
Huntington's Disease Therapeutics Conference 2021 – Tag 3
Unsere Ăbersicht zu Huntington's Disease Therapeutics Conference 2021 – Tag 3 #HDTC2021
Wir melden uns zurĂŒck am dritten Tag der CHDI Konferenz. Heute ging es um weitere Neuigkeiten aus klinischen Studien zur Huntington-Krankheit.
Neue Bezeichnungen fĂŒr die Stadien der Huntington-Krankheit
Der erste Vortrag des Tages kam von Sarah Tabrizi und Jeff Long und handelte vom „HD Integrated Staging System“ (HD-ISS), bei dem es um eine Neudefinition der Krankheitsstadien von Huntington geht. Es soll eine weitreichendere Beschreibung des Fortschreitens ermöglichen, das durch komplexe individuelle ZusammenhĂ€nge beeinflusst werden kann.

Dem System HD-ISS gehen lange Jahre harter Arbeit durch das HD Regulatory Science Consortium voraus. Das ist ein globales Netzwerk von Forschern im akademischen und industriellen Bereich sowie von Experten der Medikamentenzulassung. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen fĂŒr eine reibungslose Testphase und Zulassung kĂŒnftiger Medikamente abzustecken.
HD-ISS soll nun die Konzeption klinischer Studien mit Teilnehmern ermöglichen, die zwar das mutierte Huntington-Gen in sich tragen, aber noch keine Symptome der Krankheit zeigen. Solche Studien hĂ€tten zum Ziel, den Ausbruch der Krankheit zu verschieben oder ganz zu verhindern. Tabrizi erklĂ€rte, dass es sich um ein Werkzeug fĂŒr die Forschung handelt, das Kriterien fĂŒr die Auswahl und die medizinische Beobachtung der Teilnehmer festlegt, um Studien vergleichbar zu machen.
Bisher wurden sichtbare Kriterien herangezogen, wie beispielsweise auffĂ€llige, unkontrollierte Bewegungen. Man konnte nur bewerten, ob GentrĂ€ger dieses Symptom-Stadium bereits erreicht hatten oder nicht. Es ist allerdings schon lĂ€nger bekannt, dass die Huntington-Krankheit kontinuierlich verlĂ€uft, ein derartiges Schwarz-WeiĂ-Denken also nicht dem aktuellen Wissenstand entspricht. Auch wenn noch keine BewegungsauffĂ€lligkeiten wahrgenommen werden können, zeigen Blutuntersuchungen und MRT-Aufnahmen, dass bei den GentrĂ€gern bereits VerĂ€nderungen im Gehirn auftreten.
Tabrizi vertritt ein neues Konzept fĂŒr die Forschung: man könnte 4 Gruppen von GentrĂ€gern unterscheiden. Als erstes gibt es die Huntington-Krankeit an sich (die lebenslangen Auswirkungen durch das mutierte Gen); bei der zweiten Gruppe ist man in der Lage biologische Effekte zu messen (Biomarker); die dritte Gruppe zeigt offensichtliche Symptome; die vierte Gruppe ist in ihren FĂ€higkeiten eingeschrĂ€nkt.
Sie benennt diese Stadien mit den Ziffern 0 bis 3, fĂŒr den Ăbergang von einem zum nĂ€chsten Stadium werden fixe Kriterien definiert. Jeff Long erklĂ€rt hierzu, dass diese Kriterien auf Basis von groĂen Datenbanken systematisch festgelegt wurden. Eines wĂ€re zum Beispiel das Volumen des Nucleus Caudatus, das ĂŒber MRT ermittelt werden kann.
Daraus sollen sich einheitliche Begrifflichkeiten in der weltweiten Huntington-Forschung etablieren und ein Eingreifen im Rahmen klinischer Studien vor dem Auftreten offensichtlicher Symptome ermöglicht werden.
Neues zur Huntingtin-Verminderungsstudie HD-GeneTRX1 von uniQure
Als NĂ€chster gab David Cooper ein paar Updates zur laufenden Studie von uniQure mit ihrem Medikament AMT-130. Wir haben kĂŒrzlich hierzu einen Artikel veröffentlicht.
Bei AMT-130 handelt es sich um die erste Gentherapie gegen die Huntington-Krankheit. Es wird in ein harmloses Virus verpackt und operativ in das Gehirn eingebracht, wo es beide Allele des Huntington-Gens stummschaltet. Cooper berichteten nochmal von erfolgreichen Studien hierzu an kleinen und groĂen Tiermodellen, wo sich das Medikament gut in den Gehirnen verteilte und fĂŒr die Tiere vertrĂ€glich war.
Cooper ging dann zu einem Lagebericht der laufenden Phase-I/II-Studie namens HD-GeneTRX1 ĂŒber. Es nehmen 26 Personen teil, darunter werden einige zwar operiert, erhalten aber kein Medikament, andere erhalten eine von zwei unterschiedlichen Dosierungen des Medikamentes. Sie werden im Anschluss ein Jahr lang engmaschig beobachtet. Danach gibt es noch weitere Untersuchungen im Verlauf der folgenden 5 Jahre. Hauptziel der Studie ist die Sicherheit und VertrĂ€glichkeit des Wirkstoffes zu prĂŒfen.
Die Teilnehmenden sind zwischen 25 und 65 Jahre alt und zeigen leichte Huntington-Symptome. Vorraussetzung waren auĂerdem 44 oder mehr CAG-Wiederholungen und eine bestimmte GröĂe gewisser Hirnareale, um die Operation sicher durchfĂŒhren zu können.
Zehn Patienten wurden bisher operiert. Die Operation wird im MRT durchgefĂŒhrt. Es handelt sich um brandneue Methoden und schon jetzt hat die Neurowissenschaft Wertvolles daraus gelernt. Es gibt derzeit neun Standorte in den USA, die Teilnehmer auf nehmen und uniQure will in kleinerem Umfang im Laufe des Jahres auch in Europa mit der Studie beginnen, bei der alle Teilnehmer das Medikament erhalten sollen. D. h. die Studie wird nicht verblindet, sondern offen sein.

In der Fragerunde wurde Cooper danach gefragt, ob der Abbruch der Studie von Roche kĂŒrzlich die PlĂ€ne von uniQure beeinflusst hat. Er antwortete, dass bisher alles weiter laufen soll, wie geplant. Medikament und Gabe des Medikamentes unterscheiden sich stark von Roche’s Strategie.
Blick zurĂŒck in die Daten der SIGNAL-Studie
Im Anschluss trug Maurice Zauderer von der Firma Vaccinex vor. Zauderer zeigte Ergebnisse der SIGNAL-Studie, die die Wirksamkeit des Medikaments Pepinemab gegen Huntington-Symptome untersuchte, NĂ€heres dazu hier.
An der Studie hatten 250 Personen mit frĂŒhen Huntington-Symptomen teilgenommen. Sie bekamen Pepinemab fĂŒr ĂŒber ein Jahr in monatlichen Infusionen. Medizinische Kontrollen sorgten fĂŒr die Beobachtung ihres Wohlbefindens und die Auswirkungen des Wirkstoffes auf die Symptome. Man konzentrierte sich insbesondere auf schwere Nebenwirkungen und mentale sowie Bewegungssymptome. Das Medikament erwies sich als sicher, aber es konnte keine konsistente Verbesserung der Symptome nachgewiesen werden.
Als Zauderer und seine Kollegen die Daten auswerteten, beobachteten sie allerdings einige leichte Verbesserungen in einer der Patientengruppen, die nur sehr leichte Symptome zeigte. Bei den Patienten mit stÀrkeren Symptomen zeigten sich allerdings keine Verbesserungen.
Noch mehr Zusammenarbeit in der Huntington-Forschung
Zum Abschluss der Konferenz hielt Aled Edwards vom Structural Genomics Consortium einen Vortrag ĂŒber Möglichkeiten der besseren Zusammenarbeit von Forschern an UniversitĂ€ten und insbesondere auch in Unternehmen in Hinblick auf die Medikamentenentwicklung und die Identifizierung möglicher Zielgene fĂŒr Wirkstoffe. Oftmals hat man zu Beginn der Forschung eine riesige Anzahl von Möglichkeiten, die immer weiter heruntergebrochen wird und auf dem Weg dahin viele Erkenntnisse zur Huntington-Krankheit liefern kann.
Er plĂ€dierte fĂŒr offene Wissenschaft und den freien Zugang zu Daten und dem dafĂŒr nötigen Ăberwinden monetĂ€rer und rechtlicher Barrieren.
Wiedersehen in 2022
Damit wurde die diesjÀhrige Konferenz abgeschlossen und wir freuen uns bereits aufs nÀchste Jahr.
Weitere Informationen zu unseren Offenlegungsrichtlinien finden Sie in unseren FAQ…


