Connected Car Innovation Studie 2025
CCI – die Systematik
Der Connected-Car-Innovation-Index (CCI) ist eine jährlich durchgeführte Branchenstudie, die Innovationstrends und Innovationsleistungen von 30 weltweiten Automobilherstellern im Bereich des vernetzten Fahrzeugs anhand verschiedener Indikatoren empirisch erhebt und vergleichend darstellt. Basis der Studie ist die Innovationsdatenbank des Center of Automotive Management (CAM). Im Fokus stehen Innovationen aus den sich rasch verändernden automobilen Zukunftsfeldern Interfaces, Connectivity & Infotainment, Electric Vehicle Ecosystem und ADAS & autonomes Fahren. Bei diesen wird unterschieden zwischen der Innovationsstärke in Form von Anzahl und Qualität der Neuerungen, der Weltneuheiten-Innovationsstärke, die besonders hoch bewertete Neuerungen abbildet, sowie der relativen Innovationsstärke, bei der die Gesamtinnovationsstärke der Jahre 2020 bis 2024 zu den verkauften Pkw im Jahr 2024 in Beziehung gesetzt wird. Um schließlich die Stärke der Flotte potenziell vernetzter Fahrzeuge mit einzubeziehen, fließt in die Bewertung auch die Marktstärke der Hersteller mit ein, die über den weltweiten Pkw-Absatz abgebildet wird. Für den Gesamt-Index werden die OEM-Werte in den Connected-Car-Technologiefeldern gewichtet und gemittelt.
Insgesamt flossen 1.777 Connected-Car-Innovationen im Zeitraum von 2020 bis 2024 in den CCI-Index ein, davon 333 Innovationen aus dem Erhebungszeitraum 2024. Es wurden dabei nur Serien-Innovationen einbezogen. Schwerpunkt der diesjährigen CCI-Studie bildet das Innovationsfeld ADAS & autonomes Fahren. Der analytische Deep Dive betrachtet dabei zum einen technologische Innovationen aus der Ownership-Welt – also vor allem ADAS-Fortschritte im privaten Pkw. Zum anderen fokussiert die Studie Weiterentwicklungen im Sharing-Bereich wie zum Beispiel autonome Shuttles. Aus diesem Grund wurde dieses Technologiefeld mit 25 Prozent etwas höher gewichtet als Interfaces, Connectivity & Infotainment, Electric Vehicle Ecosystem (jeweils 15 Prozent). Aus der Innovationsstärke der einzelnen Hersteller konnte zudem eine Aufstellung nach Ländern und Regionen aggregiert und ein entsprechendes Ranking erstellt werden.
Innovationsstärke der Top 20
Fanal aus Fernost
Beim Blick auf das Gesamtergebnis des CCI-Index ist eines ganz klar festzustellen: China ist bei Innovationen rund um das vernetzte und autonome Fahrzeug eine absolute Automacht. Während in der ersten CCI-Studie im Jahr 2015 mit dem Geely-Konzern (Volvo Cars) lediglich ein einziger chinesischer Hersteller im Ranking vertreten war, sind es im Jahr 2024 zehn OEMs aus Fernost – und damit genau die Hälfte der Top 20 der globalen Automobilindustrie.
Zu den neuen Innovationsmotoren aus China gehört BYD, das sich in diesem Jahr zur Gruppe der Top-Innovatoren gesellt und den dritten Platz erreicht. Ganz oben steht – wie übrigens schon im Jahr 2015 – der Volkswagen-Konzern mit 66 Prozent (relationaler Indexwert) und damit mit deutlichem Abstand vor Mercedes-Benz (45 Prozent). Die größte Gruppe im CCI-Ranking ist die der „High Performer“ mit Werten zwischen 32 und 23 Prozent. Auf Platz vier und damit ganz oben in dieser Verfolgergruppe steht SAIC, gefolgt von Geely, Hyundai und Xiaopeng, die mindestens 30 Prozent erreichen. Danach folgt der immer noch sehr junge Autobauer Nio, der im letzten CCI-Ranking nur im hinteren Drittel vertreten war. Etwas schwächer mit maximal 25 Prozent liegen Toyota, Tesla und Ford. BMW belegt aufgrund eines schwachen aktuellen Jahres Rang zehn mit 26 Prozent. Als „Medium Performer“, also alle OEMs mit einem relationalen Indexwert zwischen 19 und zehn Prozent, gelten weltweit agierende Hersteller wie Great Wall, Stellantis oder Renault. Auch Newcomer wie Avatr oder Li Auto erreichen durch ihre Innovationen ähnlich hohe Werte.
CCI-Ranking
Neue Möglichkeiten
Das Technologiefeld „Electric Vehicle Ecosystem“ zählt 2024 mit 32 Serien-Innovationen zu den eher kleineren Bereichen. Vom führenden Renault-Konzern stammen lediglich zwei dieser Innovationen, die jedoch als echte Weltneuheiten mit hohem Zukunftspotenzial bewertet werden. So ermöglicht der Renault 5 E-Tech erstmals, Strom aus der Fahrzeugbatterie zurück ins Netz einzuspeisen. Dieser bidirektionale Ladeansatz eröffnet neue Möglichkeiten für Energieversorgung und Nachhaltigkeit. Zudem wird dieser Service für den privaten Gebrauch bereits in ausgewählten Märkten angeboten, was die Alltagstauglichkeit der Technologie unterstreicht. Auch hoch bewertet werden Lösungen von asiatischen Playern wie Hyundai, Geely oder Nio. Vor allem Hyundai wartete mit einigen Segment-Neuheiten im Kia EV3 auf, darunter Vehicle-to-Grid- und Vehicle-to-Home-Funktionalitäten.
Spannende Systemfragen
Im Bereich der Fahrerassistenzsysteme wurden im Jahr 2024 knapp 100 Innovationen verzeichnet, davon elf aus dem Volkswagen-Konzern und 14 vom chinesischen Hersteller BYD. Über den gesamten Betrachtungszeitraum liegt das Verhältnis jedoch bei 57 zu 31, was den knappen Vorsprung der Wolfsburger erklärt. Die spannendsten Weltneuheiten mit Potenzial für autonomes Fahren kommen allerdings von BYD: Im Bereich Level 2+ wird das System Navigate-on-Autopilot vom Stadtverkehr bis zur Autobahn angeboten, etwa in den Modellen Han und Seal auf dem chinesischen Markt. Volkswagen hingegen setzt bei den eigenen Weltneuheiten stärker auf Lichttechnologien, wie zum Beispiel das digitale Matrixlicht mit Projektionsfunktion, das im Cupra Terramar (Modelljahr 2024) und im Audi A8 (Modelljahr 2022) zum Einsatz kommt.
Erfahrungshorizonte
Rund ein Viertel aller Interface-Innovationen des Jahres 2024 entfallen auf den Volkswagen-Konzern, wobei Audi mit knapp 80 Prozent den größten Anteil stellt. Dank zahlreicher Modellneueinführungen der Marke im vergangenen Jahr konnten viele Neuerungen in unterschiedlichen Segmenten umgesetzt werden, etwa im Audi A5, Audi A6 e-tron und Audi Q6 e-tron. Zu den wichtigsten Innovationen zählen der Audi Assistant, ein lernendes Bedienkonzept, sowie verschiedene Anwendungen zur Außenlicht-Kommunikation, die beispielsweise beim Parken oder zur Warnung des nachfolgenden Verkehrs eingesetzt werden. Bei Interface-Innovation stark war zuletzt auch Mercedes, vor allem durch die Einführung des Hyperscreens oder der Navigationslösung MBUX Augmented Reality. Im Jahr 2024 entfielen zudem zahlreiche Interface-Neuerungen auf den Stellantis-Konzern.
Immer verbunden
Auch im Technologiefeld Connectivity & Infotainment zeigt sich ein ähnliches Bild: Ein Viertel der Serien-Innovationen des Jahres 2024 stammt aus dem Hause Volkswagen, in diesem Fall etwas gleichmäßiger verteilt auf die Marken Audi, Porsche und VW. Bei VW wurden die V2X-Funktionen „Gefahrenwarnung“ und „Einsatzfahrzeugwarnung“ auf zahlreiche Segmente sowie die Modelle ID.4, ID.Buzz, Jetta und Atlas (US-Markt) ausgeweitet. Eine Weltneuheit im Segment der unteren Mittelklasse ist die Möglichkeit, im ID.3 per OTA-Update die Motorleistung zu erhöhen, was sich in verbesserten Beschleunigungswerten bemerkbar macht. Die klassische Fahrzeugvernetzung ist eine deutsche Domäne: Neben VW sind auch Mercedes-Benz und BMW auf dem Treppchen und erreichen zusammen über 680 Innovations-Indexpunkte (IIP) – noch deutlich vor Playern aus China.
Relative Innovationsstärke
Die jungen Wilden
Um die Innovationskraft auch bei weniger volumenstarken Automobilherstellern und insbesondere bei Newcomern sichtbar zu machen, wurde in dieser Ausgabe der CCI-Studie erstmals das Verhältnis von Innovationsstärke zu verkauften Einheiten (pro eine Million Pkw) in den CCI-Index integriert. In dieser Kategorie liegen die beiden chinesischen OEMs Xiaopeng und Nio mit deutlichem Abstand an der Spitze. Das verwundert wenig, gelten die beiden „Auto-Startups“ doch für viele als wesentliche Treiber, wenn es beispielsweise um Fortschritte beim Software-Defined Vehicle geht. Besonders bemerkenswert ist jedoch auch der dritte Platz von Mercedes-Benz: Der schwäbische Traditionshersteller verkauft rund zehnmal so viele Fahrzeuge wie Xiaopeng oder Nio und erreicht dennoch eine vergleichbare Innovationsleistung pro Einheit.
CCI-Index nach Ländern
Klare Verhältnisse
Der Connected-Car-Innovation-Index nach Ländern wird analog zum OEM-Ranking berechnet: Das beste Land – basierend auf den aggregierten Einzelwerten seiner lokalen Hersteller – erhält je Bewertungskriterium 100 Prozent der Punkte, alle anderen werden relativ dazu eingeordnet. Die Gewichtungen entsprechen denen der Hersteller. Aufgrund ihrer Vielzahl liegen chinesische Anbieter mit 93 Prozent klar vorn. Sie erreichen in sieben von zwölf Kriterien Platz eins und liegen in den übrigen meist nahe am Spitzenwert. 64 Prozent der Punkte stammen aus dem Jahr 2024. Deutschland folgt auf Rang zwei mit 58 Prozent, davon 36 aus 2024. Die deutschen OEMs führen in vier Kriterien, darunter den Weltneuheiten. Mit deutlichem Abstand folgen die USA auf Rang drei. Europa (ohne Deutschland), Japan und Südkorea konnten 2024 zwar zulegen, bleiben aber zurück.
Die Urheber der Connected Car Innovation Studie
Center of Automotive Management (CAM)
Stefan Bratzel ist seit 2004 Leiter des Center of Automotive Management und Dozent an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.
Das CAM ist ein unabhängiges wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung.
Der promovierte Politikwissenschaftler ist zudem Verantwortlicher für den Master-Studiengang Automotive Management. Bratzel war zuvor unter anderem Produktmanager beim Automobilhersteller Smart und Programm-Manager bei Quam in München.
Prof. Dr. Stefan Bratzel
Leiter Center of Automotive Management (CAM)

Cisco Systems
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Die Automobilindustrie steht vor einer Zeitenwende. Vernetzung, Software und Daten verändern das Auto schneller und tiefgreifender als jede andere technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Das Fahrzeug wird zum Teil eines digitalen Ökosystems: intelligent, sicher, ständig verbunden und ständig lernend. Diese Transformation eröffnet enorme Chancen, bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich: Wie schaffen wir die Basis für eine zuverlässige, sichere und skalierbare digitale Infrastruktur? Wie gelingt es, Fahrzeuge und Cloud, Produktion und IT, Partner und Kunden in Echtzeit miteinander zu vernetzen? Und wie stellen wir sicher, dass dabei Vertrauen, Datenschutz und Nachhaltigkeit im Zentrum stehen?
Mit der Connected-Car-Innovation-Studie 2025 wollen wir Orientierung geben. Sie zeigt, welche technologischen und geschäftlichen Entwicklungen das vernetzte Fahrzeug prägen und wie Unternehmen diese Dynamik für sich nutzen können. Der Fokus liegt auf praxisnahen Innovationsbeispielen, strategischen Trends und den Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum im Zeitalter der Software-Defined Mobility. Als Cisco sind wir davon überzeugt, dass Connectivity der zentrale Enabler dieser Transformation ist. Wir sehen unsere Rolle darin, die Brücke zwischen IT und OT, zwischen Cloud und Straße, zwischen Technologie und Kundenerlebnis zu schlagen. Gemeinsam mit unseren Partnern in der Automobilindustrie gestalten wir sichere, hoch performante Netzwerke, die nicht nur Daten transportieren, sondern Wertschöpfung ermöglichen.
Diese Studie soll Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern Impulse geben, mutig zu denken, sektorübergreifend zu kooperieren und die Potenziale der Fahrzeugvernetzung konsequent zu nutzen. Denn die Zukunft des Autos wird nicht im Alleingang gestaltet, sie entsteht im Zusammenspiel von Technologie, Partnerschaft und Vision.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Ihr Levar Ussery

Levar Ussery
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Die Branche durchlebt zurzeit einen der größten Technologie- und Strukturwandel ihrer Geschichte – mit enormen Auswirkungen auf die IT-Abteilungen von Herstellern und Zulieferern. Der Weg zum Software-defined Car erfordert nicht nur neue Zuständigkeiten und Prozesse, sondern auch ein ganz anderes Mindset. Die starke Konkurrenz aus der Tech-Branche zwingt die Automobilindustrie zu deutlich höherem Tempo. Diesen Transformationsprozess begleiten wir.
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