Alpine A110 (2026): Der letzte Tanz des Leichtbaus

In der Automobilwelt gibt es Entwicklungen, die ein fahrerischer Purist nur mit Wehmut zur Kenntnis nimmt, auch wenn ihr Eintreffen lange absehbar war. Alpine hat nun bestätigt, was viele befürchteten: Im Sommer 2026 stoppen die Produktionsbänder in Dieppe unwiderruflich. Die glorreiche Ära der benzinbetriebenen A110 findet ihr Ende.

Danach übernimmt die Elektromobilität, manifestiert in einer voll elektrischen A110 auf der neuen Alpine Performance Platform (APP). Sie wird zweifellos irrwitzig schnell und technologisch hochmodern sein. Doch eines wird sie aufgrund der unbarmherzigen Gesetze der Batterie-Physik niemals wieder erreichen: das magische Leergewicht von rund 1.100 Kilogramm.

Wir stehen somit vor dem sprichwörtlichen „Last Call“. Das Modelljahr 2026 bietet die allerletzte Gelegenheit, einen Neuwagen zu bestellen, der nicht als rollender Supercomputer empfunden wird, sondern als direkte Verlängerung des Fahrers. Alpine verabschiedet diese Legende nicht still und heimlich, sondern mit einem gewaltigen Paukenschlag: der neuen A110 GTS, welche die bisherigen GT- und S-Versionen logisch verschmilzt, und der kaufmännisch fast schon absurden A110 R Ultime. Wir erlebten diese französische Ingenieurskunst mit lachendem und weinendem Auge.

Der Mythos vom geringen Gewicht: Eine Designphilosophie

Die Formgebung der A110 bleibt auch im Jahr 2026 ein zeitloses Meisterwerk der Retro-Moderne. Die vier runden Frontscheinwerfer, die charakteristische Sicke auf der Fronthaube und die fließende Dachlinie zitieren die Rallye-Legende der 1970er-Jahre in Perfektion. Alpine schafft es, Aerodynamik ohne überdimensionierte Spoiler umzusetzen (abgesehen vom radikalen R-Modell): Ein nahezu flacher Unterboden und ein effektiver Heckdiffusor saugen den Wagen förmlich an den Asphalt. Das Design ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern dient konsequent der Fahrdynamik und dem Primat des Leichtbaus. Es ist eine Hommage an die Sportwagenära, in der weniger Gewicht mehr war, lange bevor Leistung und Gadgets die oberste Priorität erhielten.

Besonders in Deutschland zeigt sich die Praktikabilität dieses Konzepts auf den Autobahnen. Mit ausgeklappten Außenspiegeln misst die Alpine lediglich 1.980 Millimeter in der Breite. Das erlaubt es dem Fahrer, selbst auf extrem verengten linken Überholspuren, die oft auf 2,0 Meter limitiert sind, legal und mit beeindruckender Präzision an Lastwagen vorbeizuzirkeln. Ein kleines Detail, das den Alltag mit einem solchen Sportwagen überraschend stressfrei macht.

Alpine A110 - Bild 1

Im Cockpit: Reduzierung als Tugend

Man lässt sich tief in die Fahrgastzelle fallen. Das Cockpit ist auch im Jahr 2026 noch extrem eng geschnitten. Das Infotainment-System, trotz diverser Updates in den Vorjahren, hinkt technologisch den kinoreifen Displays aus Stuttgart oder München hinterher. Ablagen finden sich kaum, und ja, der klobige Renault-Clio-Satellit für die Radiobedienung hinter dem Lenkrad gehört weiterhin zur Ausstattung.

Doch wer fragt danach, wenn man in kompromisslosen Sabelt-Schalensitzen Platz nimmt, die einen wie ein Maßanzug umarmen? Die Sitzposition zählt zu den besten der gesamten Automobilindustrie. Die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad sind gestochen scharf und zeigen exakt das, was wirklich zählt: Drehzahl, Temperatur, Gang. Die Materialwahl aus Leder, Mikrofaser und Sichtcarbon vermittelt eine funktionale Rennhärte. Sobald man den roten Startknopf in der Mittelkonsole drückt, verfliegen jegliche Diskussionen über Ambiente-Beleuchtung oder Konnektivität. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Fahrerlebnis. Die puristische Gestaltung des Innenraums mag auf den ersten Blick spartanisch wirken, doch sie ist eine bewusste Entscheidung für die Reduktion auf das Wesentliche – das Fahren.

Fahrdynamik: Wenn Physik zur Kunst wird

Sprechen wir zunächst über das auf streng 110 Stück limitierte Sondermodell, die A110 R Ultime. Alpine hat den 1,8-Liter-Turbomotor auf brachiale 345 PS und 420 Nm aufgeblasen, gekoppelt an ein völlig neues, verstärktes Getriebe. Die Fahrleistungen mit 3,8 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und der höhere Anpressdruck sind beeindruckend. Der Preis allerdings auch: Je nach Konfiguration ruft Alpine zwischen 265.000 und 330.000 Euro auf! Ferrari-Preise für einen Vierzylinder-Renault-Motor. Ist das gerechtfertigt? Kaum, aus rationaler Sicht. Ist es jedoch der absolute Heilige Gral für Sammler mit tiefen Taschen? Absolut. Die Serie war in Sekundenschnelle ausverkauft.

Für die breitere Fahrerschaft ist die brandneue A110 GTS die eigentliche Sensation des Jahres 2026. Sie verschmilzt das ehemals als zu hart empfundene Fahrwerk der S-Version mit der Souveränität des GT-Modells. Die GTS atmet förmlich mit der Straße, anstatt hölzern über sie zu hoppeln, liefert dabei aber den vollen 300-PS-Punch.

Auf der Landstraße entfaltet sich die Magie des Leichtbaus: nur 1.109 Kilogramm Leergewicht. In einer Epoche, in der uns 2,5-Tonnen-Hybrid-Monster als „Sportwagen“ verkauft werden, wirkt die Alpine wie eine Balletttänzerin in einer Sumoringer-Schule. Ein massiver technischer Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten: Die Alpine nutzt rundum rennsportliche Doppelquerlenkerachsen, während ein Porsche 718 Cayman auf MacPherson-Federbeine setzt. Die Vorderräder stürzen sich derart chirurgisch präzise, telepathisch und gierig in den Kurvenscheitelpunkt, dass es einem den Atem verschlägt. Es gibt keine schweren Servomotoren, die das Feedback filtern. Es gibt nur den Fahrer, die Straße und die pure, unverfälschte Physik. Der 1,8-Liter-Turbo rotzt, brabbelt und faucht knapp hinter den Ohren. Das ist Perfektion.

Die Akustik im Innenraum ist dabei, wie von einem solchen Leichtbau-Sportler zu erwarten, eher direkt. Bei Geschwindigkeiten jenseits der 130 km/h auf der Autobahn nehmen Wind- und Abrollgeräusche deutlich zu. Die Motorgeräusche sind präsent, aber nie unangenehm dröhnend, sondern tragen zur sportlichen Atmosphäre bei. Wer absolute Stille sucht, ist hier fehl am Platz. Die A110 ist ein Fahrzeug, das man hört, spürt und erlebt.

Alpine A110 - Bild 2

Kosten: Eine Investition mit Rennsport-Flair

Betrachten wir die A110 nicht als klassisches Nutzobjekt, sondern als hochgradig interessanten Investment-Case. Als reiner Verbrenner ohne jegliche Hybridisierung unterliegt die A110 bei geschäftlicher Nutzung der vollen 1,0%-Dienstwagenversteuerung. Doch das ist bei diesem Fahrzeug faktisch irrelevant, da sein primärer Reiz im Werterhalt liegt.

Die Alpine A110 erweist sich für Privatkäufer als eine der sichersten automobilen Wetten des Jahrzehnts. Eine neue A110 GTS kostet knapp 80.000 Euro. Sehen wir uns den Wertverlust an: Gebrauchte Modelle der ersten Serie (ab 2018) notieren heute auf den Autobörsen fast noch auf damaligem Neupreisniveau! Da die Produktion 2026 endgültig stoppt, sinkt der Nachschub auf null. Die weltweite Nachfrage nach dem „letzten echten Leichtbau-Sportwagen“ wird jedoch in der kommenden, schweren Elektro-Ära drastisch ansteigen. Wer heute eine GTS oder eine R-Version kauft und penibel pflegt, fährt faktisch gratis. Die Wertstabilität deckt Versicherung und Unterhalt ab, wobei Letzterer dank des geringen Gewichts ohnehin absurd niedrig ausfällt: Bremsen und Reifen verschleißen kaum.

Kfz-Steuer und Typklassen:

Für eine Alpine A110 GTS mit dem 1,8-Liter-Motor und WLTP-Emissionen von ca. 155 g CO2/km beläuft sich die jährliche Kfz-Steuer in Deutschland auf etwa 190 bis 220 Euro. Die Typklassen für die Versicherung fallen sportwagentypisch eher hoch aus: Rechnen Sie bei der Haftpflicht mit Klasse 18-20, bei der Teilkasko mit 24-27 und bei der Vollkasko mit 28-31. Die genauen Kosten hängen stark von der individuellen Schadenfreiheitsklasse des Fahrers ab.

Potenzielle technische Auffälligkeiten:

Der 1,8-Liter-Turbomotor gilt als robust. Wie bei vielen modernen Direkteinspritzern kann bei überwiegendem Kurzstreckenbetrieb und unzureichender thermischer Beanspruchung langfristig eine Verkokung der Einlassventile auftreten. Auch ein erhöhter Ölverbrauch ist bei turbogeladenen Motoren, insbesondere bei sportlicher Fahrweise, nicht gänzlich auszuschließen. Regelmäßige Ölwechsel und eine achtsame Fahrweise sind hier die besten Präventivmaßnahmen. Das Getrag-Doppelkupplungsgetriebe ist grundsätzlich standfest, erfordert aber ebenfalls regelmäßige Wartung und sollte nicht unnötig stark belastet werden (z.B. im Stau im Kriechgang). Die Alpine ist ein Sportwagen, der – gut gepflegt – überaus zuverlässig sein kann, aber auch eine gewisse Aufmerksamkeit vom Besitzer verlangt.

Stimmen aus der Praxis

Wer sich in deutschen Autofahrerforen wie Motor-Talk.de oder den Kommentarspalten von Auto Bild umhört, entdeckt schnell ein klares Bild der Alpine A110. Die Begeisterung für die Fahrdynamik und das geringe Gewicht ist nahezu universell. „Die Lenkung ist ein Traum, so präzise und direkt, das findet man heute kaum noch“, schreibt ein zufriedener Besitzer. Ein anderer lobt das Design: „Überall, wo man hinkommt, erntet man bewundernde Blicke. Das ist kein Auto von der Stange.“ Auch die Sportlichkeit der Sabelt-Sitze und die Klarheit des digitalen Kombiinstruments erhalten oft Lob. Viele Trackday-Enthusiasten schätzen die unkomplizierte Handhabung auf der Rennstrecke und die Standfestigkeit der Bremsen.

Doch die Alpine A110 ist nicht ohne ihre Eigenheiten. Immer wieder äußern Besitzer Kritik an der Geräuschdämmung, insbesondere der Radhäuser. „Auf schlechtem Asphalt wird es schnell laut im Innenraum, Steinchen knallen hörbar gegen das Chassis“, moniert ein Fahrer. Auch die straffe Abstimmung der Federung, vor allem bei den früheren S-Modellen, führte zu Diskussionen: „Im Alltag ist sie schon manchmal ein Brett, auf langen Fahrten kann das anstrengend werden.“ Kleinere „Sägewerke“ – umgangssprachlich für Klappergeräusche im Innenraum – sind gelegentlich ein Thema, das der sportlichen Bauweise geschuldet ist. Das Infotainment-System mit seiner teils hakeligen Bedienung und den bekannten Renault-Bedienungssatelliten wird ebenfalls häufig als Schwachpunkt genannt, jedoch meist mit einem Augenzwinkern, da die Kernkompetenz des Wagens woanders liegt.

Alpine A110 - Bild 3

Die Konkurrenz im Rückspiegel

Das Segment der Mittelmotor-Sportler bleibt hart umkämpft, selbst wenn die Alpine ihren eigenen Weg geht. Schauen wir auf die wichtigsten Rivalen:

Feature
Alpine A110 GTS (2026)
Porsche 718 Cayman S
Lotus Emira i4
Motor
1.8L R4-Turbo (300 PS)
2.5L B4-Turbo (350 PS)
2.0L R4-Turbo (360 PS)
Gewicht
1.109 kg
ca. 1.460 kg
ca. 1.445 kg
Fahrwerk
Doppelquerlenker v/h
MacPherson v/h
Doppelquerlenker v/h
Getriebe
7-Gang-DCT (Getrag)
7-Gang-PDK
8-Gang-DCT
Preis (Deutschland)
ab ca. 78.000 €
ab ca. 83.000 €
ab ca. 95.000 €

Analyse: Rational betrachtet, verkörpert der Porsche 718 Cayman S den perfekten Spagat. Sein PDK-Getriebe ist unerreicht, die Verarbeitungsqualität im Innenraum ist klassenbestimmend, und er funktioniert gnadenlos auf der Rennstrecke. Er schleppt jedoch satte 350 Kilogramm mehr Leergewicht mit sich herum. Der Lotus Emira i4 nutzt einen fantastischen AMG-Vierzylinder und sieht aus wie ein veritabler Supersportwagen, ist aber ebenfalls deutlich schwerer und im Alltag oft eigensinniger.

Die Alpine A110 GTS gewinnt dieses Trio für absolute Fahrdynamik-Puristen. Sie lenkt feinfühliger ein, tänzelt leichtfüßiger am Limit und bietet als künftiger Klassiker das mit Abstand beste kaufmännische Wertsteigerungspotenzial. Hinsichtlich der Sicherheitsausstattung folgt die Alpine einer älteren Philosophie. Während moderne Fahrzeuge wie der VW T-Roc oder Ford Puma serienmäßig mit Assistenzsystemen wie Spurhalteassistent (Lane Assist) oder Notbremsassistent (AEB) gemäß Euro NCAP-Standards ausgestattet sind, konzentriert sich die A110 auf ein reines Fahrerlebnis. Sie bietet die grundlegenden aktiven Systeme wie ABS und ESP, verzichtet aber auf viele der fortschrittlichen Fahrerassistenzsysteme, die in Volumenmodellen üblich sind. Das unterstreicht ihren puristischen Charakter und die Intention, das Steuer fest in der Hand des Fahrers zu belassen.

Fazit: Ein Auto für die Ewigkeit

Die Alpine A110 (2026) ist kein bloßes Fortbewegungsmittel. Sie ist ein mechanisches Antidepressivum. Sie erinnert uns unbarmherzig und ehrlich daran, warum wir in unserer Jugend überhaupt begonnen haben, Autos zu lieben. Nicht wegen vernetzter Smartphone-Apps, pulsierendem Ambiente-Licht oder autonomen Fahrassistenten – sondern wegen der Fliehkraft, dem G-Force-Druck im Scheitelpunkt und dem Geruch von warmgefahrenem Gummi.

Wenn die Produktionslichter im Traditionswerk in Dieppe im Sommer 2026 endgültig ausgehen, wird die automobile Welt unweigerlich ein gigantisches Stück schwerer, hybrider und künstlicher. Mein eiserner, dringender Rat: Wenn Sie über die finanziellen Mittel verfügen, bestellen Sie sofort eine A110 GTS! Überlassen Sie die absurd teure Ultime-Version den in Dubai residierenden Sammlern. Die GTS ist der unangefochtene dynamische Sweetspot. Fahren Sie dieses Meisterwerk an sonnigen Sonntagen über leere Bergpässe. Es wird physisch und historisch bedingt nie wieder ein Automobil auf den Markt kommen, das so radikal wenig wiegt und so unverschämt viel Fahrspaß generiert. Sichern Sie sich dieses Stück automobiler Seele, bevor das leise, schwere Elektro-Zeitalter es für immer verschluckt.

Alpine A110 - Bild 4

Technische Daten & Spezifikationen – Alpine A110 GTS (Modelljahr 2026)

Merkmal
Spezifikation
Motor & Antrieb
1.8L R4-Turbobenziner (Mittelmotor), Heckantrieb
Leistung / Drehmoment
300 PS (221 kW) / 340 Nm
Getriebe
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (Getrag)
Fahrwerk
Doppelquerlenker vorn und hinten
Leergewicht (DIN)
1.109 kg
Beschleunigung 0-100 km/h
4,2 s
Höchstgeschwindigkeit
260 km/h
Testverbrauch (WLTP-Mix)
ca. 6,8 – 7,5 l/100 km (Super Plus)
CO2-Emissionen (WLTP)
ca. 155 g/km
Kofferraumvolumen
100 L (vorn) + 96 L (hinten) = 196 L gesamt
Tankvolumen
45 Liter
Länge
4.181 mm
Breite (ohne Spiegel)
1.798 mm
Breite (mit Spiegel)
1.980 mm
Höhe
1.252 mm
Radstand
2.419 mm
Reifen vorn
215/40 R18
Reifen hinten
245/40 R18
Listenpreis (DE)
ab ca. 78.000 € (A110 R Ultime: über 265.000 €)
Geschätzte Leasingrate (36 Monate, 10.000 km/Jahr)
ca. 750 – 1.000 €/Monat (bonitäts- und angebotsabhängig)

Galerie

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Faktengeprüft und freigegeben von: Das HH-AUTO Redaktionsteam


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