
Die Buben im Pelz – Die Buben im Pelz & Freundinnen
(2015)
Musikalisch und textlich ganz groß. Muss man sich erstmal trauen, das komplette Debütalbum von Velvet Underground auf Wienerisch einzuspielen und es in die Gegenwart zu transportieren. Ohne Augenzwinkern, ohne Ironie. Wieso das so gut funktioniert, habe ich bis heute nicht begriffen. Und wos ziaht des arme Madl an, zu die ganzen faden Parties?

Flowerpornoes – Red’ nicht von Straßen, nicht von Zügen
(1994)
Das zweite Album der »Classic-Trilogie« der Flowerpornoes beschreibt Tom Liwa selbst so: »gereifte texte, satter folkrock«. Texte und Musik sind wunderbar zeitlos, auch die Produktion ist richtig gut gealtert. In keinem Moment peinlich, wie anderes aus jener Zeit. Für mich auch immer der Soundtrack von Sommertagen im Ruhrgebiet, dieser Zwischenzone aus Provinz und Großstadt.

Franz Schubert – Winterreise
(1827)
In einer Aufnahme von Dietrich Fischer-Dieskau und Gerald Moore. Fragmente der Verzweiflung. Vielleicht hätten Franz Schubert und Wilhelm Müller, dessen Dichtung Schubert mit Musik versah (die zwei begegneten sich nie), 150 Jahre später Joy Division gegründet? Beide Frohnaturen starben jung.

F. S. K. – The Sound of Music
(1993)
Es ist heutzutage gewöhnlich, jahre- oder gar jahrzehntelang den einmal gefundenen Sound durchzuziehen. Die Gruppe F.S.K. dagegen hat sich musikalisch mehrmals komplett neu erfunden. Bevor sie sich Elektronischem widmete, erforschte John Peels deutsche Lieblingsband mithilfe von Country, Polka und Indierock transatlantische musikalische Verbindungen. Man könnte anstrengende »Avantgarde« vermuten, aber das Album ist zugänglich, nicht ohne Humor, und mit Die Original Trapp Familie (John Coltrane) gibt es auch mindestens einen Ohrwurm.

Bernd Begemann & Die Befreiung – Glanz
(2008)
Bernd Begemann kann allein mit Gitarre unterhalten. Aber am besten gefallen mir seine Lieder, wenn ihn eine Band begleitet. Diese Platte enthält zwanzig von ihm und seiner Gruppe Die Befreiung neu und tight aufgenommene Hits (die leider nie welche wurden). Längst verblichene WDR-Moderatoren tauchen darin auf, Anhalterinnen, Kleinstadtfußgängerzonen und »Christiane, das Mädchen vom CVJM«; niemand hat wie Bernd Begemann solche bundesrepublikanischen Gegebenheiten in Musik verwandelt. Auf Glanz ist auch sein tollster Song Romantischer Narr, in dem er sich, so habe ich das jedenfalls immer verstanden, über Morrisseys There is a light that never goes out lustig macht.