Die Grundidee von correspondance ist, Situationen zu organisieren, die gemeinsame Aktivitäten und den Austausch über das Geschehen ermöglichen.
Dieses erfolgt auf einer gleichberechtigten Basis aller Teilnehmenden. Jeder ist Lehrer, jeder ist Schüler. Alles, was die Treffen und Zusammenkünfte bereichert, wird akzeptiert. Wenn Menschen zusammen kommen, um gemeinsam zu arbeiten, entwickelt sich immer ein besonderer Prozeß, der nicht zwangsläufig und dauerhaft für alle befriedigend ist. Diesen Widrigkeiten sollten wir mit Offenheit und Ehrlichkeit begegnen,…. das kann nur funktionieren, wenn wir unsere Bedenken und Überlegungen den anderen mitteilen. Kritik, bei der die Persönlichkeit, die Würde und die Leistung anderer geachtet wird, ist ein notwendiger Bestandteil der Treffen.
Die correspondancen sollten als Chance für die persönliche Entwicklung verstanden werden. An den täglichen Hausorganisationen während der Treffen sollten sich alle beteiligen. Der Kreis ist offen für jeden, die/der ernsthaft daran interessiert ist, die persönlichen Ausdruckformen zu finden.
Gäste sind willkommen, Freunde werden gerne informiert. Die Gruppe wird durch Vertrauen und den freien Willen zu teilen, getragen.
Something to talk about
Diesen Text findet man auf der Seite correspondance von Bernd W. Plake
Ich unterscheide „Jammerorte des Stöhnens„, nämlich Einschließungsmilieus (vulgär-soziologisch: Arbeitsorganisationen, Fabriken, Büros, Schulen, Heime und Hospitäler aller Art), von „Wunderorten des Staunens„, die ich Ausschließungsmilieus nenne (prototypisch: Künstlervorstellung, Konzerte, Parties, Vergnügen, aber auch Katastrophenhilfe, Gefahrenabwehr, Notgemeinschaften aller Art).*
Der Text oben gibt deutlich zur Auskunft, wie schwer es fällt, diese hinreichend bekannten und entwickelten Jammerorte der Einschließung zu verlassen, weil der Versuch, Wunderorte des Staunens, die nicht bloß dem Prototyp entsprechen, zu finden oder aufzusuchen, von allzu zu vielen Wünschen, unerfüllbaren Hoffnungen und weltfremden Erwartungen auf utopisches Gelingen geprägt und überlastet ist. Das scheint mir der oben verlinkte Text deutlich genug zum Ausdruck zu bringen.
Es wird darin ein Arrangement der Begegnung vorgeschlagen, in welchem jeder jedem ganz viel verspricht: „gemeinsame Aktivitäten und Austausch – gleichberechtigte Basis – alles, was bereichert, wird akzeptiert – Offenheit und Ehrlichkeit – Kritik, Persönlichkeit, Würde – Chance für die persönliche Entwicklung – Vertrauen und freier Wille.“
All das ist so formuliert, dass keiner, der teilnehmen wird, irgendetwas von alldem ablehnen kann. Es wird mit dieser Satzung auf der rhetorischen Ebene ein Konsens gleichsam erschlichen, dessen Einhaltung und Beibehaltung zur kontrollierbaren Selbstverpflichtung wird, was auch heißt, dass Devianz, also abweichendes Verhalten, strengen Verfahren der Sanktionierung ausgesetzt sein wird. Es wird mit einer solchen Satzung der Verräter stigmatisiert, noch bevor man ihn sieht. Es wird mit einer solchen Satzung eigentlich nur ein Selbstverdacht zur Verständigung angeboten. Es wird mit dieser Satzung gesagt: eine Welt auf der Basis dieser Satzung ist die bessere Welt. Weshalb die Einverstehenden sich gründlich darum bemühen, nicht als Verräter aufzufallen.
Eine solche Satzung will Einschließung gleichsam ‚erpressen‘. Sie kann und und schafft dies, weil und solange sie Einschließung nicht als Problem ansieht, sondern als Lösung.
Eine solche Satzung ist also in jedem Fall eine gute Sache, glaut man dann. Und weil das so ist, kann nichts schiefgehen. Stimmt’s? Die Erfahrung wird da wie andernorts zeigen, dass das Gegenteil der normale Fall ist. Wenn eine Überforderung des praktischen Erlebens aufgrund einer einfachen rhetorischen Schummelei akzeptiert wird, können Reibungs- und Störmanöver kaum vermieden werden. Der Verrat an einer guten Sache wird dann schnell offenbar, oder, was auf das selbe hinausläuft: Die kontrollierbare Selbstverpflichtung tendiert zur Meidung eines solchen Ortes. Es wird viel versprochen, viel in Aussicht gestellt, es wird viel gewollt, aber es passiert dann fast nichts. Oder wenn doch, dann nichts, was gemäß dieses Anspruchs besonders bedeutsam wäre.
Die rhetorische Schummelei, die in diesem Text zum Ausdruck kommt, kennt in der Wortwahl der alten Theologie eine Entsprechung, in welcher es heißt: „Es sind die Schliche des Bösen.“ Die Schliche des Bösen sind hier: Satzung, Konsens, Stolz und Wirkmächtigkeit von Handlung. Die Schliche des Bösen kleiden sich hier in ein Versprechen auf Humanität. Warum böse, wenn doch die Intention sich als ein Nurgutes ausgibt? Eben aus diesem Grund. Es seien ja nur gute Absichten versprochen; es seien ja nur gute Menschen beteiligt; es seien ja nur gute Zwecke vorgesehen. Es ist ja alles nur gut gemeint. Es handelt sich dabei um einen von unzähligen Versuchen, einen sozialen Mitwirkungs- und Verständigungszusammenhang zu finden, der Partizipation gleichsam zur moralischen Ertüchtigung der jammernden Kreatur anbietet. Wer sich darauf einkässt, setzt sich, gleichviel ob gewollt oder nicht, einem Selbstverdacht aus, nämlich dem Verrat an einer guten Sache, weshalb es kein Wunder ist, dass solche Satzungen politisch wirkungslos bleiben. Sie finden für Einschließung keinen Ausweg, und damit auch keinen Ausweg aus der Jammerei. Vielmehr wird Einschließung nur moralisch dekoriert.
Ich vermute, um politisch handeln zu können, werden Ausschließungsmilieus gebraucht, die nicht bloß dem oben angeführten Prototyp entsprechen.
Was verstehe ich unter Ausschließungsmilieus?
Fortsetzung folgt
*Gemeinschaften, die sich finden, um Vergnügen zu organisieren, haben mit Notgemeinschaften gemeinsam, dass in beiden Fällen der Zweck des Tuns erkennbar wird. Die Gemeinschaften haben ein vorhersehbares Ende. Es sei denn, man hat es mit Bürokratie zu tun, denn dann findet gar nichts mehr ein Ende. Das unterscheidet eine Bürokratie von einer Naturkatrastrophe.