Südamerika 3: Machu Picchu und mehr

Forts. Es geht farbig weiter!
Und wieder sind wir in Cusco, der alten Inka-Stadt:

Koloniales Erbe
Kirchen und Kathedralen sind in Südamerika allgegenwärtig

Nun machen wir uns auf zu den Salzpfannen, eine seit jeher sehr soziale Einrichtung in einer Dorfgemeinschaft, denn die Ärmeren bekommen mehr. Wäre dies doch überall so!

Salzpfannen in unterschiedlicher Grösse, von oben betrachtet

Salz ist das weisse Gold, sagt man. Das folgende Zitat von Khalil Gibran gefällt mir noch besser, drückt es doch die tiefe Bedeutung und die Verbindung zwischen der Natur und unserer Seele aus: Es muss etwas ungewöhnlich Heiliges im Salz sein: man findet es in unseren Tränen und im Meer.

Blumen am Wegrand

Von Cusco und 3’400m geht’s auf 2430m hinunter, aber auch diese Höhe verlangt Respekt. Und jetzt, endlich: Machu Picchu!

Schwindelerregend!

Der Anblick der ehemaligen Ruinenstadt aus dem 15. Jahrhundert raubt uns den Atem, nicht? Einzigartig, grandios, schroff und geheimnisvoll liegt sie eingebettet zwischen hohen, rauen Felsen. Die Forschung geht heute davon aus, dass die Stadt in ihrer Hochblüte bis zu 1000 Menschen beherbergen und versorgen konnte. Tatsächlich existieren keine Überlieferungen, weshalb auf der Grundlage archäologischer Funde lediglich Vermutungen über ihren Zweck angestellt werden können. Eine davon ist die Theorie einer königlich-religiösen Zufluchtsstätte der Inkas, in der sich neben dem Inka-Herrscher auch die „Jungfrauen der Sonne“ aufhielten, die im Dienste des „Sonnengottes“ standen, nachdem sie eine sehr spezielle Ausbildung genossen hatten. 

Meine Freunde sprachen ebenfalls davon, wie beeindruckend der von den Inkas geschaffene Ort auf Anwesende wirkt. Ein Besuch der alten Ruinenstadt sei aber auch recht anstrengend. Wenn wir die Bilder betrachten, glauben wir das auf der Stelle!

Ruinen, die es in sich haben
Anstrengende Terrassen
Die Besucher müssen fit sein!
Wow!

Als Abschluss des heutigen Beitrages erwartet Euch ein besonderer Genuss: Ein Video über den morgendlichen Flug eines ausgewachsenen Kondormännchens. Ein männlicher Kondor wiegt bis 16 kg und kann bis zu 70 Jahre alt werden. Wenn er den Tod nahen fühlt, schwingt er sich auf zum höchsten erreichbaren Punkt. Auf 7000m setzt er sich auf eine Felsspitze, um nachts bei grausamer Kälte zu erfrieren…

Dieser hier ist zum Glück noch quicklebendig. Geniesst seinen majestätischen Flug:

El Condor pasa!

Fortsetzung bzw. Schluss folgt.
Eure Elisa, 04.02.2026

Südamerika 2: Klosterleben und mehr

Forts. Vorerst geht’s noch in den Südwesten Perus, ins farbenfrohe Dominikanerinnen-Kloster aus dem 15. Jahrhundert, das so froh wohl doch nicht gewesen ist. Damals stand es nur Töchtern wohlhabender spanischer Familien offen – der erstgeborenen notabene, die dann gegen ein Eintrittsgeld von etwa 2600 Golddukaten im Kloster in eine eigene Wohnung zog – inkl. Küche, Waschgelegenheit und Nachttopf! Der einzige Kontakt zur Aussenwelt bestand fortan nur noch über eine Dienerin, die bei ihr wohnte, sich aber frei innen und aussen bewegen durfte.

Kreuzgang

Und für uns heisst es nun: In die stille Schönheit der Farben eintauchen und die Ruhe geniessen!

Psst!
Selbst der Himmel kommt nicht an das leuchtende Blau heran
Schöner Ausblick, schwieriger Zugang

Vor etwa 10 Jahren wurde das Kloster in einen „Normalbetrieb“ umgewandelt – eine Umstellung, die für die 12 verbliebenen Nonnen und 4 Novizinnen sehr einschneidend gewesen sein muss.

Pflanzen dürfen nicht fehlen
Für immer hinter Mauern…
Ob Blumen darüber hinwegtrösten?

Da lebt es sich freier auf dem Titicacasee!

Im Schilfboot auf dem Titicacasee

Die „Uros“ sind ein indigenes Volk, das im See auf schwimmenden, künstlichen Inseln lebt, die sie aus Totora-Schilf gebaut haben. Das Schilf nutzen sie auch für Boote und als Nahrung. Diese Inseln müssen ständig mit neuem Schilf ausgebessert werden, da es vermodert. Viele Uros leben heute vom Tourismus, indem sie Handarbeiten herstellen oder Touren anbieten.

Fröhliche Inselbewohner: Inselleben auf dem See

Auf der bolivianischen Seite des Sees sieht man überall strickende Männer und webende Frauen. In den Anden wird es nachts so kalt, dass die Frauen bis zu vier gewebte Kleider übereinander tragen.

Strickender Mann: Idee für ein Hobby hierzulande?
Arequipa im Abendlicht
Arequipa am Morgen
Markttreiben in Arequipa
Knacknuss: Sind’s wirklich Kartoffeln?
Zu Vitaminen kommt man hier billig!

(Fortsetzung folgt)
Bis dann, Eure Elisa, 28.01.2026

Südamerika 1: Lima und mehr

Auch wenn es heute und in den nächsten paar Folgen etwas prosaischer zugeht als letztes Mal: Nach der traurigen Liebesgeschichte aus La Paz verweilen wir hier im Blog noch ein wenig in Südamerika. Start ist Lima, die Hauptstadt des südamerikanischen Andenstaats Peru, mit Abstand die grösste Stadt des Landes mit gegen 9 Mio Einwohnern.

Lima, Indiofrau

Leider war ich nicht selbst dort. Freunde von uns hingegen schon. Sie sind erfahrene Weltenbummler. Ihre fundierten, ansteckenden Schilderungen lassen das Herz jedes Reisefans höher schlagen.

Zu meiner Freude darf ich heute und in den nächsten drei Folgen ihre Fotos und Videos zeigen, und ich verspreche Euch mitreissende Bilder voller Lebensfreude und Farbkraft. Und deshalb soll der Schwerpunkt der Beiträge auf den farbenprächtigen Bildern liegen. Vielen herzlichen Dank, liebe Sissy und lieber Franz!

Und nun, lasst Euch begeistern!

Lima: Srassenkunst
Lima: reich geschmücktes Kathedralen-Portal
Lima: Goldschmuck im Museum
Lima: europäischer Einfluss
Lima: Eine farbenfrohe Welt
Wunderschöner Gladiolenstrauss

Die Nazca-Linien sind über 1500 riesige, nur aus der Luft und von umliegenden Hügeln aus sicht- und erkennbare Scharrbilder in der Wüste bei Nazca und Palpa. Als Urheber der Linien gelten sowohl die Paracas-Kultur wie auch die Nazca-Kultur. Die Nazca-Ebene zeigt auf einer Fläche von 500 km² schnurgerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und Figuren mit einer Größe von etwa zehn bis mehreren hundert Metern. Es sind Abbilder von Menschen und Tieren wie Affen, Vögeln, Walen, und oft nur wenige Zentimeter tief. Angelegt zwischen 800 v. Chr. und 600 n. Chr., sollen sie Gestaltungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen sein.

Nazca – wegen Winden ist heute kein Überfliegen möglich

Erst durch das Buch des Schweizer Autors Erich von Däniken wurde das geheimnisvolle Nazca weltweit bekannt und zog die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern auf sich. Der kürzlich verstorbene von Däniken bestand darauf, dass es sich bei Nazca um „Landeplätze für Außerirdische“ handelt.

Wüstenbilder scheinen in diesem Land beliebt zu sein!

Die Wüste im Süden Pachacamac, Paracas
Die Wüste im Süden Pachacamac, Paracas
Balestas Islands
Balestas Islands

Nun fahren wir mitten in die peruanischen Anden hinauf, nämlich zu dem auf 3’416 m Höhe gelegenen Cusco. Der Sage nach wurde es vom ersten Inkaherrscher, dem Sohn der Sonne, gegründet. Dank seiner Baudenkmäler und Sehenswürdigkeiten aus vorkolonialer wie auch kolonialer Zeit, steht Cusco seit 1983 auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten. Es ist auch Sitz des Erzbistums Cusco und einer Universität. Hier müsst Ihr Euch Zeit nehmen: man bewegt sich langsam, man atmet langsam. Diese Höhe ist kein Klacks!

Macht Euch indes auf ein Gedränge gefasst, wir sind nicht allein! Denn Cusco ist auch bekannt wegen seiner Nähe zu Machu Picchu, der lange verborgenen Inkastadt, die nur etwa 75 km entfernt ist.

Auf dem Markt sticht uns viel Schönes und Farbiges ins Auge. Bekommt Ihr auch Lust, ein Andenken zu erwerben?

Der Kalebassen-Künstler
Und das vollendete Kunstwerk: Kalebasse mit Vogelschnitzereien

Wie überall in den Anden, fällt einem auch in Cusco die Leuchtkraft der Farben ins Auge – d.h. nicht in der Natur, sondern in der Bekleidung. Hier ein paar Bilder einer Frauenkooperative, die Babyalpaka verarbeitet. Da wird selbst gefärbt, gewoben, gestrickt und auch verkauft.

Wollfärbemittel, alle aus der Natur
Weberin
Stickerin
Wunderschöne Stoffe:
leuchtende Farben in grandioser aber karger Landschaft

Da die Landschaft meistens gelblich und eher grau ist, dienen die kräftigen Farben der Kleider schon von weitem der Erkennung. Auch die Lamas tragen oft farbige Bändchen um den Hals.

Seid Ihr nun gespannt auf Machu Picchu?

Foto kinderzeitmaschine.de: Macchu Picchu, die alte Inka-Stadt

Ihr müsst Euch noch ein wenig gedulden. (Fortsetzung folgt)
Eure Elisa, 21.01.2026

Die etwas andere Liebesgeschichte

Foto Rudolf Rast: Tochter Alessandra

Sie war jung, sie war schön, sie war begabt – und sie wurde nur 23 Jahre alt. Der Mann, für den sie die grosse Liebe war, hat ein berührendes Buch über ihre nicht alltägliche Liebesgeschichte geschrieben, die in der Schweiz begann und in Südamerika jäh ihr Ende fand. Das geplante Wiedersehen in New York blieb ein zerplatzter Traum, der bis heute, beinahe 30 Jahre später, seine schmerzlichen Spuren hinterlässt.

Aquarell von Alessandra, 1994,
als Doppelbild entworfen, siehe weiter unten

Dem Autor gelingt es, diese selbst erlebte und durchlittene Geschichte mit grosser Offenheit, Sensibilität und Spannung zu vermitteln. Die Geschehnisse berühren tief und zeigen, dass selbst ein viele Jahre zurückliegendes Trauma ein Leben lang nachwirken kann. Wir wissen es alle, Schmerz ist der Preis, den wir für die Liebe bezahlen: je grösser das Glück, je schmerzlicher sein Verlust. Ein solches Erlebnis zeitigt jedoch nicht nur negative Verwerfungen, es vermag letzten Endes auch zu bereichern, sogar neue Kraft zu verleihen. Denn einst erfahrenes Glück löst später nicht selten tiefe Dankbarkeit aus. Dabei erinnere ich mich gerne an Theodor Storms wunderbares Gedicht:

Aquarell von Alessandra, 1994

Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müßt er sterben fern, allein,
Er fühlte noch die selge Stunde,
Wo er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.

Alessandra: Aquarell 1992

Wundert Ihr Euch, dass ich für einmal eine Buchbesprechung präsentiere? Die Sache ist einfach und frei jeglicher finanzieller Eigeninteressen: Das Buch hat den Weg zu mir gefunden, weil ich die junge Frau persönlich gekannt habe. Ihre überschäumende Lebenskraft und der Wille, sich tatkräftig für die Schwächeren einzusetzen, hat mich damals sehr beeindruckt. Ihre Eltern und ich sind seit Jahren befreundet, und der Verlust der Tochter war ein unglaublich schwerer Schicksalsschlag, den ich heute, mit einer gleichen Erfahrung, noch viel besser verstehen kann. Den Grund für ihren plötzlichen Tod erfahrt Ihr im Buch „Abschied in La Paz“.

Alessandra:
Bildausschnitt Wasserfarbe, 1993

Und wer soll dieses Buch lesen? Alle, die Wert auf gute Literatur legen, würde ich sagen. Besonders aber:
– Menschen, die gerne in eine zarte, bewegende Liebesgeschichte eintauchen
– Männer, für die der Mut des Autors zu Verletzlichkeit und Zärtlichkeit ermutigend sein kann
– Reisefans, die sich für Südamerika interessieren, besonders für das Bolivien der 1990er Jahre
– Trauernde, die einen persönlichen Liebesverlust erlitten und überwunden haben

Alessandra: Wasserfarbe, 1990

Angaben zur Bestellung:

Andreas Schwab, Abschied in La Paz, Bellis-Verlag Stuttgart 2025.
Bestellungen unter info@palma3.ch. Preis 28 CHF

Eure Elisa, 14.1.2026

Alessandra: Bildausschnitt Sommer 1991

Clevere Kampagne

2026! Dabei dünkt mich, als sei es noch gar nicht derart lange her, seit wir voller Besorgnis das Millennium, den 1.1.2000, erwarteten. Erstaunlich, wie rasch wir uns jeweils ans neue Jahr gewöhnen. Wir alle hoffen auch in diesen kommenden Monaten auf Frieden und Gerechtigkeit. Ihr Lieben, bleibt gesund – und vor allem: Freut Euch des Lebens!

Photo by Valeria Boltneva on Pexels.com

Bestimmt habt Ihr an Sylvester einander zugeprostet, wie DER MANN und ich. Alkohol zum Anstossen muss nicht unbedingt sein – es geht ebenso gut ohne. Was jedoch für die meisten Menschen kaum von Bedeutung ist, kann für Suchtgefährdete eine Versuchung und möglicherweise von grosser Tragweite sein. Mitunter ist es sinnvoll, bei einer grossen Gästeschar mit einem alkoholfreien Getränk ein solidarisches Zeichen zu setzen, gerade dann, wenn einem selbst ein Verzicht leicht fällt. Da mache ich noch so gerne mit.

Foto Elisa:
Der Nebel nimmt überhand

Als junge Frau und Mutter war ich mit einem Alkoholiker verheiratet. Verzweifelt suchte ich nach Möglichkeiten, um die schwierige häusliche Situation zu entschärfen, doch nichts half, weil der Ehemann nicht willens (oder vielleicht unfähig) war, etwas zu verändern. Er blieb der „Flasche“ treu. So entschloss ich mich nach 13 angstvollen Jahren zur Scheidung, vor allem auch unserem Sohn zuliebe.

Foto Elisa:
Der Raureif erinnert an die Raunächte

Noch immer bin ich dem „Blauen Kreuz“ verbunden und finde die seit Herbst 2025 laufende Kampagne einfallsreich und sprachlich originell – und ich wünsche mir von Herzen, dass sie bei Betroffenen auf fruchtbaren Boden fällt. Ich möchte Euch die cleveren, einprägsamen Texte nicht vorenthalten:

WENN DEINE BESTE FREUNDIN
EINE FLASCHE IST.
REDE MIT UNS.

WENN DER KLARE
DEINE SINNE TRÜBT.
REDE MIT UNS.

WENN GENUSS
ZUM MUSS WIRD.
REDE MIT UNS.

HEIMLICH GETRUNKEN,
OFFEN GEREDET.

Wir hören zu.blaueskreuz.ch

Gut, nicht? Und hoffentlich erfolgreich.

Dies wünscht allen „Unfreien“, Elisa

Foto Elisa:
Die Sonne setzt sich durch

07.01.2026

Foto Elisa: der Raureif erinnert
an die Raunächte

Segen

Foto Elisa: Auf dem Berner Brotmarkt
Foto Elisa: Auf der Kappelenbrücke bei Bern
Robert Jahns: Gang der Pinguine durch New York
Foto Geo: Verliebt und geborgen

Nachedänke

Foto von Samuel R: Adventmorgen am Thunersee

Von einem lieben Freund, Peter Mögli, habe ich das folgende feine Gedicht bekommen, das uns gerade in Zeiten des Überflusses und der Geschenk-Euphorie zum Nachdenken (auf Berndeutsch Nachedänke) anregen soll:

Anschtatt ds Hirni z’verränke
bim drüber nachedänke

was me dene wott schänke
wo vo allem
scho meh als gnue hei

chönnt me drüber nachedänke

was me dene wett schänke
wo vo allem
weniger als nüüt hei

P. Mögli

Meine Übertragung ins Hochdeutsche, die leider etwas an Poesie verliert:

Anstatt das Gehirn zu verrenken
Beim Nachdenken
Was man denen will schenken
Die schon von allem
Mehr als genug haben

Könnte man darüber nachdenken

Was man denen will schenken
Die von allem
Weniger als nichts haben.

Foto Open Verse

Mit diesen Zeilen wünsche ich Euch eine gesegnete, erholsame, fröhliche Advents- und Weihnachtszeit. Ich melde mich wieder im Januar 2026.

Alles Liebe, Eure Elisa
10.12.2025

Herbstimpressionen

Ich weiss, ich weiss, ich bin ziemlich verspätet mit meinen Herbstbildern. Aber ein Rückblick hat manchmal einen speziellen Reiz. Zur Einstimmung als erstes ein aktuelles Bild.

Foto von Samuel: Thunersee im Abendrot

Schön, nicht? Damit können wir zum Rückblick übergehen. Lehnt Euch entspannt zurück und geniesst die herbstlichen Bilder, die ich im Oktober und November an verschiedenen Orten gemacht habe.

„Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig;
es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles.“ / Kurt Tucholsky

Und damit sind wir prompt wieder in der Gegenwart gelandet. Ich wünsche Euch eine besinnliche und frohgemute Adventszeit.

img_20251130_224231610_hdr4301896887888795216

Eure Elisa
03.12.2025

Die Höhle von Postojna und die Höhlenburg Predjama

Kommt Ihr heute noch ein letztes Mal mit mir in die „Unterwelt“? Habt acht: Das Gruseln kommt auf leisen Sohlen. Denn vorerst geht es licht und farbenprächtig weiter.

Liebhaber des Besonderen lassen sie sich keinesfalls entgehen: die „Lebende Krippe“, die immer vom 25. bis 30. Dezember in der Höhle von Postojna aufgestellt bzw. nachgestellt und die zum magischen „Stall von Betlehem“ wird. Denn sie gilt als die schönste Weihnachtsaufführung der Welt und das größte Weihnachts- und Neujahrsspektakel in Slowenien.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Die „Lebende Krippe“ wurde 1989 in einer Halle abseits der Touristenroute aufgebaut, neben einem Tropfstein namens „Baldachin“. Bis zu 150 Personen interpretieren die Bibelgeschichten auf fünf Kilometer langen Wegen in der Höhle. Wie überwältigend wird dieser Ort dann erst recht aussehen!

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Die Aufstellung dieser ersten „Lebenden Krippe“ war eine kühne Idee, denn sie wurde zu einer Zeit ins Leben gerufen, als Weihnachten als religiöses Fest in Slowenien noch nicht offiziell gefeiert wurde und die meisten Menschen ihre Krippen heimlich in den eigenen vier Wänden aufstellten.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama
Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Und jetzt entfernen wir uns ein wenig von der Höhle, denn ganz in der Nähe können wir nochmals etwas Ungewöhnliches entdecken: die „Höhlenburg Predjama“. Als größte Höhlenburg der Welt ist sie im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet. Sie erzählt bilderreich die Geschichte der Zeit, als Komfort der Sicherheit weichen musste und das Lied des Minnesängers des Öfteren von Waffenklirren übertönt wurde. Sie ist so einzigartig, dass sie zu den zehn faszinierendsten Burgen der Welt zählt – und ausserdem so romantisch, dass viele Paare sie für ihren Trauungsort wählen. Aber seht selbst:

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Stellt Euch vor, unter diesem imposanten Bau formte die Karstwelt die zweitlängste Höhle Sloweniens mit gar vier Etagen! Man nennt sie die „Höhle unter der Burg“. Es ist möglich, einige Teile davon im Rahmen einer regulären Besichtigung anzusehen, die restlichen sind jedoch abenteuerlichen Höhlentouren vorbehalten.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama
Foto Prospekt Park Postojnska Jama: Ausstieg – nichts für Ungeübte…

In der „Höhle unter der Burg“ gibt es keine elektrische Beleuchtung, daher bekommen die Besucher vor dem Betreten Taschenlampen. Das ist nichts für DEN MANN und mich, da sind wir nicht trittsicher genug. Aufgrund ihrer Lage und angenehmen Temperatur beherbergt die Höhle ausserdem eine Fledermauskolonie, und so ist sie während des Winterschlafs der Tiere eh geschlossen. 

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Die Burg Predjama, dieser prächtige Riese, die seit 800 Jahren im Felsen thront, verbirgt in sich allerlei aufregende Legenden der Vergangenheit. Findet Ihr nicht auch, dass sie bei Nacht einem gruseligen Dracula-Schloss gleicht? Da möchte ich meine Nächte lieber nicht verbringen. Ihr vielleicht?

Ich bin mir nicht sicher, ob das alle Geheimnisse von Postojna sind…

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Huch, da ist ja schon die erste Fledermaus! Was habe ich gesagt? Dracula lässt grüssen!

Ich auch, aber nicht kopfüber, eure Elisa
26.11.2025

Der Grottenolm von Postojna

Forts. Ihr fragt Euch vielleicht, ob es in „unserer“ Höhle auch Tiere gibt. Ja, und was für eines!

Foto Elisa: Der geheimnisvolle Grottenolm im Aquarium

Wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn sehen würden, den geheimnisvollen Grottenolm, der fast nur in der Höhle von Postojna existiert! Doch zu unserer Freude wurden wir nicht enttäuscht.

Und nun richten sich aller Augen auf den Grottenolm, ein Wesen wie aus einer anderen Welt!

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Schaut nur, allein schon vom Aussehen her sind Grottenolme ungewöhnlich mit ihrem schlangenartigen Körper, der zum Schwanz hin verdickt ist. Sie sind jedoch nur 25 bis 30 cm lang, und sie haben nicht einmal Augen! Die blasse Haut mit der rosa Nuance wirkt fast durchsichtig. Und die kurzen Beinchen? An ihren Enden befinden sich Füsschen mit je drei Zehen an den vorderen und je zwei an den hinteren. Die Füsschen dienen lediglich als eine Art Unterstützung, denn die Olme bewegen sich flink auf dem Wasser,  mit schlangenartigen Verrenkuungen. Ihre feine Haut ist natürlich sehr lichtempfindlich. Sie atmen mit Hilfe von Außenkiemen und einer primitiven Lunge. Obwohl die erwachsenen Tiere keine Augen haben, können sie mit den Rezeptoren in der Haut alles „sehen“ und die Beute sehr gut fühlen. Ihre Ernährung besteht aus Krabben, Würmern, Schnecken und anderen wirbellosen Wassertieren. Sie können jedoch viele Jahre ohne Nahrung überleben und bis zu 100 Jahre alt werden. Erstaunlich, nicht?

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Der Grottenolm ist eine äusserst selten vorkommende Gattung des Dinarischen Karstes, man findet ihn nur in einem sehr beschränkten Teil der Welt, also in Slowenien und dort mehrheitlich in der Höhle von Postojna. Die Besonderheiten des Höhlenlebens, der dauerhafte Aufenthalt in der Dunkelheit, die stets gleichbleibende Temperatur und lange Perioden ohne Nahrung machen aus ihm einen aussergewöhnlichen Überlebenskünstler mit ganz besonderen Eigenschaften.  

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Lange blieb er denn auch verborgen. Die Menschen im Karst waren gewöhnt an ein Leben zwischen den Höhlen, Abgründen, periodischen Flüssen, Seen und überraschenden Quellen, die nach heftigen Regenfällen oder Überflutungen aus dem Untergrund herausbrachen. Aber dann spülte eine mächtige Strömung ein paar merkwürdige Wesen an die Oberfläche, und das war keineswegs alltäglich! Waren es «Fische»? Nein, eigentlich nicht, obwohl sie sich geschickt durchs Wasser schlängelten. Man erblickte mit Schaudern ihre ganz blasse Haut, den langen Körper und den noch längeren Schwanz, die roten, ungewöhnlichen Auswüchse am Körper, und dann erst noch die vier Füsschen mit insgesamt nur zehn Zehen! Augen hingegen suchte man vergebens.

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Ihr könnt Euch vorstellen, dass im Nu Gerüchte entstanden. Sind das die Jungen eines Drachen, der im Untergrund sein Unwesen treibt? Oder eine Art vermenschlichter Fisch? Eine Missgeburt? Die ersten Niederschriften über die Jungen eines furchtbaren Drachens, der in der Höhle von Postojna hauste, erschienen bereits im 17. Jahrhundert. Die rätselhaften Tiere weckten nicht nur die Neugierde der Dorfbewohner, sondern auch die der Wissenschaftler. Giovanni Antonio Scopoli präsentierte als erster lebende Exemplare, und im Jahr 1768 verpasste man ihnen eine wissenschaftliche Beschreibung und einen lateinischen Namen.

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Dennoch regen Grottenolme noch heute die Phantasie der Menschen an. Die Fortpflanzung ist eines ihrer bestgehüteten Geheimnisse. Lange wusste man nicht: Würden sie überhaupt noch Nachwuchs erzeugen? Da sie in der Dunkelheit der unterirdischen Flüsse und Seen leben und sich auch dort fortpflanzen, bietet sich den Wissenschaftlern wenig Gelegenheit, ihr Liebesleben zu beobachten. Ein zufälliges Ereignis im großen Aquarium der Höhle von Postojna brachte schliesslich Licht ins Dunkel. Im Jahr 2016 konnte man zum ersten Mal das Ablegen und Schlüpfen der Eier mit 21 „kleinen Drachen“ in den Medien «live» miterleben. Eine wahre Sensation! Die winzigen Wesen wurden im Nu zu Stars der medialen und der wissenschaftlichen Welt.

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Zum Schluss noch ein weiterer Bewohner der Höhle von Postjojna, der ebenfalls blinde Schmalhalskäfer:

Ist das nicht ebenfalls ein etwas gruseliger kleiner Kerl?

Das Gruseln geht nächste Woche weiter…
Inzwischen grüsst Euch herzlich, Eure Elisa
19.11.2025