Seit Jahrzehnten verfolgen Konzerne das Ziel, mithilfe gentechnischer Verfahren und patentierbarer Pflanzen wirtschaftliche Gewinne zu erzielen. Auch die neuen Gentechnikmethoden (NGT) wie CRISPR-Cas ändern nichts an den grundlegenden Risiken: Sie greifen direkt ins Genom ein, können unvorhersehbare Nebeneffekte verursachen und müssen deshalb weiterhin durch das bestehende EU‑Gentechnikrecht reguliert bleiben – inklusive Risikoprüfung, Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Rückholbarkeit.
Doch nun plant die EU, einen Großteil der mit Gentechnik veränderten Pflanzen von diesen Pflichten auszunehmen. Der im Dezember 2025 ausgehandelte Trilog-Kompromiss stellt aus unserer Sicht einen gefährlichen Rückschritt dar. Vor der finalen Abstimmung im EU-Parlament appelliert Demeter deshalb an die politischen Verantwortlichen, dieser Deregulierung nicht zuzustimmen.
Wir setzen uns für eine Landwirtschaft ein, die Vielfalt, Nachhaltigkeit und echte Wahlfreiheit sichert. Statt riskanter gentechnischer Vereinheitlichung brauchen wir eine Agrarwende, die Saatgut‑ und Ernährungssouveränität stärkt und weltweit erprobt wird: durch standortangepasste, robuste und pestizidfreie Anbausysteme. Demeter gibt dafür wichtige Impulse und hat als erster Verband Richtlinien für biologisch‑dynamische Pflanzenzüchtung entwickelt.
Damit diese Vision Wirklichkeit werden kann, müssen neue gentechnische Verfahren weiterhin dem EU‑Gentechnikrecht unterliegen. Der Europäische Gerichtshof hat 2018 bestätigt, dass sie unter das bestehende Recht fallen; auch die Europäische Lebensmittelbehörde fordert gründliche Risikobewertungen. Dieser Einschätzung schließen wir uns an und lehnen die aktuellen Deregulierungsvorhaben der EU-Kommission entschieden ab.
Die Entscheidung im EU‑Parlament steht kurz bevor. Jede Nachricht hilft, gentechnikfreie Landwirtschaft zu schützen.
Die Gentechnik befördert den agrarindustriellen Ansatz, es wird nicht daran gearbeitet, das System zu verbessern – sondern es werden einseitig Pflanzen gentechnisch für bestimmte Eigenschaften „optimiert“, oftmals so, dass sie zusammen mit bestimmten Pestiziden (z.B. die Roundup-Ready-Pflanzen) besser funktionieren. Aber brauchen wir die Gentechnik, um nicht verhungern zu müssen? Wir sagen: Nein. Denn für die Welternährung gibt es keine Patentrezepte.
Im Gegenteil droht, mit einer De-Regulierung von Gentechnikverfahren in der Landwirtschaft, eine Flut an patentierten Pflanzen auf den Markt zu strömen. Für die mittelständische Züchtung und Lebensmittelwirtschaft sowie für bäuerliche Betriebe eine rechtlich unübersichtliche und wirtschaftliche bedrohliche Situation. Deshalb fordern wir: Hände weg von der Deregulierung!
Was es aber gibt, ist eine Vielzahl von Ansätzen für alternative Landwirtschafts- und Ernährungssysteme weltweit. Diese machen Mut, dass die dringend erforderliche Agrarwende gelingen kann. Menschen weltweit setzen sich für eine selbstbestimmte Erzeugung und Nutzung von Saatgut und Nahrungsmitteln, ihre Saatgut- und Ernährungssouveränität, ein. Sie leisten einen Beitrag zu vielfältigen, standortangepassten und krisenrobusten Anbausystemen und Sorten, die ohne Pestizide auskommen und eine klima- und ressourcenschonende Landwirtschaft ermöglichen.
Innovationen gibt es gerade auch im Bio-Bereich – Demeter war der erste Verband, der Richtlinien für eine biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung erstellt hat. Der weltweite Dachverband der ökologischen Lebensmittelwirtschaft IFOAM Organics International hat Richtlinien für die Pflanzenzüchtung in seinen Standard aufgenommen und eine Seed Platform gegründet. Mit dem EU-Forschungsprojekt ist die Züchtungsforschung nach ökologischem Standard auch in der „offiziellen“ Forschungslandschaft angekommen.
Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema neue Gentechnik sowie zu Alternativen Züchtung- und Forschungsprojekte für eine andere Landwirtschaft.
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Wir, ein Bündnis aus Verbänden und Initiativen rufen zu Aktionswochen für eine gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft auf. Unter dem Motto „Keine Gentechnik auf unseren Äckern und Tellern“ wollen wir auf die aktuelle Gefährdung der gentechnikfreien Lebensmittelerzeugung – vom Saatgut bis zum Teller – durch die Deregulierung des EU-Gentechnikrechts aufmerksam machen. Wir wollen zeigen, warum gentechnikfreie Lebensmittel für uns alle bedeutsam sind. Im Rahmen der Aktionswochen vom 13. September bis 13. Oktober werden zahlreiche Veranstaltungen auf teilnehmenden landwirtschaftlichen und verarbeitenden Betrieben stattfinden und zum Thema auf ganz vielfältige Weise informieren.
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Vielfalt auf dem Acker, Geschmack auf dem Teller, robuste Pflanzen für Zeiten des Klimawandels, gentechnikfrei & nah an den Höfen die passenden Pflanzen für den Ökolandbau züchten, dafür stehen Bio-Pflanzenzüchter*innen.
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Für Züchter biodynamischer Sorten steht Züchtung im Einklang mit natürlichen Abläufen im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Im Demeter-Regelwerk zur Verwendung von Saatgut finden sich die bewusst gewählten Restriktionen.
Biodynamische Züchter*innen arbeiten vor Ort an den biodynamischen Standorten für die Entwicklung ihrer Sorten und vernetzen sich gezielt mit Kolleginnen und Kollegen, um an den gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Bereits 1985 gründeten sie den „Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau“. Im daraus entstandenen Verein Kultursaat e.V. vereinen sich seit mehr als 20 Jahren die Gemüsezüchter*innen. Die Getreidezüchter*innen pflegen intensiv ihre regionalen Strukturen.
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Bei Kartoffeln treffen KonsumentInnen bereits Einkaufsentscheidung nach Sorten – und auch bei Äpfeln. Viele sind jedoch überrascht, wenn sie im Naturkostfachhandel die Pastinake Aromata oder den Möhrensaft aus der Rodelika finden. Innovative Bäckersortimente schmücken sich mit deftigen Roggenbroten aus Lichtkornroggen und luftigem Weißbrot aus Goldblumenweizen.