{"id":89,"date":"2013-03-03T22:34:46","date_gmt":"2013-03-03T20:34:46","guid":{"rendered":"http:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp\/?page_id=89"},"modified":"2013-09-01T12:50:22","modified_gmt":"2013-09-01T10:50:22","slug":"frauenrechte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/frauenrechte\/","title":{"rendered":"Die Rechte der Frau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">\n\t<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/oberleiste.jpg\" \/>\n<\/p>\n<p>\n\tDie im deutschen Sprachraum ber&uuml;hmteste Schrift Olympe de Gouges&#39; ist ihre &quot;Erkl&auml;rung der Rechte der Frau und B&uuml;rgerin&quot;. Sie ist Teil der hier auf Deutsch zur Verf&uuml;gung gestellten Schrift <em>Les droits de la femme<\/em>. Die Anmerkungen, denen ein * vorangestellt ist, stammen von Olympe de Gouges und geh&ouml;ren zum Original. Die bezifferten Endnoten sind j&uuml;ngst hinzugef&uuml;gte kontextuelle Erl&auml;uterungen. Beachten Sie bitte das Copyright und geben Sie beim Zitieren die Quelle an. Vielen Dank.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<h3>\n\tDie Rechte der Frau<br \/>\n<\/h3>\n<p>\n\t14. September 1791\n<\/p>\n<p style=\"margin-left: 40px;\">\n\t<br \/>\n\t&nbsp;<a href=\"#koenigin\">An die K&ouml;nigin<\/a><br \/>\n\t&nbsp;<a href=\"#rechte\">Die Rechte der Frau<\/a><br \/>\n\t&nbsp;<a href=\"#erklaerung\">Erkl&auml;rung der Rechte der Frau und B&uuml;rgerin<\/a><br \/>\n\t&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8211; <a href=\"#praeambel\">Pr&auml;ambel<\/a><br \/>\n\t&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8211; <a href=\"#artikel\">Artikel 1 bis 17<\/a><br \/>\n\t&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8211; <a href=\"#postambel\">Postambel<\/a><br \/>\n\t&nbsp;<a href=\"#gesellschaftsvertrag\">Muster eines Gesellschaftsvertrages von Mann und Frau<\/a> &nbsp;<br \/>\n\t&nbsp;<a href=\"#anekdote\">Anekdote<\/a> &nbsp;<br \/>\n\t&nbsp;<a href=\"#ps\">Postskriptum<\/a><br \/>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<h3>\n\t<a name=\"koenigin\"><\/a>An die K&ouml;nigin<br \/>\n<\/h3>\n<p>\n\tMadame,<br \/>\n\twenig ge&uuml;bt in der Sprache, die man K&ouml;nigen gegen&uuml;ber an den Tag legt, werde ich nicht die Lobhudeleien der H&ouml;flinge gebrauchen, um Euch diese besondere Schrift zu widmen. Mein Ziel, Madame, ist, offen zu Euch zu sprechen; um mich auf diese Weise auszudr&uuml;cken, habe ich nicht das Zeitalter der Freiheit abgewartet: ich habe mich mit derselben Tatkraft zu einer Zeit gezeigt, zu der die Blindheit der Despoten einen so edlen Mut bestrafte.<br \/>\n\tAls das gesamte Reich Euch anklagte und f&uuml;r seine Schwierigkeiten verantwortlich machte, habe ich allein, in einer Zeit des Aufruhrs und des Unwetters, die St&auml;rke gehabt, Eure Verteidigung zu &uuml;bernehmen. Ich konnte nie die &Uuml;berzeugung gewinnen, dass eine in erhabenem Scho&szlig; erzogene Prinzessin all die Laster der Niedertracht h&auml;tte.<br \/>\n\tJa, Madame, als ich das Schwert &uuml;ber Euch erhoben sah, habe ich meine Achtsamkeit zwischen dieses Schwert und das Opfer geworfen; aber heute, wo ich sehe, dass man die Menge der gedungenen Rebellen genau beobachtet und sie aus Furcht vor dem Gesetz gebremst ist, werde ich Euch sagen, Madame, was ich Euch damals nicht gesagt h&auml;tte.<br \/>\n\tWenn das Ausland die Klinge nach Frankreich tr&auml;gt, seid Ihr in meinen Augen nicht l&auml;nger diese f&auml;lschlicherweise beschuldigte K&ouml;nigin, diese interessante K&ouml;nigin, sondern eine unerbittliche Feindin der Franzosen. Ach, Madame! Denkt daran, dass Ihr Mutter und Ehefrau seid; setzt all Euer Ansehen f&uuml;r die R&uuml;ckkehr der Prinzen ein. Dieses Ansehen, weise angewendet, best&auml;rkt die Krone des Vaters, erh&auml;lt sie dem Sohn und verschafft Euch wieder die Liebe der Franzosen. Dieses w&uuml;rdevolle Unterhandeln ist die wahre Aufgabe einer K&ouml;nigin. Intrige, Kabale und blutr&uuml;nstige Pl&auml;ne w&uuml;rden Euren Sturz beschleunigen, wenn Ihr in den Verdacht geraten solltet, zu derartigen Absichten f&auml;hig zu sein.<br \/>\n\tEine edlere Besch&auml;ftigung, Madame, m&ouml;ge Euch auszeichnen, Euren Ehrgeiz anspornen und Eure Aufmerksamkeit bestimmen. Es obliegt nur derjenigen, die das Gl&uuml;ck an eine so bedeutende Stelle erhoben hat, dem Vorw&auml;rtskommen der Rechte der Frau Gewicht zu verleihen und ihren Erfolg voranzutreiben. Wenn Ihr weniger gebildet w&auml;rt, Madame, k&ouml;nnte ich bef&uuml;rchten, dass Eure Einzelinteressen &uuml;ber diejenigen Eures Geschlechtes siegen w&uuml;rden. Sie lieben den Ruhm: Denkt daran, Madame, dass die gr&ouml;&szlig;ten Verbrechen genauso unsterblich sind wie die gr&ouml;&szlig;ten Tugenden; aber mit welchem Unterschied des Ansehens in der Herrlichkeit der Geschichte! Das eine wird ohne Unterlass als Beispiel angef&uuml;hrt und das andere ist auf ewig der Abscheu des Menschengeschlechts.<br \/>\n\tMan wird Euch niemals beanstanden, auf die Wiederherstellung der Sitten hinzuarbeiten, Eurem Geschlecht all den Stellenwert zu verleihen, zu dem es imstande ist. Diese Leistung ist, zum Leidwesen f&uuml;r die neue Staatsmacht, nicht die Arbeit eines Tages. Diese Revolution wird nur dann ihre Wirkung tun, wenn sich alle Frauen ihres beklagenswerten Schicksals und der Rechte, die sie in der Gesellschaft verloren haben, bewusst sein werden. Unterst&uuml;tzt, Madame, eine so sch&ouml;ne Sache; verteidigt dieses ungl&uuml;ckliche Geschlecht und Ihr werdet bald die H&auml;lfte des K&ouml;nigreiches f&uuml;r Euch einnehmen und zumindest ein Drittel der anderen H&auml;lfte.<br \/>\n\tDas, Madame, das sind die Gro&szlig;taten, durch die Ihr auf Euch aufmerksam machen und f&uuml;r die Ihr Euer Ansehen einsetzen solltet. Glaubt mir, Madame, unser Leben ist nur eine unwichtige Angelegenheit, besonders f&uuml;r eine K&ouml;nigin, wenn dieses Leben nicht mit der Liebe der V&ouml;lker und dem fortdauernden Charme der Wohlt&auml;tigkeit geschm&uuml;ckt wird.<br \/>\n\tWenn es wahr ist, dass die Franzosen ihre ganze Schlagkraft gegen das Vaterland mobilisieren; wof&uuml;r? F&uuml;r oberfl&auml;chliche Vorrechte, f&uuml;r Hirngespinste. Seid versichert, Madame, wenn ich danach urteile, wie ich f&uuml;hle, wird die monarchistische Partei sich selbst zerst&ouml;ren, sie wird alle Tyrannen ausliefern und alle Herzen werden sich um das Vaterland scharen, um es zu verteidigen.<br \/>\n\tDas, Madame, das sind meine Grunds&auml;tze. W&auml;hrend ich zu Euch &uuml;ber mein Vaterland spreche, verliere ich das Ziel dieser Widmung aus dem Blick. Auf diese Weise geschieht es, dass jeder gute B&uuml;rger seinen Ruhm und seine Interessen opfert, wenn er sich nur noch denen seines Vaterlandes widmet.\n<\/p>\n<p>\n\tIch bin in tiefster Hochachtung,<br \/>\n\tMadame,<br \/>\n\tEure sehr ergebene und gehorsame Dienerin,\n<\/p>\n<p>\n\tDe Gouges\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<h3>\n\t<a name=\"rechte\"><\/a>Die Rechte der Frau<br \/>\n<\/h3>\n<p>\n\tMann, bist du f&auml;hig, gerecht zu sein? Es ist eine Frau, die dir diese Frage stellt, zumindest dieses Recht nimmst du ihr nicht. Sag mir, wer hat dir die unumschr&auml;nkte Herrschaft verliehen, mein Geschlecht zu unterdr&uuml;cken? Deine Kraft? Deine Begabungen? Beobachte den Sch&ouml;pfer in seiner Weisheit; pr&uuml;fe die Natur in ihrer ganzen Gr&ouml;&szlig;e, der du dich ann&auml;hern zu wollen scheinst, und gib mir, wenn du es wagst, ein Beispiel f&uuml;r diese Tyrannenherrschaft.*<br \/>\n\tForsche bei den Tieren nach, befrage die Elemente, untersuche die Pflanzen, wirf schlie&szlig;lich einen Blick auf all die Wandlungen in der organisierten Materie und stelle dich dem Offenkundigen, wenn ich dir doch die Mittel dazu kundtue; suche, durchst&ouml;bere und unterscheide, wenn du es kannst, die Geschlechter in der Organisation der Natur. &Uuml;berall findest du sie ununterschieden, &uuml;berall tragen sie gemeinsam als harmonisches Ganzes zu diesem unsterblichen Meisterwerk bei.<br \/>\n\tNur der Mann hat sich einen davon abweichenden Grundsatz geschustert. Absonderlich, verblendet, wissenschaftlich aufgeblasen und degeneriert will er in diesem Jahrhundert der Aufkl&auml;rung und des Scharfsinns in gr&ouml;bster Unwissenheit als Despot &uuml;ber ein Geschlecht befehlen, das alle intellektuellen F&auml;higkeiten besitzt; er beabsichtigt, in den Genuss der Revolution zu kommen und seine Rechte auf Gleichheit einzufordern, um dar&uuml;ber hinaus nichts zu sagen.\n<\/p>\n<p>\n\t* Von Paris bis Peru und von Rom bis nach Japan &ndash; ist das allerd&uuml;mmste Tier, meiner Meinung nach, der Mann.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<h3>\n\t<a name=\"erklaerung\"><\/a>Erkl&auml;rung der Rechte der Frau und B&uuml;rgerin,<br \/>\n<\/h3>\n<p>\n\tzu erlassen durch die Nationalversammlung in ihren letzten Sitzungen oder in der der n&auml;chsten Legislaturperiode.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong><a name=\"praeambel\"><\/a>Pr&auml;ambel<\/strong><br \/>\n\tDie M&uuml;tter, T&ouml;chter, Schwestern, Repr&auml;sentantinnen der Nation, verlangen als Nationalversammlung eingesetzt zu werden. In Anbetracht, dass Unwissenheit, Vers&auml;umnis und Geringsch&auml;tzung der Rechte der Frau die einzigen Gr&uuml;nde f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Missst&auml;nde und die Verdorbenheit der Regierungen sind, haben sie beschlossen, in einer feierlichen Erkl&auml;rung die nat&uuml;rlichen, unver&auml;u&szlig;erlichen und heiligen Rechte der Frau darzulegen, damit diese Erkl&auml;rung allen Mitgliedern der Sozialk&ouml;rperschaft stets pr&auml;sent ist und sie unaufh&ouml;rlich an ihre Rechte und Pflichten erinnert, damit das Handeln aus dem Machtbereich der Frauen und das aus dem Machtbereich der M&auml;nner, indem sie mehr beachtet werden, zu jedem Zeitpunkt mit dem Zweck aller politischen Institutionen verglichen werden k&ouml;nnen, damit die Forderungen der B&uuml;rgerinnen, von nun an auf einfache und unbestreitbare Grunds&auml;tze gegr&uuml;ndet, sich stets auf die Aufrechterhaltung der Verfassung, der guten Sitten und dem Wohl aller richten.<br \/>\n\tDas an Sch&ouml;nheit wie auch an Mut in m&uuml;tterlichen Schmerzen &uuml;berlegene Geschlecht stellt dementsprechend fest und erkl&auml;rt in Gegenwart und unter dem Schutz des h&ouml;chsten Wesens die folgenden Rechte der Frau und B&uuml;rgerin.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong><a name=\"artikel\"><\/a>Erster Artikel<\/strong><br \/>\n\tDie Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann an Rechten gleich. Soziale Unterschiede k&ouml;nnen nur im allgemeinen Nutzen begr&uuml;ndet sein.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>II <\/strong><br \/>\n\tDer Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der nat&uuml;rlichen und unantastbaren Rechte der Frau und des Mannes: Dies sind die Rechte auf Freiheit, Eigentum, Sicherheit und besonders auf Widerstand gegen Unterdr&uuml;ckung.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>III <\/strong><br \/>\n\tDer Ursprung jeder Souver&auml;nit&auml;t liegt seinem Wesen nach in der Nation, die nichts anderes als die Vereinigung von Frau und Mann ist: Keine K&ouml;rperschaft, kein Individuum kann eine Macht aus&uuml;ben, die nicht ausdr&uuml;cklich daraus hervorgeht.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>IV<\/strong><br \/>\n\tFreiheit und Gerechtigkeit bestehen darin, alles, was einem anderen zukommt, herzugeben; es hat daher die Aus&uuml;bung der nat&uuml;rlichen Rechte der Frau nur die Grenzen der best&auml;ndigen Tyrannei, die der Mann ihr entgegensetzt; diese Grenzen m&uuml;ssen durch die Gesetze der Natur und der Vernunft nachgebessert werden.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>V <\/strong><br \/>\n\tDie Gesetze der Natur und der Vernunft verbieten alle Handlungen, die der Gesellschaft sch&auml;dlich sind: Alles, was durch diese weisen und g&ouml;ttlichen Gesetze nicht verboten ist, darf nicht verhindert werden, und niemand kann zu tun gezwungen werden, was sie nicht anordnen.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>VI <\/strong><br \/>\n\tDas Gesetz muss Ausdruck des Gemeinwillens sein; alle B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger m&uuml;ssen pers&ouml;nlich oder durch ihre Repr&auml;sentanten an der Gesetzgebung mitwirken; es muss dasselbe f&uuml;r alle sein: Alle B&uuml;rgerinnen und alle B&uuml;rger, die in seinen Augen gleich sind, m&uuml;ssen gleicherma&szlig;en entsprechend ihren F&auml;higkeiten und ohne anderen Unterschied als den ihrer Tugenden und Begabungen zu allen W&uuml;rden, Stellen und &ouml;ffentlichen &Auml;mtern zugelassen sein.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>VII <\/strong><br \/>\n\tF&uuml;r keine Frau gibt es eine Ausnahme; sie wird in dem vom Gesetz bestimmten Fall angeklagt, festgenommen und inhaftiert. Die Frauen gehorchen wie die M&auml;nner diesem strengen Gesetz.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>VIII <\/strong><br \/>\n\tDas Gesetz darf nur unbedingt und offensichtlich notwendige Strafen festsetzen, und jeder darf nur kraft eines Gesetzes bestraft werden, das vor der Straftat festgesetzt und erlassen wurde und das rechtm&auml;&szlig;ig auf Frauen angewendet wird.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>IX <\/strong><br \/>\n\tAn jeder f&uuml;r schuldig befundenen Frau wird die volle H&auml;rte des Gesetzes angewendet.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>X <\/strong><br \/>\n\tWegen seiner, selbst fundamentalen, Meinungen braucht niemand etwas zu bef&uuml;rchten, die Frau hat das Recht auf das Schafott zu steigen; sie muss gleicherma&szlig;en das haben, ein Podium zu besteigen; unter der Voraussetzung, dass ihre Bekundungen nicht die durch das Gesetz festgelegte &ouml;ffentliche Ordnung st&ouml;ren.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XI <\/strong><br \/>\n\tDie freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen ist eines der wertvollsten Rechte der Frau, weil ja diese Freiheit die Legitimit&auml;t der V&auml;ter gegen&uuml;ber ihren Kindern sichert. Jede B&uuml;rgerin kann also frei sagen: &laquo;Ich bin die Mutter eines Kindes, das von Ihnen ist&raquo;, ohne dass eine unmenschliche Voreingenommenheit sie zwingt, die Wahrheit zu verschleiern; vorbehaltlich der Verantwortung f&uuml;r den Missbrauch dieser Freiheit in den vom Gesetz festgelegten F&auml;llen.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XII <\/strong><br \/>\n\tDie Gew&auml;hrleistung der Rechte der Frau und B&uuml;rgerin muss einen h&ouml;heren Nutzen haben; diese Gew&auml;hrleistung muss zum Vorteil aller eingerichtet werden und nicht zum besonderen Nutzen derjenigen, denen sie anvertraut ist.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XIII <\/strong><br \/>\n\tF&uuml;r den Unterhalt der Streitmacht und f&uuml;r die Kosten der Verwaltung sind die Abgaben der Frau und des Mannes gleich; sie hat Anteil an allen Strapazen, an allen beschwerlichen Arbeiten; sie muss deshalb ebenso Anteil an der Besetzung von Stellen, &Auml;mtern, Arbeitspl&auml;tzen, W&uuml;rden und Gewerben haben.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XIV <\/strong><br \/>\n\tDie B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger haben das Recht entweder selbst oder durch ihre Repr&auml;sentanten die Notwendigkeit der &ouml;ffentlichen Abgabe festzustellen. Die B&uuml;rgerinnen k&ouml;nnen ihr nur bei anteilsgleicher Zulassung zu Verm&ouml;gen sowie zur &ouml;ffentlichen Verwaltung zustimmen und H&ouml;he, Aufteilung, Eintreibung und Dauer der Steuer festsetzen.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XV <\/strong><br \/>\n\tDie gro&szlig;e Menge der Frauen, durch die Abgabe mit der der M&auml;nner verbunden, hat das Recht, von jedem &ouml;ffentlichen Beamten Rechenschaft &uuml;ber seine Amtsf&uuml;hrung zu verlangen.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XVI <\/strong><br \/>\n\tJede Gesellschaft, in der die Gew&auml;hrleistung der Rechte nicht sichergestellt und die Gewaltentrennung nicht festgelegt ist, hat keine Verfassung; die Verfassung ist nichtig, wenn die Mehrheit der Individuen, die die Nation ausmachen, an seiner Erstellung nicht mitgewirkt hat.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong>XVII <\/strong><br \/>\n\tEigentum geh&ouml;rt allen Geschlechtern gemeinsam oder einzeln; es ist f&uuml;r jeden ein unverletzbares und heiliges Recht; niemandem kann es als wahres Erbe der Natur entzogen werden, au&szlig;er unter der Bedingung einer gerechten und im Voraus festgelegten Entsch&auml;digung, wenn eine gesetzm&auml;&szlig;ig festgestellte &ouml;ffentliche Notwendigkeit es ausdr&uuml;cklich erfordert.\n<\/p>\n<p>\n\t<strong><a name=\"postambel\"><\/a>Postambel<\/strong><br \/>\n\tFrau, erwache; die Sturmglocke der Vernunft verschafft sich auf der ganzen Welt Geh&ouml;r; erkenne deine Rechte. Die m&auml;chtige Herrschaft der Natur ist nicht l&auml;nger umringt von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglauben und L&uuml;gen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und der Anma&szlig;ung aufgel&ouml;st. Der versklavte Mann hat seine Kr&auml;fte vervielfacht, hat den R&uuml;ckgriff auf die deinen ben&ouml;tigt, um seine Ketten zu zerst&ouml;ren. Als er frei geworden ist, ist er ungerecht gegen&uuml;ber seiner Gef&auml;hrtin geworden. O Frauen! Frauen, wann werdet ihr aufh&ouml;ren, blind zu sein? Welche Vorteile habt ihr aus der Revolution geerntet? Eine merklichere Verachtung, eine deutlichere Herablassung.<br \/>\n\tIn den Jahrhunderten der Verdorbenheit habt ihr nur &uuml;ber die Schw&auml;che der M&auml;nner regiert. Eure Herrschaft ist zerst&ouml;rt; was bleibt euch also? Die &Uuml;berzeugung von der Ungerechtigkeit des Mannes. Die Einforderung eures Erbteils, gegr&uuml;ndet auf den weisen Gesetzen der Natur; was h&auml;ttet ihr zu bef&uuml;rchten bei einem so sch&ouml;nen Unternehmen? Die geistreiche Bemerkung des Gesetzgebers der Hochzeit von Kanaan?<a name=\"FN1o\"><\/a><a href=\"#FN1u\">[1]<\/a> F&uuml;rchtet ihr, dass unsere franz&ouml;sischen Gesetzgeber, Verbesserer jener Moral, die lange Zeit in den politischen Ressorts vorherrschte, die aber nicht mehr angebracht ist, euch wiederholten: &bdquo;Frauen, was gibt es Gemeinsames zwischen euch und uns?&ldquo; &bdquo;Alles!&ldquo;, h&auml;ttet ihr zu antworten. Wenn sie in ihrer Schw&auml;che darauf bestehen, diese Inkonsequenz in Widerspruch zu ihren Grunds&auml;tzen zu setzten; stellt den eitlen Anma&szlig;ungen von &Uuml;berlegenheit mutig die Kraft der Vernunft entgegen; vereint euch unter dem Banner der Philosophie; bietet eure ganze Charakterst&auml;rke auf und ihr werdet diese hochm&uuml;tigen, unf&uuml;gsamen Anbeter bald kriechend zu euren F&uuml;&szlig;en sehen, aber stolz darauf, mit euch die Sch&auml;tze des h&ouml;chsten Wesens zu teilen. Welche Schranken auch immer man euch entgegensetzt, es steht in eurer Macht, sie zu beseitigen; ihr m&uuml;sst es nur wollen. Kommen wir nun zu dem entsetzlichen Bild, das ihr in der Gesellschaft abgegeben habt; und weil ja in diesem Augenblick die Rede von einem staatlichen Bildungswesen ist, schauen wir, ob unsere weisen Gesetzgeber auf gesunde Art &uuml;ber die Ausbildung der Frauen nachdenken.<br \/>\n\tDie Frauen haben mehr Schlechtes als Gutes getan. N&ouml;tigung und Heimlichkeit sind ihr Anteil gewesen. Was ihnen durch St&auml;rke entrissen wurde, haben sie durch Schlauheit zur&uuml;ckgewonnen; sie haben sich aller Hilfsmittel ihres Liebreizes bedient und der Untadeligste widerstand ihnen nicht. Gift, Klinge, alles war ihnen unterworfen; sie befehligten das Verbrechen genauso wie die Tugend. Besonders die franz&ouml;sischen Regierung ist Jahrhunderte lang von der n&auml;chtlichen Amtsf&uuml;hrung der Frauen abh&auml;ngig gewesen; das Kabinett hatte ihrer Zudringlichkeit wegen kein Geheimnis; Botschaft, Kommandantur, Ministerium, Pr&auml;sidium, Pontifikat, *Kardinalsw&uuml;rde; schlie&szlig;lich alles, was f&uuml;r die Dummheit der M&auml;nner, profan und geweiht, kennzeichnend ist, war der Gier und dem Ehrgeiz desjenigen Geschlechts unterworfen, das ehedem verachtensw&uuml;rdig und geehrt war und seit der Revolution ehrw&uuml;rdig und verachtet ist.\n<\/p>\n<p>\n\t* Monsieur de Bernis, nach der Art der Madame de Pompadour<a name=\"FN2o\"><\/a><a href=\"#FN2u\">[2]<\/a>\n<\/p>\n<p>\n\tWas h&auml;tte ich zu dieser Art der Antithese nicht f&uuml;r Bemerkungen anzubieten! Ich habe nur einen Augenblick, um sie zu &auml;u&szlig;ern, aber dieser Augenblick wird die Aufmerksamkeit der entferntesten Nachwelt fesseln. Im Ancien R&eacute;gime war alles lasterhaft, alles war schuldbeladen; aber h&auml;tte man nicht eine Verbesserung der Dinge, sogar im Wesen des Lasters erkennen k&ouml;nnen? Eine Frau brauchte nur sch&ouml;n oder liebenswert zu sein; wenn sie diese beiden Vorteile besa&szlig;, lagen hundert Verm&ouml;gen zu ihren F&uuml;&szlig;en. Wenn sie daraus keinen Nutzen zog, besa&szlig; sie entweder einen wunderlichen Charakter oder eine ungew&ouml;hnliche Philosophie, die sie zur Verachtung von Reicht&uuml;mern gebracht hatte; damals wurde sie f&uuml;r nichts anderes als einen Querkopf gehalten; die Unanst&auml;ndigste verschaffte sich Respekt mit Gold; das Gesch&auml;ft der Frauen war eine Art des Gewerbes, gebilligt in der h&ouml;chsten Klasse, das von heute an kein Ansehen mehr haben wird. Wenn es es noch einmal bek&auml;me, w&auml;re die Revolution verloren und wir w&auml;ren unter neuen Verh&auml;ltnissen immer noch verdorben; kann es der Vernunft dennoch verborgen bleiben, dass jeder andere Weg zu Verm&ouml;gen der Frau versperrt ist, die der Mann kauft wie eine Sklavin an den K&uuml;sten Afrikas? Der Unterschied ist gro&szlig;; das wei&szlig; man. Die Sklavin gebietet dem Herrn; aber wenn der Herr ihr die Freiheit ohne Entlohnung gibt und in einem Alter, in dem die Sklavin ihren ganzen Liebreiz verloren hat, was wird aus dieser Ungl&uuml;cklichen? Ein Spielball der Verachtung; sogar die T&uuml;ren zur Wohlt&auml;tigkeit sind ihr verschlossen; &laquo;Sie ist arm und alt&raquo;, sagt man &laquo;Warum hat sie ihr Gl&uuml;ck nicht machen k&ouml;nnen?&raquo; Weitere noch ber&uuml;hrendere Beispiele zeigen sich der Vernunft. Eine junge unerfahrene Frau, die von einem Mann, den sie liebt, verf&uuml;hrt wird, wird ihre Eltern verlassen, um ihm zu folgen; der Undankbare wird sie nach einigen Jahren verlassen, und je &auml;lter sie mit ihm geworden ist, desto unmenschlicher wird seine Treulosigkeit sein; wenn sie Kinder hat, wird er sie ebenso verlassen. Wenn er reich ist, glaubt er sich von der Verpflichtung entbunden, sein Verm&ouml;gen mit seinen vornehmen Opfern zu teilen. Wenn er durch irgendeine Zusage an seine Pflichten gebunden ist, wird er ihre Verbindlichkeit brechen und auf die Gesetze hoffen. Wenn er verheiratet ist, verliert jede andere Zusage ihre Rechte. Welche Gesetze bleiben also zu machen, um das &Uuml;bel mitsamt der Wurzel auszurei&szlig;en? Das der Verm&ouml;gensteilung zwischen M&auml;nnern und Frauen und der &ouml;ffentlichen Amtsf&uuml;hrung. Man kann leicht nachvollziehen, dass diejenige, die in einer reichen Familie geboren ist, durch eine Teilungsgleichheit viel gewinnt. Aber diejenige, die Verdienst und Tugenden besitzt und in einer armen Familie geboren ist; was ist ihr Schicksal? Armut und Schande. Sollte sie sich nicht ausgerechnet in der Musik oder der Malerei hervortun, kann sie zu keiner &ouml;ffentlichen T&auml;tigkeit zugelassen werden, wenn sie auch alle F&auml;higkeiten dazu h&auml;tte. Ich will nur einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Dinge geben, ich werde sie in der neuen Ausgabe all meiner politischen Schriften vertiefen, die ich mir vornehme, in einigen Tagen mit Anmerkungen zu ver&ouml;ffentlichen.<br \/>\n\tIch f&uuml;hre meinen Text die Sitten betreffend fort. Die Ehe ist das Grab des Vertrauens und der Liebe. Die verheiratete Frau kann ihrem Ehemann ungestraft Bastarde unterschieben und jenen ein Verm&ouml;gen, das ihnen nicht geh&ouml;rt. Diejenige, die es nicht ist, hat kaum ein Recht: Alte und unmenschliche Gesetze verweigern ihr f&uuml;r ihre Kinder dieses Recht auf den Namen und die G&uuml;ter ihres Vaters, und man hat in dieser Angelegenheit keine neuen Gesetze gemacht. Wenn der Versuch, meinem Geschlecht einen ehrenwerten und gerechten Stellenwert zuzuerkennen, in diesem Moment als eine Absonderlichkeit meinerseits und als unm&ouml;glicher Versuch angesehen wird, &uuml;berlasse ich den nachkommenden Menschen die Ehre, diese Materie zu behandeln; aber unterdessen kann man sie durch ein staatliches Bildungswesen, durch die Wiederherstellung der Sitten und durch Ehevertr&auml;ge vorbereiten.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<h3>\n\t<a name=\"gesellschaftsvertrag\"><\/a>Muster eines Gesellschaftsvertrages von Mann und Frau<br \/>\n<\/h3>\n<p>\n\tWir, N und N, verbinden uns auf unseren eigenen Wunsch hin f&uuml;r die Zeit unseres Lebens und die Dauer unserer gegenseitigen Zuneigung zu folgenden Bedingungen: Wir beabsichtigen und w&uuml;nschen unser Verm&ouml;gen in die Gemeinschaft einzubringen, uns allerdings das Recht vorzubehalten, es zugunsten unserer und derjenigen Kinder zu teilen, die wir aus einer besonderen Neigung bekommen k&ouml;nnten, indem wir gegenseitig anerkennen, dass unser Besitzstand unmittelbar unseren Kindern zukommt, aus welchem Bett sie auch hervorgehen, und dass alle unterschiedslos das Recht haben, den Namen der V&auml;ter und M&uuml;tter zu tragen, die sie anerkannt haben, und wir auferlegen uns die Zustimmung zum Gesetz, das die Verleugnung seines eigenen Blutes bestraft. Wir verpflichten uns gleicherma&szlig;en, im Fall der Trennung die Teilung unseres Verm&ouml;gens vorzunehmen und davon den gesetzlich ausgewiesenen Anteil unserer Kinder abzuziehen; und im Fall einer vollendeten Verbindung &uuml;berl&auml;sst derjenige, der stirbt, die H&auml;lfte seines Eigentums seinen Kindern; und wenn einer kinderlos stirbt, erbt rechtm&auml;&szlig;ig der &Uuml;berlebende, sofern nicht der Sterbende &uuml;ber die H&auml;lfte des gemeinsamen Besitzstandes zugunsten von etwas disponiert hat, das er f&uuml;r ratsam hielt.<br \/>\n\tDas ist ungef&auml;hr die Formulierung des ehelichen Aktes, den ich zur Durchf&uuml;hrung vorschlage. Ich sehe schon, wie sich bei der Lekt&uuml;re dieser sonderbaren Schrift die Heuchler, die Pr&uuml;den, der Klerus und die ganze h&ouml;llische Gefolgschaft gegen mich erheben. Aber wie viel an moralischen Mitteln wird sie den Weisen bieten, um die Vervollkommnung einer gl&uuml;cklichen Staatsf&uuml;hrung zu erreichen! Ich werde in wenigen Worten den physischen Nachweis anf&uuml;hren. Der reiche Epikureer ohne Kinder h&auml;lt es f&uuml;r ausgesprochen gut, zu seinem armen Nachbarn zu gehen, um dessen Familie zu vermehren. Wenn es ein Gesetz g&auml;be, das die Frau des Armen erm&auml;chtigte, den Reichen zur Annahme seiner Kinder zu zwingen, w&uuml;rden die gesellschaftlichen Bande fester und die Sitten feiner. Dieses Gesetz w&uuml;rde vielleicht das Wohl der Gemeinschaft erhalten und die Regellosigkeit aufhalten, die so viele Opfer in die Anstalten der Schande, der Niedertracht und der Entartung menschlicher Prinzipen f&uuml;hrt, in denen die Natur seit langem wehklagt. Die Ver&auml;chter der unverdorbenen Philosophie sollen also aufh&ouml;ren, sich gegen die urspr&uuml;nglichen Sitten zu ereifern, oder sich an den Quellen ihrer Zitate abarbeiten.*\n<\/p>\n<p>\n\t*Abraham hatte sehr legitime Kinder von Hagar, der Dienerin seiner Frau.\n<\/p>\n<p>\n\tIch m&ouml;chte au&szlig;erdem ein Gesetz zur Unterst&uuml;tzung der Witwen und der junge Fr&auml;uleins, die von den falschen Versprechungen eines Mannes get&auml;uscht wurden, an den sie sich gebunden hatten; ich m&ouml;chte, sage ich, dass dieses Gesetz einen Unsteten zum Einhalten seiner Zusagen oder zu einer seinem Verm&ouml;gen entsprechenden Entsch&auml;digungszahlung zwingt. Ich m&ouml;chte auch, dass dieses Gesetz sich streng gegen Frauen richtet, zumindest gegen diejenigen, die die Stirn haben, sich auf ein Gesetz zu berufen, dem sie selbst mit ihrer Sittenlosigkeit zuwider gehandelt haben, wenn der Beweis daf&uuml;r erbracht ist. Zugleich m&ouml;chte ich, wie ich es 1788 in Le Bonheur primitif de l&acute;homme dargelegt habe, dass die Stra&szlig;enm&auml;dchen in bestimmte Viertel gewiesen werden. Es sind nicht die Frauen der Stra&szlig;e, die das meiste zum Verfall der Sitten beitragen, es sind die Frauen der Gesellschaft. Wenn man die Letzteren bessert, &auml;ndert man die Ersteren. Diese Kette geschwisterlichen Zusammenschlusses wird zuerst Unordnung zeigen, aber in ihren Wirkungen wird sie am Ende ein vollkommenes Ganzes erzeugen.<br \/>\n\tIch biete ein unschlagbares Mittel an, um die Pers&ouml;nlichkeit der Frauen aufzuwerten; das ist, sie an allen Aufgaben der M&auml;nner teilhaben zu lassen: Wenn der Mann darauf beharrt, dieses Mittel f&uuml;r undurchf&uuml;hrbar zu halten, soll er sein Verm&ouml;gen mit der Frau teilen, aber nicht nach seiner Laune, sondern entsprechend der Weisheit der Gesetze. Das Vorurteil f&auml;llt, die Sitten verbessern sich und die Natur nimmt all ihre Rechte wieder auf. Dem noch die Priesterehe hinzugef&uuml;gt; der K&ouml;nig, best&auml;rkt auf seinem Thron, und die franz&ouml;sische Regierung w&uuml;rde nicht untergehen k&ouml;nnen.<br \/>\n\tEs w&auml;re wohl n&ouml;tig, dass ich einige Worte &uuml;ber die Unruhen verliere, an denen &ndash; wie man sagt &ndash; der Erlass zugunsten der farbigen Menschen auf unseren Inseln schuld ist. <a name=\"FN3o\"><\/a><a href=\"#FN3u\">[3]<\/a> Dort ist es, wo die Natur vor Grauen erschauert; dort ist es, wo Vernunft und Menschlichkeit die verh&auml;rteten Seelen noch nicht erreicht haben; dort vor allem ist es, wo Uneinigkeit und Unfriede ihre Bewohner ersch&uuml;ttern. Es ist nicht schwierig, die Anstifter dieser hetzerischen G&auml;rungsprozesse zu erraten: Es gibt einige davon sogar im Scho&szlig; der Nationalversammlung: Sie entz&uuml;nden in Europa ein Feuer, das ganz Amerika in Brand setzen wird. Die Kolonisten beabsichtigen, als Despoten &uuml;ber Menschen zu herrschen, deren V&auml;ter und Br&uuml;der sie sind; sie verkennen die Rechte der Natur und verfolgen deren Ursprung bis in die kleinste F&auml;rbung ihres Blutes. Diese unmenschlichen Kolonisten sagen: &laquo;Unser Blut flie&szlig;t in ihren Venen, aber wir werden, wenn es n&ouml;tig ist, alles vergie&szlig;en, um unsere Habsucht oder unseren blinden Ehrgeiz zu stillen.&raquo; Dass der Vater den Sohn verkennt, geschieht an diesen Orten, die der Natur am n&auml;chsten sind; und weil er taub f&uuml;r die Schreie des Blutes ist, vernichtet er all ihre Anmut; was kann man von dem Widerstand erwarten, den man ihr entgegensetzt? Sie mit Gewalt zu bezwingen, bedeutet, sie schrecklich zu machen, sie weiter in Ketten zu lassen, bedeutet, allem Unheil den Weg nach Amerika zu bahnen. Eine g&ouml;ttliche Hand scheint &uuml;berall das Erbe des Menschen, die Freiheit, zu verbreiten; das Gesetz alleine hat das Recht, diese Freiheit zu beschr&auml;nken, wenn sie in Z&uuml;gellosigkeit ausartet; aber es muss f&uuml;r alle gleich sein, und es muss vor allem der Nationalversammlung in ihren von Umsicht und Gerechtigkeit diktierten Erl&auml;ssen die Grenzen weisen. M&ouml;ge es auf dieselbe Weise f&uuml;r den franz&ouml;sischen Staat wirken, und sich hinsichtlich neuerlicher Missst&auml;nde genauso aufmerksam erweisen, wie es bei den alten getan hat, die jeden Tag entsetzlicher werden. Ich bin au&szlig;erdem daf&uuml;r, die exekutive Gewalt mit der legislativen Gewalt zu vers&ouml;hnen, denn mir scheint, dass die eine alles und die andere nichts ist; woraus vielleicht ungl&uuml;cklicherweise der Untergang des franz&ouml;sischen Reiches erwachsen wird. Ich sehe diese zwei Gewalten wie Mann und Frau*, die, um gut miteinander auszukommen, vereint, aber in St&auml;rke und Ansehen gleich sein m&uuml;ssen.\n<\/p>\n<p>\n\t*In <em>Souper magique<\/em> von M. de Merville fragt Ninon: &laquo;Wer ist die Maitresse von Ludwig XVI?&raquo; Man antwortet ihr: &laquo;Es ist die Nation, diese Maitresse wird die Regierung verderben, wenn sie zu viel Einfluss bekommt.&raquo;\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p>\n\t&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;\n<\/p>\n<p>\n\t<a name=\"anekdote\"><\/a>Es ist also wahr, dass kein Individuum seinem Schicksal entgehen kann; diese Erfahrung habe ich heute gemacht. Ich hatte beschlossen und entschieden, mir in dieser Niederschrift nicht das kleinste Wort des Spa&szlig;es zu erlauben, aber das Schicksal hat anders dar&uuml;ber entschieden; hier ist das Ereignis: Sparsamkeit ist nicht verboten, schon gar nicht in dieser Zeit der Not. Ich wohne auf dem Land. Heute Morgen um acht Uhr bin ich von Auteuil aufgebrochen und habe mich auf den Weg zur Stra&szlig;e gemacht, die von Paris nach Versailles f&uuml;hrt, wo man oft diese ber&uuml;hmten Gartenschenken findet, die zu geringem Preis Passanten aufnehmen. Zweifellos verfolgte mich ein b&ouml;ser Stern seit dem Morgen. Ich erreiche den Zollschranken, an dem ich nicht einmal einen tr&uuml;bseligen Aristokratenfiaker vorfinde. Ich erhole mich auf den Stufen dieses indezenten Geb&auml;udes, das kleine Angestellte verbirgt. Es schl&auml;gt neun Uhr und ich setze meinen Weg fort: Ein Wagen zeigt sich meinen Blicken, ich nehme darin Platz und erreiche eine Viertelstunde nach neun &ndash; auf zwei verschiedenen Uhren &ndash; die Pont-Royal. Dort nehme ich den Fiaker und beeile mich zu meinem Drucker in der Rue Christine, denn ich kann nur so fr&uuml;h dorthin kommen: Beim Korrigieren meiner Abz&uuml;ge ist immer irgendetwas f&uuml;r mich zu tun, wenn die Seiten nicht ganz eng und voll geschrieben sind. Ich bleibe ungef&auml;hr zwanzig Minuten; und m&uuml;de von der Anfahrt, von Satz und Druck, nehme ich mir vor, im Quartier du Temple, wo ich essen wollte, ein Bad zu nehmen. Ich komme um dreiviertel elf bei der Uhr des Bades an; ich schulde dem Kutscher also den Lohn f&uuml;r eineinhalb Stunden; aber, um keinen Streit mit ihm zu bekommen, biete ich ihm 48 Sol an: Er fordert mehr als das &Uuml;bliche; er schl&auml;gt L&auml;rm. Ich bleibe dabei, ihm nicht mehr geben zu wollen, als ihm zukommt, denn das gerechte Wesen m&ouml;chte lieber gro&szlig;z&uuml;gig als betrogen sein. Ich drohe ihm mit dem Gesetz, er sagt mir, dass er sich darum nicht schert und dass ich ihm zwei Stunden bezahlen werde. Wir gehen zu einem Friedenskommissar, den nicht zu nennen, ich die Gro&szlig;z&uuml;gigkeit besitze, obschon die Autorit&auml;tshandlung, die er sich mir gegen&uuml;ber erlaubt hat, eine formelle Anzeige verdient. Zweifellos wusste er nicht, dass die Frau, die seine Gerechtigkeit forderte, eine Autorin voller Wohlt&auml;tigkeit und Gerechtigkeit war. Ohne meine Gr&uuml;nde zu ber&uuml;cksichtigen, verurteilte er mich erbarmungslos dazu, dem Kutscher zu bezahlen, was er verlangte. Weil ich das Gesetz besser kannte als er, sagte ich zu ihm: &laquo;Monsieur, das verweigere ich, und ich bitte Sie, zur Kenntnis zu nehmen, dass Sie die Richtlinien Ihres Amtes nicht einhalten.&raquo; Dann brauste dieser Mann, oder besser gesagt, dieser Verr&uuml;ckte auf und drohte mir, wenn ich nicht sofort zahlte, mit dem Gef&auml;ngnis oder damit, den ganzen Tages in seiner Amtsstube zu bleiben. Ich verlangte von ihm, mich zum Bezirksgericht oder ins Rathaus zu bringen, weil ich mich &uuml;ber seinen autorit&auml;ren Streich zu beschweren h&auml;tte. Der garstige Beamte, dessen Gehrock staubig und widerlich wie sein Gerede war, sagt scherzhaft zu mir: &laquo;Diese Angelegenheit wird zweifellos an die Nationalversammlung gehen?&raquo; &laquo;Das k&ouml;nnte gut sein&raquo;, sage ich zu ihm; und gehe halb w&uuml;tend halb belustigt &uuml;ber das Urteil dieses modernen Bride-Oison<a name=\"FN4o\"><\/a><a href=\"#FN4u\">[4]<\/a> weg und sage: &laquo;Das hier ist also der Menschenschlag, der &uuml;ber ein aufgekl&auml;rtes Volk richten soll.&raquo; Man sieht nur solches. Vergleichbare Abenteuer sto&szlig;en den guten Patrioten ebenso zu wie den schlechten. Man kann nur aufschreien &uuml;ber die Regellosigkeit in den Abteilungen und Gerichten. Gerechtigkeit geschieht nicht; das Gesetz wird verkannt, und die Sicherheit wird Gott wei&szlig; wie hergestellt. Man kann keine Kutscher mehr finden, denen man G&uuml;ter anvertraut; sie wechseln die Nummern nach ihrer Laune aus, und mehrere Personen haben, wie auch ich, betr&auml;chtliche Verluste in den W&auml;gen erlitten. Unter dem Ancien R&eacute;gime, was immer sein Unwesen war, verfolgte man die Spur seiner Verluste durch einen namentlichen Aufruf der Kutscher und durch die genaue Untersuchung der Nummern; schlie&szlig;lich war man in Sicherheit. Was machen diese Friedensrichter? Was machen diese Kommissare, diese Inspektoren der neuen Staatsmacht? Nichts als Dummheiten und Alleinherrschaft. Die Nationalversammlung muss all ihre Aufmerksamkeit auf diesen Bereich richten, der die Gesellschaftsordnung erh&auml;lt.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<p>\n\t<a name=\"ps\"><\/a>PS: Dieses Werk war seit einigen Tagen ausgearbeitet; es wurde beim Druck noch einmal verz&ouml;gert; und im Augenblick als Monsieur Talleyrand, dessen Name der Nachwelt immer teuer sei, seine Arbeit &uuml;ber die Grunds&auml;tze des staatlichen Bildungswesens ablieferte, war diese Produktion schon in der Druckmaschine. Ich bin gl&uuml;cklich, dass ich mit den Ansichten dieses Redners &uuml;bereinstimmende Gedanken habe. Ich kann mich allerdings nicht zur&uuml;ckhalten, die Druckerpresse anzuhalten, um die reine Freude erstrahlen zu lassen, die mein Herz bei der Nachricht versp&uuml;rt hat, dass der K&ouml;nig soeben der Verfassung zugestimmt hat und dass die Nationalversammlung, die gegenw&auml;rtig verehre, &ndash; ohne Abb&eacute; Maury auszunehmen; und La Fayette ist ein Gott, &ndash; einstimmig eine Generalamnestie verk&uuml;ndet hat. G&ouml;ttliche Vorsehung, mache, dass diese allgemeine Freude nicht ein falsches Wunschdenken ist! Schicke uns all unsere Fl&uuml;chtlinge gemeinschaftlich zur&uuml;ck, und es m&ouml;ge geschehen, dass ich mit einem liebenden Volk zu ihrem Einzug eilen kann; und an diesem feierlichen Tag werden wir deiner Machtf&uuml;lle alle Ehre zukommen lassen.\n<\/p>\n<p>\n\t&nbsp;\n<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-size:12px; line-height:18px; \"><a name=\"FN1u\"><\/a><a href=\"#FN1o\">[1]<\/a> Sie bezieht sich wahrscheinlich auf die Schilderung der Hochzeit zu Kanaan im Johannesevangelium, bei der Jesus zu seiner Mutter sagt: &bdquo;&hellip; Was willst du von mir, Frau? &hellip;&ldquo; (Joh 2,4)\n<\/p>\n<p style=\"font-size:12px; line-height:18px; \"><a name=\"FN2u\"><\/a><a href=\"#FN2o\">[2]<\/a> Fran&ccedil;ois-Joachim de Pierre, Kardinal de Bernis, Comte de Lyon (1715 &ndash; 1794) gewann als verarmter Adeliger die Gunst der Mme. de Pompadour, der er sein finanzielles Auskommen und die Aufnahme in die Acad&eacute;mie fran&ccedil;aise verdankte. Er wurde danach Au&szlig;enminister, sp&auml;ter Erzbischof und Kardinal, der die Wahlentscheidung zugunsten des aus b&uuml;rgerlichen Verh&auml;ltnissen stammenden Lorenzo Ganganelli zum Papst Clemens XIV beeinflusste.\n<\/p>\n<p style=\"font-size:12px; line-height:18px; \"><a name=\"FN3u\"><\/a><a href=\"#FN3o\">[3]<\/a> De Gouges bezieht sich hier und im Folgenden auf den so genannten &bdquo;Haitianischen Sklavenaufstand&ldquo; in der franz&ouml;sischen Kolonie Saint Domingue, dem heutigen Haiti. Aufgrund der Autonomie der Kolonialgebiete wurden die franz&ouml;sischen Erl&auml;sse und Empfehlungen zugunsten der Sklaven nicht umgesetzt. Im Februar 1791 kam es zu ersten gewaltsamen Aufst&auml;nden der versklavten Einwohner von Saint Domingue, die monatelang andauerten und in blutigen Metzeleien ihren Ausdruck fanden bis 1793 die Sklaverei abgeschafft wurde.\n<\/p>\n<p style=\"font-size:12px; line-height:18px; \"><a name=\"FN4u\"><\/a><a href=\"#FN4o\">[4]<\/a> &bdquo;Bride-Oie&ldquo; ist der Name des von Rabelais erdichteten Charakters eines dummen Richters. Beaumarchais &uuml;bernahm diese Figur unter dem Namen &bdquo;Brid&rsquo;oison&ldquo; in sein ber&uuml;hmtes Drama<em> La folle journ&eacute;e<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im deutschen Sprachraum ber&uuml;hmteste Schrift Olympe de Gouges&#39; ist ihre &quot;Erkl&auml;rung der Rechte der Frau und B&uuml;rgerin&quot;. Sie ist Teil der hier auf Deutsch zur Verf&uuml;gung gestellten Schrift Les droits de la femme. Die Anmerkungen, denen ein * vorangestellt ist, stammen von Olympe de Gouges und geh&ouml;ren zum Original. \u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/frauenrechte\/\"> Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr; <\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"h5ap_radio_sources":[],"footnotes":""},"class_list":["post-89","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/89","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89"}],"version-history":[{"count":39,"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/89\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92,"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/89\/revisions\/92"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/olympe-de-gouges.info\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}