im Spannungsfeld von individueller Orientierung, Beratung und Arbeitsmarkt einschlagen. Die Beiträge analysieren Studienverläufe, Übergänge in den Arbeitsmarkt und die Rolle von Beratungsangeboten. Es wird dargestellt, wie Studierende berufliche Perspektiven entwickeln und dabei von Hochschulen unterstützt werden können. Ausserdem werden Herausforderungen beschrieben, die entstehen, wenn geisteswissenschaftliches Berufsverständnis auf die Logik der Arbeitsvermittlung trifft.

Stipendien für Nachholbildung: Nationalrat überweist Motion

Erwachsene, die eine Berufslehre oder eine Matura nachholen, sollen in allen Kantonen mit finanziellen Beiträgen unterstützt werden können. Mit 101 zu 90 Stimmen hat der Nationalrat am 1. Juni 2026 eine Motion angenommen, welche vom Bund Beiträge an die Kantone für die Vergabe von Studienstipendien und -darlehen im Bereich der Nachholbildung fordert. Bundespräsident Guy Parmelin verwies auf die alleinige Zuständigkeit der Kantone für das Stipendienwesen ausserhalb der Tertiärstufe. Die Motion geht nun in den Ständerat.
Medienmitteilung

Europäisches Rahmenkonzept für die Berufsberatung

Cedefop, das europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, hat ein Rahmenkonzept für lebensbegleitende Berufsberatung («lifelong guidance») veröffentlicht. Darin wird Berufsberatung als lebenslanger Prozess verstanden mit dem Ziel, Menschen zu befähigen, Karriereentscheidungen eigenständig zu treffen und sich laufend weiterzuentwickeln. Das Rahmenkonzept (in Englisch) will Ländern in Europa aufzeigen, wie sie ihre Berufs- und Bildungsberatung verbessern können. Es umfasst 18 Leitlinien, unter anderem zum Zugang zur Beratung, zur Professionalität der Berater/innen und zur Zusammenarbeit zwischen Bildungsanbietern und Ämtern.

BE: BIZ-Website neu mit Chatbot

Auf der Website der BIZ des Kantons Bern steht seit Anfang Juni 2026 ein zweisprachiger Chatbot zur Verfügung (Deutsch und Französisch). Er beantwortet erste Fragen zu Berufswahl, Ausbildung und Laufbahn. Ausserdem gibt er Auskunft über die BIZ-Dienstleistungen. Der Chatbot greift auf ausgewählte, öffentlich zugängliche Quellen zurück und berücksichtigt die gewünschte Sprachregion.

Arbeitsmarkt

14'000 Kulturschaffende weniger innerhalb eines Jahres

Im Jahr 2025 verringerte sich die Zahl der Kulturschaffenden in der Schweiz im Vergleich zu 2024 um 4,8%. Personen mit Kulturberufen innerhalb des Kultursektors (z. B. Musiker in einem Orchester) waren am stärksten betroffen (-7,8%), Personen mit einem Kulturberuf ausserhalb des Kultursektors (z. B. Grafikdesigner/innen in einer Bank) hingegen weniger stark (-4,7%). Einen geringen Rückgang (-1,6%) gab es bei den Beschäftigten im Kultursektor ohne Kulturberuf (z. B. Buchhalter in einem Museum). Der Rückgang der Anzahl Kulturschaffender betraf Männer stärker als Frauen und Schweizer/innen stärker als Ausländer/innen. Dies sind Ergebnisse des BFS.
Medienmitteilung

Statistiken zu den Psychologieberufen

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium erstellt im Auftrag des BAG neben den Statistiken aus dem Medizinalberuferegister (MedReg) auch Statistiken aus dem Psychologieberuferegister (PsyReg). Im PsyReg werden diejenigen Psychologinnen und Psychologen registriert, die über einen eidgenössischen oder einen anerkannten ausländischen Weiterbildungstitel in den Fachgebieten Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychologie, klinische Psychologie, Neuropsychologie oder Gesundheitspsychologie verfügen. Die interaktiven Statistiken geben Auskunft zu den Weiterbildungstiteln – nach Geschlecht, Alter, Weiterbildungstitel und Nationalität – sowie zu den Berufsausübungsbewilligungen.

Beschäftigungsbarometer im 1. Quartal 2026

Im 1. Quartal 2026 ist die Gesamtbeschäftigung (Anzahl Stellen ohne Landwirtschaft) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,5% gestiegen (sekundärer Sektor +0,1%, tertiärer Sektor +0,6%). Die Unternehmen meldeten 5,0% mehr offene Stellen als ein Jahr zuvor (sekundärer Sektor: +6,8%, tertiärer Sektor +4,5%). Die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften haben gegenüber dem Vorquartal abgenommen und die Beschäftigungsaussichten sind positiv. 46,8% der Beschäftigten sind Frauen; bei den Teilzeitbeschäftigten sind es 69,3%. Dies geht aus Zahlen des BFS hervor.
Medienmitteilung

Berufsintegration: Austausch von Behörden und Wirtschaft

Bundesrat Beat Jans hat sich am 22. Mai 2026 mit Vertretungen von grossen Unternehmen, Bund, Kantonen, Sozialpartnern und Branchenorganisationen ausgetauscht. Im Zentrum stand eine bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials – insbesondere auch der stellensuchenden Geflüchteten. Branchenverbände stellten ihre Ansätze zur beruflichen Integration vor, beispielsweise von der Branche getragene Fachkurse oder E-Learning-Angebote. Am Austausch dabei war auch der Verein Path2Work, welcher eine digitale Stellenplattform für Geflüchtete sowie eine Beratungsstelle betreibt. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass die Integration am besten gelingt, wenn Staat und Wirtschaft enger zusammenarbeiten.
Medienmitteilung

Verschiedenes

Bildungsmonitoring: Erklärvideo der EDK

Bund und Kantone beobachten und überprüfen gemeinsam das Bildungssystem. Die drei Hauptinstrumente dazu sind der Bildungsbericht, das Monitoring der Grundkompetenzen und die PISA-Studie. Ein Video der EDK erläutert, wie das Bildungsmonitoring funktioniert.
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Schulischer Erfolg und Wohlbefinden von benachteiligten Jugendlichen

Bei der körperlichen und mentalen Gesundheit sowie bei den schulischen und sozialen Kompetenzen stehen Schweizer Jugendliche im Vergleich mit den OECD-Ländern recht gut da. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der UNICEF (vollständiger Bericht und Zusammenfassung auf Englisch). Nach wie vor hängt der schulische Erfolg aber stark von der sozialen Herkunft ab: 91% der Jugendlichen aus privilegierten Haushalten erreichen die Grundkompetenzen in Lesen und Schreiben, bei Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien liegt dieser Anteil bei nur 46%. Diese Ungleichheiten schlagen sich auch auf das psychische Wohlbefinden nieder: Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien haben eine weniger hohe Lebenszufriedenheit als Gleichaltrige aus privilegierten Verhältnissen. Die Schweiz gehört damit zu den Ländern mit den grössten sozioökonomischen Unterschieden. In den vergangenen zehn Jahren sind die Einkommensungleichheiten um mehr als 10% gestiegen.
Weitere Informationen: Medienmitteilung, SRF-Artikel

JU: Amt für nachobligatorische Bildung unter neuer Leitung

Die jurassische Regierung hat Loïc Stalder zum Vorsteher des Amts für nachobligatorische Bildung (Service de la formation postobligatoire) ernannt, das für die Sekundarstufe II, die Tertiär- und die Weiterbildung zuständig ist. Er tritt seine Stelle am 1. August 2026 an. Loïc Stalder folgt auf Françoise Do Linh Xuan, die eine neue berufliche Herausforderung annehmen wird. Loïc Stalder verfügt über Abschlüsse in den Bereichen Betriebswirtschaft, Pädagogik und öffentliche Verwaltung und leitet zurzeit die kaufmännische Abteilung im jurassischen Bildungszentrum CEJEF.
Medienmitteilung

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