Es ist ein extrem stiller, fast schon heimlicher Abschied, der uns echte Autofans bis tief ins Mark treffen sollte. Während Lexus in den USA derzeit stolz das Modelljahr 2026 der kompakten IS-Limousine präsentiert – mit schärferer Front und endlich einem modernen Cockpit – fehlt in der aktualisierten Preisliste der wichtigste Name: IS 500. Der glorreiche 5.0-Liter-V8-Saugmotor wurde von den Japanern stillschweigend und ohne großes Abschieds-Sondermodell beerdigt.
Für uns im DACH-Raum, wo die sportliche IS-Baureihe schon vor langer Zeit offiziell aus den Showrooms verschwunden ist, ändert sich damit die Graumarkt-Import-Strategie radikal. Wer heute in Europa offiziell bei Lexus kauft, bekommt in dieser Klasse die zweifellos vernünftige ES-Limousine (201 PS Systemleistung). Das ist grundsolide, aber völlig emotionslos. Bisher war ein importierter IS 500 ein sündhaft teures Spielzeug für absolute Individualisten. Ab heute ist er ein handfestes Investment.
Die allerletzten Exemplare des Modelljahres 2025 stehen aktuell noch bei den US-Händlern und spezialisierten Importeuren in Bremerhaven. Gleichzeitig lockt der „neue“ 2026er IS 350 mit zeitgemäßer Technik, aber eben zwei Zylindern weniger. Sollen Sie jetzt knapp 100.000 Euro für einen „toten“ V8 riskieren oder auf die kühle Vernunft des neuen V6 setzen? Wir haben den japanischen Exoten auf deutschen Straßen getestet.
Technische Daten & Spezifikationen
Kategorie | Lexus IS 500 F Sport (Letzte Modelle 2025) | Lexus IS 350 F Sport (Neu 2026) |
Motor & Antrieb | 5.0L V8 Saugbenziner (2UR-GSE) | 3.5L V6 Saugbenziner |
Leistung / Drehmoment | 479 PS (352 kW) / 536 Nm | 315 PS (231 kW) / 380 Nm |
Getriebe | 8-Stufen-Wandlerautomatik (Aisin) | 8-Stufen-Wandlerautomatik (Aisin) |
Antriebsart | Heckantrieb + Torsen-Sperrdifferenzial | Heckantrieb (AWD optional in US) |
0-100 km/h / Vmax | ca. 4,5 s / 240 km/h (abgeregelt) | ca. 5,7 s / 230 km/h |
Testverbrauch (Mix) | ca. 12,5 – 14,0 l/100 km (Super Plus) | ca. 9,5 – 11,0 l/100 km (Super) |
Kofferraumvolumen | 305 Liter | 305 Liter |
Breite (inkl. Spiegel) | ca. 2.030 mm (Baustellen-Sieg!) | ca. 2.030 mm |
Importpreis (Real DE) | ca. 85.000 bis 110.000 € | ca. 50.000 bis 65.000 € |
Unterhalt und Versicherung (TCO)
Wer sich einen Lexus IS nach Deutschland oder Österreich importiert, muss die „Total Cost of Ownership“ (TCO) völlig anders kalkulieren als bei einem heimischen Fahrzeug. Da der IS in Europa nicht homologiert ist, läuft alles über eine teure und zeitaufwendige §21 Einzelabnahme beim TÜV. Hinzu kommen 10 Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer auf den Fahrzeugpreis plus Frachtkosten.
Für Dienstwagenfahrer ist dieses Auto der absolute finanzielle Ruin. Da es sich um hochvolumige reine Verbrennungsmotoren handelt, greift die volle 1,0%-Regelung der Dienstwagenversteuerung – von den lukrativen 0,25 % oder 0,5 % für Elektroautos und Plug-in-Hybride sind Sie hier meilenweit entfernt. Zudem schlägt die deutsche Kfz-Steuer aufgrund der horrenden, umgerechneten CO2-Werte (besonders beim V8) absolut gnadenlos zu. Versicherungstechnisch verlangen viele Assekuranzen teure Sondereinstufungen für exotische Grauimporte.
Dennoch gibt es einen massiven finanziellen Lichtblick: Die Mechanik. Die Lexus-Technik (sowohl der V6 als auch der V8) gilt in der Branche als absolut unzerstörbar („Bulletproof“). Sie kaufen hier zwar oft ohne offizielle europäische Werksgarantie, aber das Risiko eines kapitalen Motorschadens ist bei diesen standfesten Saugmotoren weitaus geringer als bei jedem gebrauchten deutschen Premium-Fahrzeug mit hochgezüchteten Biturbo-Aggregaten. Der IS 500 V8 wird zudem als künftiges Sammlerstück einen extrem stabilen Werterhalt genießen.
Design, Abmessungen & Alltagstauglichkeit
Für das Modelljahr 2026 spendiert Lexus dem verbliebenen IS 350 eine nachgeschärfte Frontmaske. Der Diabolo-Kühlergrill ist noch dominanter, die Lufteinlässe sind gewachsen, und die Voll-LED-Scheinwerfer blicken noch aggressiver. Er wirkt optisch deutlich breiter, bewahrt aber die typische, rasiermesserscharfe Eleganz der Japaner, die ihn wohltuend vom deutschen Einheitsbrei abhebt.
Ein massiver, oft unterschätzter Pluspunkt im täglichen deutschen Pendler-Alltag ist jedoch die schlanke Grundkarosserie. Die Limousine misst in der Länge vernünftige 4,71 Meter. Viel wichtiger ist jedoch die Breite: Mit ausgeklappten Außenspiegeln misst der IS nur hauchdünne 2.030 Millimeter.
Das bedeutet in der harten Realität der Autobahn: Während die Fahrer eines aktuellen BMW M3 oder Audi RS 4 in verengten Baustellen Blut und Wasser schwitzen und rechts bei den Lkw bleiben müssen, haben Sie im Lexus den absoluten Freifahrtschein. Sie dürfen völlig legal, stressfrei und kaskoversichert die linke, meist auf 2,1 Meter limitierte Überholspur nutzen.
Innenraum: Haptik-Check und Infotainment-Performance
Die wichtigste und überfälligste Änderung für 2026 fand im Innenraum des IS 350 statt. Lexus hat das ergonomisch furchtbare, extrem ablenkende Touchpad in der Mittelkonsole endlich ersatzlos gestrichen. Ein zeitgemäßes Cockpit mit einem hochauflösenden, 12,3 Zoll großen Touchscreen und einem volldigitalen Tacho hält Einzug. Das Display ist nun näher an den Fahrer herangerückt und reagiert flüssig.
Dieses Update rettet den Importeur! Denn die klassischen US-Import-Probleme (das amerikanische Navi findet in Europa keine Straßen, das US-Radio überspringt europäische Frequenzen und DAB+ fehlt völlig) umschifft man nun spielend: Wireless Apple CarPlay und Android Auto sind Serie. Sie streamen Navigation und Musik einfach vom Smartphone. Die NVH-Dämmung (Noise, Vibration, Harshness) ist auf absolutem Top-Niveau; bei 130 km/h herrscht im Innenraum eine bemerkenswerte Stille, die nur vom Motor durchbrochen wird.
Die wahre Ingenieurs-Meisterleistung ist jedoch das, was Lexus glücklicherweise nicht geändert hat. Anstatt dem grassierenden Touch-Wahn der Industrie zu verfallen, behält der IS 2026 eine edle, massive Knopfreihe für die Klimaanlage und echte, haptisch perfekte Drehregler für die Lautstärke. Sie bedienen die Temperatur auf der kurvigen Landstraße völlig blind, während Sie sich zu 100 Prozent auf das Fahren konzentrieren. Das ist echte, angewandte Ergonomie, von der sich Wolfsburg und Stuttgart eine dicke Scheibe abschneiden können.
Antrieb und Fahrdynamik
Das Herzstück dieser Autos definiert ihren gesamten, völlig unterschiedlichen Charakter.
Der 5.0-Liter V8-Saugmotor (2UR-GSE) im auslaufenden IS 500 ist ein mechanisches Relikt aus einer unbeschwerten Zeit. Er braucht keine anfälligen Turbolader, sondern giert nach reiner Drehzahl. Er spricht völlig ansatzlos und ohne jegliche Verzögerung auf jeden Millimeter des Gaspedals an. Im krassen Gegensatz zum sterilen, oft synthetisch über Lautsprecher verstärkten deutschen Biturbo-Sound ist dieser Lexus ein ehrliches Orchester. Er grollt im Stadtverkehr tief und brüllt bei 7.000 U/min wie ein zorniger Kampfjet. Der reale Verbrauch liegt bei artgerechter Haltung jedoch schnell bei 14 Litern Super Plus.
Ist der V6-Saugmotor im neuen IS 350 eine echte Alternative? Rational betrachtet: Ja. Die 315 PS reichen für sportliche Autobahn-Etappen völlig aus, und der Verbrauch pendelt sich bei vernünftigeren 10 Litern ein. Aber emotional ist er nur der Trostpreis. Ihm fehlt das brachiale Drama, die Seele und das unberechenbare, brutale Element des großen V8. Er ist ein wunderbarer, laufruhiger Cruiser für die Landstraße, aber kein Fahrzeug, das Ihnen den Puls in die Höhe treibt.
Platzangebot für Familien und Freizeit
Hier offenbart die sportliche Architektur der Limousine ihre klaren Kompromisse. Der Lexus IS ist kein Raumwunder und will es auch gar nicht sein.
Der Kofferraum schluckt magere 305 Liter. Das reicht für zwei mittelgroße Reisekoffer oder den Wocheneinkauf, für den Familienurlaub mit Kinderwagen wird es jedoch extrem eng. Immerhin lassen sich die Rücksitzlehnen asymmetrisch umklappen, um längere Gegenstände zu verstauen.
Im Fond (zweite Sitzreihe) zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Isofix-Halterungen sind zwar vorbildlich unter eleganten Klappen erreichbar, doch der Platz selbst ist limitiert. Erwachsene Passagiere über 1,80 Meter stoßen schnell mit den Knien an die Vordersitze und mit dem Kopf an die abfallende Dachlinie. Der massive Mitteltunnel (für die Kardanwelle) macht den mittleren Sitzplatz faktisch unbrauchbar. Der IS ist ein auf den Fahrer zugeschnittenes Fahrerauto, kein Familien-Shuttle.
Anhängelast, Getriebe und Wintertauglichkeit
Kombinieren Sie niemals die Worte „Lexus IS 500“ und „Anhängelast“. Diese Fahrzeuge haben keine werksseitige Zugvorrichtung und sind in der EU faktisch nicht für den Hängerbetrieb homologierbar. Wer Boote oder Pferde ziehen muss, ist hier völlig falsch.
Die Kraftübertragung übernimmt in beiden Modellen eine klassische 8-Stufen-Wandlerautomatik von Aisin. Sie schaltet extrem weich und verschliffen, ist im manuellen Modus aber nicht ganz so rasiermesserscharf und blitzschnell wie ein Porsche PDK (Doppelkupplungsgetriebe). Die Kraft geht beim IS 500 ausschließlich an die Hinterräder, gebändigt von einem hervorragenden Torsen-Sperrdifferenzial.
Der Winter-Faktor: 479 PS, reiner Heckantrieb und deutscher Schneematsch sind eine Kombination, die massiven Respekt und einen extrem sensiblen Gasfuß erfordert. Die Elektronik regelt zwar zuverlässig, aber die Physik lässt sich nicht überlisten. Premium-Winterreifen sind bei diesem Fahrzeug eine absolute Überlebenspflicht. Wer echte Allwetter-Tauglichkeit sucht, muss beim Importeur nach einem IS 350 AWD (Allrad) suchen, opfert dann aber den V8.
Konkurrenz-Check
Wie schlägt sich der Exot gegen die heimische Sport-Elite?
Feature | Lexus IS 500 (US-Import) | Mercedes-AMG C 63 S | BMW M3 (G20 LCI) |
Motor | 5.0L V8 Saugbenziner | 2.0L 4-Zylinder + E-Motor | 3.0L R6 Biturbo |
Leistung | 479 PS | 680 PS | 480 bis 530 PS |
Antrieb | Heckantrieb | Allradantrieb | Heck oder Allrad |
Gewicht | ca. 1.765 kg | ca. 2.190 kg (Massiv!) | ca. 1.780 kg |
Bedienung | Klima via echte Knöpfe | Alles via Touchscreen | iDrive & Touch |
Preis (Real) | ca. 95.000 € (Sammler) | ab ca. 116.000 € | ab ca. 95.000 € |
Analyse: Der neue Mercedes-AMG C 63 S E-Performance hat den V8 verloren. Er drückt zwar absurde 680 PS auf das Papier, scheitert aber emotional völlig an seinem synthetischen Vierzylinder-Klang und seinem extremen Übergewicht von fast 2,2 Tonnen, das die Leichtfüßigkeit zerstört. Der BMW M3 bleibt fahrdynamisch das absolute Maß der Dinge für die Rennstrecke, wirkt im Alltag aber durch seine Perfektion fast schon klinisch und unruhig. Der Lexus gewinnt als einziger den Preis für echte mechanische Emotionen und eine narrensichere, knopfbasierte Ergonomie.
Pro & Contra
- ✅ Pro: Der 5.0L V8 (IS 500) ist ein unzerstörbares, emotionales Meisterwerk und künftiges Sammlerstück.
- ✅ Pro: Rasiermesserscharfes Design, das sich auf deutschen Straßen wohltuend vom Flotten-Einheitsbrei abhebt.
- ✅ Pro: Ein Sieg der Ergonomie: Zeitgemäßes Display (2026), aber echte Knöpfe für die Klimasteuerung bleiben!
- ✅ Pro: Baustellentaugliche Außenbreite von knapp 2,03 Metern (inkl. Spiegel) für entspanntes Überholen.
- ❌ Contra: Der fantastische V8 (IS 500) wurde für 2026 endgültig und ersatzlos eingestellt.
- ❌ Contra: Sehr mühsamer, teurer Import-Prozess inklusive Verlust der europäischen Werksgarantie.
- ❌ Contra: Sehr beengtes Platzangebot im Fond und winziger Kofferraum (nur 305 Liter).
- ❌ Contra: Massiv hohe CO2-Steuern und spezielle, oft teure Versicherungs-Einstufungen in Deutschland.
Alex Wind meint:
Lassen Sie uns überhaupt nicht lange rational diskutieren: Wenn Sie das nötige Budget haben und auch nur den allerfeinsten Hauch eines echten, passionierten Autofans in sich tragen, dann kaufen Sie den V8. Egal wie und mit welchem bürokratischen Aufwand.
Wenn Sie in diesen Regionen jenseits der 80.000 Euro über einen aufwendigen Grauimport nachdenken, machen Sie bitte keine halben Sachen. Der frisch geliftete IS 350 (2026) ist ohne Frage ein wunderschönes Auto, er tilgt die nervigsten digitalen Ergonomie-Schwächen der Vergangenheit, aber er ist am Ende des Tages „nur“ die asiatische, exotischere Alternative zu einem braven BMW 330i.
Der IS 500 hingegen ist automobiles Kulturgut. Er ist der ungezähmte, lautstarke Mittelfinger gegen das seelenlose, rein steuergetriebene Downsizing der aktuellen Autoindustrie. Sichern Sie sich über einen fähigen Importeur sofort eines der allerletzten Modelle (am besten in der genialen Farbe „Molten Pearl“ oder „Incognito Grey“). Ja, fast 100.000 Euro für eine kompakte Lexus-Limousine ohne Garantie klingen für Excel-Liebhaber nach purem Wahnsinn. Aber in spätestens zehn Jahren, wenn auf unseren Straßen absolut alles nur noch leise und steril summt, werden Sie in die Garage gehen, diesen unbändigen V8-Sauger aufbellen hören und mit einem breiten Grinsen wissen: Diese automobile Unvernunft war jeden einzelnen Cent wert.
Galerie
Dieses Fahrzeug wurde nach unserer standardisierten HH-AUTO Testmethodik auf der Straße getestet.
Faktengeprüft und freigegeben von: Das HH-AUTO Redaktionsteam


















