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„Schatz, was ist los mit dir?“, fragte Jaryl besorgt, als er seinem Ehemann Jin dabei zusah, wie er die Wände der Höhle, in der sie sich befanden, mit Unbehagen abtastete.
„Ich kann's nicht genau beschreiben, aber ich hab da irgendwie so ein komisches Gefühl… so, als ob irgend etwas in mir hier her will? Als ob hier etwas nach mir ruft?“, erklärt Jin, „Und je weiter wir voran gehen umso stärker wird dieses Gefühl.“
„Wir sollten von hier verschwinden. Das ist mir nicht geheuer.“, sprach Jaryl, der nun behutsam versuchte, Jin an der Hand zu nehmen und hinauszuführen. Doch just in dem Moment berührte Jin einen versteckten Schalter an der Höhlenwand, und ein Durchgang öffnete sich vor den beiden Männern.
„Was zum-?!“
„Aha! Ich hab doch gewusst, dass der hier ist!“, platzte es aus Jin heraus, dann hielt er inne. Jaryl blickte ihn mit einem verwirrten Gesichtsausdruck an.
„Aber… das macht doch keinen Sinn. Woher sollte ich das denn wissen?“, murmelte Jin, der nun ein paar Schritte von dem Durchgang zurückwich und sich an der entgegengesetzten Höhlenwand abstützte.
„Jin, Schatz, bist du dir sicher, dass es dir gut geht?“, fragte Jaryl, der nun sorgenvoll seine Hand an Jin's Stirn legte, „Wenn du müde bist, dann sag es doch. Vielleicht sollten wir eine Pause einlegen.“
„Nein, nein, das ist nicht nötig, Liebling. Mir geht's gut. Ich fühl mich putzmunter!“, erwiderte Jin, der Jaryl's Hand nun in die seine nahm. Jaryl sah allerdings nicht ganz überzeugt aus.
Dann erinnerte sich Jin. An einen gewissen Jemand, den sie vor einer Weile getroffen hatten: Julius, den Drachenschlächter.
„Aber was anderes, Schatz: erinnerst du dich an diesen Julius? Von vor einer Weile?“
„Als ob ich den Typen so schnell vergessen könnte“, grummelte Jaryl.

Julius hatte vor geraumer Zeit versucht, Jin zu ermorden, da er ein Erbe der Macht des Todesgottes seie. Jaryl und Jin konnten ihn davon abhalten, aber bevor Julius an seinen Wunden erlag, konnte er die beiden noch davor warnen, dass die Kraft des Todesgottes gewaltig sei. Dass viele Leute aus unterschiedlichsten Gründen auf der Suche nach ihrem Erben seie. Und dass der Einfluss des Todesgottes selbst noch immer sehr groß seie…

„Glaubst du, dass das was damit zu tun hat? Mit dieser Erben-Geschichte?“, fragte Jin, Unbehagen sowie Neugierde erfüllten sein Herz.
„Sieht ganz so aus“, meinte Jaryl, der sich dem Durchgang wieder zuwandte, „Und so wie's aussieht, versteckt sich hier wohl etwas dazu.“
„Sollen wir's uns ansehen?“, fragte Jin. Ihm war sehr wohl bewusst, dass es extrem gefährlich sein könnte. Doch es erweckte auch den Forscherdrang in ihm. Er musste wissen, was es damit auf sich hatte. Wenn sie dieser Sache jetzt den Rücken zukehren sollten, würde er sich sein ganzes Leben lang Vorwürfe machen.
„Hm. Es klingt verdammt gefährlich“, erwiderte Jaryl, „Aber ich würde lügen wenn ich behaupten würde, dass ich nicht neugierig wäre. Schauen wir uns das mal an.“
„Danke, Schatz!“, freute sich Jin.

Die zwei betraten den Durchgang, der sie in eine Art Schrein führte. Jin wurde weiter von dem Gefühl geleitet, dass etwas nach ihm rufe, und nach einer kurzen Suche wurden sie auch schnell fündig.
„Ist das ein Buch?“, fragte Jaryl, als sie einen Raum betraten, in dessen Mitte sich ein kleiner Sockel befand. Auf diesem Sockel schwebte ein Buch, welches eine seltsame magische Aura ausstrahlte.
Die beiden näherten sich dem Buch langsam. Jaryl versuchte als erstes, das Buch vorsichtig an sich zu nehmen, allerdings wurde er von einer unsichtbaren Kraft daran gehindert.
„Lass mich mal versuchen“, sagte Jin, als er seinen Versuch wagte. In dem Moment, als er das Buch in seine Hände nahm, wurde ihm schwarz vor Augen.

Als er zu sich kam, befand er sich in einer endlosen, weißen Ebene.
„Wo… wo bin ich?“
Jin blickte verängstigt um sich, und er bemerkte, dass Jaryl nicht mehr bei ihm war.
„Jaryl? Wo bist du, Jaryl?! Jaryl!?!“, rief er.
„Hier ist niemand außer uns.“, hörte Jin auf einmal jemanden hinter sich sprechen, und er drehte sich hastig um. Ein großer Drachenmann, der eine schwere, schwarze Rüstung trug, stand nun vor ihm. Jin wich ein paar Schritte zurück und beschwörte seinen Stab mit einem hellen Blitzlicht in seine rechte Hand, bereit, sich zu verteidigen.
„Wer bist du?! Was ist das hier für ein Ort?“, rief Jin. Er spürte eine unfassbar große Macht von dem Drachenmann vor ihn ausgehen. Jin bezweifelte, dass er gewinnen könnte, sollte es zu einem Kampf kommen.
Der Drachenmann lachte.
„Sagen wir es so: dieser Ort hier ist meine Ruhestädte, tief im Innersten deiner Seele. Und du musst wohl eines meiner Artefakte gefunden haben, wenn du mich eines Besuches beehrst.“, erklärte er mit einem erstaunlich lässigen Tonfall.
„Wa-… was soll das heißen, ‚im Innersten meiner Seele'?“, fragte Jin, „Bin ich… bin ich etwa gestorben? Ist das hier, was man nach dem Tod sieht? Seine eigene Seele?“
„So viele Fragen. Du bist wohl einer der neugierigeren Erben, hm?“, kicherte der Drachenmann, dann erklärte er weiter, „Nein, du bist nicht tot. Du hast mein Buch aus meinem Siegel befreien können, also hast du die Ehre, dich mit mir, deinem Erblasser, auf ein kurzes Gespräch zu treffen.“
„'Erblasser'? Moment, warte, halt… du bist also der Todesgott?“, fragte Jin erschrocken.
Er hatte sich den Todesgott zuvor als schreckliches, für normale Leute unbegreifliches Wesen in der vagen Form eines Drachens vorgestellt. Doch vor ihm stand er als recht normal wirkender Drachenmann.
„Eben der, genau. Ich weiß genau, was du jetzt denkst. ‚Ich dachte, der Todesgott seie ein unbegreifliches Monster', oder etwa nicht?“, antwortete der Todesgott, nun veränderte sich langsam seine Form und sah viel monströser aus, „Ich habe viele Formen und Gestalten, Jin Garen. Ich kann auch ein Monster sein, wenn dir das lieber ist.“
„N-nein, nein, schon gut! Schon gut, es tut mir leid…!“
„Schön“, sprach der Todesgott lächelnd, als er wieder die Gestalt des Drachenmannes in Rüstung annahm.
„U-und… was passiert jetzt? Darf ich zu meinem Ehemann zurück?“, fragte Jin, der sich allerdings schon denken konnte, dass das sicher nicht so einfach war.
„Dürfen schon, aber lass mich dir noch einen kleinen Tipp mit auf den Weg geben: jetzt, da du mein Buch hast und so richtig als Erbe erwacht bist, kannst du damit rechnen, dass euch ein paar Leute auf die Pelle rücken werden. Es gibt viele Verrückte da draußen, die nach den Erben meiner Kraft suchen. Etwa um sie zu töten, oder um ihre Kräfte dafür zu verwenden, etwas Unruhe zu stiften.“, erklärte der Todesgott, „Du versteht sicher, was ich meine, hm?“
„I-ich verstehe…“
„Du wirst auch garantiert die Zauber benötigen, die in dem Buch drin waren, um dich und deinen geliebten Ehemann schützen zu können.“, sprach der Todesgott, dann wurde er aber von Jin unterbrochen:
„'Zauber, die in dem Buch drin waren'? Was bedeutet das?“
„Herrje, ich dachte, du wärst einer der Erben, die etwas mehr Grips hätten?“, grummelte der Todesgott. Er erklärte weiter: „Es fehlen ein paar Seiten in dem Buch. Ich habe sie in ein paar Schreinen in diesem Land versteckt, weil ich nicht will, dass ein jeder dahergelaufene Trottelerbe damit gleich Schabernack treiben kann.“
„O-oh…“, Jin fühlte sich aus irgendeinem Grund durch den Kommentar direkt angesprochen.
„Außerdem, wo bleibt da der Spaß, gleich alles auf einmal von meinen Zaubersprüchen zaubern zu können?“
„J-ja… ich stimme zu… eheheh…“, sagte Jin, der unter allen Umständen vermeiden wollte, den Todesgott zu verärgern. Er wollte einfach nur noch zurück zu Jaryl in die Realität…
„Ach ja, falls du auf die Idee kommen solltest, das Buch wegzuwerfen oder zu zerstören, das geht nicht. Dafür habe ich schon gesorgt.“, sprach der Todesgott ominös weiter.
„K-keine Sorge, das wäre mir nie im Leben eingefallen!“
„Braver Bursche. So, du bist jetzt entlassen. Was du weiter anstellst sei dir überlassen, aber vergiss nicht, was ich dir gesagt habe.“
Als der Todesgott diese Worte gesprochen hatte, begann Jin's Sicht sich zu trüben, und ihm wurde wieder schwarz vor Augen.

Jin schlug langsam die Augen auf, und er erblickte Jaryl, der neben ihm kniete und über ihm gebückt war.
„Jin! Geht's dir gut?! Alles okay?! Was ist passiert??“, fragte Jaryl besorgt.
„Ich… mir gehts gut… glaube ich“, antwortete Jin, der nun versuchte, aufzustehen. Jaryl half ihm dabei.
„Sicher, dass es dir gut geht? Als du das Teil da berührt hast, bist du einfach umgekippt!“, erklärte Jaryl, der nun auf das Zauberbuch deutete, welches unweit von ihnen auf dem Boden lag. Nun sah es aus wie ein einfaches, unscheinbares Buch.
„Mir geht's gut, wirklich! Aber Jaryl, Schatz, ich glaube, ich habe gerade mit diesem Todesgott selbst gesprochen.“, erklärte Jin.
„Häh? Warte mal, hattest du so etwas wie eine Vision? Oder einen prophetischen Traum oder so?“, fragte Jaryl.
„Ich weiß nicht, was es war, aber es hat sich so real angefühlt“, erklärte Jin, dann erzählte er Jaryl von dem Gespräch mit dem Todesgott.

„Das klingt alles so unglaublich…“, meinte Jaryl, als Jin mit seiner Erzählung fertig war.
„So unglaublich es auch klingt, so hat es sich zugetragen.“, antwortete Jin.
Jaryl überlegte kurz, dann sprach er: „Aber ich finde, wir sollten das Buch mal mitnehmen und uns irgendwo eine Unterkunft suchen, wo wir uns genauer und in Ruhe darüber unterhalten können. Dieser Ort hier ist unheimlich.“
„Da bin ich auch dafür“, stimmte Jin zu, als er das Buch vom Boden aufhob.

Nun verließen die beiden den Schrein, auf unerwartete Art und Weise in ein neues Abenteuer gestürzt…