Kassensturz Meckerschlumpf-Stiftung

Hier ist als Tabelle der Rechenschaftsbericht über das eingesammelte und ausgegebene Geld für den #trialogmr2018. Es wurden 510 Euro eingesammelt. An die Herbergseltern wurde ein Vorschuss von 110 Euro für den #Trialogmr2019 entrichtet. Da vom Vorschuss aus dem letzten Jahr 50 Euro übrig geblieben sind, beträgt der Vorschussbetrag 160 Euro für Übernachtung.

Allen Spendern, Helfern, An- und Abwesenden sei gedankt für das Gelingen. Es war interessant, schön, und anstrengend.

Fotos, Filme und Gesprächsaufzeichnungen folgen noch.

 

Trialog Marburg 2018 – Spendensammlung #trialogmr2018

in memoriam Herr Latent

Liebe Leute,

wie schon im letzten Jahr möchten wir wieder in der Gegend von Marburg, in einem kleinen Dorf an der Lahn, einen Trialog durchführen. Wir möchten uns begegnen, kennen leernen, sprechen, zuhören, spazierengehen, nachdenken und vor allen Dingen eine Tafel mit Kreide bemalen. Das ist wichtig, denn das macht das Leben leichter.

Zur Durchführung ist etwas organisatorischer Aufwand nötig. Außerdem fallen einige Spesenkosten für Übernachtung, Bewirtung und evtl. ein paar Kosten für Equipment an. Zur Finanzierung möchten wir euch um eure Unterstützung bitten. Wer möchte, mag uns mit einer Geldgabe weiter helfen.

Die Kontoverbindung ist:

Bündnis Marburg Regional
Raiffeisenbank eG Ebsdorfergrund
Verwendungszweck: Meckerschlumpf-Stiftung
IBAN: DE14 533 617 240 031 009 702

 

Ich selbst spende 100 Euro. Allerdings würde ich diesen Spendenbeitrag gern versteigern. Die Versteigerung stelle ich mir so vor:
Ich gebe 10 Euro in die Gemeinschaftskasse. Wenn sich nun jemand bei mir meldet, der ebenfalls mindestens 10 Euro in die Gemeinschaftskasse gibt, gebe ich noch mal 20 Euro dazu. Sollte sich danach  jemand bei mir melden, der ebenfalls mindestens 20 Euro dazu gibt, gebe ich noch mal 30 Euro. Meldet sich nun wieder irgendwer, vielleicht auch mehrere, die zusammenen ebenfalls mindestens 30 Euro dazu geben, dann gebe ich noch die letzten 40 Euro dazu. Dann wäre mein Spendenbeitrag erfolgreich versteigert, und es befänden sich dann zusammen mindestens 160 Euro in der Kasse.

Hier als Übersicht:

10 Euro von Klaus + 10 von anderen = 20 Euro
20 Euro von Klaus + 20 von anderen = 60 Euro
30 Euro von Klaus + 30 von anderen = 120 Euro
40 Euro von Klaus                                 = 160 Euro

Interessant wird eine solche Versteigerung dann, wenn du dir ebenfalls ein Spendenlimit setzt und es auf gleiche Weise versteigern würdest, indem du also deinen Beitrag steigerst, wenn auch andere etwas dazu geben. Wichtig dabei: wenn das keiner tut, dann behältst du dein Geld. Denn Sinn ist, das Geld nicht einfach nur herzugeben, um einen guten Zweck zu erfüllen, sondern die Gabe unter eine Bedinung zu stellen, nämlich die, dass auch andere etwas dazu tun. Tun sie es nicht, dann geht’s nicht.

Beim Nachdenken darüber, ob und wie man mit dieser social media Technologie auch etwas Interessanteres veranstalten kann als bloß von Optimierungslösungen Gebrauch zu machen, bin ich auf den Gedanken gekommen, ob man damit ein Problem lösen könnte, das ohne diese Technologie bislang immer ungelöst bleiben musste.

Dazu beim Trialog Marburg 2018 mehr.

Vielen Dank für euer Engagement und liebe Grüße

Klaus Kusanowsky

Jammerorte des Stöhnens, Wunderorte des Staunens @Pymwater @ReisAgainst

Die Grundidee von correspondance ist, Situationen zu organisieren, die gemeinsame Aktivitäten und den Austausch über das Geschehen ermöglichen.
Dieses erfolgt auf einer gleichberechtigten Basis aller Teilnehmenden. Jeder ist Lehrer, jeder ist Schüler. Alles, was die Treffen und Zusammenkünfte bereichert, wird akzeptiert. Wenn Menschen zusammen kommen, um gemeinsam zu arbeiten, entwickelt sich immer ein besonderer Prozeß, der nicht zwangsläufig und dauerhaft für alle befriedigend ist. Diesen Widrigkeiten sollten wir mit Offenheit und Ehrlichkeit begegnen,…. das kann nur funktionieren, wenn wir unsere Bedenken und Überlegungen den anderen mitteilen. Kritik, bei der die Persönlichkeit, die Würde und die Leistung anderer geachtet wird, ist ein notwendiger Bestandteil der Treffen.
Die correspondancen sollten als Chance für die persönliche Entwicklung verstanden werden. An den täglichen Hausorganisationen während der Treffen sollten sich alle beteiligen. Der Kreis ist offen für jeden, die/der ernsthaft daran interessiert ist, die persönlichen Ausdruckformen zu finden.

Gäste sind willkommen, Freunde werden gerne informiert. Die Gruppe wird durch Vertrauen und den freien Willen zu teilen, getragen.

Something to talk about

Diesen Text findet man auf der Seite correspondance von Bernd W. Plake

Ich unterscheide „Jammerorte des Stöhnens„, nämlich Einschließungsmilieus (vulgär-soziologisch: Arbeitsorganisationen, Fabriken, Büros, Schulen, Heime und Hospitäler aller Art), von „Wunderorten des Staunens„, die ich Ausschließungsmilieus nenne (prototypisch: Künstlervorstellung, Konzerte, Parties, Vergnügen, aber auch Katastrophenhilfe, Gefahrenabwehr, Notgemeinschaften aller Art).*
Der Text oben gibt deutlich zur Auskunft, wie schwer es fällt, diese hinreichend bekannten und entwickelten Jammerorte der Einschließung zu verlassen, weil der Versuch, Wunderorte des Staunens, die nicht bloß dem Prototyp entsprechen, zu finden oder aufzusuchen, von allzu zu vielen Wünschen, unerfüllbaren Hoffnungen und weltfremden Erwartungen auf utopisches Gelingen geprägt und überlastet ist. Das scheint mir der oben verlinkte Text deutlich genug zum Ausdruck zu bringen.
Es wird darin ein Arrangement der Begegnung vorgeschlagen, in welchem jeder jedem ganz viel verspricht: „gemeinsame Aktivitäten und Austausch – gleichberechtigte Basis – alles, was bereichert, wird akzeptiert – Offenheit und Ehrlichkeit – Kritik, Persönlichkeit, Würde – Chance für die persönliche Entwicklung –  Vertrauen und freier Wille.“
All das ist so formuliert, dass keiner, der teilnehmen wird, irgendetwas von alldem ablehnen kann. Es wird mit dieser Satzung auf der rhetorischen Ebene ein Konsens gleichsam erschlichen, dessen Einhaltung und Beibehaltung zur kontrollierbaren Selbstverpflichtung wird, was auch heißt, dass Devianz, also abweichendes Verhalten, strengen Verfahren der Sanktionierung ausgesetzt sein wird. Es wird mit einer solchen Satzung der Verräter stigmatisiert, noch bevor man ihn sieht. Es wird mit einer solchen Satzung eigentlich nur ein Selbstverdacht zur Verständigung angeboten.  Es wird mit dieser Satzung gesagt: eine Welt auf der Basis dieser Satzung ist die bessere Welt. Weshalb die Einverstehenden sich gründlich darum bemühen, nicht als Verräter aufzufallen.
Eine solche Satzung will Einschließung gleichsam ‚erpressen‘. Sie kann und und schafft dies, weil und solange sie Einschließung nicht als Problem ansieht, sondern als Lösung.

Eine solche Satzung ist also in jedem Fall eine gute Sache, glaut man dann. Und weil das so ist, kann nichts schiefgehen. Stimmt’s? Die Erfahrung wird da wie andernorts zeigen, dass das Gegenteil der normale Fall ist. Wenn eine Überforderung des praktischen Erlebens aufgrund einer einfachen rhetorischen Schummelei akzeptiert wird, können Reibungs- und Störmanöver kaum vermieden werden. Der Verrat an einer guten Sache wird dann schnell offenbar, oder, was auf das selbe hinausläuft: Die kontrollierbare Selbstverpflichtung tendiert zur Meidung eines solchen Ortes. Es wird viel versprochen, viel in Aussicht gestellt, es wird viel gewollt, aber es passiert dann fast nichts. Oder wenn doch, dann nichts, was gemäß dieses Anspruchs besonders bedeutsam wäre.

Die rhetorische Schummelei, die in diesem Text zum Ausdruck kommt, kennt in der Wortwahl der alten Theologie eine  Entsprechung, in welcher es heißt: „Es sind die Schliche des Bösen.“ Die Schliche des Bösen sind hier: Satzung, Konsens, Stolz  und Wirkmächtigkeit von Handlung. Die Schliche des Bösen kleiden sich hier in ein Versprechen auf Humanität. Warum böse, wenn doch die Intention sich als ein Nurgutes ausgibt? Eben aus diesem Grund. Es seien ja nur gute Absichten versprochen; es seien ja nur gute Menschen beteiligt; es seien ja nur gute Zwecke vorgesehen. Es ist ja alles nur gut gemeint. Es handelt sich dabei um einen von unzähligen Versuchen, einen sozialen Mitwirkungs- und Verständigungszusammenhang zu finden, der Partizipation gleichsam zur moralischen Ertüchtigung der jammernden Kreatur anbietet. Wer sich darauf einkässt, setzt sich, gleichviel ob gewollt oder nicht, einem Selbstverdacht aus, nämlich dem Verrat an einer guten Sache, weshalb es kein Wunder ist, dass solche Satzungen politisch wirkungslos bleiben. Sie finden für Einschließung keinen Ausweg, und damit auch keinen Ausweg aus der Jammerei. Vielmehr wird Einschließung nur moralisch dekoriert.

Ich vermute, um politisch handeln zu können, werden Ausschließungsmilieus gebraucht, die nicht bloß dem oben angeführten Prototyp entsprechen.

Was verstehe ich unter Ausschließungsmilieus?

Fortsetzung folgt


*Gemeinschaften, die sich finden, um Vergnügen zu organisieren, haben mit Notgemeinschaften gemeinsam, dass in beiden Fällen der Zweck des Tuns erkennbar wird. Die Gemeinschaften haben ein vorhersehbares Ende. Es sei denn, man hat es mit Bürokratie zu tun, denn dann findet gar nichts mehr ein Ende. Das unterscheidet eine Bürokratie von einer Naturkatrastrophe.

Wie Bedürfnisse Bedürfnisse produzieren

Bedürfnisse werden gesellschaftlich produziert. Wie das geht, erzählt beispielhaft diese Anekdote.

Hier wird nämlich erzählt, dass die Produktenttäuschung eine unverzichtbare Bedingung für ein Anschlusshandeln herstellt: Beim nächsten mal wendet sich der Konsument an jemand anderen. Wir lernen und schreiben auf: Bedürfnisse werden durch Konsum in erster Linie nicht befriedigt, sondern hergestellt. (Bitte merken. Das kommt in der Prüfung dran.)

Deshalb hilft es nichts, wenn Ökologen appellieren, auf Bedürfnisse zu verzichten. Weil: dieser Verzicht ebenfalls nur als ein Bedürfnis zustande kommt (also als Bedürfnis nach Verzicht), ein Bedürfnis, das ebenfalls allein gesellschaftlich produziert wird. Ökologen reicht es zur Rechtfertigung ihrer Ansicht deshalb, allein den Appell, unterstützt von Gefahrenhinweis und moralischem Zeigefinger zu verbreiten. Das entspricht ihrem gesellschaftlich akzeptierten Bedürfnis.

Wir kommen darauf beim #trialogmr2018 zurück.

Einschließungsmilieu vs. Einschließungsmilieu

Fritz B. Simon über ein großartig neuartiges Konzept der Einschließung: Konflikte ein-, nicht ausschließen, ähnlich wie in Familien, Unternehmen, Konzernen, hier aber: explizit erwünscht und gefordert, was ja heißt, dass durch solche Ankündigung die Aufrichtigkeit zer-stört wird und Rechtfertigungszwänge unumgänglich werden, aber folgenlos bleiben für die, die sich darauf einlassen. Welche Gewinne die Menschen auch immer davon haben mögen, die Organisation – hier: das Einschließungsmilieu Verlag – gewinnt, wie immer, zuerst:

„Was wir hier versuchen, das ist, Menschen zusammen zu bringen, die eben üblicherweise zu unterschiedlichen Untergruppen gehören, die aber trotzdem etwas verbindet, nämlich zum Beispiel die ähnliche Zielsetzung (Verbesserung der Welt – sage ich das mal allgemein…). Man hat ähnliche Vorstellungen davon, wie Welt zum Beispiel sein sollte, aber man kommt trotzdem nicht zusammen, weil man unterschiedliche Erklärungen konstruiert dafür, warum alles so ist, wie es ist und daraus ganz unterschiedliche Handlungskonsequenzen ableitet. Was wir hier versuchen, ist unterschiedliche Menschen … zusammen zu bringen und einen Konflikt möglich zu machen; einen konstruktiven Konflikt, den Konflikt als Ressource zu nehmen, Positionen gegeneinander zu setzen, die üblicherweise nicht gegeneinander gesetzt werden, weil man sich gar nicht trifft, weil man gar nicht miteinander ins Gespräch kommt. …“

Auch hier wird der weiteren Überflussproduktion gerade unter ethischen Gesichtspunkten statt gegeben. Das Einschließungsmilieu verspricht mal wieder eine Lösung zu sein. Dass es selbst unhaltbar ist, weil die gesamtgesellschaftlichen Kontrollzwänge kaum noch bewirtschaftet werden können, kann unter solchen explizit genannten Konfliktbedingungen kaum akzeptabel sein. Stattdessen wird nur die Aufrichtigkeit eines Konfliktansinnens vernichtet. Es findet sich unter diesen Bedingungen nur ein sozialer Verständigungszusammenhang, der den Habitus der aufgegeklärten Unaufrichtigkeit feiert.

 

Überfluss ausnutzen, nicht vermeiden

Für die Vorbereitung auf den Trialog Marburg 2018 empfehle ich den Vortrag oben und Gespräch unten mit Nico Paech. Wenn ich gleichwohl seine Überlegungen, was die Ausweglosigkeit einer auf Wachstum angelegten Lebensweise beinahe vollständig teile, so halte ich keineswegs etwas von seinen Lösungsvorschlägen, nicht weil sie grundsätzlich schlecht oder falsch wären, nicht weil sie auf Unkenntnis oder Irreführung beruhten, sondern weil ich Zweifel daran habe, dass die inzwischen gut ausgehärtete gesellschaftliche Bekanntheit mit den ökologischen Problemen dafür garantiert, dass ein Wissen um ihre Lösung zuverlässig wäre. So etwas anzunehmen heißt, einem Wissenspessimismus nachzugeben, der besagt: Wenn die Probleme bekannt sind, müsse nur noch eine Lösung bekannt gemacht werden; und ausgerechnet auf dem Schreibtisch eines Wissenschaftsbeamten in Oldenburg, der bestenfalls seine Fachliteratur gut kennt, ereignet sich eine Ordnung, die alle anderen nur noch begreifen müssten. Das Pesssimistische ist: Der Professor gestaltet ein Formular über die Lösungen, das alle anderen nur noch in jeder Variante richtig ausfüllen müssen. Dann wäre die Welt gerettet. Das Pessimistische ist, dass die Ausweglosigkeit nur mit der Fortsetzung von Uneinsichtigkeiten beantwortet wird.

Mein Verdacht ist nämlich, dass nicht die uferlose gesellschaftliche Produktion von immer mehr nutzlosen Bedürfnissen für die Überflussproduktion verantwortlich ist, sondern die unvermindert ständig ansteigenden Kontroll- und Rechtfertigungszwänge der Vergesellschaftung in Einschließungsmilieus. Der Überfluss wird durch Kontrollzwänge staatlicher und wirtschaftlicher Verteilungsmechanismen erzeugt, kann auf diese Weise nur vermehrt, aber niemals verteilt und nutzbar gemacht werden. Für die Suche nach einer Lösung wird dann ständig auf die Kontingenz der Unterscheidung Staat/Markt zurück verwiesen, indem ein Entweder-Oder (entweder Staat oder Markt; oder: sowohl Staat als auch Markt) die Problemauffassung bestimmt. Eine Lösung sei dementsprechend allein innerhalb dieser Kontingenz zu finden. Ein Weder-Noch kommt überhaupt nicht zur Sprache. Mit Staat und Markt und mit einem Vertrauen auf strukturelle Haltbarkeit entsprechender Reproduktionsmechanismen mag das Problem der Überflussproduktion erzeugt und auf Dauer gestellt werden können, kann aber mit dem Zurückverweisen auf diese Kontingenz nicht gelöst werden. Genau das aber machen Ökologen, indem sie Lösungen formulieren, die nur innerhalb dieser Kontingenz  anschlussfähig sind. Ein andere Wahl, die ein Weder-Noch in Aussicht stellt, kommt nicht in Frage. Denn in dem Fall könnte niemand eine Lösung auf den Tisch legen. Man müsste Nichtwissen zugestehen und mit der Forschung anfangen, was in den Einschließungsmilieus wie Unternehmen und Bürokratien wiederum nicht möglich ist. Denn dort hat Rechtfertigungskommunikation stets Vorfahrt vor Irrtumskommunikation.

Über diese Zusammenhänge würde ich beim #Trialogmr2018 gern reden.

 

Politisches Handeln in Ausschließungsmilieus

Es gibt bei den Sozialtheoristen einen schon etwas älteren Text von Rena Schwarting, der sich mit dem Begriff des Politischen in der soziologischen Theorie befasst: „Probleme und Lösungen der Betroffenen-Demokratie.“

https://sozialtheoristen.de/2008/11/09/probleme-und-losungen-der-betroffenen-demokratie/

Vielleicht haben wir beim #trialogmr2018 Gelegenheit, über politisches Handeln in Ausschließungsmilieus zu diskutieren. Der verlinkte Text eignet sich sehr gut zur Anregung.