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Tapling Collection

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Indischer Vier-Anna-Kopffehldruck von 1854 aus der Tapling Collection

Die Tapling Collection ist eine philatelistische Sammlung innerhalb der British Library Philatelic Collections der British Library in London. Sie wurde von Thomas Tapling aufgebaut und 1891 der Bibliothek des British Museum vermacht. Die Sammlung bildet den historischen Grundstock der nationalen philatelistischen Sammlung des Vereinigten Königreichs.[1]

Der Bestand umfasst eine weltweite Sammlung von Briefmarken und Ganzsachen der Jahre 1840 bis 1890 sowie einige Telegrafenmarken. Nach dem Archivkatalog der British Library ist die Sammlung in den Grundausgaben nahezu vollständig, besonders stark bei ungebrauchten Stücken und Farbnuancen und enthält außerdem Essays, Probedrucke, Blocks und Belege.[1] Der heutige Archivbestand trägt die Signatur Philatelic 69 und umfasst 185 Bände sowie 67 Boxen.[1]

Thomas Tapling begann bereits als Kind mit dem Briefmarkensammeln und baute bis zu seinem frühen Tod eine der bedeutendsten philatelistischen Privatsammlungen des 19. Jahrhunderts auf. Fred J. Melville beschrieb die Sammlung 1905 als eine „monumental accumulation“ philatelistischer Stücke mit wahrscheinlich mehr als 100.000 Marken und einem damaligen Marktwert von etwa 100.000 Pfund. Nach Melville war sie zu diesem Zeitpunkt die beste Sammlung Großbritanniens und nach Marktwert die drittgrößte der Welt.[2]

Tapling erweiterte seine Sammlung nicht nur durch Einzelkäufe, sondern auch durch den Erwerb bedeutender älterer Sammlungen oder Teilen daraus. Zu den wichtigen Zugängen gehörten Stücke aus den Sammlungen von Victoriano G. de Ysasi, W. B. und Mrs. Image, W. A. S. Westoby, Maitland James Burnett, Edward B. Evans, Captain Weare, E. B. Luard und M. P. Castle.[2] Besonders folgenreich war 1887 der Erwerb des Briefmarkenbestands der Brüder Gustave und Martial Caillebotte aus Paris für 5000 Pfund. Tapling nutzte diesen Bestand nach Melville nicht nur zur Ergänzung, sondern als Grundlage für eine Neuordnung seiner Sammlung.[2]

Nach Taplings Tod im April 1891 fiel die Sammlung gemäß seinem Vermächtnis an das British Museum. Mit der Ordnung und Präsentation wurde Edward Denny Bacon betraut, der mit Tapling befreundet war und dessen Vorstellungen zur Anordnung der Sammlung kannte. Bacon benötigte nach Melville sieben bis acht Jahre, um die Sammlung für die Ausstellung im British Museum aufzubereiten.[2] Mit der Gründung der British Library 1973 wurde die Tapling Collection zusammen mit den anderen philatelistischen Beständen des British Museum an die neue Nationalbibliothek übertragen.[1]

Aufbau und Präsentation

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Die Sammlung wurde nicht nur als Zusammenstellung seltener Marken, sondern als systematische Vergleichs- und Forschungssammlung angelegt. Innerhalb einer Ausgabe wurden vollständige Sätze, einzelne Werte, Farbnuancen und Varianten zusammengeführt. Auch Neudrucke, amtliche Nachahmungen und Fälschungen wurden aufgenommen, weil sie für Vergleich und Echtheitsprüfung nützlich waren.[2]

Für die Ausstellung im British Museum wurden besondere Schaukästen mit vertikalen, beidseitig verglasten Auszügen entwickelt. Die Auszüge konnten zur Betrachtung herausgezogen, aber nicht aus den Kästen entfernt werden. Die drei Schaukästen enthielten zusammen 1188 Auszüge mit 4752 Karten für Briefmarken, Umschläge und Postkarten.[2] Besonders wertvolle Stücke wurden jedoch nicht dauerhaft in den öffentlichen Kästen gezeigt, sondern gesondert gesichert verwahrt und konnten auf Antrag eingesehen werden.[2]

Heute ist die Tapling Collection Teil der öffentlichen Philatelic Exhibition der British Library in St Pancras. Die British Library zeigt dort rund 80.000 Objekte aus ihren philatelistischen Sammlungen. Von der Tapling Collection sind die Länder A–M bis Mauritius auf 2000 Seiten ausgestellt; die Länder M ab Mexiko bis Z sind für Forschende nach vorheriger Terminvereinbarung zugänglich.[3]

Umfang und Vollständigkeit

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Die häufig genannte nahezu vollständige Abdeckung der Tapling Collection bezieht sich nicht auf moderne Staaten, sondern auf die bis 1890 bekannten Grundausgaben der briefmarkenausgebenden Postgebiete. Der Archivkatalog der British Library beschreibt den Bestand als weltweite Sammlung der Briefmarken und Ganzsachen von 1840 bis 1890, ergänzt um einige Telegrafenmarken, und als nahezu vollständig bei den Grundausgaben.[1]

Dieser Befund ist philatelistisch wichtiger als eine reine Länderzählung. Im 19. Jahrhundert gaben nicht nur souveräne Staaten Briefmarken heraus, sondern auch Kolonien, Protektorate, Postverwaltungen, lokale Postdienste, indische Fürstenstaaten und einzelne Stadt- oder Sonderposten. Die Tapling Collection dokumentiert daher vor allem die klassischen Briefmarkenausgaben der einzelnen Postgebiete und nicht einfach die Briefmarken moderner Nationalstaaten.

Besonders stark ist die Sammlung bei:

Melville hob besonders hervor, dass die Sammlung für die sogenannte wissenschaftliche Philatelie bedeutsam war, weil sie rekonstruierte Bogen oder Bogenstellungen einzelner Ausgaben enthielt. Diese erlaubten es, kleine Typenunterschiede einzelner Marken ihrer ursprünglichen Position im Bogen zuzuordnen.[2]

Raritäten und ausgewählte Stücke

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Spanischer 2-Reales-Farbfehldruck von 1851 aus der Tapling Collection

Zu den bekanntesten Stücken der Tapling Collection gehören mehrere klassische Weltraritäten:

Mauritius-„Post Office“-Stücke

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Zu den bedeutendsten Einzelstücken der Sammlung gehören zwei Exemplare der Mauritius-„Post Office“-Ausgabe von 1847. Tapling besaß ein rotes beziehungsweise orange-rotes One-Penny-Exemplar auf vollständigem Umschlag sowie ein ungebrauchtes blaues Two-Pence-Exemplar. Beide Stücke wurden wegen ihres Wertes nicht in den normalen Ausstellungskästen gezeigt, sondern gesondert verwahrt.[2]

Diese beiden Stücke sind nicht mit der Mauritius Post Office Limbo I identisch. Die Tapling-Stücke werden in der Literatur zur Blauen Mauritius als Post Office Mauritius (15), one penny, used und Post Office Mauritius (14), two pence, unused geführt.[4] Die British Library besitzt außerdem Joseph Osmond Barnards handschriftlichen Kostenvoranschlag von November 1846 zur Herstellung der Mauritius-„Post Office“-Marken; er kam 1898 durch Edward B. Evans für die Tapling Collection an das British Museum.[4]

Ganzsachen und verwandte Materialien

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Die Tapling Collection enthält nicht nur Briefmarken. Nach Melville gehören auch eine umfangreiche Reihe von Ganzsachen, geprägten Umschlägen, Zeitungsstreifbändern, Postkarten und Telegrafenmarken dazu.[2] Besonders genannt werden frühe sardische Briefbögen von 1818 und 1820, der Sydney Letter Sheet von 1838, Mulready-Ganzsachen sowie ein Ballonpost-Briefbogen aus der Zeit der Belagerung von Paris (1870–1871).[2]

Auch britische lokale und private Postausgaben sind vertreten. Dazu gehören College-Marken aus Oxford und Cambridge sowie Marken privater lokaler Zustelldienste in Edinburgh, Leith, London, Liverpool, Birmingham, Glasgow, Dundee und Aberdeen, die in den 1860er Jahren bestanden und später wegen des staatlichen Postmonopols unterdrückt wurden.[2]

Die Tapling Collection gilt als eine der wichtigsten erhaltenen philatelistischen Privatsammlungen des 19. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung beruht nicht nur auf einzelnen Raritäten, sondern auf ihrer Breite und ihrer historischen Geschlossenheit: Sie dokumentiert die frühe internationale Entwicklung von Briefmarken, Ganzsachen und Telegrafenmarken bis 1890. Der Archivkatalog der British Library beschreibt sie als nahezu vollständig in den Grundausgaben und besonders stark bei ungebrauchten Stücken, Farbnuancen, Essays, Probedrucken, Blocks und Belegen.[1]

Für die British Library Philatelic Collections hat sie eine grundlegende Rolle. Die späteren Sammlungen der British Library, darunter die Crawford Library, die Crown-Agents-Bestände, das Crown Agents Philatelic and Security Printing Archive, das Board of Inland Revenue Stamping Department Archive und die Supplementary Collection, ergänzten und erweiterten diesen ursprünglichen Grundstock.

Erschließung und Benutzung

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Im Archivkatalog der British Library trägt die Tapling Collection die Signatur Philatelic 69. Der Bestand ist hierarchisch nach Boxen, Ländern und Untergruppen erschlossen. Beispiele sind Tapling Collection: Shanghai mit Material aus dem Jahr 1865 sowie Tapling Collection: Mexico mit Material der Jahre 1856 bis 1895.[5][6]

Der Zugang zu den nicht ausgestellten Teilen erfolgt nach vorheriger Terminvereinbarung mit den Philatelic Collections der British Library.[1]

  • James A. Mackay: The Tapling Collection of Postage and Telegraph Stamps and Postal Stationery. Trustees of the British Museum, London 1964.
  • Fred J. Melville: The Tapling Collection of Stamps and Postal Stationery at the British Museum. A Descriptive Guide and Index. Lawn & Barlow, London 1905.
  • Index to the collection of postage and other stamps bequeathed to the British Museum by Thomas Keay Tapling, M.P. Trustees of the British Museum, London 1903.
Commons: Tapling Collection – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 Philatelic 69: Tapling Collection. In: British Library Archives and Manuscripts Catalogue. British Library, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Fred J. Melville: The Tapling Collection of Stamps and Postal Stationery at the British Museum. A Descriptive Guide and Index. Lawn & Barlow, London 1905 (englisch, civilwarphilatelicsociety.org [PDF; abgerufen am 2. Juli 2026]).
  3. The Philatelic Exhibition. British Library, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  4. 1 2 Helen Morgan: The British Library Philatelic Collections. In: Blue Mauritius Research Companion. Abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  5. Tapling Collection: Shanghai. In: British Library Archives and Manuscripts Catalogue. British Library, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  6. Tapling Collection Box 38. In: British Library Archives and Manuscripts Catalogue. British Library, abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).