Links 9. März 2026

Fünf gute deutschsprachige Platten

Die Buben im Pelz – Die Buben im Pelz & Freundinnen

(2015)

Musikalisch und textlich ganz groß. Muss man sich erstmal trauen, das komplette Debütalbum von Velvet Underground auf Wienerisch einzuspielen und es in die Gegenwart zu transportieren. Ohne Augenzwinkern, ohne Ironie. Wieso das so gut funktioniert, habe ich bis heute nicht begriffen. Und wos ziaht des arme Madl an, zu die ganzen faden Parties?

Flowerpornoes – Red’ nicht von Straßen, nicht von Zügen

(1994)

Das zweite Album der »Classic-Trilogie« der Flowerpornoes beschreibt Tom Liwa selbst so: »gereifte texte, satter folkrock«. Texte und Musik sind wunderbar zeitlos, auch die Produktion ist richtig gut gealtert. In keinem Moment peinlich, wie anderes aus jener Zeit. Für mich auch immer der Soundtrack von Sommertagen im Ruhrgebiet, dieser Zwischenzone aus Provinz und Großstadt.

Franz Schubert – Winterreise

(1827)

In einer Aufnahme von Dietrich Fischer-Dieskau und Gerald Moore. Fragmente der Verzweiflung. Vielleicht hätten Franz Schubert und Wilhelm Müller, dessen Dichtung Schubert mit Musik versah (die zwei begegneten sich nie), 150 Jahre später Joy Division gegründet? Beide Frohnaturen starben jung.

F. S. K. – The Sound of Music

(1993)

Es ist heutzutage gewöhnlich, jahre- oder gar jahrzehntelang den einmal gefundenen Sound durchzuziehen. Die Gruppe F.S.K. dagegen hat sich musikalisch mehrmals komplett neu erfunden. Bevor sie sich Elektronischem widmete, erforschte John Peels deutsche Lieblingsband mithilfe von Country, Polka und Indierock transatlantische musikalische Verbindungen. Man könnte anstrengende »Avantgarde« vermuten, aber das Album ist zugänglich, nicht ohne Humor, und mit Die Original Trapp Familie (John Coltrane) gibt es auch mindestens einen Ohrwurm.

Bernd Begemann & Die Befreiung – Glanz

(2008)

Bernd Begemann kann allein mit Gitarre unterhalten. Aber am besten gefallen mir seine Lieder, wenn ihn eine Band begleitet. Diese Platte enthält zwanzig von ihm und seiner Gruppe Die Befreiung neu und tight aufgenommene Hits (die leider nie welche wurden). Längst verblichene WDR-Moderatoren tauchen darin auf, Anhalterinnen, Kleinstadtfußgängerzonen und »Christiane, das Mädchen vom CVJM«; niemand hat wie Bernd Begemann solche bundesrepublikanischen Gegebenheiten in Musik verwandelt. Auf Glanz ist auch sein tollster Song Romantischer Narr, in dem er sich, so habe ich das jedenfalls immer verstanden, über Morrisseys There is a light that never goes out lustig macht.

Links 2. März 2026

  • Der RSS-Reader Current »Current has no unread count. Not because I forgot to add one, or because I thought it would look cleaner without it. There is no count because counting was the problem.« Mal ansehen. (via)
  • Ente Paste »End-to-end encrypted paste sharing for quick, sensitive text. We cannot read your content.«
  • Aldous Huxley, Letter to George Orwell, October 21, 1949
  • Die »Schwarze Reihe« des Buchgestalters Lothar Reher »Die Reihe ›Spektrum‹ im Verlag Volk und Welt bot eine rare Diskussionsplattform für internationale Literatur innerhalb der DDR. Gegen alle Behinderungen präsentierte sie immer wieder überraschende Titel. […] Der Grafiker und Buchgestalter Lothar Reher (1932-2018) fertigte für jede Einzelne der 279 Ausgaben eine Fotocollage an.«

Links 23. Februar 2026

  • In search of Jutta Hipp »In 1979, a musician put out a call in a magazine. Did anyone know where the German jazz pianist of the 1950s had gone?« (Dank an ben_, der mich neulich auf Jutta Hipp aufmerksam machte)
  • Tu Es Un Être Parfait von Fleur, »Yé-Yé girl avant la lettre«
  • The Modern Literary Novel »This website celebrates the world-wide literary novel since approximately the beginning of the twentieth century, arranged by nationality. It is a personal but extensive survey of literary fiction since around 1900, which will continue to grow.« (via)
  • How passkeys work Nun habe auch ich das verstanden.

Links 16. Februar 2026

  • Jörg Fauser 1984 in einer Fernsehsendung namens »Autor-Scooter« (schlimme Wortspiele gab es damals also schon). Das war das Jahr, in dem Rohstoff erschien. Mag sehr, wie Fauser sich (im zweiten Teil) als Geschäftsmann darstellt, der »Produkte verkauft«, um sich von den Wichtigtuern des deutschen Literaturbetriebs abzugrenzen.
  • How the Swedish Mystic Hilma af Klint Invented Abstract Art
  • Great Art Explained (via)
  • TextSniper Könnte ich hin und wieder mal gebrauchen, dachte ich. Jetzt ist dieses Werkzeug für den Macintosh jeden Tag im Einsatz. TextSniper erkennt nicht markierbaren Text in Bildern, Videos oder Programmen und kopiert ihn in die Zwischenablage. Das funktioniert mit erstaunlicher Zuverlässigkeit und ist so bequem, dass ich auch »normalen« Text damit fotografiere. Es gibt weitere Programme dieser Art. Sie werden ebenso gut funktionieren. Meine Wahl ist TextSniper.

47.831

Uff. Erste Fassung ✅

Schon im September, so hatte ich es mir auferlegt, wollte ich mit der Rohfassung des Romans (der Fortsetzung der Lehrerin) durch sein. Daraus wurde nichts. Nicht schlimm: es ist so viel Zeit vergangen, dass ich mich inzwischen nur noch dunkel erinnere, was am Anfang der Geschichte geschieht. Es gibt also schon genug Abstand, um gleich mit der Überarbeitung anzufangen. Mit der Phase, in der die ganze Sache beginnt Spaß zu machen.

Aber trotz aller Mühsal: wie sich aus Gedanken beim Spazierengehen an Sommerabenden, dem Hören von Musik, die mir Gutes will und der Lektüre von inspirierendem Zeug aller Art eine Story herausbildet, wie sie wächst, dieses seltsame Eigenleben bekommt, das ist doch sehr erfüllend.

»[…] dieses kleine Dings, in das so viele lange Abende der letzten zweieinhalb Jahre geflossen sind«, schreibt Christian über sein Album. I feel him.