Peaky Blunders

In The Bleak Midwinter | ©2025 Kiki Thaerigen

Spoileralarm: Diese Rezension enthält massive Spoiler, wer den Film noch nicht gesehen hat und das noch tun will, sollte hier und jetzt aufhören zu lesen.

 

Es hat sehr lange gedauert, bis ich mit der Serie warm wurde. Mindestens drei Anläufe, bis ich hineinfand, die vielen unnötigen Gewaltszenen habe ich grundsätzlich vorgespult, die Charaktere waren teils faszinierend, teils völlig idiotisch, aber naja, das hat wohl jede Serie. Tommy Shelby und seine Familie haben definitiv ihre faszinierenden Seiten, aber letzten Endes ist es eine oft mehr schlecht als recht erzählte Geschichte, wenngleich meistens perfekt ausgestattet und in Szene gesetzt. Style over substance, wie auch bei anderen visuell gewaltigen Serien (allen voran “Yellowstone” und anderen Taylor-Sheridan-Projekten).

Die Serie fand für mich ihren Höhepunkt mit Staffel 4 und baute danach rasant ab; dass gefühlte fünf Minuten vor dem Finale bzw. in der drittletzten von insgesamt 36 Folgen noch ein illegitimer ältester Sohn aus einem Vorkriegstechtelmechtel Tommys eingeführt wurde, hatte schon sehr etwas von „Pamela hat alles nur geträumt und Bobby steigt aus der Dusche“ (die älteren unter uns werden sich erinnern).

Nun also vier Jahre nach Serienende das große Finale, das die Macher den Fans als Kinofilm schenken wollen (völlig uneigennützig natürlich; niemand wollte hier nochmal Kasse machen, nein, nein). Dass Tommy den Film nicht überleben wird, dürfte jedem klar sein, der den Untertitel, The Immortal Man, wahrgenommen hat. Was wohl auch okay ist, denn ganz offensichtlich will der Mann seit mindestens zwei Staffeln vor Serienende sterben, und Cillian Murphy betont in jedem Interview, dass er nunmehr ein Viertel seines Lebens den Tommy Shelby gibt, es sei ihm zu gönnen.  


Vielleicht habe ich während der Serie doch zu viele Szenen vorgespult und so etwas verpasst, aber mir ist nicht ganz klar, wo Tommy sich nun, Anno 1940, aufhält: Sein ursprüngliches Landhaus hatte er ja in Staffel 6 in die Luft gejagt, also wo spielen diese Szenen jetzt eigentlich? Er sitzt indessen (immerhin nicht mehr mit der Scheißfrisur der Serienstaffeln) in einem verfallenden Herrensitz mit Familienfriedhof hinterm Haus, und tippt seine Memoiren. Für wen? Unklar. Seine gesamte Familie ist tot, bis auf seine Schwester und seine beiden Söhne, zu denen er keinen Kontakt haben will. Seine zweite Exfrau, Lizzie, wird nicht erwähnt. Seine verbliebenen Freunde bzw. Helfer (Curly, Johnny Dogs, Charly Strong) machen alle drei nicht den Eindruck, als könnten sie lesen, und so oder so waren sie ja auch immer dabei, also was sollten sie mit seinen Memoiren anfangen? Und so sehen wir den Mann tippen, teils wirklich absurd inszeniert auf einem Lastenkahn während der Fahrt durch die hübsche, winterliche Landschaft, an der reichlich frischen Luft, und wir wundern uns.

Tommy sieht nur noch Gespenster. Dann besucht ihn seine Schwester Ada, dann eine geheimnisvolle Zigeunerin, die Zwillingsschwester der nie gezeigten und nur einmal kurz erwähnten Mutter seines fünf Minuten vor Serienende eingeführten illegitimen Sohns, und erklärt ihm, wie zuvor schon seine Schwester Ada, er müsse jetzt mal aufhören mit dem Getippe und sich um besagten Sohn und dessen Schwierigkeiten kümmern.

Von einigen geliebten SeriendarstellerInnen weiß man, dass sie nicht einmal für Rückblenden zur Verfügung standen, weil verstorben oder krank. Andere wollten entweder zu viel Geld oder bekamen nach dem Lesen des Drehbuchs einen Lachanfall und lehnten dankend ab; jedenfalls sehen wir weder Publikumsliebling Arthur noch den in Ungnade gefallenen kleinen Bruder Finn, noch Tom Hardy in seiner Paraderolle als jüdischer Gangster Alfie Solomons. Ersterer wird komplett unglaubwürdig offscreen entsorgt, die anderen beiden werden nicht einmal erwähnt.

Schnitt auf den neuen Sohn Duke, gespielt von einem anderen Darsteller als in den letzten zwei Serienfolgen. Kann man machen, klar, aber es liegen auch inhaltlich angeblich nur vier Jahre zwischen Serienende und dem Film, und so dermaßen verändern sich die Leute normalerweise optisch nicht in so kurzer Zeit. Ich weiß nicht, ob der ursprüngliche Darsteller auch keine Zeit oder keinen Bock hatte, oder ob die Produzenten einen bekannteren Namen für den Film haben wollten. Jedenfalls ist nun Barry Keoghan Duke Shelby, und er hat das Charisma einer in Wut geratenen Weinbergschnecke.

Der eigentliche Antagonist im Film ist ein von Tim Roth dargestellter Nazi, und es liegt nicht an Tim Roth, dass er der langweiligste und gesichtsloseste Schurke der Serie ist. Das ganze Drehbuch wurde vermutlich von A.I. konzipiert, es ist so dermaßen lächerlich, voll sinnloser Plot Holes, und generell an den Haaren herbeigezogen, dass man schreien möchte, wäre man nicht fortgesetzt am Gähnen.

Das große Finale ist dann tatsächlich das unausweichliche, um nicht zu sagen: ersehnte Ende, Tommy Shelby hat’s schließlich hinter sich und auch die Zuschauer sind erlöst. In The Bleak Midwinter.

Ich hätte mich gefreut, wenn es ein guter Film und ein würdiger Abschluss einer zuletzt recht anämischen Serie geworden wäre. Es hat nicht sollen sein, schade.