Giorgio Armani gründete 1975 mit Sergio Galeotti sein Familien-Unternehmen – die Haute-Couture-Linie folgte 2004
In der April-Ausgabe 2005 der VOGUE Italia, auf Seite 306, zeigt die Fotostrecke von Ellen von Unwerth eine sehr junge Bianca Balti in einem langen Bustierkleid aus Seide, unterlegt mit besticktem Tüll. Es war eine der ersten Kreationen, die die unverkennbare Handschrift von Giorgio Armani Privé, der Haute-Couture-Linie des italienischen Designers, trugen. Bereits einige Monate zuvor hatte Sarah Mower auf VOGUE Runway über Giorgio Armanis erste Haute-Couture-Show berichtet – die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2005, präsentiert im Januar desselben Jahres. Sie betonte, dass diese Premiere in Paris nicht nur eine große finanzielle Investition war, sondern auch ein logischer und kluger Schritt. "Die Stylist:innen der Oscar-nominierten Stars haben schon im Vorfeld die Telefonleitungen zum Glühen gebracht – in gespannter Erwartung auf diese Kollektion", schrieb sie damals. 20 Jahre später hat diese Kollektion nichts von ihrer Bedeutung verloren. Die kunstvoll gefertigten Roben, die einst über den Armani-Privé-Laufsteg schwebten, werden bald auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung 2025 zu sehen sein – ein Beweis dafür, dass wahre Haute Couture zeitlos bleibt.
Ein Beweis dafür sind die Entscheidungen, die Giorgio Armani selbst getroffen hat: Während der Pariser Haute-Couture-Woche ließ er das Schimmern vergangener Epochen aufleben – mit jenen charakteristischen Details, die er seit jeher in seinen Kollektionen verarbeitet. Diese Zeitreise erzählte er durch das Medium Licht, ein Element, das, so der Designer, "mit seiner eigenen Geschwindigkeit reist, Epochen und Gedanken, Orte und Fantasien durchquert". Zwischen zarten Seitenschleiern und perlenbesetztem Kopfschmuck – eine Hommage an die Zeit zwischen den Weltkriegen – verbanden seine Kreationen kulturelle Einflüsse aus aller Welt mit einer modernen, zeitgemäßen Handschrift. Florale Muster, Palmenmotive, Spiegelungen ferner Meere und edle Stoffe aus Übersee erschufen eine Atmosphäre voller Fernweh. Indien, China, Polynesien, Japan und die Küsten Afrikas dienten als Inspirationsquellen und flossen in die Kollektion ein. Das Ergebnis: ein poetischer Ausdruck von Eleganz, kosmopolitischer Raffinesse – und der allgegenwärtigen Fusion aus italienischem Armani-Stil und französischer Couture.
Der Laufsteg von Giorgio Armani Privé war eine Hommage an 20 Jahre Eleganz und Handwerkskunst des Modehauses. In den intimen Räumen des Palazzo Armani bewegten sich die Models von Gäst:in zu Gäst:in, hielten inne, um die Blicke aus der ersten Reihe aufzufangen, und gaben den Zuschauer:innen Zeit, jedes Detail zu erfassen. Wie schon 2005 prägten auch 2025 tiefe, schlanke Ausschnitte, fließende Volants an langen Kleidern und funkelnde Steine auf lichtdurchwirkten Stoffen die Kollektion. Strukturiert geschnittene Blazer formten die Silhouette, indem sie Kurven betonten und zugleich umspielten. Jedes Stück zeugte von handwerklicher Perfektion und maßgeschneiderter Raffinesse – ein Vermächtnis, auf das Giorgio Armani mit seinen 90 Jahren voller Stolz blickt.





