Hallihallo an alle! :)
Ich weiß, es ist wieder etwas später geworden, aber ich hatte viel Arbeit. Für GemsOfWar kam ein großes Update mit zwei neuen Königreichen raus und dementsprechend hatte ich viel zu tun. Aber genug davon. Hier nun das zehnte Kapitel des zweiten Bandes meiner Story über Reiga und sein Rudel. Viel Spaß!
Noch schnell das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 10: Die Reise durch ein Tal in 3000 Metern Höhe
Erst gegen Nachmittag waren endlich alle soweit fertig. Thomas, Marie und auch Reiga hatten ihre Rucksäcke gepackt und die Wölfe hatten sich bei ihren jeweiligen Urkanen abgemeldet. Tiger, Aris und Rika waren Kämpfer und hatten dementsprechend bei den übrigen Kämpfern trainiert. Nita hatte sich eigentlich auf ihre Prüfung bei den Tiranen vorbereitet, um endlich als erwachsener Wolf anerkannt zu werden, doch die musste sie nun leider verschieben. Damit galt sie auch weiterhin als Welpe. Honi hatte die letzten Tage damit verbracht einem Tiranen alles über die Menschen zu erzählen, was er wusste. Da er nun mal bei Marie aufgewachsen war, war sein Verständnis für die Menschen dem der übrigen Wölfe natürlich weit voraus.
Reiga, Thomas und Marie nahmen sich ihre Rucksäcke und zusammen liefen sie mit den Wölfen aus ihrer Schlafhöhle. Als sie am Ausgang zur Haupthöhle ankamen, legte Kiba seine Pfote auf die kleine Steintafel und wischte einmal kurz über den Pfotenabdruck in dem Kreis. Dieser verschwand dabei. Auf die fragenden Blicke erklärte der Wolf: „Wir werden sicherlich einige Tage weg sein, daher müssen wir unseren Anspruch auf die Schlafhöhle wieder abgeben.“ Nachdem das erledigt war, lief Kiba den Spiralweg rauf, während ihm die Anderen einfach folgten.
Thomas fragte verwirrt: „Müssen wir nicht runter? Als wir hier angekommen sind, sind wir doch hochgelaufen oder nicht?“ Auf diese Frage antwortete diesmal Aris: „Das ist richtig, aber der Eingang ist nicht gleichzeitig auch der Ausgang. Die Mondhöhlen können nur bei Vollmond betreten werden. Es kommt somit natürlich vor, dass sehr viele Rudel gleichzeitig hier ankommen. Deswegen gibt es in gewissen Abständen mehrere Eingänge. Die Mondhöhlen können jedoch jeder Zeit verlassen werden und aus diesem Grund benötigen wir nur drei Ausgänge. Jeweils einer im unteren und oberen Teil der Haupthöhle und einer bei der Lichtkugel.“
Ohne ein weiteres Wort liefen sie den Spiralweg weiter rauf und gingen an den verschiedenen Eingängen zu den wichtigsten Höhlen vorbei, die um die Lichtkugel herum verteilt waren. Sie warteten nur kurz vor dem Eingang zur Ratshöhle der Meister, da sich Reiga bei ihnen nochmal abmelden wollte. Nachdem das erledigt war, liefen sie weiter und passierten schließlich auch den Tunnel zur Versammlungshöhle. Kurz danach kam schon ein weiterer großer Eingang. Auf der Steintafel, die über dem Tunneleingang eingelassen war, sah man einen großen Halbkreis mit drei Bäumen und einer Sonne in der oberen rechten Ecke der Tafel. Es war offensichtlich, dass damit die obere Welt gemeint war, dennoch mussten Marie und Thomas grinsen, denn das Bild sah eher danach aus, als ob es ein Kindergartenkind gemalt hätte.
Alle samt folgten sie Kiba, als dieser in den Tunnel einbog. Etwas verwundert bemerkte Reiga, dass sich in diesem Tunnel kein einziger Wolf aufhielt. Als sie am Ende des Tunnels ankamen, mussten sie auch nicht warten, denn außer ihnen schien niemand die Mondhöhlen verlassen zu wollen. Als Reiga danach fragte, erklärte Kiba: „Außer uns wird niemand die Erlaubnis haben, die Mondhöhlen zu verlassen. Da nun der männliche Lougarou aufgetaucht ist, werden alle Rudel zurückgerufen. Unsere Bemühungen das Schwert selbst zu finden waren leider erfolglos, daher macht es keinen Sinn mehr für die übrigen Rudel noch weiter in der oberen Welt zu suchen.“
Reiga erinnerte sich: „Ach ja. Ich glaube, ich habe die anderen Meister gestern darüber reden hören.“ Er sah nun wieder nach vorn und entdeckte dort, was sie auch schon beim Eintritt in die Mondhöhlen gesehen hatten. Am Ende des Tunnels gab es eine kleine Pfütze auf dem Boden. Aus ihr stieg immer mal wieder eine kleine weiße Kugel aus Licht auf, die dann irgendwann verschwand. Jedoch bemerkte Reiga auch etwas Neues. Auf der Wand hinter der Pütze war eine Weltkarte eingebrannt. Zwar nur sehr grob und ohne Landesgrenzen, aber dafür waren Berge, Flüsse und Seen eingezeichnet. Außerdem gab es an vielen Stellen einzelne kleine weiße Punkte. Zu viele um sie zu zählen.
„Sind diese Punkte alles Portalteiche?“, fragte Thomas fasziniert. Kiba nickte kurz und antwortete: „Ja. Weiße Punkte stehen für zugängliche Teiche, orangene bedeuten, dass zurzeit Menschen in unmittelbarer Nähe sind und Rot, dass es einfach nur gefährlich ist, weil zum Beispiel gerade ein Sturm dort tobt oder ähnliches.“ Reiga suchte auf der Karte den richtigen Berg. Der Nanga Parbat lag am Ende des westlichen Himalaya und damit in der Region, die man Kaschmir nannte. Leider gab es auf dieser Karte jedoch keine Namen oder Landesgrenzen. Es gestaltete sich daher etwas schwieriger den richtigen Berg zu finden. Auf sein Bitten hin, kam Kiba ihm zur Hilfe. Als sie sich sicher waren, den richtigen Portalteich gefunden zu haben, gab Kiba den Zielteich per Gedanken an das Portal weiter.
Die kleine Pfütze auf dem Boden strahlte hell auf und unzählige kleine Lichter kamen plötzlich aus ihr heraus. Kiba sprach: „Okay. Alle bereit?“ Auf das Nicken aller, drehte der Wolf sich zur Pfütze und lief auf sie zu. Noch bevor er mit der Nase über der Pfütze war, hatte ihn bereits eins der Lichter berührt und er verschwand. Reiga ging grinsend als nächstes und so durchschritten sie nach einander das Portal. Thomas und Marie gingen als letztes. Mit geschlossenen Augen liefen sie hindurch und spürten plötzlich eine eisige Kälte. Langsam öffneten sie ihre Augen und wurden erstmal von einigen Sonnenstrahlen geblendet. Als sich ihre Augen an das Licht gewöhnt hatten, sahen Thomas und Marie sich erstaunt um.
„Seid vorsichtig, ihr steht auf einem zugefrorenen Teich!“, hörten sie Reiga plötzlich rufen. Verwundert bemerkten die beiden Menschen die glatte Fläche und liefen vorsichtig zu den Anderen. „Hier ist wohl gerade Winter oder wie?“, fragte Marie erstaunt und schloss dabei ihre dicke Out-Door-Jacke. Thomas hatte dagegen nur eine dünne Regenjacke an und bibberte schon. „Ist doch wohl jetzt nicht wahr“, jammerte der Junge und rieb sich dabei über die Arme, um das Blut etwas in Wallung zu bringen. Reiga antwortete auf Maries Frage: „Nein, ich glaube nicht, dass es hier schon Winter ist, allerdings liegt dieses Tal immer noch 3200 Meter über dem Meeresspiegel.“
Thomas und Marie sahen ihn etwas geschockt an. „Wie bitte?!“, fragten sie gleichzeitig. „Nur keine Sorge. Wir müssen sicherlich öfters Pausen machen, aber gefährlich sollte es für uns noch nicht sein“, antwortete Reiga darauf. Marie konterte jedoch: „Du weißt, dass ich früher mit meinem Vater oft campen war und dazu gehörte manchmal auch etwas Bergsteigen. Bei 3000 Meter wird die Luft schon merklich dünn. Wir können das zwar noch durch schnelles Atmen ausgleichen, aber das wird uns dennoch mehr Kraft kosten.“ „Ich weiß. Deswegen sagte ich, dass wir sicherlich öfters Pausen machen müssen“, erwiderte Reiga, sah dabei zu Kiba runter und fragte: „Was meinst du, wie lange wir bis zum Dorf brauchen werden?“
Kiba überlegte kurz und antwortete schließlich: „Ich denke mal ein bis zwei Tage. Je nachdem wie oft wir Pausen machen müssen. Erstmal müssen wir jedoch die Richtung bestimmen. Der Portalteich lag nördlich des Dorfes, wenn ich mich richtig erinnere. Wir müssen also nach Süden.“ Marie holte einen Kompass aus der Seitentasche ihres Rucksackes und musste sich einmal umdrehen. Sie waren wohl in nördlicher Richtung vom Teich gelaufen. Als sie sich sicher war, deutete sie auf den Teich und sprach: „Wir müssen da lang.“ Ohne groß Zeit zu verlieren machten sie sich auf den Weg. Nachdem sie um den Teich herumgelaufen waren, gingen sie in die Richtung, die Marie angegeben hatte.
Die ohnehin schon wenigen Bäume verschwanden schließlich auch, als sie den kleinen Wald mit dem Teich verließen. Reiga und sein Rudel hatten nur noch ein langes flaches Tal vor sich. Hier und da gab es nochmal einen kleinen Baum oder einige Büsche, aber sonst waren Pflanzen selten anzutreffen und obwohl der Teich zugefroren gewesen war, lag dennoch nirgends Schnee. Nur die langen Bergketten, die sich links und rechts erstreckten, waren weiß. Der Wind wehte dennoch eisig, während ihnen die Sonne auf den Kopf brannte. Marie und Thomas kämpften dazu noch mit der dünnen Luft. Reiga konnte sich dank seiner starken Selbstheilungskräfte direkt an diese Umgebung gewöhnen und auch die Wölfe hatten sich nach einiger Zeit so gut es ging angepasst.
„Zumindest müssen wir keine Steigung hochlaufen“, stellte Thomas hechelnd fest. Auch Marie atmete schon deutlich schneller, antwortete darauf jedoch: „Das schon, aber gegen ein Auto hätte ich trotzdem nichts einzuwenden.“ Als sie nach fast zwei Stunden des Marschierens an einem kleinen Bach ankamen, verkündete Reiga, dass sie hier eine Pause machen würden. Natürlich erntete er damit die erleichterte Zustimmung aller. Nachdem alle etwas Wasser aus dem Bach getrunken hatten, setzten sie sich in einem kleinen Kreis zusammen. „Zum Glück haben wir heute Morgen eine Nova-Frucht gegessen. Dadurch bleibt uns der Hunger erstmal eine Weile erspart“, meinte Thomas schließlich.
Kiba antwortete nickend: „Nicht nur das. Hier in der Gegend scheint Jagdbeute sehr rar zu sein. Wir Wölfe kommen mit ein paar Eidechsen oder Mäusen auch mal aus, aber ihr drei habt da sicherlich weniger Lust drauf.“ Reiga erwiderte: „Ja, das ist richtig. Vorerst brauchen wir uns darum keine Sorgen machen und ich denke, bis wir wieder Hunger haben, haben wir das Dorf erreicht. Wir sollten allerdings auf jeden Fall unsere Flaschen nochmal mit Wasser füllen, bevor wir weiterlaufen.“ „Lohnt sich das überhaupt noch? Ich meine, es wird sicherlich bald dunkel und um ehrlich zu sein, mache ich mir darum auch schon ein paar Sorgen“, entgegnete Marie.
Reiga verstand worauf sie hinauswollte. Die Sonne sorgte für halbwegs erträgliche Temperaturen, aber in der Nacht würde es sicherlich deutlich kälter sein. Er sah sich um. Keine Höhlen oder größere Felsen. Sie befanden sich in der Mitte einer steinigen Steppe, die keinerlei Windschutz bot. „Ich sehe mich mal um“, sprach er plötzlich und zog sich seine Klamotten aus. Dabei setzte schon die Verwandlung ein. Nach etwa einer Minute öffnete der Wolfsmensch die Augen. Reiga musste sich eingestehen, dass er dieses Gefühl liebte. In diesem Körper konnte er spüren, wie die Kraft durch seine Adern floss. Nachdem er einige Schritte von den Anderen weggegangen war, ging er soweit runter wie es mit den langen Beinen möglich war und bereitete sich auf einen Sprung vor.
Immer mehr Kraft sammelte er in seiner Beinmuskulatur und konzentrierte sich dabei. Schließlich stieß er sich vom Boden ab und sprang so hoch er konnte. Geschockt schaute sein Rudel und die beiden Menschen dabei zu, wie der Wolfsmensch in die Luft schoss. „Wow“, kam von Marie nur, während Thomas fragte: „Wahnsinn! Wie hoch will er denn noch? Ich sehe ihn kaum noch.“ Marie musste ebenfalls ihre Augen bemühen, um ihn wenigsten noch als kleinen Punkt zu erkennen. „Keine Ahnung. Das sind ja schon an die 400 Meter oder? Bis an das Blätterdach des Nova-Baumes wäre er sicherlich damit gekommen.“ Nickend fragte Thomas: „Und wie will er wieder landen? Er ist zwar unsterblich, aber einen Krater zu verursachen, tut bestimmt trotzdem ziemlich weh.“
Während sie sich über Reigas Landung Sorgen machten, sah der sich bereits um. Auch er war von seiner Sprunghöhe zuerst erstaunt, nutzte aber nun solange wie möglich die Aussicht, um sich die Umgebung anzusehen. Er konnte zwar das Dorf in der Ferne erkennen, jedoch würden sie das heute auf keinen Fall mehr erreichen können. Außerdem sah er auch von hier oben keine Höhlen oder größeren Felsen, die etwas Windschutz geboten hätten. Er musste leider feststellen, dass sie damit ein ernstes Problem hatten. Selbst die Wölfe mit ihrem dicken Fell mussten bei dieser Kälte zumindest einen windgeschützten Schlafplatz haben.
Da es nichts weiter zu sehen gab, bereitete Reiga sich schließlich auf die Landung vor. Er musste zugeben, dass er nicht mit dieser Höhe gerechnet hatte, aber dennoch machte er sich keine Sorgen. Er versuchte seine Beine so gut er konnte auf die Landung vor zu bereiten und wirkte unbewusst noch einen Zauber, um seinen Fall etwas abzubremsen. Nach etwa vier Minuten, in denen er den Boden näherkommen sah, kam er schließlich auf dem steinigen Grund auf und fing so viel von dem Aufschlag ab wie möglich. Leider reichte es dennoch nicht ganz. Gute zehn Meter von den Anderen entfernt landete er und stöhnte dabei vor Schmerzen auf, als er zweimal ein lautes Knacken hörte.
Nachdem er sich etwas gesammelt hatte, bemerkte er, dass seine Beine gebrochen waren. Noch bevor sein Rudel zur Stelle war, waren diese jedoch wieder geheilt. Besorgt fragte Marie, als sie bei ihm ankamen: „Alles okay? Bist du verletzt?“ Reiga erhob sich wieder und verwandelte sich dabei zurück. Kurz darauf antwortete er: „Keine Sorge, ist schon verheilt. Aber leider konnte ich nichts finden, wo wir für die Nacht Zuflucht suchen können und das Dorf ist noch viel zu weit weg.“ „Ach deswegen hast du dich umgeschaut“, warf Rika erstaunt ein, worauf Kiba direkt hinzufügte: „Versuch es doch mit Magie.“
Reiga sah seinen kleinen Freund überrascht an. Daran hatte er gar nicht gedacht. Wäre er früher darauf gekommen, hätte er sich den Sprung sparen können. Reiga zog sich erstmal schnell seine Kleidung wieder an, denn auch ihm war es bei bestimmt minus zwei Grad ohne Klamotten am Leib deutlich zu kalt. Er sah sich nochmal etwas um. Egal wo sie übernachteten, sie wären überall leicht zu entdecken, daher entschloss er sich dazu einfach bei dem kleinen Bach zu bleiben. Er schickte Thomas los, um Feuerholz zu sammeln und überlegte sich derweil, wie er ihren Unterschlupf am besten gestallten sollte. Sie mussten vor dem Wind geschützt sein, es vielleicht noch etwas wärmer haben und möglichst unentdeckt bleiben. Als ihm eine Idee kam, bat er alle um Ruhe.
Für diesen Zauber musste er sich konzentrieren. Er setzte sich vor dem Feuer in einen Schneidersitz, legte seine Handflächen vor sich aneinander, sodass die Fingerspitzen nach oben zeigten und schloss die Augen. Reiga musste dafür eine große Menge magischer Energie nutzen. Als er genügend angesammelt hatte, bewegte er seine Hände langsam voneinander weg und sprach einige Worte: „Aquee lo wis-ke kailasa laguwo de mikasi ashok anewai.“ Thomas, Marie und die Wölfe sahen erstaunt dabei zu. Reiga erschuf zwischen seinen Händen eine kleine Kugel aus weißem Licht. Sie war nicht viel größer als ein Golfball, leuchtete dafür aber heller als die Sonne.
Langsam hob er seine Arme und ließ die kleine Kugel schließlich über sich aufsteigen. Als sie gute fünf Meter über ihm schwebte, löste sich scheinbar ein Schleier aus Licht von ihr ab und bildete eine Kuppel. Mit einem Durchmesser von knapp zehn Metern bot sie für alle genügend Platz. Als der Schleier aus Licht rundherum den Boden erreichte, war von der kleinen Kugel nichts mehr übrig. Stattdessen hatten sie nun einen durchsichtigen Schutzschild. Reiga entspannte sich wieder und hoffte, dass der Zauber bestehen blieb und er nichts falsch gemacht hatte. Auch nach fast zwei Minuten war die silberne Kuppel noch da, so konnte er nun doch erleichtert durchatmen. Kiba dagegen sah ihn geschockt an.
„Woher kannst du schon diese Art von Zauber? So ein Schutzschild ist selbst für erfahrene Nihama eine kleine Herausforderung“, fragte Kiba erstaunt. Reiga erklärte ihm kurz, dass er versehentlich einige Erinnerungen von Pallos, Muna und Amada aufgenommen hatte und daher den Zauber kannte. Kurz darauf fügte er noch hinzu: „Dieser Schutzschild wird uns nicht nur vor Wind und Wetter schützen. Er wird auch die Wärme des Feuers etwas anstauen und kann nicht von Fremden durchschritten werden. Außerdem kann man von außen nichts von uns oder dem Schild sehen. Er dient uns also auch als Tarnung.“
„Du erstaunst mich immer wieder“, gab Kiba darauf nur zurück. Reiga antwortete lachend: „Dasselbe kann ich aber auch über euch Wölfe sagen.“ Damit neigte sich der Tag auch schon dem Ende zu. Die restliche Zeit bis zum Einbruch der Nacht unterhielten sie sich noch ein wenig, aber mehr geschah auch nicht. Da Reiga sehr viel Kraft in den Schutzschild gesteckt hatte und ihn auch weiterhin noch aufrecht halten musste, musste Marie auf ein Bett für diese Nacht verzichten. Trotz seiner hohen Ausdauer und einem gigantischen Vorrat an magischer Energie, traute Reiga es sich vorerst nicht andere Zauber einzusetzen.
Er wollte es nicht riskieren, dass der Schutzschild vielleicht doch noch zusammenbrach, wenn er sich zu sehr auf etwas Anderes konzentrieren musste. Eigentlich war er schon von der Tatsache überrascht, dass es ihm beim ersten Versuch gleich gelungen war. Wenn er genauer darüber nachdachte, dann musste er sich nämlich eingestehen, dass er kaum Ahnung von dem hatte, was er da tat, geschweige denn, was die Wörter des Zaubers eigentlich genau bedeuteten. Er wusste inzwischen, worauf es beim Anwenden von Magie ankam, aber natürlich fehlte ihm die Erfahrung und vor allem das Wissen. Reiga beschloss sich bei Gelegenheit von den Nihama unterrichten zu lassen, um sich wenigstens ein gewisses Maß an Grundwissen an zu eigenen.
In der Nacht tobte ein kleiner Sturm. Der Wind fegte zumindest sehr stark über sie hinweg. Jeder von ihnen wachte deswegen mal auf und je mehr sie von dem Sturm sahen, desto dankbarer waren sie für den Schutzschild. Leider mussten sie am frühen Morgen feststellen, dass er ihnen keinen Schutz vor der Sonne bot. Daher wachten die Meisten bereits mit den ersten Sonnenstrahlen auf, als sich diese über die Bergketten erstreckten. Erfreut stellte Reiga fest, dass der Schild noch aktiv war, als er aufwachte. Nachdem er sich etwas gestreckt hatte, um seinen müden Körper zu wecken, widmete sich Reiga dem Schutzschild. Da sie ihn nicht mehr benötigten, wollte er natürlich nicht weiter Energie dafür verschwenden.
Um den Zauber zu beenden, musste er jedoch nichts Besonderes tun. Der Gedanke daran reichte aus und schon löste sich der silberne Schleier auf. Reiga spürte sofort, dass seine Kraft nicht weiter angezapft wurde. Er fühlte sich erleichtert. Als wenige Minuten später alle anderen auch aufgestanden waren, machten sie sich fertig und liefen weiter. Sie bemerkten, dass sich durch den Sturm sogar das Tal verändert hatte. Gestern sah man hier und da noch Erde oder Sand. Der Boden war zwar schon vorher sehr steinig gewesen, aber nun war durch den Wind der meiste Dreck weggeweht worden, sodass sich vor ihnen ein fast ebenes Bett aus Kieselsteinen erstreckte.
„Der Sturm war wohl doch etwas stärker, als ich gedacht hatte. Was ein Glück, dass wir den Schutzschild hatten. Das wäre sonst eine sehr unruhige Nacht geworden“, sprach Thomas, als er die Veränderung des Tals bemerkte und sich dabei erstaunt umsah. Nickend bestätigte Marie das ebenfalls: „Ja, das wäre sicherlich ziemlich ungemütlich gewesen.“ Reiga fiel dagegen etwas ganz Anderes auf. Obwohl sie gerade mal seit 20 Minuten wieder liefen, zeigten Thomas und Marie wieder Anzeichen von Erschöpfung und atmeten deutlich schneller. Scheinbar zerrte die dünne Luft erneut an ihren Kräften.
Nach etwa zwei Stunden legten sie eine Pause ein. Natürlich mussten auch die Wölfe mal verschnaufen. Sie konnten sich zwar deutlich besser an neue Umgebungen anpassen als Menschen, aber bei 3000 Metern kamen auch sie schnell an ihre Grenzen. Reiga nutzte die Gelegenheit, um nochmal nach dem Dorf Ausschau zu halten. Diesmal verwandelte er sich dazu allerdings nicht. Nachdem er seinen Mantel abgelegt hatte, ging er wieder einige Schritte bei Seite und sprang in menschlicher Gestalt so hoch er konnte. Er wollte damit auch die Kräfte seiner drei Formen vergleichen. Ganz so hoch kam er diesmal leider nicht, doch gute 100 Meter erreichte er.
Das Dorf entdeckte er auch schnell. Etwa die Hälfte des Weges hatten sie bereits geschafft, doch was er entdeckte, als er sich das Dorf genauer ansah, gefiel ihm nicht. „Militär – und nicht gerade wenig“, murmelte er vor sich hin und bereitete sich dabei auf die Landung vor. Diesmal konnte er den Aufprall abfangen, ohne sich dabei etwas zu brechen. Leider gab es dafür nun etwas Anderes, worüber er sich Sorgen machte. „Was, wenn die auf die Idee kommen mit ihren Automatikgewehren auf meine Wölfe zu ballern?“, dachte er sich und ging dabei zurück zu den Anderen. Die bemerkten natürlich, dass Reiga auf einmal in Gedanken versunken war.
„Was ist? Was hast du gesehen?“, fragte Kiba schließlich, da er Reiga inzwischen gut genug kannte, um zu wissen, wann er wirklich besorgt war. Nachdem Reiga sich gesetzt hatte, antwortete er: „Auf einem Feld neben dem Dorf stehen zwei Militärhubschrauber. Außerdem sind zwei große Zelte und einige kleine aufgebaut worden.“ Thomas erwiderte darauf: „In dem Artikel im Internet stand doch, dass der Altar in der Höhle aus massivem Gold ist. Ist eigentlich keine Überraschung, dass der gut bewacht wird. Nur das macht uns das Ganze natürlich nicht leichter.“
Marie fügte mit ein: „Die werden auch gut bewaffnet sein und vielleicht sogar Kontrollen durchführen. Ich habe zwar meinen Reisepass und so dabei, aber euch beiden nützt das nichts und schon gar nicht den Wölfen.“ „Ich habe zwar damit gerechnet, dass die Höhle bewacht wird, aber nicht mit so viel Feuerkraft. Ein paar Wachen hätte ich mit etwas Magie in Tiefschlaf versetzt, aber so wie es jetzt aussieht, glaube ich nicht, dass wir uns da so einfach reinschleichen können. Mir gefällt der Gedanke nicht, was passieren könnte, wenn sie uns erwischen“, meinte Reiga schließlich. In den folgenden schweigsamen Minuten dachten sie alle über eine mögliche Lösung für dieses Hindernis nach.
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)
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