Alternativen zur Zweistaatenlösung
von Yishai Fleisher
Internationaler
Sprecher der Jüdischen Gemeinde von Hebron
Erschienen auf Englisch bei
Newsweek am 17. Juli 20 unter
dem Titel "A Jewish State Beats Peter Beinart's
Bi-Nationalism", und auf Hebräisch in der in
Israel erscheinenden Wochenschrift Olam katan
, Nr. 759, 10. Aw 5780. Beide Versionen wurden von Yishai
Fleisher verfasst.
Übersetzung ins
Deutsche: Rafael Plaut
Die Übersetzung
stützt sich auf beide Versionen.
"Der Artikel von Yishai
Fleisher, der drei Lösungen für den Status der Araber nach voller Implementierung
israelischer Souveränität [in Jehuda/Judäa und Schomron/Samaria] aufzeigt,
erschien in der amerikanischen Zeitung 'Newsweek' als Antwort auf den Artikel
des jüdischen Journalisten Peter Beinart in den 'New York Times' und sorgte
für großes Furore in linken Kreisen" (Vorwort in
Olam katan).
Die gute Nachricht lautet, dass
sogar ein extrem linksliberaler Intellektueller wie Peter Beinart bereits einsieht,
dass die 'Zweistaatenlösung' ihr Leben ausgehaucht hat: In einem Artikel in
der 'New York Times' gab er zu, dass sich der alte Traum der Linken über die
Gründung 'Palästinas' im Herzen des historischen Landes Israel nicht verwirklichen
lässt.
Der besagte Landstrich - Judäa
und Samaria, auch "Westbank" [Westufer, Westjordanland] genannt -
bedeutet die Wiege der jüdischen Zivilisation. In neuerer Zeit verloren die
Juden dieses Land beim Ansturm der Araber während des Unabhängigkeitskrieges
von 1948, befreiten es allerdings von jordanischer Besatzung im Jahre 1967
und begannen, es wieder zu besiedeln. Heute, 50 Jahre später, leben hier mehr
als eine halbe Million Juden unter israelischem Schutz, und es scheint, dass
die Erkenntnis von Israel als Souverän über Judäa und Samaria/das Westufer
langsam einsickert.
Von New York aus gesehen
Dennoch fand Beinart einen alt-neuen
Ausweg, den Staat 'Palästina' zu kreieren: Er schlägt vor, dass Israel allen
Arabern in Jehuda und Schomron volle Staatsangehörigkeit und Gleichberechtigung
verleihe, inklusive das Recht auf Rückkehr, um so einen binationalen Staat
namens "Israel-Palästina" zu schaffen, der auf demokratische Weise
bald aufhören würde, ein jüdischer Staat zu sein.
Beinarts Argumente wurden bereits
von vielen Kommentatoren in der Luft zerrissen. Ungeachtet der Kritik ist die
grundsätzliche Frage, die Beinart aufwarf, durchaus einer Antwort würdig.
Wenn es keinen unabhängigen Palästina-Staat im Lande Israel geben wird und
der jüdische Staat der einzige Souverän zwischen Jordan und Mittelmeer bleibt
- welches Schicksal erwartet dann die Millionen "Westbank"-Araber?
So groß wie New Jersey,
aber nicht gerade New Jersey
Zur Beantwortung dieser Frage
nehmen wir einmal etwas Abstand. Der überwiegend islamische Nahe/Mittlere
Osten und Nordafrika erstrecken sich über ein enormes Gebiet: 20 Millionen
Quadratkilometer, doppelt soviel wie die kontinentalen USA. Es wird von 570
Millionen Moslems bewohnt (406 Millionen Araber, 82 Millionen Türken und 82
Millionen Iraner) auf über 20 Staaten verteilt.
Innerhalb dieser Region befinden
sich einige winzige Enklaven von unabhängigen nichtarabischen Zonen. Ein Beispiel
dafür bildet die autonome Region der Kurden im Nordirak mit einer Bevölkerung
von 5 Millionen. Die Kurden, zumeist Moslems, leben in ständigen Spannungen
mit ihren Nachbarn, die nichts lieber täten als ihr Gebiet zu schlucken.
Dann gibt es noch eine kleine
nichtarabische Gemeinschaft, die in einer kleinen Enklave lebt: die Juden.
Ungefähr 7 Millionen Juden bevölkern einen unabhängigen, ethnisch-nationalen
Staat namens Israel. Der jüdische Staat befindet sich im Herzen der arabischen
Welt und erstreckt sich auf eine Fläche von der Größe New Jerseys - nur
ein Sechstel eines Prozentes der ausufernden Landmasse der moslemischen Welt.
Eine ethnische Enklave in
feindlicher Umgebung
Post-Zionisten in Israel und
die Linken der Welt zeichnen Israel gerne als westliche Supermacht, die den
Palästinensern Rechte vorenthält. Doch das ist ein Zerrbild. In Wahrheit
ist Israel ein winziger Staat mit der Aufgabe, eine verfolgte Minderheit zu
verteidigen. Die Juden besitzen keine Rechte in den arabischen Nachbarländern,
aus denen sie tatsächlich "ethnisch gereinigt" wurden. Nachdem Israel
im Jahr 1948 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, wurden 99 Prozent der nahöstlichen
Juden - 850.000 Menschen - aus den arabischen Staaten vertrieben.
Wie die feindlichen arabischen
Staaten war die palästinensische Bewegung in ihren diversen Inkarnationen
schon immer ein Instrument zur ethnischen Reinigung von Juden. 1929 reinigte
sie ethnisch die Juden von Hebron, und in 1948 taten sie dasselbe in der Altstadt
von Jerusalem und Gusch Etzion. Im Jahr 2000 vertrieben sie die Juden aus dem
Grabmal von Josef bei Schchem/Nablus und zerstörten es. Nach den Gesetzen
der palästinensischen Autonomiebehörde ist es Juden verboten, in ihrem Gebiet
Grund und Boden zu besitzen, und jeden Araber, der ein Grundstück an Juden
verkauft, erwartet die Todesstrafe. Die palästinensische Autonomiebehörde
unterstützt den Kampf zur Befreiung 'ganz Palästinas' und zahlt Terroristen,
die Juden ermordet haben, jährlich 400 Millionen Dollar Belohnung.
Beinarts Idee von einem binationalen
Israel-Palästina, dessen demokratisch gewählte arabische Führer sicherlich
alles daran setzen würden, die jüdische Führung von innen zu untergraben,
würde den ganzen Zweck, zu dem der jüdische Staat ursprünglich gegründet
wurde, zunichtemachen.
Wenn also nicht Palästina,
wie dann wird die Zukunft der noch-zu-absorbierenden Palästinenser aussehen,
die in der ethnisch-nationalen Enklave der Juden leben?
Freiheit oder Demokratie
Zuerst wäre es vielleicht hilfreich,
das Konzept der "Freiheit" von dem der "Demokratie" zu
trennen. "Freiheit" bedeutet Bürgerrechte und Freiheiten, "Demokratie"
hingegen eine Methode der Wahl der politischen Führung. In der westlichen
Welt sind die beiden meist miteinander verbunden, aber selbst in Amerika gibt
es Freiheiten und Bürgerrechte auch für jene ohne Wahlrecht. Besitzer einer
"Green Card", etwa 13 Millionen Leute, verfügen über Bürgerrechte,
können aber nicht wählen, dennoch würde niemand auf den Gedanken kommen,
sie lebten unter "Apartheid". Zwei Millionen Puertorikaner sind zwar
amerikanische Staatsbürger, da sie aber in einem US-Territorium und nicht
in einem Bundesstaat leben, dürfen sie nicht an den Wahlen zum Präsidenten
teilnehmen und senden nur einen - nicht stimmberechtigten - Beobachter ins
Repräsentantenhaus; auch das nennt niemand "Apartheid", und zwar
aus dem Grund, weil Apartheid nicht das Fehlen des Rechtes "ein Mann -
eine Stimme" bedeutet, sondern ein System der Unterdrückung, des Rassismus
und der Rassentrennung. Während es sich bei Israel tatsächlich um den ethnisch-nationalen
Staat der Juden handelt, betreibt es kein System der Apartheid - wie prominente
schwarze Südafrikaner bezeugen, zum Beispiel Kenneth Meshoe, Abgeordneter
im südafrikanischen Parlament, der unter Apartheid geboren wurde.
Zweitens: Wie bereits erwähnt
ist Israel der ethnische Nationalstaat der Juden, ein sicherer Hafen für die
jüdische Minderheit in der Region. Während Israel den in seinen Grenzen lebenden
ethnischen Minderheiten Freiheitsrechte gewährt, bleibt dies doch nur ein
untergeordneter Punkt seiner zentralen Mission.
Drittens geht es bei den Diskussionen
über die Palästinenser meistens um ihre Rechte, selten aber um ihre Pflichten.
Damit Israel die Palästinenser absorbieren kann, die während des letzten
Jahrhunderts integraler Teil einer antiisraelischen geopolitischen Achse waren,
müssen sie feierlich dem Dschihad abschwören und die Gesetze und Verpflichtungen
des jüdischen Staates akzeptieren.
Schließlich sollte erwähnt
werden, dass es sich bei keinem von Israels Nachbarstaaten um eine echte Demokratie
handelt. Wahlen nach westlichem Muster sind einfach nicht in den Genen der
Region einprogrammiert.
Drei Pläne sind besser als
ein binationaler Staat
Zweifelsohne sind neue und kreative
Lösungen vonnöten. Entsprechend möchte ich hier drei Pläne vorstellen,
die auf maximale Freiheiten für die Araber in einem unverwechselbar jüdischen
Israel abzielen.
Der erste stammt vom prominenten
palästinensischen Intellektuellen und früheren Präsidenten der Al-Quds Universität
in Jerusalem, Sari Nusseibeh. In seinem Buch aus der Obama-Ära,
What is a Palestinian State Worth?
, offenbart er die auf der palästinensischen Straße häufig
zu hörende Wahrheit: Viele Araber wollen israelisches Aufenthaltsrecht, im
Gegensatz zu Staatsangehörigkeit mit Wahlrecht, und ziehen das Leben im jüdischen
Israel bei weitem einem Leben in einem sowohl dschihadistischen als auch korrupten
Palästina vor.
Die Regelung des Aufenthaltsrechts,
schreibt Nusseibeh, "verdient ernsthafte Überlegung", weil sie "den
Staat in jüdischer Hand belassen und gleichzeitig den Palästinensern ihre
Menschenrechte garantieren würde, wie auch alle Dienste, die ein Staat normalerweise
seinen Bürgern gewährt, inklusive ihrer kulturellen Rechte". Darüber
hinaus "würden die so von Israel absorbierten Araber, die durch eine
Annexion der gegenwärtig besetzten Gebiete keine Stimmen in der Knesset erhielten,
keine Bedrohung darstellen, den Staat von innen heraus umzukrempeln. Einfach
ausgedrückt, in diesem Szenario würden die Juden den Staat führen, während
die Araber endlich genießen könnten, darin zu leben".
Eine zweite Vision, die gerade
an Schwung gewinnt, nennt sich "die palästinensischen Stadt-Staaten",
oder "Emirate-Plan", verfasst von Professor Mordechai Kedar von der
Bar-Ilan Universität. Kedar hält die Vereinigten Arabischen Emirate für
das stabilste arabische Staatswesen im Nahen Osten. Dabei handelt es sich um
mehrere vereinigte Stämme auf ihrem Stammesgebiet. Da die Palästina-Araber
keine kohärente Nation bilden, sondern sich aus ortsgebundenen Clans zusammensetzen,
schlägt Kedar palästinensische Selbstverwaltung in vereinzelten "Emiraten"
vor, die sich auf die sieben größten arabischen Städte und deren Umgebung
stützen. Die Araber in diesen clangestützen Städten würden ihre eigenen
Gerichte, Kulturbetrieb und Stadtverwaltung erhalten.
Eine weitere, dritte Lösung
ist unter dem Namen "Jordanien ist Palästina" bekannt, im Hinblick
auf die Tatsache, dass die Bevölkerung des Haschemitischen Königreiches von
Jordanien überwiegend aus Palästinensern besteht. Vorgeschlagen von den ehemaligen
Knessetabgeordneten Arjeh Eldad und Benny Alon, sieht dieser Plan vor, den
"Westbank"-Arabern israelisches Aufenthalts- und Bürgerrechte zu
gewähren und ihnen dazu ihre jordanische Staatsangehörigkeit zurückzugeben,
die ihnen 1988 von König Hussein illegal aberkannt worden war. Diese Araber
würden in Judäa und Samaria leben, ihr Stimmrecht aber in ihrem arabischen
Staat, im nebenan gelegenen Jordanien ausüben. Historisch gesehen wurde das
Königreich Jordanien ursprünglich von den Briten auf 77% des jüdischen Landes
errichtet, um einen haschemitisch-palästinensischen Staat zu schaffen - als
Teil der ursprünglichen Zweistaatenlösung.
Niemals Beinartistan
Israels Auftrag besteht im Schutz
des jüdischen Volkes und soll ihm ermöglichen, auf dem Boden zu gedeihen,
auf dem seine biblischen Ahnen wandelten. Daneben können auch die nichtjüdischen
Bewohner Israels die sozialen und kulturellen Freiheiten genießen, ebenso
die Aufstiegsmöglichkeiten und Chancen, die einzig der jüdische Staat in
dieser Region bietet.
Und während diese drei Pläne,
mit westlichen Augen gesehen, als weniger ideal erscheinen, sind sie doch wesentlich
besser als die bereits als bankrott entlarvte Idee, ein Hamas-Palästina im
Herzen des jüdischen Stammlandes zu errichten - und erheblich realistischer
als die Verteidigungsmauern des einzigen jüdischen Staates auf der Welt durch
die Schaffung eines binationalen Beinartistan einzureißen.