Braucht Ihr Land einen Regimewechsel?

Ein großartig-hinterlistiges Quiz bei McSweeney’s hält Trump den Spiegel vor:

  • Wird Ihr Land von einem alternden Größenwahnsinnigen regiert, dessen Anhänger ihn mit fast kultähnlicher Inbrunst verehren?
  • Hat Ihr Staatschef das Vertrauen in Wahlen untergraben, indem er versucht hat, sie unter seine direkte Kontrolle zu bringen und/oder falsche Behauptungen über Wahlbetrug zu schüren?
  • Besteht die Befürchtung, dass Ihr Staatschef Zugang zu Atomwaffen hat, die er ohne Weiteres einsetzen würde, wenn das Endergebnis ihm persönlich zugute käme?
  • Hat Ihr Staatschef das Militär des Landes im Inland gegen friedlich protestierende Zivilisten eingesetzt?
  • Beginnt Ihr Staatschef derzeit mit mehreren teuren und lächerlich eitlen Bauprojekten in der Hauptstadt des Landes?
  • Betrachtet Ihr Staatschef das Leben von Angehörigen der Streitkräfte als entbehrlich, indem er sich über ihren Dienst lustig macht oder Dinge sagt wie „So ist das nun mal“, wenn sie getötet werden?
  • Hat Ihr Staatschef eine eigene Währung geschaffen, auf der er selbst abgebildet ist?
  • Hält Ihr Staatschef bombastische Reden darüber, dass er das Land zu seinem früheren Ruhm zurückführen will, indem er einen inneren Feind besiegt?
  • Wurde Ihr Staatschef glaubwürdig wegen mehrerer Verbrechen angeklagt und/oder verurteilt, für die er sich aufgrund seiner Machtposition der Rechenschaft entzieht?
  • Hat Ihr Staatschef mehrere prominente Institutionen nach sich selbst umbenannt?
  • Würden Millionen von Menschen im ganzen Land auf die Straße gehen, um zu feiern, wenn Ihr Staatschef abgesetzt würde?
  • Hat Ihr Staatschef gerade einen Krieg begonnen, von dem er offensichtlich keine Ahnung hat, wie er ihn beenden soll?

Wenn die Antwort auf die meisten oder alle dieser Fragen „Ja” lautet, ist es vielleicht an der Zeit für eine massive gewaltfreie Widerstandsbewegung.

ADHS

Aus Gründen stieß ich neulich auf „Deutschlands führenden Qualitätsverbund privater Fach- und Tageskliniken im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie“ mit 27 Kliniken und 30 City-Centern deutschlandweit. Die Oberberg Gruppe steht laut Eigenbeschreibung „für ein ganzheitliches Menschenbild und setzt sich für einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen ein“. Weiter heißt es: „Wir möchten, dass sich unsere Patienten bei uns ernstgenommen und wohlfühlen.“

Das nahm ich ernst und machte gleich einen ADHS-Selbsttest. Bei dem sind sechs Fragen zu beantworten – zum Beispiel „Wie oft haben Sie Probleme, sich an Termine oder Verabredungen zu erinnern?“ oder „Wie oft sind Ihre Hände bzw. Ihre Füße bei längerem Sitzen in Bewegung?“. Das fünfstufige Antwortspektrum: Niemals – Selten – Manchmal – Oft – Sehr oft. Mein Selbsttest ergab:

Zwar heißt es einschränkend: „Dieser Test ersetzt keine ärztliche Diagnose. Im Zweifel sollten Sie für eine spezifische Diagnose Ihre Hausärztin oder einen Facharzt (Psychiater) in Ihrer Nähe aufsuchen und über das Testergebnis sprechen.“ Trotzdem war ich etwas verwundert und machte den Test nochmal, änderte aber meine Antworten an ein paar Stellen. Das Ergebnis: ADHS. Ein weiterer Test mit nochmal anderen Antworten: Wieder ADHS. Schließlich klickte ich sechsmal „Selten“ an. Immer noch: ADHS. Erst als ich überall „Niemals“ angab, sprang die Diagnose auf „Ihre Angaben ergaben keine eindeutigen Hinweise auf ADHS.“ Allerdings gelte auch hier: „Im Zweifel sollten Sie …“

Die gute Nachricht der Oberberg Kliniken:

Mein Bankkonto hingegen diagnostiziert ebenso eindeutig: „Du hast kein ADHS.“

Fun Facts.

Warum schießt Donald Trump gegen Late Night Shows wie Jimmy Kimmel Live oder die Late Show with Stephen Colbert? Diese Shows sehen im Schnitt um die zwei Millionen Zuschauer. Das ist nicht einmal ein Prozent der US-Bevölkerung. Der Grund dafür ist, dass einzelne Ausschnitte dieser Sendungen viral gehen und eine vielfache Menge an Zuschauern erreichen – auf YouTube, auf Facebook, auf Instagram, auf Tiktok. Und neben der oft vernichtenden Kritik an Trump transportieren diese Video-Schnipsel etwas weitaus Gefährlicheres für Autokraten: nämlich Fakten. Selbst Menschen, die niemals Nachrichtensendungen sehen, erfahren auf diesem Weg schlichte Informationen, die in direktem Gegensatz zum MAGA-Kartenhaus aus Lügen stehen.

Mit „Humor, Haltung und Hoffnung“ startet am 2. März in Deutschland ein neues, tägliches, 15-minütiges Nachrichtenformat. Bekannte Faktenfans aus den Bereichen Comedy, Fernsehen, Film, Musik, Literatur, Podcasts, Social-Media, Wissenschaft und Aktivismus „präsentieren humorvoll und konstruktiv, was wirklich wichtig ist“. Dabei wechseln die Gastgeberinnen und Gastgeber täglich, denn Fun Facts ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mit dabei sind z.B. Marc-Uwe Kling, Sarah Bosetti, Claus von Wagner, Heinz Strunk, Luisa Neubauer, Nico Semsrott, Ralph Ruthe, Saša Stanišić, Till Reiners und viele, viele andere. Journalistisch unterstützt wird das Projekt von Correctiv.

„Fun Facts.“ wird live aufgezeichnet und auf FunFacts.de, aber auch den üblichen anderen unvermeidbaren Plattformen ausgespielt. Man kann das Projekt natürlich auch unterstützen, sei es als Publikum, sei es mit Spenden. Eine auf vielen Ebenen großartige Idee. Viel Erfolg!

Nachtrag 6.3.26:
Auf funfacts.de erscheint immer nur die aktuelle Folge. Ältere Folgen lassen sich bequem bei Peertube nachschauen.

Olympia

Das Tollste an Olympia ist, dass man hier Sportarten sehen kann, die sonst nicht einmal zwischen zwei Fußballspiele passen. Curling zum Beispiel wird gerade gefeiert, weil man hier stundenlang zuschauen kann, ohne die Regeln jemals zu verstehen. Und praktisch ohne Schiedsrichter auskommt. Es gibt aber noch Sportarten, die nicht einmal bei Olympia im Fernsehen gezeigt werden. Wir übernehmen das mal:

[bei Kottke gefunden]

Wortschatz (2) – Per Taille gehen

Nie, nie, niemals je habe ich diesen Ausdruck gehört. Was nicht nur daran liegen mag, dass er dem Berlin des späten 19. Jahrhunderts entstammt. Sondern auch, weil ich mit Mode nicht viel anfangen kann.

Und wie flicht man nun diese Worte in eine Unterhaltung ein? Dazu muss man eine Berliner Frau sein und die Jahreszeit eine andere. Kaum wärmen die ersten Frühlingsstrahlen den Alexanderplatz, da sagt die Gnädigste zu Ihrer Perle: „Heute fahr‘ ick mit der Droschke in die Friedrichstraße und jehe per Taille flanieren.“ Kurz: ohne Jacke.

Jubiläum

Als ich gestern abend meiner Schwägerin zum Geburtstag gratulierte, fiel mir etwas auf. Der erste Beitrag in diesem Blog wurde am Tag nach ihrem Geburtstag geschrieben. Genau heute vor zwanzig Jahren.

Wortschatz (1)

Kurz vor Weihnachten stolperte ich beim Osiander in die Abteilung „Kalender“. Ja, es gibt dort um den Jahreswechsel einen eigenen Raum für Almanache. Gräusliche, verwegene, seltsame, überflüssige und auch erstaunlich viele langweilige (Rabbithole). Obwohl ich selber schon einen Kalender hatte, fiel mir ein Exemplar aus der Sektion „interessant“ in die Hände, das vom Duden-Verlag herausgegeben wird. Was mich sofort an ein Geschenk von Helmut erinnerte, der mir mal das Duden-Kleinod „Wortfriedhof – Wörter, die uns fehlen werden“ zukommen ließ, das forthin in meinem Schnappsack weste. Heuer aber rodomontiere ich mit meinem Neuzugang „Vergessene Wortschätze 2026“. Zwischen vielen Wörter, die ich noch kenne und manchmal sogar nutze („der Dösbaddel wienert seinen Riechkolben“) tauchen an manchen Tagen Kleinode der deutschen Sprache auf, die ich noch nie zuvor gehört habe. Und auf der Rückseite werden sie erklärt. So ist z.B. dem Wiener das „Kaprizpolster“ ein kleines Kissen, mit dem er auf dem „Lottermann“ (Sofa) „napetzt“ (mittagschläft).

Heute starten wir die kleine Serie mit dem Kalenderblatt vom 10. Februar und einem Bibelspruch, den man vortrefflich als ironische Zurechtweisung beim Gähnen nutzen kann: Tobias 6, Vers 3. Wer zuhause kein Altes Testament rumliegen hat, darf auch das Internet nutzen.

Weihnachtszahlen

Der Morgen beginnt bei mir meist mit der Morgenpost, dem äußerst liebenswerten News-Newsletter der Krautreporter. Christian Fahrenbach, der die Morgenpost seit elf Jahren tagtäglich aus New York liefert, hört nun leider auf. Zum Abschluss liefert er als „Fundstück des Tages“ einen weihnachtlichen Link zu destatis.de, der Website des Statistischen Bundesamtes – mit folgenden statistischen Köstlichkeiten (die abgebildete ist eine selbst produzierte Bärentatze):

  • 1,8 Millionen Weihnachtsbäume werden nach Deutschland importiert, 83% davon aus Dänemark.*
  • Jede fünfte produzierte Zimmerpflanze ist ein Weihnachtsstern.*
  • 90% der importierten Feuerwerkskörper kommen aus China.***
  • 54% der importierten Kerzen kommen aus Polen.*
  • 71% der importierten Haselnüsse kommen aus der Türkei.*
  • 78% der Karpfen stammen aus Bayern oder Sachsen.
  • Die wenigsten Babys werden an den Weihnachtstagen geboren. Die meisten am 24. September.****
  • Die durchschnittlich größte Familie (3,51 Personen) lebt in Baden-Württemberg, die kleinste (3,24 Personen) in Mecklenburg-Vorpommern.*
  • 85,8 % der Tarifbeschäftigten erhalten Weihnachtsgeld, im Schnitt 2.987 Euro.*

* 2024
** 2024/25
*** 2025
**** 2020-2024